Der “Grand Magal”, dieses Jahr am 26. Februar ist der Geburtstag der Rückkehr nach Touba von Cheikh Amadou Bamba (1853-1927) aus dem Exil in Gabon und Mauretanien. Cheikh Amadou Bamba ist der Gründer der Muridiyya (le mouridisme), einer muslimischen Brüderschaft, welche stark von der afrikanischen Kultur (v.a. Volk der Wolof) geprägt ist. Die Anhänger der Muridiyya versuchen Gott durch schwere körperliche Arbeit, oft auf Erdnussfeldern, näher zu kommen.
Die Muridiyya wurde 1883 von Amadou Bamba in Senegal gegründet und heute haben die Muriden in Senegal eine grosse wirtschaftliche und politische Wichtigkeit. Man sagt ein Wahlergebnis kann gut von den Empfehlungen der hohen Heiligen abhängen. Bekanntester Schüler von Cheikh Amadou Bamba war Ibrahima Fall, Gründer der Brüderschaft Baye Fall, welchen Ndiouga angehört. Die Baye Fall nähern sich der Lebensweise der Rasta, haben jedoch eine stärker religiöse Kultur.
(Infos z.T. von Wikipedia, ich hoffe sie entsprechen der Wahrheit)
Touba liegt 150 km östlich von Dakar und besitzt eine riesige, wirklich beeindruckende Moschee. Dank dem hohen Wert der körperlichen Arbeit wird die Moschee bis heute ständig vergrössert und verschönert und die heilige Stadt hat einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt.
Moschee von Touba (die grösste in Schwarzafrika):

Die Reise nach Touba war beeindruckend. Und seehr anstrengend! Für die 150 km brauchten wir ca. 6 Stunden. Und obwohl ich bei jemandem im Auto mitfahren konnte – die gemütlichen Intercitys mit Klimaanlage haben mir gefehlt! Die Hinfahrt machten wir in der Nacht, die Rückfahrt am Tag. Kilometerlange Staus (ca. 2 Millionen Personen fahren an den Magal), eine menschenleere Landschaft, kleine Dörfer, Marktstände entlang der Strasse, überfüllte Lastwagen, “Dinge” auf Rädern da alles was rollen kann Richtung Touba unterwegs ist, beängstigende Unfälle
und HitzeHitzeHitze.
Boulangerie am Strassenrand:

Suche nach Erfrischung:

Nicht alle hatten das Privileg so komfortabel zu reisen wie ich:

Nach einem Besuch der Moschee um 4 Uhr morgens (da es zu dieser Zeit noch nicht so viele Besucher hat), haben wir den Rest des Tages mit Rumsitzen, Essen, Tee trinken, Schlafen und Diskutieren verbracht. Es war wirklich gemütlich und wir wurden reichlich verwöhnt von der Familie bei der wir wohnten. Ein Murid soll für den Magal alles was er während dem Jahr gewonnen hat für seine Gäste ausgeben. In der ganzen Stadt werden also die Türen geöffnet und man kann wohnen und essen wo man will. Die Téranga (Gastfreundschaft) der Senegalesen war denn auch umwerfend! Ich glaube ich esse jetzt eine Woche lang nichts
Nems und Madeleines mitten in der Nacht:

FleischFleischFleisch – vor dem Haus frisch geschlachtet:

Frühstück auf der Terrasse (nein, natürlich nicht alles für mich!):

Dresscode in Touba, von Ngotti ausgeliehen:

Spaziergang auf den sandigen Strassen, links die kriminell fahrenden Ndiaga Ndiayes:

Alles in allem habe ich einen interessanten Ausflug nach Touba erlebt. Die Reise war anstrengend, aber im Vergleich zu anderen Reisearten komfortabel. Der Besuch in der Moschee und beim Marabout waren sehr spannend, meine Begeisterung für die Anbetung von heiligen Männern, nur weil sie von der Familie des Cheikh Amadou Bambas abstammen, hält sich jedoch in Grenzen. Und es macht einen komischen Eindruck auf mich, wenn neben den riesigen Gräbern, die den Cheikhs und ihren Nachfahren gebaut wurden, Männer sitzen, die das von den Anhängern gesammelte Geld zählen. Die Menschen sind umwerfend freundlich und die Blicke auf die Weisse in senegalesischem Gewand unzählbar
. Jetzt bin ich froh wieder zurück an der Meeresbise zu sein und die Möglichkeit zu haben auch mal ein Gemüse zu essen.
Bald gibts mehr – geniesst die Kälte!
Chrigä