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Die Dienstleistungen der künftigen Swiss Library Service Platform: eine erste Annäherung

(Dr. Christian Oesterheld & Alexandra Müller)

Welche Services wird die künftige Swiss Library Service Platform (SLSP) anbieten? Das Teilprojekt 1 (Dienstleistungen und Geschäftsmodell) hat ein Portfolio aller potenziellen Dienstleistungen erstellt.

Eine wichtige Aufgabe des Teilprojekts 1 (Dienstleistungen und Geschäftsmodell) ist es, die möglichen Dienstleistungen der künftigen Serviceplattform zu beschreiben. Dabei spielen auch Strukturfragen eine Rolle: Wie werden diese Dienstleistungen verteilt? Wer kann sie beziehen? Wie werden sie finanziert?

Die Kunden, die diese SLSP-Services in Anspruch nehmen, werden die Bibliotheken sein, nicht direkt die Bibliotheksbenutzerinnen und -benutzer. Sie sollen jedoch schliesslich davon profitieren. Bei der Gestaltung des Dienstleistungsportfolios startete das Teilprojekt 1 sozusagen auf der grünen Wiese. Wir wollten nicht nur Dienstleistungen ins Portfolio aufnehmen, die heute schon benötigt und erbracht werden, sondern auch solche, die erst in Zukunft relevant sein dürften.

So haben wir in einer breit angelegten Perspektive aktueller und künftiger Anforderungen bisher 44 Dienstleistungen für die Swiss Library Service Platform definiert. Diese reichen von der Administration und Koordination der Plattform über Aufgaben des Metadatenmanagements bis zur zentralen Lösung für die Langzeitarchivierung. Damit diese Dienstleistungen auch technisch umgesetzt werden können, arbeiten wir mit dem Teilprojekt 3 (Prozesse und IT-Anforderungen) zusammen.

Bei der Definition der Services zeigte sich, dass es unterschiedliche Dimensionen zu berücksichtigen gilt:

  • Es gibt Dienstleistungen, die mithilfe des zentralen Bibliothekssystems erbracht werden, und solche, die unabhängig vom System bereitgestellt werden – sei es mit sogenannten „Umsystemen“ (z.B. Publishing-Plattform), sei es ohne eine spezifische technische Basis (z.B. Beratungs- oder Ausbildungsangebote).
  • Bestimmte Services müssen für den Betriebsstart der SLSP zur Verfügung stehen, andere können zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden, sobald der Basisbetrieb stabil läuft.
  • Einige Services werden einmalig erbracht (z.B. wenn eine Bibliothek neu Kunde wird), andere müssen kontinuierlich bereitgestellt werden.
  • Bestimmte Dienstleistungen werden von allen Kunden benötigt, andere nur von einzelnen. Diese Unterscheidung muss auch beim Finanzierungsmodell berücksichtigt werden, das wir demnächst erarbeiten werden.

Im Teilprojekt haben wir uns dafür entschieden, Services oder Dienstleistungen in einem weiteren Sinne als Tätigkeitsfeld von SLSP zu verstehen. So bezeichnen wir auch Infrastruktur- und Standardisierungsaktivitäten, die der gesamten Community der Schweizer Wissenschaftlichen Bibliotheken dienen sollen, als Services.

Bei der Erarbeitung der Dienstleistungen wurde immer wieder das Thema der Mehrsprachigkeit diskutiert. Die – zweisprachige – Teilprojektgruppe war sich einig, dass die Mehrsprachigkeit bei vielen Services eine zentrale Rolle spielen wird. Für die tägliche Arbeit müssen Informationen, Regelwerke, Schulungsunterlagen usw. auf Deutsch und Französisch, vielleicht auch auf Italienisch vorhanden sein. Deshalb erachtet das Teilprojekt die Mehrsprachigkeit nicht als eigenen Service, sondern als Grundvoraussetzung für SLSP-Dienstleistungen.

Ähnliches gilt für Standards: Die Vereinbarung gemeinsamer Standards und – zumindest teilweise – gemeinsamer Prozesse ist ein Kernelement der Vision einer Library Service Platform. Synergien entstehen, wenn z. B. Katalogisierungsregelwerke, Datenformate, die Benutzerdatenverwaltung, Ausleihkonditionen und Endkundentarife weitgehend harmonisiert werden. Durch einheitlich gestaltete Kernprozesse werden in den Bibliotheken Ressourcen frei. Gleichzeitig erhöht ein einheitliches Erscheinungsbild die Attraktivität der Informationsangebote und vereinfacht den Zugang für Endnutzerinnen und nutzer zu den Diensten.

Bei dieser ersten Fassung des Portfolios konnten die Ergebnisse der Bedarfserhebung bei den Schweizer Hochschulbibliotheken noch nicht berücksichtigt werden, da zum Zeitpunkt der Erarbeitung noch nicht alle Antworten vorlagen. Die Auswertung der Umfrage wird in den detaillierten Dienstleistungskatalog einfliessen. Das Teilprojekt 1 wird diesen im Frühling 2016 ausarbeiten.