Wechsel
Ich sitze im Internetcafe in Bishkek, wo wir fast zu den Stammkunden zaehlten, und kann es kaum glauben, dass das “wir” fuer mich nicht mehr zutrifft. Das heisst 2/3 der Stammkundschaft und der “neue Drittel” sind derzeit unterwegs auf der ca. 15 stuendigen Reise zurueck nach Osh (wo sie die naechste Veloetappe in Angriff nehmen) und ich nehme diese Nacht den Flieger zurueck in die Schweiz.
Die Rueckreise und die Tatsache, dass ich morgen bereits Schweizer Boden betreten werde und nicht mehr mit den anderen unterwegs bin, ist noch sehr unvorstellbar und fremd- in Anbetracht des feinen Kaffees, Christian, etc. aber auch nicht vernichtend
Aber bevor der Alltag mich zurueck hat, gibt es doch noch vieles aus unseren letzten Tagen zu berichten, welche sich sehr spontan und abwechslungsreich gestalteten…
Nach unserem letzten Eintrag in Zalala-Abad ging es fuer ein Wochenende mit Annina, einer ehemaligen Studienfreundin von Annemarie, und Christoph, einem Studi auf Genf, in die Wahlnusswaelder von Arslanbob. Annina und Christoph absolvieren derzeit ihre Praktikas bei Intercooperation und beschaeftigen sich intensiv mit diesen einzigartigen Waeldern. Kein Wunder konnten wir so viel von ihren Fachwissen und Ortskenntnissen profitieren und genossen daneben die kuehle Luft, den Schatten und nicht zuletzt die Moeglichkeit unseren Beinen wieder einmal “freien Auslauf” zu gewaehren (fuer diese heisst das, nicht per Click mit dem Peddal verbunden zu sein…). Neben den Waeldern faszinierten uns vor allem die tollen Berge (aehnlich zur Schweiz) und die Menschen. So wurden uns zum Beispiel in einer(ausschliesslich von Maennern besuchten) Teestube eine riesige Honigmelone aufgetischt.
Nach den erholsamen Bergtagen ging es zurueck nach Zalala-Abad und damit auch in die Hitze. Diese spuerten wir dann auch in den kommenden zwei Tagen in welchen wir nach Osh peddalten. Dafuer wurden wir von einer unglaublichen Landschaft, Mittagsschlaf unter unseren Regenblache und nicht zuletzt von den frischen Wassermelonen, welche uns am Strassenrand offeriert wurden, belohnt. Auch waehrend diesen letzten Tagen in der “alten Formation” konnten wir die riesige Gastfreundschaft der Kirgisen geniessen und nochmals richtig Chai und Chlieb auftanken!
In Osh erwartete uns eine vom Orient gepraegte Grossstadt, von welcher wir durch Veloputzen und Hochzeitkleider kaufen nicht viel zu Gesicht bekamen. Die Fahrraeder hatten diesen Liebesdienst dringends noetig und benoetigten daher auch reichlich Zeit. Dafuer warten sie nun wie neu in einem CBT Guesthouse auf die Weiterreise. Die Hochzeitskleider organisierten wir uns nach einem spontanen Entscheid der Einladung von Kant zu folgen, d.h. an seiner Hochzeit in der Naehe von Bishkek teilzunehmen, auf dem Osh Basar. Es zaehlt zu einem der erlebnisreicheren Kleidereinkaeufe, wenn man nur schon bedenkt, dass 3 Frauen von Kopf bis Fuss einbedeckt werden mussten…
Durch unsere Planaenderung, wartete Marc in Bishkek auf uns und kam nicht wie geplant nach Osh zur “Uebergabe”. Etwas muede nach der langen Fahrt von Osh nach Bishkek trafen wir uns alle am Donnerstag Abend in Stephan’s Wohnung (wo wir bereits bei unserer Ankunft in Bishkek wohnen durften) und schlossen da auch mit unserer Frauenreise ab.
Marc Autenrieth (aus dem Kanton St.Gallen) wird nach meiner Abreise mit Annemarie und Daya zurueck nach Osh reisen und von da mit ihnen und meiner Babuschka durch den Pamir reisen und hoffentlich gut auf die beiden aufpassen
Die naechsten Tage kamen einer “Management team building”- Veranstaltung nahe, waren sehr amuesant, chaotisch und Mahlzeitenreich
Nach dem bereits Aline, die Freundin von Stephan, und wir vier in Bishkek zu Besuch waren, truddelte am Freitag Morgen auch Emma aus Tatschikistan (eigentlich eine Schwedin die in der Schweiz lebt…) ein. Das heisst volles Haus und eine grosse Schweizer Crew, die ab Freitag als Helfer fuer Kanats Hochzeit Einsatz hatte…
Neben Melonen tragen, Schaf schlachten zusehen, Holzhacken, Darmauswaschen (mmmhhh), Darmstopfen (das ergibt dann Wuerst, jaja…), Wassertragen, Wasserkochen, Abwaschen, Balone aufblasen, Gilranden aufhaengen, etc… gab es reichlich Zeit zum Plaudern, Lachen und von vakumierten Schafen traeumen!
Die Hochzeit selber, dass heisst die Eurpaeische (die Moslemische war 2 Wochen davor), beinhaltete neben einem abendteuerlichen Autoausflug (das heisst, die die ein Auto haben fahren neben einander, fahrbahnwechseln und dauerhupend mit lauter Musik rassant durch die Gegend), viel viel Essen, Lobreden und Tanzen alles was dazugehoert. Auch die Vodkaleichen und “Baggermaenner” fehlten nicht…Das Tanzen zaehlte zum absoltuen Highlight, Grossmutter bis Enkelin-Maenner nicht ausgeschlossen- bewegt sich zu lautem russischen und kirgisischen Pop, so dass die Tanzflaeche zu Beginn der Musik randvoll ist- SUPER
Am Tag nach der Hochzeit war bei uns vor allem nach hause fahren, schlafen, essen, schlafen, essen angesagt- wir haben da einen guten Rythmus gefunden…
Der eigentliche Abschied fand dann gestern Abend statt, wo es nochmals richtig Kirgisisch Auswaerts ging (also keine Vegi Gaumenfreude…) und beim anschliessenden Tee die Schweizer Schoggi verschlungen wurde.
Heute morgen standen dann bereits 2 neue Schweizer vor der Tuere und wechselten Daya, Annemarie und Marc aus… Dass heisst uebernahmen deren warmen Betten und schliefen den Jetlag. Sie reisen nun einen Monat mit Stephan und Aline in Kirgistan, Emma geht zurueck zur Arbeit nach Tatschikistan, Annemarie, Daya und Marc sind auf dem Weg nach Osh und ich nun bald im Flieger nach Istanbul… Ziemlich kompliziert, aber sicher dynamisch…