Hello Lady, tuk-tuk? (D)
Posted by loerchs on 19.12.2008
Nein Lady laeuft lieber oder nimmt ein moto. Aber von vorne. Nachdem ich Singapurs Flughafen gut kennengelernt habe flog ich also nach Phnom Penh und war ziemlich gespannt, was mich dort wohl erwarten wuerde. Die Einreise verlief schon einmal reibungslos (20 Dollar und ein Formular in dreifacher Ausfuehrung und schon hat man einen resigen Aufkleber im Pass und ist berechtigt Kambodscha fuer 3 Monate zu bereisen. Und ansonsten wurde ich erstaunt, die Strassen in und um Phnom Penh waren einwandfrei asphaltiert, dass hatte ich so gar nicht erwartet (nach den Erfahrungen in Afrika). Ausserdem musste ich mich erst mal wieder daran gewoehnen, dass rechts gefahren wurde. Also meistens. Aber wenn links halt mehr Platz ist, dann halt links.
Mein Taxifahrer brachte mich dann erst mal in mein Guesthouse und zuerst muste ich etwas schlaf nachholen. Mittags um 4 trieb mich aber der Hunger dann doch nach draussen (und der Mangel an Zahnpasta, die wurde naemlich auf dem Herflug konfisziert, weil 10 ml zu viel drin waren) und cih ging erst mal zum Sisowath Quai am Ufer des Tonle Sap, wo sich ein Grossteil des Phnom Penher Nachtlebens abspielt. Dort kam ich dann auch zu meinem ersten kambodschadnischen Abendessen (Chicken Amoc, eine Art Curry, sehr lecker!) und auch zu Zahnpasta. Auserdem fand ich das guenstigste Internet ueberhaupt (einen halben Dollar pro Stunde und dafuer verhaeltnismassig schnell).Viel war aber dennoch nicht mehr mit mir anzufangen und ich ging deshalb wieder zurueck zum Guesthouse. Ungluecklicerweise hatte ich mein Zimmer aber direkt ueber dem Restaurant und von daher war das mit dem Schlafen etwas schwieriger, sodass ich noch ein Bier (kabodschanisches Angkor Bier, naja, es gibt schlimmeres) trank und mich anschliessend mit Oropax zur Ruhe legte. Die waren allerdings so gut, dass ich grandios verschlief und erst 2 h nach meinem Wecker aufwachte. Dann ging es aber los zur Silberpagode. Unterwegs erstand ich noch mein Fruehstueck (frittierte Bananen) und dann verbrachte ich den Vormittag an den Tempeln rund um die Silberpagode (von innen habe ich leider keine Photos, weil man keine machen durfte). Die Silberpagode wurde 1962 von letzten Koenig Kambodschas, Sihanouk, erbaut und traegt ihren Namen wegen der 5000 jeweils ca. 1 kg schweren Silberplatten mit denen der Boden ausgelegt ist. Das Meiste wird aber von einem Teppich verdeckt um die Platen zu schuetzen. Ausserdem ist in der Silberpagode ein lebensgrosser Buddha aus Gold (90 kg schwer) mit 9584 Diamanten besetzt. Die Silberpagode ist neben den Tempelanlagen von Angkor eine der wenigen kulturellen Stellen, welche von den Khmer Rouge verschont wurden. Der Koenigspalst direkt neben der Silberpagode ist fuer die Oeffentlichkeit leider nicht zugaenglich ebenso wie weitere Gebaeude dazwischen.
Als ich aus der Silberpagode draussen war war bereits Mittagessenszeit und ich machte mich daher auf zum Markt um dort etwas zu Essen zu finden. Davor lief ich aber erst mehrmals durch die Markthalle, wo es wirklich alles zu kaufen gab angefangen von Taschen, Kochzubehoer, Schmuck, und Lebensmittel. Insbesondere diese waren sehr variantenreich, aber meistens wusste ich nicht, worum es sich dabei handelt. Frittierte Spinnen habe ich jedoch identifizieren koennen (seither lese ich die Speisekarte etwas genauer). Mein Mittagessen war auf jeden Fall lecker. Danach habe ich mir ein moto (nein, kein tuk-tuk) zum Tuol Sleng Museum genommen. Vor den Khmer Rouge war Tuol Sleng eine High School, welche dann von den Khmer Rouge in ein Gefaengnis, bekannt als S-21 umgewandelt wurde. Insgesamt wurden dort mehr als 17000 Menschen gefangen gehalten, von denen die meisten bei den Killing Fields von Choeung Ek ermordet wurden. Im Museum waren Bilder und die Geschichte von Opfern, von denen nahezu keiner ueberlebt hat sowie auch einige von denen, die im Gefaengnis fuer die Khmer Rouge gearbeitet hatten.
Nachdem ich dort den Nachmittag verbracht hatte ging ich zurueck zum Guesthouse und ruhte mich noch etwas aus, bevor ich den Marsch auf die andere Seite der Stadt ueber den Tonle Sap Fluss ans Mekongufer zum Abendessen in Angriff nahm. Unterwegs lernte ich wieder einen Deutschen kennen, der sich spontan anschloss. Diesmal nahmen wir doch ein tuk-tuk, weil die Strecke doch recht weit war. Leider war es schon dunkel, als wir in Restaurant gefunden hatten, sodas sich der Mekong nur noch erahnen liess. Dafuer waren wir ueberaschenderweise in einer absolute touristenfreien Gegend angekommen, in der niemand mehr English sprach (auf der anderen Flusseite scheint dagegen jeder Englisch zu beherrschen und das haeufig sogar recht gut), aber mit Haenden, Fuessen und den Fotos in der Speisekarte konnten wir unser Essen dann bestellen.
Tags darauf nahm ich bereits am morgen den Bus nach Battambang was bis am fruehen Nachmittag dauerte. Dort angekommen stuerzten sich schon wieder alle tuk-tuk und moto Fahrer auf mich, da ich der einzige Tourist war, der mit diesem Bus ankam. Generell muss ich jedoch sagen, im Vergleich au Ruanda ist das hier schon der reinste Massentourismus. Selbst in Battambang ist alles auf auslaendische Besucher ausgelegt. Einer der moto Fahrer war also der glueckliche, mich zu (m)einem Hotel zu bringen (Ich haette ja gern ein Foto von uns. Mein riesiger Rucksack auf dem Lenker des Rollers, er und ich mit meiner Laptoptasche und Handtasche, schnell kamen wir auf jeden Fall nicht vorwaerts). Bereits unterwegs wies er mich unauffaellig darauf hin, dass es rund um Battambang viel zu sehen gibt. Schlussendlich engagierte ich ihn fuer den naechsten Tag als Fahrer und tourist guide. Am selben Tag hatte ich nicht mehr viel vor. Muede von der recht anstrengenden Reise und der kurzen Nacht zuvor spazierte ich nur noch etwas durch Battambang und ass am Nachtmarkt zu Abend bevor ich recht frueh zurueck ins Hotel zum Schlafen ging.
Als ich am folgenden Morgen um 8 von meinem Fruehstueck (man gewohnt sich an Huhn mit Reis zum Fruehstueck) zurueck kam war Socheath (der moto Fahrer) schon da und wir konnten los. Zuerst ging es hinaus aus der Stadt in die Doerfer wo wir nach einiger Zeit hielten und der mir zeigte, wie Reispapier hergestellt wird. Zuerst muss der Resi gemahlen werden um anschliessend mit Wasser zu einem duennfluessigenTeig verarbeitet zu werden. Der Teig wird anschliessend kreisfoermig auf ein Tuch gestrichen welches ueber einer Glut gespannt ist und mit Deckel gegart.
Danach fuhren wir zum Wat Ek Phnom, einem teilweise eingestuerzten Hindutempel aus dem 11. Jahrhundert, welcher im Laufe der Zet in einen buddhistischen Tempel umfunktioniert wurde (das macht aber auch nichts, weil die meisten Kambodschaner sowieso beides sind).
Anschliessen folgte eine laengere Fahrt bei der wir die Stadt praktisch umrunden mussten zu einem weiteren Tempel auf dem Phnom Sampean (Segelboot Berg). Dieser traegt seinen Namen aufgrund einer Legende zur Entstehung Kambodschas (Sotcheath hatte eine ganze Menge Legenden und Geschichten parat). Weit oben auf dem Berg gab es wieder einen der traurigen Orte Kambodschas zu besuchen. Bei einer Hoehle wurden mehrere Tausend Menschen ermordet und in eine Hoehle geworfen. Heute findet man dort ein Denkmal, welches die Knochen der Opfer beinhaltet.
Nach einem Mittagessen in einer Garkueche ging es zuletzt noch zum Prasat Banan (Gebetshaus) aus dem 11. Jahrhundert. Ebenfalls auf einem Berg (alle Tempel wurden auf Bergen oder Huegeln errichtet, weil man dort Goettern naeher ist) fuehrten mehr als 300 Stufen zum Tempel hinauf, der in seiner Architektur ein wenig an Angkor erinnert und ebenfalls mit Steinmetzarbeiten verziert ist.
Dreckverkrustet und mit Strassenstaub gepudert ging es zurueck zur Stadt, aber nicht nur mit dem moto, sondern auch mit dem Zug, wobei Zug die Sache nicht ganz trifft. Der Bamboo train besteht aus einem etwa 3 meter langen Rahmen der laengs mit Bambus bespannt ist. Die hintere Achse wird ueber einen Riemen angetrieben, der mit einem Benzinmotor verbunden ist. Das System ist optimal auf einer eingleisigen Strecke. Wenn sich zwei entgegen kommen wird das mit weniger Leuten (bzw. Weniger motos) schnell vom Gleis genommen und wenn der andere passiert ist kann weiter gefahren werden. An diesem Tag habe ich so unglaublich viel gesehen, und erlebt, dass ich gar nciht alles aufschreiben kann, aber ich hoffe, dass man auf dem Bildern etwas davon erahnen kann.
Abends habe ich mir dann das Ticket fuer das Boot nach Siem Reap besorgt, der Stadt nahe der Tempelanlagen von Angkor. Sie Bootsfahrt gilt als die schoenste Kambodschas. Je nach Wasserstand geht die Fahrt 3-8 h. Da im Moment Trockenzeit ist und der Wasserstand daher sehr tief ist mussten wir recht viel zickzack fahren und brauchten daher beinahe 8 h. Aber es hat sich definitive gelohnt, weil man mal das Leben abseits der grossen Staedte gesehen hat und an schwimmenden Doerfern vorbei kam, die nur mit dem Boot erreichbar sind.














