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Informationsveranstaltung vom 6. Juli 2018

Am Freitag 6. Juli 2018 hat in Bern eine Informationsveranstaltung von SLSP stattgefunden. Jürgen Küssow, Thomas Marty, Alice Keller und Peter Wildhaber beantworten Fragen.

Nachdem Verwaltungsratspräsident Martin Kasser die Teilnehmenden begrüsst hat, stellte sich Peter Wildhaber, der neue Direktor der SLSP Geschäftsstelle, vor. Alice Keller zeigte auf, wie sich die Kunden- und Geschäftsbeziehungen zwischen dem Anbieter, SLSP und den Kunden gestalten werden. Anschliessend erklärte Jürgen Küssow die Projektorganisation, Planung und Topologie zur Implementierung des neuen Bibliothekssystems. Zum Schluss erläuterte Thomas Marty die Kosten und den Finanzierungsmechanismus von SLSP.

Dokumente zur Informationsveranstaltung:

Expertengespräch zur Realisierung der Serviceplattform SLSP

(Dr. Wolfram Neubauer)

Mit dem konkreten Beginn der eigentlichen Realisierungsphase am 1. März 2018, hat das Projekt SLSP einen weiteren Meilenstein erreicht:
Die Geschäftsstelle von SLSP befindet sich im Aufbau, die organisatorischen und administrativen Rahmenbedingungen sind in Arbeit, ein weiterer Förderantrag bei swissuniversities wurde fristgerecht eingereicht und die Verhandlungen mit dem Anbieter Ex Libris haben begonnen. Die aktuellen Planungen sehen vor, dass die Vertragsunterzeichnung im Juli erfolgen sollte, um zum 1. August 2018 die sog. Getting Ready-Phase beginnen zu können.

Wie stehen somit am Beginn der eigentlichen «bibliothekarischen Phase» des Gesamtprojektes SLSP, das im August 2015 gestartet wurde und Anfang 2021 mit der Aufnahme des Echtbetriebes erfolgreich abgeschlossen werden soll.

Nach Meinung der Projektleitung ist dieser Zeitpunkt deshalb eine sehr gute Gelegenheit innezuhalten, die Projektplanung für die nächsten Monate und Jahre zu überprüfen und die Rollenverteilung zwischen der Geschäftsstelle von SLSP, den heutigen Verbünden sowie den einzelnen Bibliotheken zu klären.

Um hier zu qualifizierten Entscheidungen zu kommen, ist es sinnvoll und nützlich, die Erfahrungen und Erkenntnisse anderer, vergleichbarer oder ähnlicher Projekte aus dem In- und Ausland einzubeziehen. Hier kommt in erster Linie das Beispiel des Österreichischen Bibliothekenverbundes ins Spiel, da die dortige Situation vor allem hinsichtlich der Systemarchitektur grosse Ähnlichkeiten aufweist.

Aus diesem Grunde wurde von der Projektleitung für den 17.04.2018 ein Expertengespräch organisiert, zu dem zwei Kolleginnen aus Österreich und ein französischsprachiger Kollege aus Belgien eingeladen waren. Erklärtes Ziel war es hierbei, auf Basis ihrer Präsentationen Erfahrungen auszutauschen, mögliche Risiken zu erkennen und gegebenenfalls Anpassungen bei der weiteren Projektplanung von SLSP zu initiieren.

Eingeladen waren hierzu Bibliotheksvertreter aller Aktionäre der SLSP AG, also die Mitglieder des zukünftigen Beirates, dann die Kolleginnen und Kollegen im IT-Projektteam sowie die Mitglieder der Verhandlungsdelegation. Selbstverständlich waren auch die Mitglieder des Verwaltungsrates zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Verwaltungsratspräsident Martin Kasser begrüsst die Teilnehmenden des Erfahrungsaustauschs

Erfahrungsberichte aus Österreich und Belgien

Silvia Köpf von der Wirtschaftsuniversität Wien berichtete von der komplexen und intensiven Arbeit als Koordinationsperson für die erste Gruppe der sechs zu migrierenden Bibliotheken ins System Alma, wobei schnell klar wurde, dass sich die Situation hier deshalb etwas anders darstellt als in der Schweiz, als in Österreich bisher jede Universitätsbibliothek eine eigene Aleph-Datenbank pflegte und die Datenmigration pro Bibliothek erfolgt. Sozusagen als Schirm darüber steht dann der gemeinsame Verbundkatalog, der alle bibliographischen Daten der Bibliotheken enthält und als letztes migriert wird. Überdeutlich wurde durch diese Präsentation auch, dass vor allem der Koordinationsaufwand der verschiedenen Arbeitsgruppen und Gruppen von sog. functional experts (d.h. Experten zu sieben definierten Fachgebieten) aus den beteiligten Bibliotheken einen erheblichen, vor allem personellen Aufwand darstellt. Diese Erfahrung ist aus Sicht der Projektleitung direkt auf SLSP übertragbar und sollte bei allen Planungen unbedingt berücksichtigt werden.

Marion Kaufer von der Universitätsbibliothek Innsbruck widmete sich in ihren Ausführungen primär dem Thema Schulungen, da hiervon erfahrungsgemäss der Erfolg einer Implementierung einer neuen Bibliotheksapplikation ganz wesentlich abhängt. Die österreichischen Kolleginnen und Kollegen haben hierzu ein umfangreiches und sehr umfassendes Schulungskonzept entwickelt. Interessant war hier die Kombination von Online- und Präsenzschulungen, jeweils angepasst an die lokalen Bedürfnisse. Hierzu wurde eine Schulungsgruppe installiert, in welcher alle beteiligten Institutionen (insgesamt 13 Institutionen) vertreten waren und welche die unterschiedlichen Schulungsmaterialien erarbeitete. Dies erfolgte naturgemäss in Abstimmung mit dem Schulungskonzept von Ex Libris und unter Einbindung der bereits erwähnten functional experts aus den einzelnen Bibliotheken. Auch an dieser Stelle wurde für die Zuhörer eindrücklich deutlich, dass der Aufwand für die Einführung der neuen Applikation Alma erheblich und bei der Projektplanung intensiv zu berücksichtigen ist. Das gezeigte Beispiel von 26 mehrstündigen Sitzungen alleine für die zentrale Schulungsgruppe in einem Zeitraum von zwei Jahren, dokumentiert das Problem. Hierbei wurde ebenfalls klar, dass auch vor Ort, also in den Bibliotheken eine Vielzahl von Schulungsaktivitäten auf unterschiedlichen Niveaus unabdingbar sind, will man alle Fragen, Probleme und Unklarheiten bei der Anwendung des Systems bereits im Vorfeld abarbeiten.
Im Vergleich zur Situation in der Schweiz, dürfte der Schulungsaufwand für die österreichischen Kollegen allerdings geringer ausfallen, da dort die Frage der Mehrsprachigkeit naturgemäss keine Rolle spielt.

Der dritte Vortrag von François Renaville von der Universität Liège, Belgien berichtete von der Implementierung von Alma an der dortigen Bibliothek. Die Bibliothek weist zwar vier verschiedene Standorte auf, doch handelt es sich letztlich um ein Bibliothekssystem, was die Implementierung einer neuen Softwareapplikation erfahrungsgemäss wesentlich erleichtert. Die Einführung von Alma an dieser Stelle erfolgte in der kurzen Zeitspanne von nur sechs Monaten, was allerdings auch den relativ günstigen technischen Voraussetzungen vor Ort geschuldet war. Der Erfolg einer raschen und erfolgreichen Einführung hängt nach den Ausführungen des belgischen Kollegen ganz wesentlich von der Einbindung des Bibliotheksmanagements, von der organisatorischen und psychologischen Vorbereitung des Change-Prozesses und von der Vermittlung der eigentlichen Projektziele ab. Allen Beteiligten sollte klar sein, dass es idealerweise nicht nur um die Einführung einer neuen technischen Plattform geht, sondern dass vor allem auch eine Veränderung der einzelnen Arbeitsprozesse im Zentrum der Bemühungen stehen sollte. Ziel ist also nicht eine Abbildung der alten Bibliotheksprozesse in einer neuen technischen Umgebung, sondern die Einführung einer neuen Applikation, die eine Adaption und Neustrukturierung überkommener Arbeitsprozesse notwendig macht.

Alle drei Vortragenden betonten in ihren Ausführungen nachdrücklich, dass es bei der Einführung von Alma primär nicht um die erfolgreiche Durchführung eines IT-Projektes geht, sondern dass die bibliothekarischen Aspekte, die Erarbeitung neuer Bibliotheksprozesse auf Basis einer neuen technischen Plattform, die eigentliche Aufgabe darstellen.

Marion Kaufer, François Renaville und Silvia Köpf berichteten von ihren Erfahrungen bei der Implementierung von Alma

Erfahrungsaustausch

Nach der Mittagspause hatten alle Anwesenden Gelegenheit in Form einer Fragestunde mit den ausländischen Gästen in ein Fachgespräch zu kommen, was auch intensiv genutzt wurde. Auch hier wurde wiederum deutlich, dass die anstehende Realisierung von SLSP eine besondere Herausforderung darstellt, wobei die eigentlichen Probleme, die grundlegenden Entscheidungen noch vor uns liegen. Im Fokus stand hier vor allem das Thema «Systemtopologie», also die Frage wie bei SLSP die Aufteilung zwischen Bibliotheken und institutional zones definiert werden soll.

Die Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen im Ausland zeigen uns, dass die eigentliche Aufgabe nicht in der Durchführung eines IT-Projektes besteht, sondern dass in besonderem Masse die bibliothekarischen Aspekte und Anforderungen die technische Ausgestaltung der Applikation bestimmen. Die Einbindung bibliothekarischer Notwendigkeiten in die Realisierung werden somit den Erfolg und die Akzeptanz von SLSP wesentlich beeinflussen.
Die Projektleitung bzw. der Verwaltungsrat der SLSP AG müssen also sicherstellen, dass diese Facette des Projektes auch durch die Bereitstellung der hierfür notwendigen Personalressourcen angemessen sichergestellt wird. Dies ist umso mehr auch deshalb von Bedeutung, als im Vergleich zur Situation in Österreich das Thema «Mehrsprachigkeit» bei SLSP eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Die Projektleitung von SLSP ist jedoch davon überzeugt, dass bei einem kooperativen Zusammenwirken aller Beteiligten, die Realisierung der Serviceplattform SLSP ein Erfolg sein wird.

Rückblick der Gruppe Benutzung

(Madeleine Völlmin)

Die Gruppe Benutzung beschäftigte sich während der Konzeptionsphase mit den drei Themen: «Konzept für den Umgang mit Benutzerdaten», «Definition gemeinsamer Ausleihbedingungen» und «Entwurf eines Konzepts für einen SLSP-weiten Kurierdienst».

«Bitte wo immer möglich konsolidieren!» lautete der Auftrag, den wir von der Projektleitung zu Beginn der Arbeiten erhalten hatten. In der Theorie waren wir uns schnell einig, diesen Auftrag so zu erfüllen, aber würde sich der auch in der Praxis umsetzen lassen?

Bei der Definition gemeinsamer Ausleihbedingungen zeigte sich, dass die einzelnen Institutionen Abstriche machen müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Es wurde schnell klar, dass im Rero-Verbund mit Virtua im Vergleich mit den Aleph-Institutionen aktuell sehr unterschiedliche Konzepte zur Anwendung kommen, die nicht zuletzt den heutigen Bibliothekssystemen geschuldet sind. Deshalb wurde in den Workshops zu den Ausleihbedingungen teils sehr engagiert diskutiert. Das Resultat mündete in einer Abstimmungsvorlage, die an der letzten Kernteamsitzung Ende Februar verabschiedet wurde.

Nicht viel einfacher gestaltete sich die Bearbeitung des Lieferobjekts «Entwurf eines Konzepts für einen SLSP-weiten Kurierdienst». Hier zeichnete sich eine hohe Heterogenität ab. Die Gruppe musste sich deshalb auf die Ist-Aufnahme beschränken. Als nächste Aufgabe ist vorgesehen, einen Logistik-Experten für die Ausarbeitung des zukünftigen Kurierdienstes beizuziehen.

Kurierlandschaft heute – exemplarisch

Für das Lieferobjekt «Umgang mit Benutzerdaten» wurden Mithilfe des Gruppenleiters Migration erste Szenarien für die Benutzerdatenhaltung und Migration erfasst. Auch dieses Lieferobjekt stellte sich komplexer dar als zuerst vermutet, da unklar war, was das zukünftige System an Funktionalitäten genau leisten kann.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Team für die vielen Inputs und sehr engagierte Mitarbeit!

EvaLiS – Zuschlag geht an Ex Libris

(Marco Balocco)

Der Verwaltungsrat der SLSP AG ist betreffend Evaluation des Bibliothekssystems der Empfehlung des Kernteams gefolgt und hat entschieden, der Firma Ex Libris den Zuschlag für das zukünftige Bibliothekssystem zu erteilen. Im Angebot von Ex Libris sind die zwei Produkte Alma (Library Management System) und Primo (Discovery System) enthalten. Die Anbieter wurden bereits informiert, beiliegend finden Sie die am 03.01.2018 auf den verschiedenen Ausschreibungsplattformen publizierte Verfügung.

 

SLSP und das Jahr 2017: „Der Blick zurück und nach vorne“

(Dr. Wolfram Neubauer)

Nachdem in den Jahren 2015 und 2016 die grundlegenden Vorarbeiten für eine erfolgreiche Realisierung von SLSP erledigt werden konnten, fokussierten sich die Anstrengungen innerhalb der Community von SLSP im laufenden Jahr auf zwei wesentliche Aspekte. Dies war einmal die Aufgabe, für die zukünftige organisatorische Struktur von SLSP eine möglichst geeignete Lösung zu finden und zum zweiten einen Anforderungskatalog für die Ausschreibung eines Bibliothekssystems der neuen Generation zu definieren und den damit verbundenen Prozessablauf erfolgreich durchzuführen.

Die SLSP AG

Wie nicht anders zu erwarten, waren die Diskussionen in den verschiedenen Gremien von SLSP einerseits und den zukünftigen Trägerinstitutionen auf der anderen Seite langwierig und kontrovers, da es naturgemäss für jede mögliche Governance-Variante überzeugende Argumente gab. Beginnend bereits im Jahr 2016 wurden unterschiedliche Modelle geprüft, diskutiert und teilweise wieder verworfen, doch setzte sich schliesslich die Überzeugung durch, dass die Gründung einer Aktiengesellschaft die wohl sinnvollste Lösung für eine zukünftige, nationale Serviceplattform sein würde. Die eigentliche Gründung durch die 15 Gründungsaktionäre fand dann Ende Mai 2017 statt. Dieser Prozess erfolgte unter höchstem Zeitdruck, da die formale Ausschreibung eines Bibliothekssystems durch die neugegründete SLSP AG erfolgen sollte. Hierbei ist im Rückblick besonders bemerkenswert, dass zu den acht Unterschriftspartnern des laufenden Förderantrages im Programm SUK P-2 noch sieben weitere Institutionen als Aktionäre hinzugewonnen werden konnten. Die Aktionäre verpflichteten sich in diesem Prozess zur Zeichnung von kleinen oder grossen Aktienpaketen (40’000 oder 80’000 Franken) sowie zur Bereitstellung von diesen Paketen proportionalen Darlehen zur Aufbaufinanzierung der Plattform bis zum Jahr 2020. Ab dem Jahr 2021 wird SLSP dann in den Routinebetrieb überführt und wird sich durch Beiträge der Nutzer tragen.

Die Systemausschreibung

Der weitere, besonders wichtige Meilenstein für den Aufbau der Plattform SLSP ist naturgemäss die Ausschreibung für ein Bibliothekssystem der neuen Generation für die Community der wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz. Hierbei war in erster Linie die Erarbeitung eines Anforderungskataloges an ein solches System der wesentliche Punkt, der durch mehrere bibliothekarische Arbeitsgruppen und unter Einbindung einschlägiger Spezialisten in den ersten Monaten des Jahres 2017 erfolgte. In diesem Kontext wurden mehr als 80 sog. qualification criteria definiert, also Anforderungen, die von den Anbietern in jedem Falle zu erfüllen waren. Darüber hinaus gab es mehr als 870 sog. award criteria, also Anforderrungen, deren Erfüllung mit Punkten bewertet wurde. Unter der Voraussetzung, dass die Anbieter die qualification criteria erfüllen, fällt dann die Entscheidung für das Produkt, das die meisten Punkte erhält. Der gesamte Evaluationsprozess ist somit ein weitgehend formalisiertes Verfahren, durch das im Prozessablauf nicht vorgesehene Einflussnahmen von aussen verhindert werden. Mittlerweile hat das Kernteam des Projektes SLSP dem Verwaltungsrat der SLSP AG eine Empfehlung für Vertragsverhandlungen mit einem der Anbieter übermittelt.

Die Aufgaben für die nächsten Monate

Nachdem nunmehr alle notwendigen „Vorarbeiten“ für den erfolgreichen Aufbau der Serviceplattform SLSP erledigt sind, geht es jetzt, in der dritten Phase, um die Implementierung eines Bibliothekssystems der neuen Generation, um die Migration der in den bisherigen Verbünden vorgehaltenen Daten und um den Aufbau einer sinnvollen Organisationsstruktur für SLSP. Dies bedeutet die Bearbeitung und Erledigung folgender Punkte:

  • Erarbeitung eines Förderantrages für die Realisierungsphase bei swissuniversities (Programm P-5) bis Mitte Februar 2018
  • Vertragsverhandlungen mit dem erfolgreichen Anbieter
  • Definition der notwendigen Prozessstrukturen für die Systemimplementierung und die Datenmigration (Entscheidungsgremien/Arbeitsgruppen/Mitwirkung der Bibliotheken)
  • Erarbeitung eines Migrationsplanes bzw. eines detaillierten Prozessablaufes für den Aufbau des Systems und die Datenmigration
  • Wie geht SLSP beim Aufbau des neuen Systems mit der Frage der Mehrsprachigkeit um? Welche konkrete Lösung ist hier möglich (kurz- und/oder mittelfristig)?
  • Ermittlung der exakten Mitarbeiterzahlen in den einzelnen (potentiellen) Mitgliederbibliotheken von SLSP
  • Definition des Basisbeitrages für die Nutzung der basic services
  • Abfrage bei allen Teilnehmern/Mitgliedern der bisherigen Verbünde, ob sie zukünftig SLSP nutzen möchten (voraussichtlich im Februar 2018). Voraussetzung ist hier ein definierter Basisbeitrag.
  • Definition eines Kostenmodells für den Betrieb ab dem Jahr 2021
  • Wo befindet sich der endgültige Sitz von SLSP?
  • Aufbau einer sinnvollen Organisationsstruktur von SLSP

Obwohl diese Auflistung vermutlich nicht vollständig ist, wird doch sehr deutlich, dass der Weg bis zu einem erfolgreichen Betrieb von SLSP ab dem Jahr 2021 noch viel Arbeit und Mühen erwarten lässt. Jetzt beginnt die Zeit der bibliothekarischen Themen und Herausforderungen, die nur durch kooperative Zusammenarbeit der Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus allen Landesteilen bewältigt werden können.

Die Projektleitung von SLSP wünscht allen schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins Jahr 2018!

 

The EvaLiS Team completes its task and smashes the „marmite de l’Escalade”

(Alice Keller, Marco Balocco, Elena Gretillat, Erich Scherer, Pierre Buntschu, Basil Marti)

The EvaLiS Team, whose task it was to carry out the system evaluation, met for the last time on 1 December and prepared the recommendation for the Library Management System and Discovery System. Below a chart of the evaluation process which stretched over 5 months (KT = Kernteam, StGr = Steuerungsgremium, VR = Board of Directors of SLSP AG, PL = SLSP Projektleitung)

 

To celebrate our final meeting, Elena Gretillat, a true Neuchâteloise, invited us to take part in the Genevan tradition of l’Escalade. This annual festival is held in December, celebrating the defeat of the surprise attack by troops sent by Charles Emmanuel I, Duke of Savoy during the night of 11–12 December 1602.

Celebrations include a large marmite (cauldron) made of chocolate and filled with marzipan vegetables and candies wrapped in the Geneva colours of red and gold. It is customary for the eldest and youngest in the room to smash the marmite or cauldron, while reciting, „Ainsi périrent les ennemis de la République!“, referring to how Catherine Cheynel, better known as „Mère Royaume“, poured boiling hot vegetable soup on soldiers climbing up the walls of the city (Wikipedia).

In our case the eldest and youngest in the room were Pierre Buntschu, BCU Fribourg, and Basil Marti, UB Basel, who successfully smashed the pot, whilst the rest of us subsequently enjoyed on the shattered remains of chocolate and marzipan.

Anwenderbesuche: Reiseberichte II und III

(Basil Marti, Dr. Christian Oesterheld, Erich Scherer)

Nach dem Start mit dem Besuch von Bibliotheken in London und Dublin im April 2016 haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SLSP inzwischen die zwei weiteren Anwendungsbesuche in Trondheim und Leuven und Maastrich abgeschlossen.

Ziel der Besuche war es einerseits, einen konkreten Einblick in die Arbeit mit den neuen Bibliotheksverwaltungssystemen (auch Library Service Platform genannt) zu gewinnen und erste Einschätzungen über die wichtigsten auf dem Markt erhältlichen Systemlösungen zu erhalten. Andererseits ging es darum zu erfahren, wie Bibliotheken den Umstieg als Projekt bewältigt haben und wie sie die Einführung und die daraus folgenden Änderungen in den Geschäftsprozessen aus heutiger Sicht bewerten. Welche Veränderungen in den Institutionen waren für eine erfolgreiche Einführung notwendig, und welche wurden durch die Einführung angestossen? Was würden die Befragten bei einem „zweiten Wurf“ eventuell anders machen und welche Wünsche sind offen geblieben? Besonders interessant für SLSP ist zudem die Frage nach dem Einsatz der neuen Systeme in konsortialen resp. Verbundstrukturen. Und last but not least erwarten wir, Kontakte zu knüpfen, die sich im weiteren Fortgang des Projekts noch als hilfreich erweisen werden.

Der zweite Anwenderbesuch fand im Anschluss an die IGeLU Konferenz in Trondheim statt. Ein Team aus den Teilprojekten Dienstleistungen und Geschäftsmodell und Prozesse und IT-Anforderungen besuchte am 8. September 2016 die Verbundzentrale des norwegischen Bibliotheksverbundes BIBSYS. Jone Thingbø, einer der beiden Abteilungsleiter von BIBSYS und Mitglied der Geschäftsführung, führte uns zusammen mit seinen Mitarbeitern in die Organisation und das Serviceangebot ein.

BIBSYS ist der zentrale Bibliotheksverbund für die norwegischen wissenschaftlichen Bibliotheken und umfasst neben 47 Hochschulbibliotheken weitere wissenschaftliche Bibliotheken wie die norwegische Nationalbibliothek sowie Bibliotheken von Museen, Forschungseinrichtungen und medizinischen Zentren. Insgesamt umfasst BIBSYS 104 Bibliotheken, von grossen Universitätsbibliotheken bis zu kleinen One-Person-Libraries. Die nationale Ausrichtung und die Kundengruppen von BIBSYS entsprechen also der Vision von SLSP.

Als Organisation ist BIBSYS dem norwegischen Bildungsministerium angegliedert, das auch einen Teil der Kosten trägt. Der grösste Teil der Kosten von BIBSYS wird aber durch die Bibliotheken selbst getragen. Administrativ ist die Verbundorganisation der Nationalen Technischen Universität Trondheim (NTNU) angliedert, auch das Büro der Verbundzentrale, das wir besuchten, befindet sich in der Nähe des Universitätscampus in Trondheim.

Während BIBSYS früher seinen Bibliotheken ein selbstentwickeltes Bibliothekssystem anbot, hat es nun das Produkt Alma von Ex Libris lizenziert und betreibt es als gemeinsames Verbundsystem zusammen mit dem Discovery-Tool Primo. Dieser Wechsel von einer Entwicklungsorganisation zu einem Dienstleistungsanbieter hatte auch Auswirkungen auf BIBSYS als Organisation. In der neuen Organisation arbeiten weniger Entwickler, sondern vielmehr Spezialisten für Support und Systemkonfiguration. Die Erfahrungen von BIBSYS haben aber gezeigt, dass ein solcher Wechsel nicht automatisch zu weniger Personalbedarf führt.

Interessant für den zukünftigen Ausbau von SLSP waren auch die zusätzlichen Services, die BIBSYS neben dem Verbundsystem für seine Bibliotheken anbietet. Dazu gehören zum Beispiel ein Institutional Repository (Brage), Systeme für MOOCs und ein Projekt zur Langzeitarchivierung.

Aktuell wird vonseiten der Politik eine stärkere Verzahnung – eventuell sogar Zusammenlegung – von BibSys als Bibliotheksdienstleister mit weiteren nationalen Institutionen für wissenschaftliche Informationsinfrastrukturen geplant: mit dem IT-Serviceprovider der Hochschulen UNINETT, dem Forschungsinformationssdienstleister CRISTin und dem Center for Research Data (NSD). BibSys bewertet das grundsätzlich positiv und sieht Chancen für Synergien in Anbetracht der zunehmenden Konvergenz der Aufgaben.

Alma stand auch im Zentrum des nächsten Anwenderbesuches. Am 3. Oktober 2016 besuchten wir in Leuven die Organisation LIBIS, die neben verschiedenen Dienstleistungen für Museen und Archive auch den Bibliotheksverbund LIBISnet betreibt. Neben den Bibliotheken der KU Leuven befinden sich in LIBISnet verschiedene andere wissenschaftliche Bibliotheken im flämischsprachigen Teil Belgiens.

Bart Peeters und sein Team gaben uns eine grundlegende Einführung in die Funktionalitäten von Alma. LIBIS war seit 2011 Entwicklungspartner von Alma und eng an der Entwicklung dieses neuen Bibliothekverwaltungssystems beteiligt, bevor sie 2014 Alma produktiv einführten. Es war interessant zu erfahren, wie sich Alma in dieser kurzen Zeit weiterentwickelt hat und welche Schwierigkeiten und Mängel in dieser Zeit behoben (und noch nicht behoben) wurden.

Gleich am nächsten Tag stand nach einer kurzen Zugfahrt über die belgisch-niederländische Grenze ein Besuch an der Universitätsbibliothek in Maastricht an, einer Bibliothek, die seit Februar 2016 das Bibliotheksverwaltungssystem Worldshare Management System (WMS) von OCLC einsetzt. Wie Alma ist WMS ein Bibliothekssystem der neuen Generation, das von Grund auf neu entwickelt und vom Anbieter in der Cloud gehostet wird. Dadurch ergeben sich auch neue Möglichkeiten für länder- und verbundübergreifenden Kooperationen, zum Beispiel bei der gemeinsamen Bewirtschaftung einer Knowledge Base oder beim gemeinsamen Datenmanagement. In WMS findet deshalb die Katalogisierung konsequent in Worldcat statt. Bei der Einführung in die WMS-Funktionalitäten durch Sandra Ehrens war es sehr interessant, diese mit ihren Gegenstücken in Alma zu vergleichen.

Im Gegensatz zu Norwegen, wo im ganzen Bibliotheksverbund nur ein System zum Einsatz kommt, folgen die Niederlande dem deutschen Modell, wo eine Verbundorganisation einen zentralen Katalog betreibt, die einzelnen Bibliotheken aber frei in der Wahl ihres Lokalsystems für Benutzung und Erwerbung sind. Der zentrale Katalog in den Niederlanden (Nederlandse Centrale Catalogus [NCC]) wird dabei vom UKB Konsortium auf Basis des OCLC-Produkts CBS betrieben. Momentan läuft ein Projekt mit dem Ziel, bis Ende 2016 dieses alte System abzulösen und den zentralen niederländischen Verbundkatalog in Worldcat zu überführen.

Simone Kortekaas, die Verantwortliche dieses Projekts, gab uns im letzten Teil unserer Reise durch Belgien und die Niederlande in Utrecht einen Einblick in die Ziele, Fortschritte und Herausforderungen dieses Projekts sowie in die Struktur des UKB Konsortiums. Neben dem gemeinsamen Katalog, der auch von öffentlichen Bibliotheken benutzt wird, bietet es auch eine gemeinsame Fernleihe sowie eine konsortiale Lizenzierung von e-Ressourcen an. Im Gegensatz zur Vision von SLSP handelt es sich bei UKB um einen lockeren Zusammenschluss der dreizehn niederländischen Universitätsbibliotheken und der Königlichen Bibliothek der Niederlande ohne eigene Rechtspersönlichkeit, Sitz und eigens angestelltes Personal.

Im Projekt, die niederländischen Katalogdaten in Worldcat zu überführen, waren besonders die Diskussionen zu den verschiedenen Katalogisierungsstandards, die uns auch bei SLSP beschäftigen und beschäftigen werden, und die Frage, wie die eigenen Katalogisate in einem globalen Katalog noch identifiziert und „geschützt“ werden können, interessant. Letzteres ist vor allem für die Königliche Bibliothek, die die niederländische Nationalbibliographie verantwortet, ein kritischer Punkt. Beeindruckend waren die aufwändigen Synchronisationsmechanismen, die eingerichtet werden müssen, um während eines solchen Migrationsprojekts Lokalsysteme von verschiedenen Anbietern an ein zentrales System anzuschliessen.