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Blick über die Grenze nach Österreich

(Alice Keller)

Vom 21.-23. Februar war Alice Keller an der Inetbib-ODOK ’18 in Wien und hat die Gelegenheit genutzt, um Kontakte zu den Österreichischen Kollegen zu knüpfen, die im Moment daran sind, Alma als Verbundlösung zu implementieren.

Das Österreicher Alma Implementationsprojekt ist für uns in der Schweiz ein sehr wichtiges Referenzprojekt, da es in vielen Bereichen sehr ähnlich zu SLSP ist. Allerdings ist das Schweizer Projekt um einiges ambitionierter (z.B. Mehrsprachigkeit, Document Delivery, zentrale Benutzerdatei, Dedublierung sowie gleichzeitiger Einbezug so vieler, auch sehr kleiner, eigenständiger Bibliotheken).

In Österreich wurde in zwei Kohorten migriert – wobei alle Bibliotheken vorher mit Aleph arbeiteten. Kohorte 1 umfasste 6 Hochschulen, Kohorte 2 weitere 7 Hochschulen. Zusätzlich dazu findet auch auf Verbundebene ein Wechsel von Aleph auf Alma statt. An Ostern erfolgt auf dieser zentralen Ebene die „Eingemeindung“ aller verteilter Alma Institution Zones in die gemeinsame Network Zone; also in einen Zentralkatalog für die bibliographischen Daten.

Geleitet wurde das Projekt von der obvsg, der Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH. Während diese Zentrale v.a. mit der Koordination und der Implementierung des Systems im Ganzen absorbiert war, lief die lokale Vorbereitung des Wechsels von Aleph auf Alma über die einzelnen Einrichtungen. An den Universitäten gab es Functional Experts (FEx), die für die einzelnen Funktionalitäten verantwortlich waren. Allerdings wurden diese von Ex Libris nur relativ rudimentär geschult und mussten dann im Einzelnen selber herausfinden, was wie funktionierte.

Als „Dachgruppe“ für die FEx diente die zentrale Alma Implementierung Schulungsgruppe, die v.a. mit dem Testen der Daten und Workflows, Abnahmetests und Dokumentationen beschäftigt war. Zur Schulungsgruppe gehörte jeweils eine Person pro Einrichtung. Die Schulungsunterlagen wurden von der österreichischen Schulungsgruppe für beide Kohorten auf Deutsch zur Verfügung gestellt, da Ex Libris leider nur englischsprachige Unterlagen liefert.

Jede Universität stellte je zwei Functional Experts zu folgenden Funktionen zur Verfügung: Daten, Entlehnungen, Fernleihe, öffentliche Services, E-Ressourcen, Erwerbung, Katalogisierung, Zeitschriften. Alle FEx waren untereinander in Expertengruppen vernetzt und arbeiteten eng mit den Schulungsgruppen zusammen.

Diese lokale Ebene habe sehr selbstständig agiert, teilweise mit massivem lokalem Aufwand. (SLSP plant einen stärker zentralisierten Ansatz, indem mehr Vorbereitungen über die SLSP-Geschäftsstelle oder die jetzigen Verbünde laufen. Wobei man dann sehen wird, wie viel Ressourcen überhaupt zentral zur Verfügung stehen, bzw. welche Arbeiten dann zwingendermassen lokal gemacht werden müssen.)

Mich interessierten natürlich v.a. die Vertragsverhandlungen mit Ex Libris, weil dies momentan der Schritt ist, mit dem ich intensiv beschäftigt bin. Im Gegensatz zur Schweiz, erfolgten in Österreich Zuschlag und Vertragsunterzeichnung gleichzeitig. Dieser Zuschlag zog sich entsprechend auch über zwei Jahre hin. Wichtig ist laut meinen Gesprächspartnern die Unterscheidung zwischen Notwendigkeit und Gewohnheit. Während Österreich bei den Notwendigkeiten sehr hart verhandelte, mussten viele Gewohnheiten der Bibliotheken zurückgestellt werden.

Österreichische Nationalbibliothek mit Schneehäubchen – auch in Wien war es bitterkalt!

Bei der Ausschreibung in Österreich waren 14 Auftraggeber beteiligt (in der Schweiz sind es 15 Aktionärsbibliotheken). Diese verfügen alle je über eine eigene Institutional Zone (IZ). Diese IZ werden nun an Ostern zu einer gemeinsamen Network Zone (NZ) zusammengefasst, so dass ein Zentralkatalog entsteht. Dedublierung ist, im Gegensatz zur Schweiz, kein so wichtiges Thema, da die Bibliotheken bereits jetzt für die Aufnahmen national eindeutige Identifikationsnummern nutzen. Die weiteren 56 Verbundbibliotheken in Österreich können dann auf Wunsch auch auf Alma wechseln und erhalten je eine eigene IZ. Insgesamt sind total max. 70 IZ geplant. (Wie die Topologie in der Schweiz aussehen wird – d.h. wie viele Institutional Zones es geben wird –, ist noch unklar und wird während der Konzeptionsphase mit Ex Libris besprochen. Bereits jetzt ist mir klar, dass die Schweiz einen zentraleren Ansatz wünscht als Österreich, damit auch mehr nationale Dienste über die Plattform angeboten werden können).

Teil des Österreicher Vertrags waren zahlreiche Anforderungen für Produktentwicklungen. Laut meinen Gesprächspartner gab/gibt es im Prozess viele „grüne“ oder „gelbgrüne Bananen“. Und man hat auch nicht alles erhalten, was man wünschte bzw. von Ex Libris in Aussicht gestellt wurde. Aber am Ende muss und kann man damit leben. Bei der Implementierung wurden auch viele „Bugs“ in Alma gefunden und gemeldet. So wird die Schweiz von den Erfahrungen und Arbeiten der Österreicher profitieren können.

Wichtig ist der Vermerk, dass Passwörter aus Datenschutzgründen nicht mehr in Alma gespeichert werden können/dürfen. Das kam für Österreich relativ überraschend und es mussten andere Lösungen gefunden werden. Insbesondere bei Nicht-Hochschulangehörigen war/ist das ein Problem. (Es gibt im Gegensatz zur Schweiz keine gemeinsame Nutzerdatei. Das ist in Österreich aus Datenschutzgründen auch nicht möglich. Man ist sehr überrascht, dass das in der Schweiz möglich ist. Auch die Ausleihhistorie darf in Österreich ohne explizite Zustimmung des Nutzers nicht gespeichert werden.)

Im Vortrag von Markus Lackner, UB Graz, wurde klar, wie gross der Aufwand für die einzelne Bibliothek gewesen war. Die UB Graz war in der Kohorte 2 und ging am 12.01.18 live. Aus seiner Sicht ist es wichtig, dass die funktionalen Experten und Mitglieder der Schulungsgruppen von den Tagesarbeiten möglichst befreit werden, damit sie sich über einige Monate ausschliesslich dieser sehr anspruchsvollen Arbeit widmen können. Gleichzeitig muss man sagen, dass diese Frist der intensiven Vorbereitung relativ kurz ist. Aus den Datenangaben schien mir, dass Herr Lackner während ca. 4-6 Monaten so stark beansprucht war. Trotz des grossen Aufwandes ist er mit dem neuen System recht zufrieden und fand die Arbeit offenbar auch sehr bereichernd. Und wie oben bereits erwähnt, sollen in der Schweiz die SLSP-Geschäftsstelle und Verbünde mehr Vorbereitungsarbeiten übernehmen.

SLSP an der RERO-Jahrestagung 2016

(Miguel Moreira)

DSC_1226Am 2. Juni 2016 fand in der Aula Magna der Universität Freiburg zum zehnten Mal die «Journée RERO» statt. Ein Teil des Programms war diesmal der Vorstellung der Arbeiten von SLSP für die Bibliotheksmitarbeitenden aus dem RERO-Verbund gewidmet.

Mehrere Mitarbeitende aus dem Projekt SLSP haben sich an dieser Vorstellung beteiligt:

  • Allgemeine Einleitung: Margareta Baddeley, Präsidentin des Steuerungsgremiums
  • Teilprojekt 1 Dienstleistungen und Geschäftsmodell: Christian Oesterheld, Teilprojektleiter
  • Teilprojekt 2 Organisation und Governance: Martin Kasser, Teilprojektleiter
  • Teilprojekt 3 Prozesse und IT-Anforderungen: Pierre Buntschu, Mitarbeiter im Teilprojekt

DSC_1192_02Die künftige Plattform SLSP hat einen hohen Stellenwert für die Zukunft von RERO, da davon auszugehen ist, dass die Mehrzahl der Bibliotheken des aktuellen Verbunds schliesslich in SLSP integriert werden wird. Dieses Szenario haben die politischen und strategischen Instanzen von RERO im Jahr 2015 als Resultat ihrer Überlegungen empfohlen. Übrigens: Ein Teil der RERO-Bibliotheken wie auch die RERO-Verbundzentrale beteiligen sich direkt an den laufenden Arbeiten von SLSP.
Die diesjährige RERO-Tagung bot eine ideale Gelegenheit, um die Mitarbeitenden aus den Bibliotheken des Réseau Romand über den aktuellen Stand des Projekts und die künftigen Entwicklungen zu informieren.
DSC_1172In der Konsequenz der für die nächsten Jahre zu erwartenden Entwicklungen bleiben für RERO essentielle Fragen, wie die Suche nach Lösungen für diejenigen Bibliotheken, welche nicht an SLSP teilnehmen werden, die Zukunft der RERO-Verbundzentrale, aber auch die Gestaltung der Übergangsphase und des Migrationsprozesses in die neue Umgebung. Diese Aspekte, die gegenwärtig untersucht werden, wurden in der Diskussion zwischen den Referierenden und dem Publikum aufgegriffen.

Im ersten Teil des Programms hielt der Hauptredner, Prof. Dr. Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, einen Vortrag zum Thema „Next Generation Library Systems“. Er skizzierte Vorteile und Chancen, aber auch Risiken und Herausforderungen, welche mit den neuen, cloud-basierten Bibliothekssystemen verbunden sind. Zudem ging er auf den Abschluss des deutschen Projekts „Cloudbasierte Infrastruktur für Bibliotheksdaten“ (CIB) ein.

Miguel Moreira, Directeur RERO, membre du sous-projet Prestations et modele d’affaires de SLSP
(Übersetzung: Iris Capatt und Christian Oesterheld)

Das Programm, die Präsentationen und Fotos sind auf der Veranstaltungswebseite aufgeschaltet.

Keynote Speech über SLSP an der NEBIS-Verbundtagung 2016

Projektleiter Dr. W. Neubauer berichtet an der diesjährigen NEBIS-Verbundtagung am 16. Juni in einem rund einstündigen Keynote-Referat über den aktuellen Stand und die Entwicklungen im Projekt Swiss Library Service Platform SLSP .

Présentation à la 10e Journée RERO

Présentation du développement et état d’avancement du projet de coopération SLSP:

  • Introduction, par Margareta Baddeley, Présidente du Comité de Pilotage SLSP
  • Lot de travaux LT1: Prestations de services et modèle d’affaires par Christian Oesterheld, Chef du sous-projet LT1
  • Lot de travaux LT2: Organisation et gouvernance, par Martin Kasser, Chef du sous-projet LT2
  • Lot de travaux LT3: Processus et exigences informatiques par Pierre Buntschu, Participant au sous-projet LT3

Referat anlässlich der 10e Journée RERO in Fribourg

(Iris Capatt)

logo_rero2Heute Nachmittag berichten anlässlich der 10e Journée RERO in Fribourg Prof. Dr. Margareta Baddeley (Präsidentin des Steuerungsgremiums SLSP), Dr. Christian Oesterheld (Teilprojektleiter TP1), Martin Kasser (Teilprojektleiter TP2) und Pierre Buntschu (Mitarbeiter TP3) über den Stand im Projekt und die laufenden Arbeiten in den einzelnen Teilprojekten.

Erfahren Sie mehr zur Veranstaltung

 

Aufbruchstimmung in der NEBIS-Verbundzentrale

(Jürgen Küssow)

NEBIS-iconsmallSchon bevor das Projekt Swiss Library Service Platform (SLSP) auf den Weg geschickt wurde, standen für die NEBIS-Verbundzentrale (NVZ) alle Zeichen auf Veränderung. Veränderung ist dabei in den vergangenen Jahren praktisch zu einer Konstante für die Verbundzentrale und den NEBIS-Verbund geworden, dem grössten Bibliotheksverbund der Schweiz. Bereits 2012/2013 führte die Aufnahme des Bibliotheksverbunds der Universität Zürich (Projekt INUIT) zu einer Umstrukturierung des NEBIS mit angepassten Entscheidungsebenen und neuen Gremien zur Repräsentation der Mitglieder und der strategischen Führung des Verbunds. Als Folge wurden die Prozesse im NEBIS auf die erweiterte Situation angepasst, die Verbundzentrale vergrössert und mit neuen Personen besetzt. Einen zusätzlichen Schub brachte im Frühjahr 2014 die Ankündigung des zweitgrössten schweizerischen Bibliotheksverbunds IDS Basel/Bern, dem NEBIS beitreten zu wollen.

Der „frische Wind“ in der NVZ sowie die Fusionserfahrungen aus den vergangenen Jahren und die Multilingualität im NEBIS mit einem beträchtlichen Anteil nicht-deutschsprachiger Bibliotheken kann nun gewinnbringend zur erfolgreichen Durchführung des Projekts SLSP eingebracht werden, in dem Teammitglieder der NVZ direkt beteiligt sind. Die in der NVZ herrschende zukunftsorientierte Dynamik wird entscheidend durch die Zusammensetzung des Teams getragen. Es wurde in den vergangenen zwei Jahren systematisch auf junge Kräfte gesetzt, die zusammen mit erfahrenen Bibliothekaren für ein neues Profil der Verbundzentrale und einer modernen innovativen Servicekultur sorgen. In dem Masse wie die NVZ sich in den vergangen zwei Jahren neu positioniert hat, wurde von Anfang an das NEBIS-Verbundteam von einer Begeisterung für SLSP und die Teilhabe an der Ausarbeitung der zukünftigen schweizerischen Verbundlandschaft getragen. Alleine diese hohe Motivation in der NVZ trägt einen grossen Anteil an den bisherigen durchweg positiven Erfahrungen im Projekt SLSP und sorgt für grosse Zuversicht innerhalb der NVZ, die Zukunft in SLSP erfolgreich mitzugestalten. Wir schauen daher gebannt auf die kommenden Monate, in denen SLSP zunehmend Gestalt annehmen wird und hoffen, dass unsere Begeisterung SLSP weiterhin zum Fliegen verhilft.