ETH-Klimablog - Ernährung & Landwirtschaft - Frische Ideen gegen Nahrungsmittelverluste

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Frische Ideen gegen Nahrungsmittelverluste

17.10.2013 von

tomate_xavier_robin_flickr_teaserIn der Zeit, die Sie benötigen, um diesen Blogbeitrag zu lesen, werden in der Schweiz etwa 19’000 Kilogramm an geniessbaren Lebensmitteln verschwendet oder gehen verloren1. Das entspricht 19 Ein-Tonnen-Lkws. Die Hälfte dieser Lebensmittel landet in der Schweiz im Haushaltsabfall – und mit ihnen alle verbrauchten Ressourcen, ausgestossenen Treibhausgase und das Geld, das für deren Herstellung, Transport, Lagerung und Verteilung aufgewendet wurde.

Dies ist in weiten Teilen der westlichen Welt ein gängiges Szenario. In Entwicklungsländern entstehen die meisten Verluste am Anfang der Nahrungsmittel-Wertschöpfungskette, nach der Ernte im landwirtschaftlichen Betrieb oder in dessen Nähe. Der Grund dafür sind diverse Faktoren wie beispielsweise ein schlechter Zugang zu Lagermöglichkeiten, Infrastruktur und Märkten. Die Grössenordnung dieses Problems macht klar, dass die Reduktion von Nahrungsmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung einen wichtigen Schritt bei der Schaffung eines nachhaltigen Ernährungssystems darstellt.

Junge Köpfe nehmen sich der globalen Herausforderung an

Am 15. Oktober kamen acht Studenten aus der ganzen Welt an die ETH Zürich, um ihre innovativen Ideen zum Umgang mit diesen Themen vorzustellen: Forschungsprojekte, Aufklärungskampagnen, neue Organisationen oder Unternehmen. Bei den Studenten handelte es sich um Finalisten eines weltweiten Ideenwettbewerbs mit dem Namen «Our Common Food», der vom Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft, der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit und dem schweizerischen nationalen FAO-Komitee lanciert worden war. Angemeldet hatten sich Studenten aus Entwicklungsländern (die sich mit den Herausforderungen im Hinblick auf die Verluste nach der Ernte auseinandersetzten) und aus der Schweiz (die sich mit den durch die Lebensmittelverschwendung entstehenden Herausforderungen auseinandersetzten). Die Finalisten wurden in die Schweiz eingeladen, wo sie in einem «Bootcamp» die Gelegenheit erhielten, sich wichtige Fähigkeiten wie Projektmanagement, Konzeptverkauf und interkulturelle sowie interdisziplinäre Kommunikation anzueignen. Alle Finalisten erhielten anschliessend die Chance, die Wettbewerbsjury davon zu überzeugen, dass ihre Ideen das Potenzial haben, die Lebensmittelverschwendung und den Nahrungsmittelverlust zu verringern.

Starthilfe für die nächste Generation von Vordenkern

Die Preisverleihung des Ideenwettbewerbs fand an einem öffentlichen Anlass des World Food System Center am Welternährungstag, dem 15. Oktober, statt. Am Anlass kamen rund 150 Studenten und Angehörige der ETH Zürich, Mitarbeitende von Partnerorganisationen und weitere Interessierte zusammen, um sich über Nahrungsmittelverlust und Lebensmittelverschwendung, mögliche Lösungen und über die Rolle der Forschung und der Hochschulen zu informieren. Das Center war Gastgeber des Anlasses und tat sich mit der «Our Common Food»-Initiative zusammen: Diese sollte Studierende – die nächste Generation der Vordenkerinnen und Vordenker des Ernährungssystems – auf spannende Art und Weise dazu befähigen, ihre Bildung und ihre Lebenserfahrung  im Umgang mit dieser globalen Herausforderung zu nutzen.

«Our Common Food» gemahnt uns daran, dass die Verantwortung für die globale Ernährungssicherheit bei uns allen liegt, ganz gleich wo wir leben oder was wir essen. Um Lösungen zu finden, bedarf es der Partnerschaften zwischen den Branchen und Disziplinen. Zudem braucht es Vordenkerinnen und Vordenker mit dem Wissen, den Fähigkeiten und der Motivation, diese komplexen und miteinander verknüpften Themen anzugehen. Der Ideenwettbewerb forderte von den Studierenden, konkrete Schritte in diese Richtung zu unternehmen, und die Jury hatte die anspruchsvolle und erfreuliche Aufgabe, die Gewinner unter den vielen eingegangenen innovativen Ideen zu küren. Wir sind gespannt, wie die Gewinner ihre Ideen in die Realität umsetzen.

 

1) Daten aus Beretta, C. et al. (2013) Quantifying food losses and potential for reduction in Switzerland. Waste Management 33: 764 – 773

 

Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt.

 

Zur Autorin:

Michelle Grant ist Geschäftsleiterin des World Food System Center (WFSC).

Weitere Hinweise:

Lesen Sie über die Gewinner des Ideenwettbewerbs auf ETH Life.





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Eines der Projekte im Finale des Ideenwettbewerbs:

Cloud kitchen: less food waste through smart consumption

We propose the conception of an innovative mobile and web-based application called „Cloud kitchen“, which aims to reduce food waste by increasing the consumers awareness of the content of his fridge/kitchen.
Braucht man wirklich eine Internetverbindung, einen PC, ein Smartphone und Tausende von Web-Servern rund um die Welt um zu wissen, was man im Kühlschrank hat?
Lagerbewirtschaftung im privaten Haushalt?

Und ich war immer der Meinung wir sollten Energie sparen, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 2

“Es wird gegessen, was es gerade hat” ist ein längst erprobtes Konzept, u.a. in sen sozialistischen Ländern des Ostens, in der DDR und natürlich in China. In China gibt für ein Millionen Menschen sogar ein verbessertes Modell; „Es gibt entweder Reis, wenn es gerade Reis gibt, oder gar nichts“. Diese Menschen haben offenbar „noch die richtige Einstellung“, die Herr Holzherr bei uns vermisst.

„Nur gerade 6.8% des Einkommens gibt der durchschnittliche Schweizer fürs Essen aus“: Ein Skandal!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

Das Problem ist eher, dass man weggeworfene Lebensmittel nicht mehr den Schweinen verfüttern darf. So wurden früher ungebrauchte Lebensmittel aus Kantinen, Restaurants etc. weiter“verwendet“. Oder ist jetzt Fleisch auch schon politisch inkorrekt.
Immerhin kann man noch Biogas daraus machen. Jedenfalls bis die Leute merken, dass so ein Vergärer eine Bakterien-/Keimefabrik allererster Güte ist und durchaus mal ein paar „böse Käfer“ entweichen können.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

Nicht in erster Linie technische Fortschritte werden in der Schweiz dazu führen, dass weniger Nahrungsmittel fortgeworfen werden, sondern eine bessere Kommunikation und eine grössere Bereitschaft der Kunden auf aktuelle Ereignisse zu reagiren, könnte etwas bewirken.

Angebots- anstatt Nachfrageorientierter Nahrungsmittelverbrauch
Heute bestimmt in der Schweiz viel stärker die Nachfrage als das Angebot, welche Nahrungsmittel verbraucht werden. Analog zu den Smart Grids, die im Stromsektor das Einsparen von Strom bei fehlendem Angebot und den verstärkten Verbrauch bei Überschuss erreichen wollen, könnte es im Nahrungsmittelsektor den smarten Food-Verbrauch geben, der wieder zum Motto zurückkehrt: „Es wird gegessen, was es gerade hat“. Um das zu erreichen, könnten social media und mobile Geräte wie Handy eingesetzt werden.

Mehr Nutzungsmöglichkeiten für abgelaufene und überschüssige Nahrungsmittel
Die Verfütterung von Essensresten an Tiere – eine der Verwertungsmöglichkeiten – ist eher zurückgegangen. Beim Tiermehl gibt es auch ein Infektrisiko. Das Internet der Dinge und Big Data – wir wissen jederzeit was wo passiert – sollten heute eigentlich mehr Verwertungsmöglichkeiten eröffnen, weil schneller reagiert werden kann.

Zum Glück sind die Überlegungen, die ich hier gemacht habe, wohl überflüssig, denn dazu haben sich Leute wie die Verfasserin dieses Blogbeitrags wohl schon längst ihre Gedanken gemacht. An Ideen und Lösungsansätzen mangelt es wohl kaum. Vielleicht fehlt bei vielen Leuten nur noch die richtige Einstellung und die Bereitschaft etwas zu unternehmen. Denn um Nahrungsmittel muss man sich in der Schweiz kaum kümmern. Nur gerade 6.8% des Einkommens gibt der durchschnittliche Schweizer fürs Essen aus und es gibt nur 4 Länder, wo die Einwohner gemessen an ihrem Einkommen noch weniger ausgeben.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

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