Eine Woche vor dem Jungfrau Marathon habe ich noch nicht im Entferntesten daran gedacht, diesen zu machen. Ich war voll auf den Powerman Zofingen fokussiert, der mein Saisonhöhepunkt hätte werden sollen. Ich habe zwar in meinem Leben schon zwei Bergläufe gemacht und ich habe beide in positiver Erinnerung. Aber ich wollte mich jetzt zuerst noch auf Triathlon- und Duathlon-Wettkämpfe konzentrieren und erst in ein paar Jahren mal einen Bergmarathon in Angriff nehmen. Aber so schnell kann es gehen. Der Powerman Zofingen wurde eine grosse Enttäuschung, weil ich wegen einem platten Reifen den Wettkampf aufgeben musste. Zum Saisonabschluss musste ich mir da schon noch eine neue Herausforderung suchen.
Kurz nach dem unglücklichen Ausscheiden am Powerman habe ich Stephan Wenk angetroffen, der als Zuschauer in Zofingen dabei war. Er gehört zu den besten Bergläufern in der Schweiz und hatte den Jungfrau Marathon als nächstes grosses Ziel. Er musste mich gar nicht dazu überreden, auch nach Interlaken zu kommen. Es war sofort beschlossene Sache. Ich musste mich jetzt nur noch um einen Startplatz bemühen. Dies war aber gar nicht so schwierig. Ich besuchte am Tag darauf die Börse auf der Homepage des Jungfrau-Marathons und bekam dort den Startplatz von Uli Wagner aus Ingolstadt. Er hatte den Jungfrau Marathon bereits 15mal absolviert, aber eine Verletzung hinderte ihn dieses Jahr daran, den schönsten Marathon der Welt zum 16ten Mal zu laufen. Ich wünsche ihm auf diesem Weg gute Besserung.
Obwohl ich beim Powerman Zofingen nur 10 Kilometer gelaufen und 95 km Rad gefahren bin, hatte ich letzte Woche recht viel Muskelkater und ich brauchte ein paar Tage bis ich mich von dieser Wettkampfbelastung erholt habe. Aber ich fühlte mich je länger desto besser und als ich am Samstagmorgen früh um 5:30 Uhr nach Interlaken reiste, war ich sehr zuversichtlich, ein gutes Rennen zu machen.
Ich habe mir für das Rennen nicht eine bestimmte Zeit vorgenommen. Einigen Freunden habe ich zwar gesagt, dass ich mit 3:30 Stunden rechne. Aber das war mehr eine Prognose als ein Ziel. Da es erst mein dritter Berglauf überhaupt war, konnte ich mich nicht auf eine bestimmte Schlusszeit festlegen. Viel mehr wollte ich mich ganz nach dem Gefühl richten. Deshalb habe ich auch keine Uhr mitgenommen.
In Interlaken hatte es entlang der Laufstrecke viele Zuschauer und die Stimmung war grossartig. So beginnt man gerne einen Wettkampf. Die erste Hälfte des Marathons ist noch fast flach und hat nur gerade 200 Höhenmeter. Ich versuchte ungefähr mit 4 Minuten pro Kilometer zu laufen. Offenbar hatte ich ein sehr gutes Gefühl für dieses Tempo, denn ich bin – wie sich später heraus stellte – bis Kilometer 21.1 fast auf die Sekunde genau den 4er-Schnitt gelaufen und lag damit auf Rang 33.
Erst nach 26 Kilometer geht es richtig bergauf. Im Gegensatz zu einigen Läufern vor mir, bin ich den steilen Weg nach Wengen hinauf alles gerannt, wie auch die spätere Siegerin aus Frankreich, die mir schon seit den ersten Kilometern auf den Fersen war. Wir konnten bis Wengen einige Läufer überholen. Bis hier lief es grossartig. Aber ich machte einen Fehler, der sich dann erst später auswirkte. Es gab ab Wengen weniger Verpflegungsstellen, als ich erwartet habe. Ganz so genau hatte ich die Standorte nicht studiert. Bereits ein bisschen dehydriert rannte ich weiter und hoffte, dass die nächste Station möglichst bald kommt. Als dann endlich eine Verpflegungsstation kam, nahm ich mir leider nicht die Zeit, wirklich genug zu mir zu nehmen um das Defizit zu beheben. Bei einem Langdistanztriathlon nehme ich bis zu 120 g Kohlenhydrate pro Stunde zu mir. Nun waren es etwa so viele in zwei Stunden. Das muss ich beim nächsten Mal besser machen.
Bis Kilometer 38 ging es noch gut. Dort gab es eine grosse Uhr und ich sah, dass ich erst drei Stunden unterwegs war. Da dachte ich, es sollte nun wirklich kein Problem mehr sein, nach 3:30 Stunden im Ziel zu sein. Aber es wurde hier nochmals richtig steil. Ich hatte plötzlich keine Kraft mehr in den Beinen. Noch schlimmer: Es wurde mir schwindlig und zeitweise sogar schwarz vor den Augen. So schnell kann das gehen. Ich kämpfte mich so gut es ging die berühmte Moräne hoch, wurde dabei aber von einigen anderen Läufern überholt. Es gibt kaum einen Wettkampf, bei dem mir dies passiert ist. Sonst kann ich fast immer auf den letzten Kilometern noch Plätze gut machen. Dieses Mal war es nun umgekehrt.
Die Bergkulisse war wunderschön, aber ich fühlte mich sehr schwach und kraftlos. Irgendwie habe ich es dann aber doch noch auf die Moräne hinauf geschafft. Jetzt war es bis zum Ziel wirklich nicht mehr weit. Ich freute mich, dass es am Schluss noch bergab ging. Das war zu machen. Nach 3:32 Stunden und auf dem 26. Platz lief ich glücklich über die Ziellinie. Stephan Wenk war bereits im Ziel. Mit einer Zeit von 3:11 Stunden kam er auf den 8. Platz und war damit bester Schweizer.
Alles in allem war ich mit meiner Leistung zufrieden. Bis auf die letzten fünf Kilometer ist alles nach Wunsch gelaufen. Der Einbruch wenige Kilometer vor Schluss wäre wohl mit etwas mehr Disziplin bei der Verpflegung vermeidbar gewesen. Aber vielleicht darf ich – da es das erste Mal war – darüber hinwegsehen. Auf jeden Fall war es ein tolles Erlebnis. Das Wetter war perfekt und die Bergwelt bot sowieso eine phantastische Kulisse. Es hat sich gelohnt, mich kurzfristig noch für den Marathon anzumelden. So kam ich noch zu einem schönen und versöhnlichen Saisonabschluss.




















































































































