Browsing Security 1
Das Besuchen (DriveBy) von Websites ist seit längerem der wichtigste Infektionsweg, auf dem Malware in Computer gelangt. Im folgenden sollen die verschiedenen Stufen betrachtet werden, über die der Angriff verlauft. Dabei entsteht ein einfaches Schichtenmodell einer DriveBy Infektion.
Ein Schichtenmodell erleichtert die Risikobeurteilung und zeigt, dass Browsing Security nicht nur den Webbrowser betrifft. Es wird auch sichtbar, dass auf verschiedenen Ebene Abwehr- und Optimierungsmöglichkeiten bestehen.
Der Browser als Eingangsporte kann in ganz unterschiedlichen Szenarien erscheinen. Etwa auch mit Papierbrief, der zum Download eines Programms einlädt. Wir hier von einer Szenario kritischen Verletzlichkeit aus, wie sie bei Internet Explorer oder Firefox immer wieder bekannt werden. Was muss passieren, damit eine noch nicht gepatchte (und allenfalls gar nicht öffentlich bekannte…) Verletzlichkeit ausgenutzt werden kann?
Malware. Gefährliche Malware muss geschrieben und ausgewildert werden. Hier geht die Beliebtheit eines bestimmten Browsers in die Betrachtung ein: für Verletzlichkeiten wenig verbreiteter Browser wird weniger Malware geschrieben.
Kontaktpotential. Wenn nicht umgehend ein Patch bereit liegt muss auf einige Tage hinaus das Kontaktpotential der eigenen Maschinen mit malwarebestückten Websites einschätzt werden. Das Kontaktpotential ist die Überlappung zwischen der Verbreitung der Malware und dem Browsing Horizont der eigenen Maschinen. Der Browsing Horizont wird durch das Verhalten der User und durch allfällige Einschränkungen auf Firewall oder Proxy bestimmt. Üblicherweise entwickelt sich das Kontaktpotential nicht explosionsartig. Es ist wenig wahrscheinlich, dass vielbesuchte Websites behackt und stundenlang Tausende von Maschinen infizieren. Vorherrschendes Muster ist, dass eher marginale Websites über Wochen oder Monate hinweg anfällige Besuchermaschinen anstecken.
Firewall, Proxy. Sie können sowohl das Kontaktpotential durch Blocken von Traffic beschränken
Virenscanner. Der Fall einer öffentlich diskutierten ungepatchten Verletzlichkeiten gehört wohl zu den stärksten Szenen von Virenscannern, weil da mit Hochdruck an Signaturen für sich ausbreitende Exploits gearbeitet wird. Generell darf aber die Wirksamkeit von Virenscannern nicht überschätzt werden – und die Qualitätsunterschiede sind riesig.
Widerstandsfähigkeit, Resilienz. Wir gehen hier ja von der Existenz einer ungepatchten Verletzlichkeit aus. Wenn die Malware auf die Maschine gelangt, können auch Widerstandsmechanismen des Browsers und des Betriebssystems verhindern, dass sie sich installieren kann. Ein Beispiel wäre eine Buffer Overflow, der zwar ausgelöst werden kann, aber wegen Adress-Randomisierung in einer Sackgasse verläuft.
Userintervention. Häufig wird der Download lauffähiger Software vom Browser oder vom Betriebssystem als problematische identifiziert und dem User ein Dialog präsentiert. Stimmt der User dem Install entgegen seinen Interessen zu?
Kompromittierungstiefe. Während unter Adminrechten das ganze System potentiell zugreifbar ist, kann unter Standarduserrechten nur der Userkontext kompromittiert werden. Das ist zwar nicht harmlos (wenn es unentdeckt bleibt) – aber weniger gravierend als eine Kompromittierung des Systems selbst. Ein Löschen des Userkontexts entfernt die Malware; Rootkits können nicht installiert, Virenschutz und Firewalls nicht abgeschaltet werden.
Abschliessend kann festgehalten werden, dass die grosse Masse der Drive By Infektion nicht nach einem Epidemiemuster ablaufen, sonder eher wie das leise Rieseln von Schnee. Es darf auch nicht vergessen werden, dass ein wesentlicher Teil der DriveBy Infektionen (im weiteren Sinn) gar nicht auf einer Verletzlichkeit basieren, sondern auf Social Engineering. Den Usern wird erfolgreich ein Install angeboten.
Das Diagramm zeigt die verschiedenen Schichten, die eine Malware zwischen Produzent und dem Zielsystem durchläuft.