ETH-Klimablog - Klimakiosk

ETH life zum Thema

Welternährung: «Ein nahrhafter Denkanstoss» (17.10.13)
Klimaforschung: «Klimaforschung im Dialog» (4.10.13)
Klimaforschung: «Emissionen verpflichten uns langfristig» (27.9.13)
Energieforschung: «Der Asket unter den Motoren» (12.9.13 )

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Die Beiträge geordnet nach Wissensgebieten rund um den Klimawandel:
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Klimakiosk

Der Klimakiosk führt mit Cartoons, YouTube-Videos, Glossen und Zitaten zur Klimaproblematik ein leicht-lockeres bis nachdenklich machendes Sortiment. Bei den Beiträgen handelt es sich in jedem Fall um persönliche Meinungen des Autors.

Nach Monaten: Dezember 2012, August 2012, Juli 2012, frühere Beiträge

Dezember 2012

Die Geschichte der Klimaverhandlungen in 83 Sekunden

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Klimavideo. – Das «Center for International Climate and Environmental Research – Oslo» (CICERO) bringt die Geschichte der Klimaverhandlungen in einem kurzen Video auf den Punkt. Seit 20 Jahren verhandeln die Staaten um ein griffiges Klimaabkommen. Was am Anfang mit Einigkeit begonnen hat, ist heute Teil eines riesigen Schwarz-Peter-Spiels. Überzeugen Sie sich selbst. (JFK)

August 2012

Und als nächster der Mars?

Klimacartoon. «Lache nicht, lieber Mond», meint die Erde. «Vielleicht bist du der nächste, der unter der Menschheit leidet.»

Das war gestern. Seit der Landung des Marsrovers «Curiosity» fürchtet sich einmal mehr der Mars. (JFK)

© Bild: Aditya Bhardwaj, Ahmedabad  (British Council cartoon contest)

Juli 2012

Rio+20: Das Ziel vor Augen?

Klimacartoon. Verhandlungen über die grossen Herausforderungen dieser Welt gehen seit Jahren schleppend voran. Symptomatisch hat auch Rio+20, der UN- Nachhaltigkeitsgipfels in Rio de Janeiro im Juni keine grossen Würfe gebracht. Ob wir nicht das Tempo erhöhen sollten, um die wirklichen Probleme rechtzeitig zu lösen? (JFK)

© Bild: www.leahy.com.au

Mai 2012

Das Klimawandel-Gebäude

Klimacartoon. – Sind wir uns bewusst, wie vielschichtig der Klimawandel und seine Folgen sind? Und wie viele verschiedene Erkenntnisse, Interessen und Ansprüche auf der Suche nach einer Lösung miteinbezogen werden müssen? Überzeugen Sie sich selbst. Schauen sie sich um im Klimawandel-Gebäude und bauen Sie mit. (JFK)

© Bild: DiploFoundation >diplomacy.edu

März 2012

Doping, Baseball und Klimawandel

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Klimavideo. – Was haben Doping und Klimawandel miteinander zu tun? Ein einzelnes Extremwetterereignis kann grundsätzlich nicht dem menschgemachten Klimawandel zugeschrieben werden. Jedoch kann der menschgemachte Klimawandel die Häufigkeit oder Stärke von solchen Ereignissen beeinflussen. Der gedopte Baseballspieler im Video ist eine Analogie dafür. Auch mit Doping ist nicht jeder seiner Schläge perfekt, aber der Anteil an «Homeruns» steigt. Überzeugen sie sich selbst.

Video: © UCAR, 2012

Februar 2012

Trend und Variation – Unterschied einfach erklärt

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November 2011

Sisyphus im höllisch-irdischen Treibhaus

Klimacartoon. – Die kürzlich gemeldeten Rekorde machen Schlagzeilen, die Klimaerwärmung will hoch hinaus. Der Kohlendioxidausstoss stieg 2010 so schnell wie nie zuvor. Und dies weltweit, berichtet das US-Energieministerium (DOE). Um satte 6 Prozent mehr als im Vorjahr 2009 entwich CO₂ aus Kaminen oder Auspuffen, vor allem in China und Indien bei der Kohleverbrennung. Aber auch der Transport ist dramatisch gewachsen, die Menschen reisen immer häufiger mit Flugzeug, Auto und Bahn, hinzukommt der boomende, nicht eben nachhaltige Güterverkehr. Im Weiteren sei die Konzentration der wichtigsten Treibhausgase in der Atmosphäre im letzten Jahr sprunghaft angestiegen, warnt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Mutter Erde fiebert. Die Szenarien des Weltklimarats IPCC seien viel zu konservativ, geben sogar die DOE-Fachleute zu. Am wahrscheinlichsten belaufe sich die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 4 Grad. Adieu du schönes Zwei-Grad-Ziel!

Damit jedoch die kommende Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban am 28. November nicht unter krassesten Vorzeichen startet, schuftet neuerdings Sisyphus im höllisch-irdischen Treibhaus. Die griechischen Götter kommandierten den prominenten Helden aus der Unterwelt ab, um oben auf Erden möglichst viel Kohlendioxid aus den Abgasen von Fabriken und Kraftwerken abzutrennen – und irgendwo sicher zu verwahren. Wahrhaftig eine Sisyphusarbeit, denn die Technologie funktioniert noch nicht stubenrein. Die Wissenschaft ist weiterhin stark gefordert, um das Sequestrationsverfahren voranzutreiben. Auch die ETH Zürich forscht mit, hat doch die Hochschule jetzt dank Einsparungen mit (wie man weiss viel zu) billigem Atomstrom etwas mehr Geld für klimarelevante Projekte in der Kasse. (BG)

© Bild: Belle Mellor >bellemellor.com

Rettet die neue Mitte das Klima?

Klimaklatsch. – Knapp die halbe Portion Schweiz hat gewählt. 49,1% des Stimmvolks berief seine Politspezis ins Bundeshaus und lässt dort eine neue Mitte erblühen. Verloren haben links die rotgrünen Leuenbergers, rechts die freigeistigen Pellis, aber auch die Brunnerschen Volkstribunen. Mittendrin mussten die christlich-volkstümlichen Darbellays Federn lassen. Gestärkt in die kommende Legislatur marschieren hingegen die Bäumleschen Ökoliberalen (GLP) und die Grunderschen Bürger-Demokraten (BDP). So weit, so ausgezählt, doch beunruhigt das Fazit: Die neue stramme Mitte gilt als politische Wundertüte, eine grün-rosa Blackbox.

Passt nun dieser Cru bourgeois vert 2011 zum Menü der Klimapolitik? Mehrere Politbeobachter munkeln: «Bloss alter Wein in neuen Schläuchen!» Zwar hat die Cleantech-Branche vorab in der GLP-Fraktion neue Verbündete bekommen (mit Isabelle Chevalley VD, Josias Gasser GR, Jürgen Grossen BE), doch bei der BDP hält sich die Begeisterung für den AKW-Stopp in Grenzen. So präsidiert der frisch gebackene BDP-Nationalrat und Berner Alt-Regierungsrat Urs Gasche den Verwaltungsrat der BKW. Die Bernischen Kraftwerke sind jedoch kaum als Firma bekannt, die sich freudig von der Kernkraft verabschiedet. Der Atomausstieg muss sich dem Zwei-Grad-Ziel der Klimawissenschaft unterordnen und bedingt daher den ökologischen Umbau der Gesellschaft. Eine uneinige Mitte würde den ehrgeizigen Plan politisch begraben. Also bleibt ein schwadronierendes Restrisiko.

Schuldenschnitt beim CO₂ fraglich

Laut verlässlichen Quellen arbeitet deshalb eine Parlamentsgruppe, bestehend aus zumeist jüngeren Ratsmitgliedern, schon jetzt an einem sogenannten Klima-Rettungsschirm. Analog zur EU-Überlebenshilfe des Euro wollen die Umweltbesorgten die nachhaltige Entwicklung unseres Kleinstaats auch für künftig 10 Millionen Einwohner sichern. Ob aber der damit verbundene, viel zitierte Schuldenschnitt, das heisst hier im übertragenen Sinn der Erlass von CO₂-Reduktionspflichten, opportun erscheint, ist zu bezweifeln. Ein bodenständigerer Vorschlag kommt von einem Ausschuss der parlamentarischen Wirtschaftskommission, wie Eingeweihte wissen. Das Geld für die Energiewende sei vorrangig bei den 147 Finanzgesellschaften abzuholen, die gemäss einer ETH-Studie via Beteiligungen 40% des Weltmarkts beherrschten (siehe Artikel im Tagesanzeiger >hier). Nachdem aber jetzt bekannt wurde, dass unter den Big Playern auch die vom Staat massiv unterstützte Schweizer Grossbank UBS und ihre neuerdings schrumpfende Konkurrentin CS zu finden sind, hat sich das voreilige Projekt rasch zerschlagen.

Eine Aktion, die eindeutig zum Eindämmen der Klimaerwärmung beitrug, war das Grounding der Qantas-Flotte am vergangenen Wochenende. Weil das unterbezahlte Personal streikte, blieben sämtliche Känguru-Jets für 48 Stunden am Boden. Die australische Fluglinie verlor damit umgerechnet 36 Millionen Franken, doch erspart sie gleichzeitig der Erdatmosphäre mehrere 100 Tonnen Kohlendioxid. So simpel ist Klimapolitik: Mehr Streiks, weniger CO₂! Für die neue Mitte ist dies wohl ein allzu exzentrischer Gedanke. (BG)

März 2011

Schwindendes Restvertrauen ins Restrisiko

Klimacartoons. – Die dramatischen Ereignisse im havarierten japanischen AKW Fukushima halten die Welt in Atem. Als quasi klimaneutral postulierte Energieform steht die Kernkraft auf dem sicherheitstechnischen Prüfstand. Vorläufiges Ergebnis: Das Restvertrauen der Öffentlichkeit ins nukleare Restrisiko ist massiv gesunken. Die atomare Katastrophe in Japan inspiriert auch etliche Cartoonisten zu scharfer Kritik. Besonders bissig sind die frankophonen Satiriker – aus Tradition und eigener Betroffenheit (Frankreich bezieht rund 80 Prozent seines Stroms aus AKWs). (BG)

© Vigousse, Le petit satirique romand (Lausanne): «In der Schweiz ist die nukleare Sicherheit garantiert – alle Massnahmen dazu sind getroffen worden: Tsunami verboten. Erdbeben verboten.»

© Le Canard enchaîné (Paris): «Müssen wir Angst haben? – Keinerlei Gefahr!!»

Grenzenlos grüne Automobilität unter Heimatschutz

Klimaglosse. – Alles wird gut, alles wird grün! Nicht nur der kommende Frühling, nein, auch das künftige Auto. Hybrid und Elektro heissen die grünen Antriebe, die am Genfer Auto-Salon (bis 13. März) auf wachsendes Interesse stossen. Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey plädierte an der Eröffnung für «grösstmögliche Nachhaltigkeit», die Wirtschaftsverbände befürworten in grossen Zeitungsinseraten das «Klimaziel des Bundesrats» und ETH-Autoprofessor und Klimablogger Lino Guzzella fordert in der NZZ am Sonntag, die «Mobilität als Menschenrecht» sei zu begrenzen. Solche Appelle kümmern die Autobranche wenig, ungebremst fährt sie weiter auf der grünen Welle. Statt stinkige Benziner stellt sie grüne Blechkarossen ins Schaufenster. Diese rollen dann fraglos mit Vierradantrieb durch die verstopften Strassen.

Braune Sauce statt funkelnder Smaragd

Plugin-Hybride und reine E-Mobile von etwa Porsche, Volvo, BMW und sogar Rolls-Royce pusten unterwegs zwar weniger Treibhausgase in die Luft, doch die Motorleistung und die gefahrenen Kilometer nehmen im Ganzen gesehen zu. Macht nix, wenn der Energiekonsum dabei weiter wächst – die Technik ist ja grün, subtil eingebettet in die PR-Kampagnen einer grünen Wirtschaft mit grünen Jobs und grünen Produkten. Die «grüne Vision» werde Realität, heisst es kühn auf der Website des Genfer Salons (mit grün behalstuchter Cabrio-Lenkerin auf dem Plakat). Pech nur, dass der genuine Saft zum Aufladen all der Autobatterien global gesehen nicht grün wie ein Smaragd funkelt, sondern als braune Sauce aus tiefster Erde sprudelt. Oder dort als staubig-schwarzer Brocken lagert. Grünschnäbel werden jedoch belehrt, die Schweiz sei ein klimaneutrales Musterkind. Bei uns könne man künftig die E-Mobil-Batterien vollumfänglich mit klimaneutralem Strom laden.

Ständerat auf klimapolitischer Überholspur

Eine derart grenzenlos grüne Automobilität verheisst auch der Ständerat, der just diese Woche Umweltministerin Doris Leuthard links überholte. Die kleine «Chambre de réflexion» stimmte einer 20-prozentigen Senkung des Treibhausgas-Ausstosses bis 2020 allein im Inland zu – im Gegensatz zur grossen Kammer aber inklusive der dazu erforderlichen Massnahmen (sprich verteuertes Benzin). This Jenny, kantiger Standesvertreter und Bauunternehmer aus Glarus, argumentierte fest mit dem Steuer in der Hand: «Es ist offenbar unbestritten, dass diese CO2-Reduktion mit zusätzlichen Arbeitsplätzen verbunden ist. Wenn ich aber schon Massnahmen mit Kosten beschliesse, dann will ich diese Arbeitsplätze in der Schweiz generieren und auch behalten. Für alles andere bin ich viel zu sehr Patriot und viel zu sehr Wirtschaftsvertreter. Mir reicht es schon, dass die Ausländer die Tunnels in der Schweiz bauen.» Wenn Heimat- und Klimaschutz offenbar auf derselben Spur fahren, dürfte das grüne Paradies schneller zu erreichen sein. Trotzdem werden bis dahin vermutlich noch etliche Lenze mit Auto-Salons ins grüne Heimatland ziehen. (BG)

Februar 2011

Murmeltiere auf Klima-Diät

Klimaglosse. – Wir alle kennen den grellen Pfiff und äugen dann aufgeregt im Gebirge umher. Schau! Mit Glück und scharfen Augen erkennt man ein oder sogar mehrere Murmeltiere, wie sie bolzengerade in die Gegend glotzen. Die alpinen Nager plagen neuerdings Sorgen wegen ihres Gewichts. Sie tragen aber nicht wie etliche Homo sapiens zu viele Pfunde um den Bauch, sondern zu wenige! Den putzigen Bergsiedlern macht nämlich die Klimaerwärmung zu schaffen. Bereits unter 1000 Höhenmetern ist es ihnen heute zu heiss, denn sie haben nur wenige Schweissdrüsen. Steigt die Temperatur im Sommer, bleiben die Kälte-Freaks untertags länger im Bau und können sich somit kein ausreichendes Polster für den Winter anfuttern. Weil es ihnen an Speicherfett fehlt, überleben sie den Winterschlaf nicht oder werden zu früh wieder munter.

Gegen diesen Fettmangel schlagen nun Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine pfiffige Therapie vor. Sie wollen den geselligen Biestern eine pflanzliche «Diät» aus Klee und Liebstöckel verordnen. Beide Alpenkräuter sind reich an lebenswichtiger Omega-6-Fettsäure und lassen bei entsprechendem Verzehr den Body-Mass-Index der struppigen Winterschläfer anschwellen. Damit die Murmeltiere trotz Klimawandel weiterhin phasenweise durchzupennen vermögen, sollen bei Renaturierungen von Skipisten eigens die zwei «Heilkräuter» ausgesät werden. Gewisse Tierfutter-Experten befürchten jedoch, dass der neue Menüplan zumindest den heiklen Feinschmeckern unter den Hochgebirgsnagern zu wenig Abwechslung bietet. Der typisch laute Pfiff zur Warnung vor Adler und Mensch könnte somit bald wegen eintöniger Kost zum gedämpften Frustrationsprusten mutieren und in der einschlägigen Nachbarschaft überhört werden. Aber auch ein solch riskantes Handicap wird die Natur zweifellos richten, im Klimaschutz nennt sich dieser Prozess «Adaptation». (BG)

© Foto: www.muirenhof.com; Quelle: NZZ am Sonntag, 30.1.2011. (Link >hier)

Januar 2011

Klimatisches Gespött aus dem All

Klimaglosse. – Der UN-Geheimdienst hat kürzlich im Weltall mehrere Depeschen aufgeschnappt, die vermutlich von Ausserirdischen stammen. Die Funksprüche befassen sich spöttisch mit Klimaveränderungen auf unserem Planeten. Ein Beispiel: «Der schwarze Kontinent verliert seine weisse Kappe!» Klar, dieser Befund lässt sich sogar durch weit entfernte Satelliten-Kameras belegen. Der Kilimandscharo, mit 5‘900 m höchster Berg Afrikas, wird seinen Gletscher-Hut bald verlieren. Dem kegelförmigen Gipfel droht eine Glatze. «Der Kili braucht eine Perücke», witzeln die Ausserirdischen.

Über die Gründe für den Gletscherrückgang wird in extraterrestrischen Kreisen heftig spekuliert. Die Rede ist vom sogenannten Klimawandel, den die Erdbewohner selbst verursachen würden. Breit abgestützte Forschungsresultate deuteten klar darauf hin. Aber auch andere Ursachen werden in den Depeschen kolportiert. So soll auf der Erde zu viel «heisse Luft» produziert werden, vornehmlich an internationalen Konferenzen wie dem WEF oder übers Weltklima. Dadurch werde die Atmosphäre buchstäblich aufgeheizt.

Auch ein neues Phänomen gefährde das Klima. Im Universum staunt man, wie auf Erden immer mehr Menschen sich rabiat über Ungerechtigkeiten empören. Solche «Wutbürger» erhitzen sich ob all der Willkür und beginnen regelrecht zu kochen. Das habe klimarelevante Folgen, wird in den abgehörten Depeschen gefrotzelt. Mutter Erde schwitze, und dies ohne Deo! (BG)

© Die beiden Bilder zeigen den Gipfel des Kilimandscharos, links im Februar 1993 und rechts im Februar 2000. Allerdings ist zu beachten, dass das Bild 1993 kurz nach einem Schneefall aufgenommen wurde, während das Bild aus dem Jahr 2000 den Gletscher ohne Schneebedeckung zeigt. Die Satelliten-Fotos stammen von der NASA-Website «State of Flux», wo eindrückliche Veränderungen der Erde nach Jahrzehnten oder Tagen dokumentiert sind: Link >hier

© Die Abbildung zeigt die Ausdehnung des Kilimandscharo-Gletschers in den Jahren 1912, 1953, 1976 und 2000 (zusammengestellt und publiziert von Dr. Thomas Mölg, Universität Innsbruck, 2008).

Dezember 2010

Abhängig und gefesselt: Blockade in Cancún

Klimasinnbild. – Cancún am nordöstlichen Zipfel der mexikanischen Halbinsel Yucatán ist bekannt für seine traumhaften Strände, für aufregenden Wassersport und ausgelassene Beach Partys. Vor kurzem ist die einstige Maya-Siedlung mit heute 600‘000 Einwohnern auch mit einem ernsthafteren Thema ins Gespräch gekommen. Am Samstag ging dort die 16. UN-Weltklimakonferenz zu Ende. Das Ergebnis: Für die offizielle Schweizer Delegation wurde ein «solider Grundstein für weitere Verhandlungen» gelegt, die Umweltorganisationen hingegen erachten die Beschlüsse als viel zu wenig griffig.

Symbolisch für die aktuelle Blockade im globalen Klimaschutz ist eine Skulptur, die im weltweit grössten Unterwassermuseum in Cancún steht: Ein Kreis von Menschen, miteinander im gleichen Schicksal verbunden und voneinander abhängig, gleichzeitig aneinander gekettet. Unfähig zu handeln, zur Passivität verdammt. Die Politik nennt diesen gefesselten Zustand «Minimalkonsens». (BG)

Bild: © Underwater Museum Cancún

November 2010

Ausschaffung krimineller CO2-Moleküle

Klimaglosse. – Kurz vor der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún musste das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schmählich eingestehen, dass die Schweiz ihr Emissionsziel gemäss Kyoto-Protokoll wohl verpassen wird. Damit gehört die Schweiz zu den wenigen Staaten in Europa, die beim Klimaschutz schlecht unterwegs sind. Weil die positive Wirtschaftsentwicklung mehr CO₂-Emissionen bringt als angenommen, greift die eidgenössische Klimapolitik viel zu kurz. Um die Blamage auf dem umweltdiplomatischen Parkett zu mildern, hat die Schweizerische Verhinderungspartei sofort reagiert und eine Kohlendioxid-Ausschaffungsinitiative lanciert. Das Volksbegehren will in der Bundesverfassung festschreiben, dass CO₂-Moleküle automatisch das Aufenthaltsrecht in der Schweiz verlieren, wenn sie in krimineller Weise den Treibhauseffekt verstärken. Die Partei ist zuversichtlich, innert kürzester Zeit die erforderlichen 100‘000 Unterschriften zu sammeln und mit einer angriffigen Abstimmungskampagne die Initiative bei Volk und Ständen durchzubringen. Selbstverständlich werde man von den Erfahrungen mit der ähnlichen Vorlage profitieren, die am vergangenen Sonntag an der Urne angenommen wurde, heisst es aus der Parteizentrale. Mit diesem «innovativen Lösungsvorstoss» verspricht sich die strebsame Partei nicht nur den entscheidenden Durchbruch in der Klimapolitik, sondern im nächsten Herbst auch einen gehörigen Zuwachs bei den eidgenössischen Wahlen. (BG /Cartoon: © SVP)

Link zur Medienmitteilung des BAFU:
www.bafu.admin.ch

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Irdischer Burnout

Klimacartoon. – Ach, die arme Erde! Die Kollegen im Weltall haben Mitleid mit ihr. Den Blauen Planeten plagt den sogenannten Homosapiens, eine unabwendbare Seuche der Moderne. Immer mehr Menschen drängen sich auf dem Globus, bald sind es sieben Milliarden. Ein Promille davon lebt im Paradies namens Schweiz, ein generell wohlhabendes Völkchen, aber von grosser Bange getrieben, wie der jüngste Angstbarometer zeigt. Die Eidgenossen und -genossinen im Herzen Europas fürchten sich deutlich mehr als im Vorjahr vor Kriminalität, vor Überfremdung und einem Sittenzerfall. Aber an oberster Stelle der Bedrohungsskala, man staunt, stehen seit vielen Jahren unverändert die Luftverschmutzung und Klimaveränderung. Ob bei den deswegen Verängstigten auch die Klimaskeptiker mitgezählt sind, die die Wissenschaft des UN-Klimarats fürchten wie der Teufel das Weihwasser, liess sich nicht ermitteln. Das mit der Untersuchung betraute Forschungsinstitut schweigt sich darüber aus. (BG)

Cartoon: © rumix.de; Angstbarometer 2009 unter www.gfs-zh.ch

Oktober 2010

Postkarte aus der Klimazukunft

London, 22. Oktober 2050.

Hello everyone!

Unser Städteweekend führt drastisch vor Augen, welch politische Brisanz die Klimaerwärmung entfaltet. König Charles, früher als Prinz ein engagierter Umweltschützer, heute voll mit seiner fünften Scheidung beschäftigt, ist direkt vor der Haustür mit einer Heerschar von Flüchtlingen konfrontiert. Hunderttausende Menschen, deren Heimat vom ansteigenden Ozean überflutet wurde, sind in nördliche Länder geflüchtet. In London errichten die klimatisch Vertriebenen ihre Wellblechhütten demonstrativ vor dem Buckingham-Palast. Die königliche Residenz mit der berühmten Wachtablösung dürfen Touristen leider nicht mehr in natura bestaunen. Zum Glück gibt es jedoch ein App, das die prunkvollen Räume der Royal Family virtuell durchstreifen lässt. Ähnliche Softwares sind auch für viele andere Sehenswürdigkeiten rund um den Globus herunterzuladen. Somit müssten wir gar nicht mehr herumfliegen und die Atmosphäre aufheizen. Nur eben: London, goodbye for ever? Never! Trotz Klima-Slums. Cheers! (BG).

(Fotomontage: © Robert Graves und Didier Madoc-Jones, weitere Bilder auf www.flickr.com unter diesen beiden Namen)

Eidgenössischer Klimaschutz à la mexicaine

Klimaglosse. – Mit ihrer Volksinitiative gegen Offroader sind die Jungen Grünen auf dem Pannenstreifen gelandet. Am Donnerstag bugsierte der Nationalrat das Volksbegehren mit 116 zu 58 Stimmen vorerst in den Strassengraben und beschloss die Fertigung eines Gegenvorschlags. Bei der mehrstündigen Debatte stauten sich 40 Votanten vor dem Rednerpult, um dort rhetorisch aufs Gaspedal zu drücken. Die Umweltschützer schimpften die Offroader gefährliche Monster, protzige Panzer und fatale Klimakiller, die Gegenseite schwadronierte von einer Neid-Initiative, einem Kreuzzug gegen das Auto und stempelte die Initianten zu «Idealisten der frischen Luft». Zwischen den beiden unversöhnlichen Redner-Kolonnen wurden auch noch die «Kampfvelofahrer» argumentativ eingeklemmt.

Vergeblich verlangte Mitinitiant und Nationalrat Bastien Girod, notabene auch Klimablog-Gastautor, «etwas mehr gutschweizerische Bescheidenheit auf der Strasse, etwas mehr Rücksicht auf Mitmenschen und Umwelt». Solch erhabene Worte gingen völlig im Motorenlärm der Gegner unter. Diese befürchteten eine unnötige «Klimavergiftung» in der Bevölkerung, die in den Berggebieten auf Allradfahrzeuge angewiesen sei. Doch der Mythos vom Alpenland Schweiz ist längst auf dem Schrottplatz gelandet, das Sennentuntschi bietet bloss noch Filmstoff. Die meisten schweren Offroader werden nicht in hügeligen Regionen, sondern gemäss neuster Statistik im platten Mittelland immatrikuliert. Um hier das Töchterchen in die Geigenlektion zu chauffieren oder den Gatten beim Golfplatz zu deponieren, leisten die 300 Pferdestärken eines SUV jedoch einen geradezu unverschämt luxuriösen Kraftakt.

In puncto Gegenvorschlag zur Offroader-Initiative gibt es rege Geister, die mit der grünen Welle der derzeitigen Politpossen fahren möchten (Stichwort Bündnerfleisch-Bundesrat). Für sie ist Mobilität eine globale Herausforderung, der man mit innovativen und falls nötig auch exotischen Lösungen begegnen sollte. Bereits hat die unheilige Links-Rechts-Allianz eine breite Inverkehrssetzung des «SUV à la mexicaine» vorgeschlagen (siehe Bild). Das fast klimaneutrale und imposante Gefährt mindert nicht bloss den leidigen Stadt-Land-Gegensatz, ebenso wird die Biodiversität weiterhin gefördert (man beachte die besondere Braunvieh-Rasse), nachdem das Parlament den Wolf zum Abschuss frei gegeben hat. Bei diesem lateinamerikanischen Kuhhandel wird der Schweizer Souverän kaum unter die Räder kommen. Gemäss Tradition hat das Volk ja stets das letzte Wort und darf über Offroader-Initiative und Gegenvorschlag abstimmen. (BG)

September 2010

«Mit steigender Klimaerwärmung sinken die Reisernten»

Klimazitat. – Jarrod Welch, Ökonom an der Universität von Kalifornien, fasst so seine von ihm geleitete Studie zusammen, die das Internationale Reisforschungsinstitut (IRRI) kürzlich vorstellte. Die brisanten Resultate der Untersuchung gingen bei uns völlig in der Informationsflut unter: Der Klimawandel bedroht die weltweite Reisproduktion. Vor allem die steigenden Nachttemperaturen werden die Ausbeute der Ernten stark beeinträchtigen. Die Ertragssteigerungen seien in manchen Regionen Asiens durch steigende Temperaturen in den vergangenen 25 Jahren bereits um zehn bis 20 Prozent geringer ausgefallen als erwartet, berichtete das IRRI.

Drei Milliarden Menschen essen täglich Reis, beinahe die Hälfte der Weltbevölkerung. Für Hunderte Millionen ist es das Hauptnahrungsmittel. Sinkende Erträge könnten Hungersnöte auslösen. Die Forscher haben für die neue Studie über sechs Jahre erhobene Daten aus 227 bewässerten Reisfarmen in sechs Ländern Asiens ausgewertet. Wenn wir die Produktionsmethoden nicht ändern oder neue hitzetolerantere Sorten entwickeln, werde die Produktion in den nächsten Jahrzehnten deutlich weiter sinken, sagen die Wissenschaftler. Das IRRI forscht auf seinem Versuchsgelände in Los Baños auf den Philippinen bereits nach Sorten, die Hitze besser aushalten. (BG/SDA)

Link zum IRRI: www.irri.org

Mechanisierte Reisproduktion in Korea. (Foto: IRRI)

 

August 2010

Hochprofessionelle Verwedelungstaktik

Klimaspot. – «Die Forschung kommt zum Schluss: Wir zerstören die Erde.» «Könnten Sie das gefälligst zu einem mehrdeutigen, verschwommenen und schönrednerischen Ausdruck umformulieren, den wir alle verstehen können?» Der Karikaturist Justin Bilicki aus New York konfrontiert die faktenorientierte Wissenschaft mit der wirtschaftsabhängigen Politik und schafft eine groteske Welt. Die Forschung redet Klartext, den die Regierungen nicht verstehen wollen. Sie sind wahre Meister im Abwiegeln von Forderungen, im Verwedeln von Tatsachen und beim Vertagen von Entscheiden. Solange aber die Klimawissenschaftler/innen nur vereinzelt und nicht als schlagkräftiges Kollektiv in der Öffentlichkeit auftreten, haben ihre Argumente zu wenig Gewicht. Die Klimagegner beherrschen PR- und Lobbyarbeit vortrefflich und wissen sich klar besser in Szene zu setzen.

Bestechende Anschauung dazu liefert derzeit BP. Der britische Konzern hat zwar die weitaus schlimmste Ölpest aller Zeiten verursacht und muss nun mit einer riesigen Welle von Schadenersatz-Klagen rechnen. Dies wird wohl zum grössten Rechtsstreit der amerikanischen Geschichte werden, doch BP hat bereits die allerbesten Unternehmensanwälte in den USA verpflichtet. Bis alle Sammelklagen verhandelt sind, werden locker zehn Jahre verstreichen. Ein Jahrzehnt, in dem die unermessliche Verschmutzung von Meer und Küste hochprofessionell verharmlost, dementiert und unter den Tisch respektive Meeresgrund gewischt wird. So geht das. (BG) © Justin Bilicki, New York, 2008

Weihnachtsmann in Bedrängnis

Klimacartoon. – In der Schweiz gehörte der Juli 2010 mit einem Wärmeüberschuss von rund 3 Grad zu den fünf wärmsten der Messreihe mit Beginn im Jahr 1864 (mehr dazu hier). Wer denkt in solch heissen Zeiten nicht gerne an den kühlen Norden? Doch auch nördlich des Polarkreises herrscht Unruhe. Die mittlere Ausdehnung des Arktischen Meereises hat in diesem Juli den zweittiefsten Stand seit Beginn der Satellitenbeobachtung im Jahr 1979 erreicht (mehr dazu in Englisch hier). Fassungslos treibt Sankt Nikolaus im Arktischen Ozean umher und kann seine Sommerferien überhaupt nicht geniessen. © Omar Upegui R., 2008

Juli 2010

Verfolgung im zweigeteilten Meer

Klimacartoon. – Nachdem britische IPCC-Forscher kürzlich vom Betrug freigesprochen und auch gewisse Qualitätszeitungen wie «Sunday Times» und «Frankfurter Rundschau» der unwahren Berichterstattung überführt wurden, herrscht in der etablierten Klimawissenschaft Aufbruchstimmung. Die neu aufgenommene Wallfahrt ins verheissungsvolle Reich der Umwelttechnologien verläuft durchs Rote Meer, so sieht es jedenfalls der australische Karikaturist. Ob allerdings die den Pilgern hinterherjagenden Klimagegner – analog den Ägyptern in der Bibel – durch Moses‘ Zeichen in den Fluten begraben werden, ist noch offen. © Peter Nicholson, 2006

Alternativen zum Biobenzin

Klimacartoon. – «Fliegen mit Treibstoff aus Algen». Dieser Titel im «Tages-Anzeiger» macht Hoffnung auf ein Ende der umstrittenen Biofuels. Boeing und Airbus setzen gemäss dem Bericht auf eine zukunftsträchtige Energieversorgung. Eine neue Generation von Agrartreibstoffen soll das Ethanol ablösen. Dessen Produktion beansprucht kostbares Ackerland und bedroht die Lebensmittelproduktion. Algen hingegen und andere salzresistente Pflanzen lassen sich auch auf unfruchtbarem Boden aufziehen. In Testflügen wurden verschiedene Gemische erprobt, die 80 Prozent weniger Treibhausgase ausstossen. Für die zweite Generation von Agrartreibstoffen interessiert sich neben den beiden führenden Flugzeugherstellern auch China. © D. Baldinger, 2008

Link zum TA-Artikel hier.

Juni 2010

Freude herrscht: Züri-Fäscht senkt CO₂-Ausstoss!

Klimaspot. – Zürich ist in heisser Festlaune. Von heute Freitag bis Sonntag wird die Innenstadt zur riesigen Fete. «Zünftig durchdrehen» titelt auf der Frontseite der züritipp, das Ausgehmagazin des «Tages-Anzeigers». Die grösste politische Tageszeitung des Landes verliert selbst ein wenig den Verstand, setzt doch die Online-Ausgabe über einen Bericht die Überschrift: «Flugshow am Züri-Fäscht hilft beim CO₂-Sparen» (Link zum Artikel hier). Wohlan denn! Mega-Partys sind also ein neues Heilmittel gegen die leidige Klimaerwärmung. Cool.

Schaut man die Sache näher an, entpuppt sich die übermütige Behauptung als kopfloser Journalismus. Selbstverständlich muss die Schweizer Luftwaffe üben, sonst kann sie etwaige Wüsteneinsätze in Libyen kaum durchstehen. Und selbstverständlich werden zum Training die besten Flieger benutzt, wofür sonst hat die Schweiz denn die milliardenteuren F/A-18s gekauft. Auch ohne die Show über Zürich würde nicht weniger geflogen, sagt der Kommandant der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse, die mit den älteren Tigers fliegt (u.a. wegen der integrierten Rauchanlagen für den Showeffekt).

Wenn also heute pünktlich um 17.05 Uhr am Züri-Fäscht die helvetischen Piloten nicht in den protzigen F/A-18-Jets über das 2000-Watt-Zürich düsen, sondern in den flügellahmeren Tigers der Patrouille Suisse, wird tatsächlich CO₂ gespart. So geht die Milchmädchenrechnung. Bereits hat sich neben einigen Stadtzürcher Gemeinderäten, die prinzipiell gegen Flugshows sind, auch ein überparteiliches Komitee für ein «allmonatliches Züri-Fäscht» gebildet. Die Vereinigung sieht sich als wegbereitende Promotorin, die den drohenden Klimawandel mit unkonventionellen Massnahmen bekämpfen will — eben mit der Schweizer Luftwaffe! (BG) (Bildquelle: VBS)

BP-Strudel als Chance zum Umdenken

Klimaspot. – Die Ölkatastrophe vor den Küsten Louisianas gewinnt immer mehr politische Sprengkraft, steht doch US-Präsident Barack Obama unter höchstem Druck. Die BP-Chefs wurden in Washington vorgeladen und gaben knirschend zu, «gewisse, nicht fahrlässige Verfehlungen» begangen zu haben. Umweltschützer werfen dem britischen Erdölkonzern jedoch vor, bewusst Sicherheitsrisiken in Kauf genommen zu haben, um schneller und billiger mit den Bohrungen vor den Küsten Nordamerikas voranzukommen.

Unterdessen macht auch die breite Öffentlichkeit ihrer Empörung heftig Luft. Auf dem Internet wurde eine Plattform aufgeschaltet www.logomyway.com, die den Wettbewerb für ein neues BP-Logo lanciert hat. Auf der Site kann man Hunderte von professionellen Entwürfen betrachten und bewerten. Oben ist der derzeit erst platzierte Vorschlag zu sehen (bp = bungled procedures = pfuschhaftes Vorgehen).

Entrüstung löste auch die Aktion aus, wo BP bei den grössten Suchmaschinen den Begriff «Oil Spill» (Ölkatastrophe) gekauft hat. Das berichteten ABC News (hier) und Tages-Anzeiger-online (hier). Die durch das Umweltdesaster wuchtig in Kritik geratene Firma hat für ihre eigenen Webseiten bei Google und Yahoo die besten Plätze auf deren Trefferlisten reserviert. Dort finden sich offenkundig nur beschönigte und beschwichtigende Informationen. Mit seinem fragwürdigen Treiben bringt der angeschlagene Multi nun die ganze Ölbranche in Bedrängnis. Vielleicht könnte das selbst die hartnäckigsten Köpfe aufweichen und ein Umdenken in der Klima- und Energiepolitik auslösen. (BG)

Der Homo sapiens in der Klimafalle

Klimacartoon. – Man prustet nicht gleich los, kein herzhaftes Lachen ist zu hören, kein spontanes Schmunzeln zu spüren. Der Cartoon erschliesst sich der Betrachterin, dem Betrachter nicht sofort, bleibt jedoch im Auge haften. Die zwei Bilder erzählen eine unterschiedliche Geschichte, meinen aber schliesslich das Gleiche. Der bekannte Cartoonist Tom Toles trifft mit seinem Stift für die «Washington Post» voll ins Schwarze.

Im linken Bild 1500 Meter unter dem Meeresspiegel erkennt man das Leck der BP-Bohrinsel mit ausfliessendem Öl und der Glocke, die verzweifelt darüber montiert wird. Seit sieben Wochen hält die Ölpest im Golf von Mexiko die Welt in Atem. Sinnbild für diese unfassbare Umweltzerstörung sind die vielen Pelikane, notabene Wappentiere des US-Bundesstaates Louisiana, deren Federkleid lebensgefährlich vom Erdöl verklebt ist. Solche Bilder brennen sich ins Gedächtnis.

Im rechten Bild zurück auf der Erdoberfläche ist ein Kraftwerk zu sehen. Gierig saugt es den braunen Saft aus dem Boden, verbrennt ihn und pustet eine Wolke von Treibhausgasen in die Atmosphäre. Das Leck ist geflickt, der Treibstoff der Weltwirtschaft sprudelt wieder tadellos. Ein Homo sapiens (lat. vernunftbegabter Mensch) beschwichtigt: «Alles bestens!» Keine Bange. Die Geschäfte gehen weiter ihren Gang. Aus den Augen, aus dem Sinn. Oder war da noch was? (BG) © Tom Toles, 2010

Das Votum am Klimagipfel

Klimacartoon. – «Was, wenn das alles ein grosser Schwindel ist und wir vergebens eine bessere Welt schaffen?» © Joel Pett, 2009

Eidgenössische Polit- und TV-Kritik: Service public sans Sciences

Klimaspot. – Die Metaphern in den Medien waren mannigfaltig. Von klimapolitischen Kapriolen wurde geschrieben, von ökologischen Slalomfahrten oder gar einer parlamentarischen Fata Morgana. Die Rede ist vom Nationalrat, der diese Woche am Montag ein vollmundiges Versprechen abgab, den CO₂-Ausstoss bis 2020 allein in der Schweiz um 20 Prozent zu senken. Tags darauf strich die grosse Kammer aber die Möglichkeit einer CO₂-Abgabe auf Benzin wieder aus dem Gesetz. Um das sinnvolle Ziel auch effektiv umzusetzen, gibt es nun keine entsprechenden Instrumente. Das ist eidgenössische Klimapolitik.

Zum Einstimmen der Klimadebatte im Parlament strahlte das Schweizer Fernsehen am vergangenen Freitag (28. Mai) eine «Arena»-Sendung aus. Mit Umweltminister und Bundesrat Moritz Leuenberger diskutierten die grüne Nationalrätin Franziska Teuscher und der Zürcher FDP-Nationalrat (und ehemalige «Arena»-Moderator) Filippo Leutenegger. Als Special Guest dabei war Stress, rühriger Rapper und Umweltschützer (aktuell im Coop-Werbespot). Hervorgehoben wurde auch Hans Rentsch, selbständiger Ökonom (mit Label Avenir Suisse) und angeblicher «Querdenker». Das ist eidgenössische Ausgewogenheit.

Die Debatte drehte sich von links über die Mitte nach rechts und wieder zurück um längst bekannte Argumente, erfrischend manchmal Stress, bemühend meistens Rentsch. Man zitierte freimütig wissenschaftliche Resultate (2-Grad-Grenze, Klimaveränderungen im Alpenraum, erforderliche 40 Prozent CO₂-Einsparung), die jeweils von der Gegenseite bestritten oder zumindest in Zweifel gezogen wurden. Doch im hell beleuchteten Studio des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der Deutschschweiz sass kein einziger Klimawissenschaftler, keine einzige Klimaforscherin. Kurzum: Service public sans Sciences. Das ist eidgenössischer Medienalltag. (BG)

Mai 2010

Hilfe, die Natur kommt!

Klimacartoon. – © Constantin Ciosu, 2008

Ökofakten und Meinungen

Klimaspot. – In den Medien ist die Ölkatastrophe vor den Küsten Louisianas in den Hintergrund gerückt, die Rettungsaktion des Euro und das nominierte Schweizer Fussball-WM-Team beherrschen jetzt die Schlagzeilen. Interessant für den ökologisch interessierten Beobachter ist gleichwohl, wie ungleich gerade auch Qualitätszeitungen die möglichen Folgen des Desasters einschätzen. Am Samstag, 8. Mai, titelt der «Tages-Anzeiger»: «Jede Ölkatastrophe wird zur chronischen Belastung. Die Natur erholt sich auch nach Jahrzehnten nicht vollständig.» Tags darauf ist in der «NZZ am Sonntag» prominent zu lesen: «Die ökologischen Folgen von Ölunfällen werden systematisch überschätzt. Die Natur leidet, aber sie erholt sich meistens schneller als vermutet.»

Das Pingpong der Argumente aufgrund von Studien und Fachleute-Zitaten geht in beiden Berichten munter weiter. Am Ende folgert der TA: «Doch wenn auch alles unternommen wird wie nach der Katastrophe von Exxon Valdez: Alle Spuren lassen sich nicht verwischen.» Eine andere Meinung steht zum Schluss in der NZZaS: «Die Natur überrascht eben immer wieder – in der Tiefe und an den Küsten, wo sie sich hoffentlich bald wieder erholt.»

Der geneigten Leserin, dem geneigten Leser bleibt folglich nach dieser Lektüre auch nur die Hoffnung – einerseits auf baldige Genesung des gebeutelten Ökosystems und anderseits auf mehr fakten- und weniger meinungsbasierten Journalismus. (BG)

Politik und Wissenschaft – ein Missverständnis?

Klimacartoon. – © Jesse Springer, 2007, www.springercreative.com

Besonnene Balance

Klimaspot. – Die Ölpest im Golf von Mexiko empört die Welt, in der Region bangen Fischerei und Tourismus um ihre Existenz. Auch bedroht die Katastrophe ein weiträumiges, reiches Ökosystem. Losgelöst von Moral- und Schuldfragen wundert man sich, wie der moderne Mensch mit Risiken umgeht. Da kommt der gesamte Flugverkehr über Europa zum Erliegen, weil in Island ein Feuerberg kräftig Asche spuckt. Der vulkanische Feinstaub in den verblasenen Wolken könnte die Jets abstürzen lassen. Wenn es unmittelbar um unsere eigene Haut geht, sind wir übervorsichtig und verlangen hundertprozentige Sicherheit.

Leichtfertiger, ja manchmal bedenkenlos handhaben wir hingegen die Risiken von Umwelt-GAUs. Mangelnde Vorsorge und verspätete Reaktion sind hier oft zu beobachten. Ein aktuelles Beispiel ist die leckende Ölplattform von British Petrol BP. Um den wachsenden Energiehunger zu stillen, werden immer gewagtere Bohrungen vor den Küsten vorgenommen. Die Gefahr eines Unfalls steigt dabei beängstigend an. Direkt davon betroffen ist eine beträchtliche, wenn auch begrenzte Anzahl Menschen (und zudem eine unermessliche Tier- und Pflanzenwelt). Doch was weit weg ist, juckt mich nicht!

Noch entfernter und vielleicht erst für nächste Generationen gefährlich sind die Unwägbarkeiten des Klimawandels. Auch hier handelt der Mensch, wie wenn ihn die möglichen Folgen keinen Deut angingen – zaudernd oder gar nicht. Man darf gespannt sein, ob der Homo sapiens, diese vernunftbegabte Kreatur, zwischen den Fronten von Klimagegnern und Ökofanatikern eine besonnene Balance zu finden vermag. Nötig für dieses soziale Gleichgewicht ist der gesunde Menschenverstand – damit das Weltklima selbst nicht dereinst aus dem Ruder läuft. (BG)

April 2010

Das plausible Klimaargument

Klimacartoon. – © Katharina Greve, 2007

April, April, liebe NZZ!

Klimaglosse. – Wer hätte das gedacht! Unser harmloser 1. April-Scherz auf dem Klimablog schaffte es sogar in die Spalten der hochseriösen Neuen Zürcher Zeitung – und dies als todernste Meldung unter «IN KÜRZE» auf der Inlandseite.

Entweder muss die Nachrichtenlage am Karfreitag so lausig gewesen sein, dass der diensttuende Redaktor aus journalistischer Not blindlings in den «Ententeich» der verfügbaren News griff. Oder aber die «Alte Tante von der Falkenstrasse» schenkt unserer Hochschule ein so tiefes Vertrauen, dass sie nie an der Richtigkeit von ETH-Verlautbarungen zweifeln würde.

Wie dem auch sei, die Klimablog-Redaktion hat ihr Schadenfreudchen genossen. Keinen Platz hingegen fand die vorösterliche «Ente» im jeweils wöchentlich verschickten ETH-Medienspiegel. Dort sind solche Spässchen offenbar nicht angebracht oder die Meldung ist publizistisch unter der Würde unserer geschätzten Kolleginnen und Kollegen der Hochschulkommunikation. (BG)

März 2010

Die ultimative Klimafrage

Klimacartoon. – «Warum entweichen die Treibhausgase nicht einfach durchs Ozonloch?», © Chip Bok, 2009

Rückruf für alle mobilen CO₂-Schleudern

Klimakolumne. – Das Auto steht in der Schweiz wiederum im jährlichen Scheinwerferlicht. Zum 80. Mal erwartet der Genfer Auto-Salon bis 14. März sein Stammpublikum. Die gleissenden Neuheiten aus den Werkstätten dieser Welt locken an elf Tagen gegen 700‘000 Leute in die Rhonestadt. Da reihen sich enge Sportboliden neben geräumigen Familienvans, dicht an protzige Schluckspechte platzieren sich trendige Hybride. Je höher der Preis desto prominenter werden die Premieren durch Ex-Missen und sonstige Schönheiten präsentiert.

Doch die Show blendet zu stark, denn trotz des mobilen Pomps rollt die Branche recht harzig voran. Die Autoindustrie tritt weltweit auf die Bremse, verzweifelt sucht man nach Partnern für Fusionen oder Allianzen. Einschneidend macht sich die Wirtschaftskrise bemerkbar, den gebeutelten Konsumenten fehlt selbst für einen Kleinwagen das Geld. Hinzukommen blamable technische Fehler, die beispielsweise bei Toyota den Rückruf von über 10 Millionen Fahrzeugen bewirkten. Klemmende Gaspedale und Mängel bei Bremsen haben arg am Lack des globalen Marktführers gekratzt. Konzernchef Akio Toyoda musste sogar demütig vor dem US-Kongress antraben und sich für die Pannentechnik entschuldigen. Dabei versprach der Enkel des legendären Firmengründers reumütig Besserung.

Ineffizientes Relikt von Otto und Diesel

Eine Chance zum Überholen? Der Kotau des mächtigsten Autobauers könnte das Ende des Verbrennungsmotors einleiten, notabene eines völlig ineffizienten Relikts aus den alten Zeiten von Otto und Diesel. Wir lenken Autos mit Motoren von 97 kW Leistung (Schweizer Durchschnitt, entspricht 132 Pferdestärken), die im Stadtverkehr mickrige 6 kW und auf Autobahnen bei Tempo 120 bloss 25 kW beanspruchen. Warum diese Verschleuderung von Material, Energie und Geld? Nur um mit aufgeblähten Blechkisten unseren lieben Nachbarn und Bekannten zu imponieren?

Bitte Fernlicht an! In 15 Jahren könnte es soweit sein, dass die einflussreichsten Autohersteller gemeinsam vor die Vereinten Nationen treten, um eine der gigantischsten Rückrufaktionen anzukündigen. 2025 werden weit über eine Milliarde Fahrzeuge unterwegs sein, noch überwiegend mit Verbrennungsmotoren ausgerüstet. Diese CO₂-Schleudern (im Bild oben ein Beispiel) sollen nun gemäss globalem Recht innert eines Jahrzehnts durch umweltschonende Modelle ersetzt werden, damit die Folgen des Klimawandels sich nicht weiter verschärfen. Der Auftritt der Autobosse in New York wird weltweit tiefste Empörung und zugleich stürmische Begeisterung auslösen. Die mobile Welt wird Kopf stehen, aus Protest werden die Strassen für Wochen verstopft sein, Hupkonzerte die Ohren schmerzen und die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zusammenbrechen. Ein menschenverursachtes Chaos sondergleichen wird die Welt in ihren Grundfesten erschüttern – und der 95. Genfer Auto-Salon definitiv abgesagt. (BG)

Februar 2010

Klimatologie à la française

Klimacartoons. – Selbst das ökologisch zurückhaltende Frankreich macht sich Gedanken über die Klimaerwärmung – wenn auch spöttische, nachdem die US-Weltraumbehörde Nasa kürzlich auf dem Mond Spuren von Wasser gefunden hat (links). Für das Satireblatt «Le Canard enchaîné» sind die Klimaskeptiker nach den Turbulenzen um den Weltklimarat IPCC ein «spassig heisses» Thema (rechts). Eh bien soit! © Le Canard enchaîné, 2009/2010

«We Can’t Wish Away Climate Change»

Klimazitat. – Von Al Gore, ehemaligem US-Vizepräsident und Verfechter einer griffigen Klimaschutzpolitik, in einem Artikel der «New York Times» vom 27. Februar 2010, der auf die Offensive der Klimagegner und deren Angriffe auf die Klimaforschung reagiert. Ein lautstarker Widersacher von Gore ist US-Senator James Inhofe. Der republikanische Hardliner aus Oklahoma bezeichnet den Klimawandel als «gewaltige Falschmeldung (hoax)», die den Amerikanern von der Wissenschaft vorgesetzt wird.

Zur laufenden Kontroverse über das IPCC passt der Cartoon aus Teufels Klimaküche. © ERL, 2007

Januar 2010

Katastrophentourismus

Klimacartoon. – © Bernd Zeller, 2007

Klimawandel

Klimacartoon. – © Stuttmann, 2007

Dezember 2009

«For the next two weeks, Copenhagen will be Hopenhagen.»

Klimazitat. – Von H.E. Lars Lokke Rasmussen, Dänischer Premierminister (anlässlich der Eröffnungsrede der COP15 vom 07.12.09)

November  2009

«Wie in aller Welt können wir das zudrehen?»

Klimacartoon. – © R.J. Matson 2006, St. Louis Post-Dispatch

«Die Schweiz kann beim Klimaschutz nur gewinnen, wenn sie schnell und voll dabei ist.»

Klimazitat. – Von ETH-Professor Konstantinos Boulouchos (am Klimagespräch der ETH Zürich vom 12.11.09)

Kabinettssitzung unter Wasser

Klimaglosse. – Das Ringen um mediale Aufmerksamkeit treibt immer wunderliche Blüten. So hat letzthin die Regierung der Malediven eine Kabinettssitzung auf dem Meeresboden einberufen, um auf die Bedrohung des Inselstaats durch den Klimawandel aufmerksam zu machen.

Der umtriebige Präsident Mohammed Nasheed und seine 13 Kabinettsmitglieder unterzeichneten wenige Meter unter der Meeresoberfläche einen Appell an die Weltgemeinschaft, ihren CO₂-Ausstoss zu reduzieren.

In der Schweiz hingegen sind solche Klima-Happenings weniger beliebt. Bereits habe die Tourismusindustrie beim Bundesrat interveniert, munkeln Insider. Die Branche wünsche sich ein Verbot von Anlässen an klimakritischen Schauplätzen. Schwindende Gletscher, steigende Schneegrenzen und häufigere Überschwemmungen als Medienspektakel würden das bereits angeschlagene Image unseres Landes noch weiter strapazieren.

Positiver begegnet die UN-Weltklimakonferenz den Folgen der Erderwärmung. Der nächste Austragungsort nach Kopenhagen soll gemäss Gerüchten aus Diplomatenkreisen nur wenig nördlicher in Südschweden liegen. Dort wachsen jetzt neuerdings Trauben, aus denen edle Tropfen gewonnen werden. Die Tausenden von Konferenzteilnehmenden könnten somit nach Feierabend in den örtlichen Weinkellern und Weinstuben die harten Verhandlungstage ein wenig vergessen. Profitieren davon würden Erd- wie Konferenzklima, erhoffen sich die Veranstalter mit ihrer Standortwahl. (BG)

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