Moderner WahlkampfZeit: Morgen in aller Herrgottsfrüh
Ort: Zug Aarau- Zürich , irgendwo nach Lenzburg

Was:
Eine Dame verteilt Billiete (die wirklich altmodischen, siehe Bild). Kurz darauf höselt ihr ein Mann hinterher. Seine rechte Hand ist bewaffnet mit einem normalen Locher. Sein Auftrag: Allen, die wollen ein Loch ins Ticket machen – so à la Kondukteur.
Etwas verwirrt (wie gesagt, es ist sehr früh am Morgen) betrachte ich das “Geschenk”. Nicht nur draussen, sondern auch mir beginnts zu dämmern: Wahlkampf!

Also, Frau Ammann, aufgrund des Tickets hätte ich doch ein paar Fragen:

  • Sie wollen nach Bern? Wieso verteilen Sie Ihre Propaganda im Zug nach Zürich? Bern liegt in die andere Richtung! Da können Sie noch lange Werbung verteilen, das hilft nichts.
  • Sie schreiben auf Ihrer Homepage Zugfahren sei für Sie Erhohlungszeit. Einverstanden! Aber bitte lassen Sie auch anderen Zugsfahrenden ihre Erholung, im Speziellen mir – so früh am Morgen! Ruhe und Ungestörtheit im Zug am frühen Morgen ist mindestens ein Menschenrecht.
  • Nach Bern wollen Sie via Nationalrat. In dem Fall nur kurz, so im vorbeifahren. Tut mir leid, Eintagsfliegen wähle ich nicht.
  • Sie haben ein Rückfahrtsticket gewählt. Wer aber sagt, dass die Argauerinnen und Aargauer Sie nach 4 weiteren Jahren überhaupt zurück wollen?
  • Ein Zug fährt auf Schienen ohne die Möglichkeit vom eingeschlagenen Weg abzuweichen. Sind Sie zu keinen Kompromissen bereit? Überrollen Sie auf dem Weg voller Kraft alles, was Ihnen in den Weg kommt? Egal ob nach Zürich oder Bern?
  • Wer war eigentlich der Locher hinter Ihnen? Wollen Sie uns wie Kindergärtner behandeln?

Wie dem auch sei, eines muss ich Ihnen lassen: Immerhin etwa Neues, schon fast Innovatives. Und mit Anstand – eher ein seltenes Bild in diesem Wahlkampf. Das Timing (es gibt wirklich schöneres, als am Morgen früh an das Wahlkampfdebakel erinnert zu werden) und die Geografie sind noch Verbesserungswürdig.

Und psst!! Ich glaube ich habe Sie schon vor ein paar Tagen gewählt, sogar kummuliert. Aber auf einer SP-Liste! Nicht weitersagen!

PS: Ja, ich bin mir bewusst, dass ich jetzt gerade (un)freiwillig Werbung für Sie gemacht habe… Aber diesen Blog liest sowieso niemand.