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Aus- und Weiterbildung im nachhaltigen Unternehmen

23.02.2010 von Gastautorin , öbu

Nachhaltig sein heisst für Unternehmen mehr als Stromsparlampen oder Recycling-Papiere verwenden. In Sachen Ökologie geht es zum Beispiel auch um Produktdesign oder den Einbezug der gerne verdrängten Mobilität – und dann gibt es ja auch noch die soziale Seite der Nachhaltigkeit. Hier geht es unter anderem um Fragen des Arbeitsplatzes (Fluktuation oder Überstunden als Stichworte) oder des Lieferantenmanagements (Fragen wie: Kennen wir unsere Lieferanten? Können wir missbräuchliche Arbeitsverhältnisse ausschliessen?). Ein weiterer, ganz zentraler Bereich ist die Bildung.

Dienst an der Gesellschaft

Die Ausbildung von Lernenden ist ein Kernelement im nachhaltigen Wirtschaften. Während der Ausbildung können wir Branchenknowhow vermitteln, Fähigkeiten wie Offenheit und Flexibilität fordern und nicht zuletzt Werte vorleben und weiter geben. Junge Menschen können sich in entsprechenden Unternehmen für die Arbeit mit Nachhaltigkeit qualifizieren. Diese Ausbildung hilft ihnen, sich in der schnell ändernden Welt zurecht zu finden und unter unterschiedlichen Bedingungen lösungsorientiert zu arbeiten.

Arbeitgeber leisten mit dem Ausbildungsangebot einen Dienst an der Gesellschaft. Selber profitieren sie zwar auch davon, wenn gut ausgebildete Leute auf dem Markt sind – das ermöglicht Wachstum der zukunftsfähigen Unternehmensbereiche –, es profitieren aber auch jene Mitbewerber, die selber keinen Beitrag leisten.

Lehrlingsausbildung soll auch ökonomisch Sinn machen

Wer Verantwortung übernimmt, soll nicht dafür bestraft werden. Leider ist es immer noch normal, dass die nachhaltige Lösung kurzfristig mehr kostet als die herkömmliche Alternative. Damit zum Beispiel die Ausbildung nicht nur ethisch, sondern auch ökonomisch Sinn macht, gäbe es einfache Verfahren. Oft diskutiert, aber noch selten angewendet: Lehrlingsausbildung als ein Kriterium bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Die Stadt Solothurn zum Beispiel akzeptiert bei Firmen, welche Lehrlinge ausbilden, einen bis zu zwei Prozent höheren Preis.

Zum Beispiel: Lernende als Marketing-Argument

Unternehmen oder Branchenorganisationen können ihr Bildungsengagement als Verkaufsargument benutzen. So lesen wir im Prospekt des Schweizerischen Fensterverbandes: «Unterstützen Sie über hundert Lehrlinge in den Fensterbaubetrieben der Schweiz – gezieltes Weiterbildungsprogramm garantiert die Qualität auch in Zukunft.»

Zum Beispiel: Lernende als Innovationsförderer

Unter dem Motto «Baustelle der Zukunft» besteht in Cudrefin ein Ausbildungszentrum für Schul- und Lehrlingsklassen, welche sich mit Zukunftsgestaltung und nachhaltiger Entwicklung befassen. Die Jugendlichen lernen dort unter anderem ökologisch zu bauen oder einen Energieverbrauch abzuschätzen und sie können Sparmöglichkeiten ausprobieren. «Mit Erfolg», sagt der Zentrumsleiter: «Lehrlinge haben mir erzählt, dass der Lehrmeister sich nach ihren Erfahrungen beim Bau der Solaranlagen erkundigt habe. So zeitigt das Projekt die beabsichtigte Wirkung in der Spenglereibranche.»

Zur Autorin

Gastautorin Gabi Hildesheimer ist Geschäftsführerin von Öbu, dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.

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