Avira stört Windows Suchfunktion
Posted by Urs Meile on 23rd Februar 2011
Avira Antivir beeinträchtigt unter bestimmten Umständen die Suche unter Windows, indem die Indexierung von Fileinhalten gestört wird. Beobachtet wurde die Störung zuerst unter Windows 7 32Bit mit Office 2010 und Avira Antivir Premium. Bestätigt unter Windows 7 64 Bit und Antivir Professional.
Entdeckt wurde das Problem erstmals bei der Untersuchung eines andern Indexierungsproblems, das nach der Installation von Adobe Reader 10 auftritt (hier dokumentiert). Generell für den User sichtbar wird die Problematik, indem etwa bei installiertem Office nicht mehr alle DOC und DOCX Files in einer Suche aufgelistet werden, obwohl das Suchstichwort im Text enthalten und die Option der Inhaltsindexierung aktiv ist.
Es tritt also nicht ein Vollausfall der Suche ein. Weil der Index kumulativ wächst, werden früher indexierte Files korrekt angezeigt. Richtig massiv werden die Lüken erst, wenn die Indexierung neu gestartet wird. Weiterhin vollständig gefunden werden Files, bei denen der Suchbegriff im Filenamen, Pfade oder Attributen vorkommt – und auch Objekte in Mailbox werden korrekt behandelt.
Der Verdacht ist aus zwei Gründen auf Antivir gefallen. Einmal haben schon andere User von ähnlichen Indexierungsproblemen mit McAfee berichtet. Generell ist AV immer eine gute Hypothese. Neben Malware greift nichts so tief ins System ein und klinkt sich in jeden Filezugriff ein. Zweitens zeigte sich eine Ungleichbehandlung von identischen Dokumenten in der Mailbox (zB als Attachment) und im Filesystem. Die Mailbox Inhalte wurden völlig korrekt indexiert. Es kann kaum eine fundamentale Störung des Indexierungsmechanismus vorliegen; auch die für Word Dokumente nötigen iFilter scheinen korrekt zu arbeiten.
Minitests
In einem kleinen Test 1 (W7 32 Bit) wird zuerst ein nicht gefundenes Dokument identifiziert, die Suche mit dem entsprechenden Stichwort aktiviert - kein Ergebnis. Dann wird Antivir in der Konsole disabled (AntiVir Guard). Dann wird das Dokument geöffnet, ein paar Leerschläge zugefügt und wieder gespeichert, um die Aktualisierung des Indexes anzustossen. Siehe da: Ohne weiteres Zutun erscheint nun das gesuchte Dokument im offenen Suchfenster.
Auf einem andern System (W7 64 Bit mit Avira Antivir Professional, MyDocuments auf Laufwerk D: verschoben) wird ein weiterer Test mit einem seit Monaten ohne Rebuild gewachsenen Index auf den Folder MyDocuments gefahren. Normale Suche zu häufigem Stichwort nach dem Muster mit expliziter Spezifikation im Suchfeld „content:Stichwort fileextension:=.docx“ ergibt 4 Items. Dann Avira disablen, Index neu aufbauen, Erneuerungsfeld auf der Suche anklicken: Sofort werden 78 Items gelistet. Nun den Virenschutz wieder einschalten, den Index wieder neu aufbauen, Erneuerungsfeld auf dem unveränderten Suchfenster mit den 78 Items anklicken – schwupp fast alles weg: gefunden wird nur noch 1 Dokument – dasjenige in dem soeben der Text dieses Beitrags verfasst wurde.
Workaround?
Falls sich das Ganze als allgemeiner Bug bestätigt, liegt wahrscheinlich ein Implementierungsproblem von Antivir vor. Es könnte aber auch ein Bug von Windows sein, der nur in dieser Konstellation relevant wird. Leider gibt es keinen eleganten Workaround. Zumutbar ist weder ein jeweiliges Wegschalten des Virenschutzes beim Kopieren oder Speichern von Dokumenten noch ein periodischer Neuaufbau des Idexes bei ausgeschaltetem Virenschutz. Wir hoffen, dass das Problem bald identifiziert und behoben werden kann.
ANMERKUNG: Wer Tests mit Neuaufbau von Indexes auf einem produktiven Rechner fahren möchte, kann den Mailclient schliessen – die Tausenden von Mails werden dann vorerst nicht indexiert und der Test geht viel schneller vor sich.
ERGÄNZUNG 24.2.11: Testsetup
Um die gefundene Hypothese zu testen, muss die Frage geklärt werden: Indexiert der Windows Indexin Service bei laufendem wie weggeschalteten Antivir identisch? Ein ideales Testsetup müsste folgendermassen aussehen:
1. Eine W7 Maschine mit Office 2010 aufsetzen, MyDocuments auf Partition D: verschieben, eine Dokumentemenge von einigen Tausend Dokumenten hineinkopieren.
2. Die automatische einsetzten Indexierung abwarten (beobachtbar mit “Indexing Options”), dann ein paar Suchafragen mit teilweise häufigen Begriffen starten, Zahl der gefundenen Dokumente notieren.
3. Avira Antivir installieren, aktualisieren. Dann unter “Indexing Options /Advanced / Rebuild” den Index neu aufbauen. Dann die identischen Suchabfragen laufen lassen und sehen, ob mit dem unter Avira Antivir erzeugten Index das gleiche gefunden wird.
Ob das Verschieben von MyDocuments auf Partition D: relevant ist, bleibt völlig offen. Der oben erwähnte zweite Test kommt dem Idealszenario nur bedingt nach, weil er auf einer Produktionsmaschine mit weiteren Programmen und historisch gewachsenen Settings abgewickelt wurde.
ERGÄNZUNG 25.2.11: Test unter Labor-Bedingungen bestätigt Störung
Ein Test auf einer blanken Virtuellen Maschine (Windows 7 SP1 32 Bit) bestätigt die Hypothese, das Avira die Indexierung und damit die Suche massiv stört. Spalte 2 zeigt die Anzahl Suchergebnisse, die auf dem Index der blanken Maschine beruhen, Spalte 3 Suchergebnisse, die auf dem bei laufendem Avira Antivir Professional mit „Rebuild“ neu aufgebauten Index beruhen. Mit einem bestimmten Suchausdruck gefundene Anzahl Dokumente:
Auf die Testmaschine wurde einzig das Office 2010 Filter Pack 32 Bit installiert, um realistische Bedingungen für die Inhalts-Indexierung von Word-Dokumenten zu schaffen. Total wurde mit rund 3000 RealWorld Dokumenten gearbeitet, darunter auch PDFs, die in diesem Setting inhaltlich nicht indexiert werden können.
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