Browser (Un)Sicherheit
Posted by Urs Meile on 23rd November 2010
Wenige Meinungsverschiedenheiten gibt es über folgende These: Der Webbrowser gehört zur Topkategorie von Applikationen, wenn es um Sicherheit geht. Wie aber ist die Sicherheit der einzelnen Produkte zu bewerten? Gibt es ein besonders empfehlenswertes Produkt?
Leider gibt es weder wissenschaftliche Modelle noch technische Guidelines, welche die zentrale Frage seriös beantworten: Welches Risiko geht ein User in Realworld Szenarien mit verschiedenen Browsern ein? Es bleibt nur eine zurückhaltende Interpretation einzelner Indizien.
Verletzlichkeiten
Für Aufsehen hat kürzlich eine von Bit9 veröffentlichte “Dirty Dozen” Apps List gesorgt. Die Daten stammen aus der Datenbank des U.S. National Institute of Standards and Technology (NIST). Webbrowser sind in der Hitparade prominent platziert:
1. Google Chrome (76 reported vulnerabilities)
2. Apple Safari (60)
5. Mozilla Firefox (51)
8. Microsoft Internet Explorer (32)
Um eine Vergleichsmöglichkeiten zu gewinnen, habe ich die Verletzlichkeiten der 2009 aktuellen Browserversionen bei Secunia nachgeschlagen. Das ergibt für die drei am weitesten verbreiteten Produkte folgende Zahlen für die relevanten Verletzlichkeiten (moderately, highly und extremely critical):
Google Chrome (5.x 6.x 7.x): 12
Firefox 3.6: 9
IE 8.x: 8
Die publizierten Verletzlichkeiten bilden ein relevantes Indiz. Sie verweisen auf Probleme mit der Codequalität. Vermutlich ist bei Microsoft die Codequalität etwas höher, als die Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen, denn die Aufdeckungsrate von Verletzlichkeiten dürfte beim Marktführer erheblich höher sein. Google hat aus guten Gründen Security bei Features und Produktion von Anfang an hoch gewichtet, in der Praxis scheint aber die Qualität unter der hastigen Entwicklungspace zu leiden. Sollte sich der Aufwärtstrend fortsetzten und Chrome auch mal wie Firefox auf 20% Marktanteil kommen, entfällt der momentane Nischenschutz: Der Angriffsdruck dürfte die Rate der aufgedeckten Verletzlichkeiten steigen lassen.
Die Secunia Zahlen müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Sie repräsentieren nicht einzelne Verletzlichkeiten, sondern jeweils ganze Bündel davon.
Patching und Security Features
Verschiedene Browser repräsentieren unterschiedliche Patchingphilosophien: Internet Explorer mit berechenbarem Monatsrhythmus, Firefox mit Hochfrequenz, Google verdeckt. Ganz generell kann nicht von der Überlegenheit eines Modells gesprochen werden. Das hängt vom Anwendungsfall ab. Generell kann den Herstellern attestiert werden, dass sie das Problem ernst nehmen und besser im Griff haben, als beispielsweise Adobe mit seinen Produkten.
Hier kann keine ausführliche Analyse der Security Features geleistet werden. Der Trend geht in die richtige Richtung. Die Infrastruktur des Betriebssystems wird besser genutzt (DEP, ASLR, Integrity Levels, Prozess per Tab). Der Browser wird vom System durch Sandboxing entkoppelt.
Zudem bringen die Browser Mechanismen mit, um üble Sites zu identifizieren, Downloads zu sichern und CrossSiteScripting zu erschweren.
Zusammenfassend
… lässt sich feststellen:
1. Das Qualitätsniveau der führenden Browser ist nicht befriedigend (aber noch problematischer sind einzelne Plugins und die Qualität zahlreicher Websites).
2. Alle drei führenden Produkte bewegen sich in der gleichen Security-Bandbreite.
3. Security ist bei den Browserentwicklern momentan etwas an den Rand gerückt – alles dreht sich um Speed und HTML 5 Kompatibilität.
Das heisst nicht, dass Internet Explorer 9 oder Firefox 4 weniger sicher als die Vorgängerversionen sein werden. Es besteht aber das Risiko, dass die weiten neu codierten Teile (GPU Acceleration etc.) erneut von unangenehm vielen Verletzlichkeiten gespickt sein könnten. 2011 zu beobachten.
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