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Schutz der Ozonschicht: Internationales Umweltrecht mit Biss – auch für das Klima!

08.10.2013 von

Spray_Dose_khunaspix_freedigitalphotos_161x97In diesen Tagen werden in Stockholm wieder die Nobelpreise gesprochen. Grund genug, sich an zwei Preise im Bereich von Atmosphäre und Klima zu erinnern: 1995 für Chemie an Paul Crutzen, Mario Molina und Sherwood Rowland für ihre Arbeiten über die Ozonschicht; und 2007 der Friedensnobelpreis für die Klimaarbeiten von IPCC und Al Gore.

 

Beide Preise sind verbunden mit zwei grossen völkerrechtlich verbindlichen Verträgen des Umweltrechts: dem Montrealer Protokoll und seinen Folgeabkommen zum Schutz der Ozonschicht, und dem Kyoto-Protokoll zum Schutz des Klimas. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass das Montrealer Protokoll durch alle wichtigen Staaten weltweit ratifiziert wurde, und dass diese Staaten alljährlich zusammenkommen, um ihre Regulierungsmassnahmen an die weitere Entwicklung anzupassen. Hingegen war das Kyoto-Protokoll schon in seiner ersten Phase (2009 bis 2012) löchrig und hat in seiner zweiten Phase (2013 bis 2020) im Wesentlichen nur Europa und Australien als Teilnehmer. Gründe sind vielfältig und reichen von der Schwierigkeit, dass das CO2-Problem am energiepolitischen Rückgrat der modernen Gesellschaft sitzt, bis hin zu der irrigen Meinung, dass der Einzelne zwar durch den Hautkrebs gesundheitlich bedroht sei, aber nicht durch die Klimaveränderungen.1

Montrealer Protokoll – eine Erfolgsgeschichte

Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) und die bromhaltigen «Halone»2 wurden ursprünglich bejubelt und für unzerstörbar gehalten. Tatsächlich aber setzen sie Chlor und Brom in der Stratosphäre frei, zerstören Ozon, führen zum Anstieg der schädlichen UV-Strahlung und können Krebs und andere Erkrankungen erzeugen. Das Montrealer Protokoll von 1987 war ein historischer Meilenstein bei der Bekämpfung dieses globalen Umweltproblems. Verstärkt durch Folgeabkommen (z.B. London 1990, Kopenhagen 1992) und kontinuierlich angetrieben durch die Arbeit hunderter Wissenschaftler weltweit entstand ein völkerverbindendes Abkommen, das die atmosphärischen Chlor- und Brom-Konzentrationen zum jetzigen Zeitpunkt gegenüber einer unkontrollierten Entwicklung ungefähr halbiert. Des Weiteren konnten der Ozonverlust gestoppt und geschätzte 100‘000 Fälle an zusätzlichen Krebserkrankungen pro Jahr vermieden werden3. Was uns noch vor zehn Jahren unklar war, ist das Ausmass, in dem unsere Arbeit den menschengemachten Treibhauseffekt verringert hat: denn FCKW und Halone sind starke Treibhausgase. Ihr Produktionsstopp ist nicht nur gut für die menschliche Gesundheit, sondern schützt auch das Klima.

Montreal weiter ausbauen, bis Kyoto endlich funktioniert!

Während wir mit dem Kyoto-Protokoll für die Periode 2008 bis 2012 ein Reduktionsziel von 2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr erreichen wollten, entspricht die durch das Montrealer Protokoll tatsächlich erreichte äquivalente Reduktion gegenüber unbeschränkten FCKW- und Halon-Emissionen bei 10 bis 12 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr – ist also fünf- bis sechsmal so gross4. Das ist ein wichtiger, aber fast unbemerkt vor sich gegangener Erfolg! Allerdings haben wir begonnen, Ersatzstoffe für die FCKW und Halone zu produzieren, die es ohne das Montrealer Protokoll nicht gäbe. Namentlich die FKW, also Fluor-Kohlenwasserstoffe ohne Chlor, die das Ozon nicht schädigen. Leider sind auch diese Ersatzstoffe Treibhausgase. Könnten wir auch sie eliminieren, liesse sich die vermiedene CO2-Menge sehr rasch um eine weitere Milliarde Tonne CO2 pro Jahr reduzieren, bis 2050 gar um 3 bis 9 Milliarden Tonnen. Folgerichtig wird versucht, FKW zum Gegenstand des Montrealer Protokolls zu machen. Wenngleich pragmatisch, ist dies politisch doch schwierig, weil FKW Ozon nicht zerstören und somit nichts mit dem ursprünglichen Ziel von Montreal zu tun haben. Umso mehr ist anzuerkennen, dass die Unterzeichnerstaaten des Montrealer Protokolls für ihre nächste Sitzung diesen Monat die FKW als Tagesordnungspunkt haben.

Sollte es gelingen, FKW als erste Stoffgruppe aus dem steckengebliebenen Kyoto-Prozess in das Montrealer Protokoll zu überführen, wäre das ein spektakulärer Meilenstein. Unser Augenmerk auf die Reduktion der CO2-Emissionen darf dies gleichwohl nicht vermindern.

 

 Grafik_def_1

 

 Referenzen und Erläuterungen

Baldinini, Y., H. Tappeiner, T. Peter und J. Staehelin, Ozonzerstörung und Klimawandel in schweizerischen Massenmedien, GAIA, 13 (3), 197-205, 2004.
2 FCKW dienten als Kältemittel in Kältemaschinen, als Treibgas für Sprühdosen, als Treibmittel für Schaumstoffe, und als Reinigungs- und Lösungsmittel. Halone wurden als Feuerlöschmittel eingesetzt. Beide Stoffgruppen kommen in der Natur nicht vor, sind also 100 Prozent anthropogen. Sie verbleiben für Jahrzehnte in der Atmosphäre, bevor sie in der Stratosphäre durch UV-Strahlung zerlegt werden und dabei das ozonabbauende Chlor und Brom freisetzen. Durch das Montrealer Protokoll wurde ihre Produktion praktisch vollständig unterbunden.
3 Slaper, H., G.J.M. Velders, J.S. Daniel, F.R. deGruijl, J.C. vanderLeun, Estimates of ozone depletion and skin cancer incidence to examine the Vienna Convention achievements, Nature, 384, 256-258, 1996.
4 Velders, G.J.M., S.O. Andersen, J.S. Daniel, D.W. Fahey, M. McFarland, The importance of the Montreal Protocol in protecting climate, Proc. Natl. Acad. Sci. USA, 104 (12), 4814-4819, 2007.

Zum Autor

Thomas Peter ist Vorsteher des Departements Umweltsystemwissenschaften und Professor für Atmosphärische Chemie am Institut für Atmosphäre und Klima.





Kommentare (5) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

„Nur weil zwei Kurven parallel verlaufen darf man noch nicht auf einen ursächlichen Zusammenhang schliessen.“
Wird aber gerne gemacht, u.a. auch im Bereich der Volksgesundheit (meine eigene Erfahrung); das ist unheimlich publikumswirksam und überzeugend.

Ich erinnere mich an die Show, die Al Gore mit dem Hubstapler abgezogen hatte, um zu zeigen, dass die Temperaturrekonstruktion und der CO2-Gehalt in den Eiskernen parallel verlaufen. Die Grafik war leider selbst auf der Grossleinwand nicht lange genug, um erkennen zu lassen, dass einige hundert Jahre zwischen entsprechenden Punkten liegen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

@Martin Holzherr:
„Doch insgesamt sollen sie gegenüber den anderen Treibhausgasen nicht ins Gewicht fallen ist der Konsens.“
Ja der Konsens, unser Freund, wenn uns die Wissenschaft ausgeht. Prof. Peter, immerhin Vorsteher des Departements Umweltsystemwissenschaften, hat doch gerade von einer sechsmal höheren Wirksamkeit gesprochen. Warten wir ab, was er (hoffentlich) dazu sagen kann.

„Allerdings können die Studienautoren nicht überzeugend [?] erklären, warum die paar Millionen Tonnen FCKW’s, die es insgesamt in der Atmosphäre hat, eine solch starke Treibhausgaswirkung entfalten sollen.“
Es gibt doch gar nichts zu erklären, the science is settled, die Studie muss zurückgezogen werden.

„Sie machen deshalb kosmische Strahlung als verstärkenden Faktor verantwortlich.“
Ja und? Gehört das nicht zu den natürlichen Phänomenen? Hat man das beim IPCC übersehen?

Sie erkennen aus meinen zynischen aber berechtigten Bemerkungen (die nicht gegen Sie persönlich gerichtet sind, Sie sind nur der Überbringer der Nachricht), dass ich je länger je mehr zum überzeugten Skeptiker werde.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

@Kommentar von Bernd Palmer. 08.10.2013, 11:22

Sind FCKW’s für den Stillstand in der Erwärmung verantwortlich?
FCKW’s sind extrem wirksame Treibhausgase. Doch insgesamt sollen sie gegenüber den anderen Treibhausgasen nicht ins Gewicht fallen ist der Konsens. Gegen diesen Konsens verstösst eine Studie der Universität Montreal, die folgendes behauptet: Global warming caused by chlorofluorocarbons, not carbon dioxide, new study says. Ihr wichtigstes Argument ist der Verlauf der FCKW-Konzentration in der Atmosphäre. Dieser Verlauf deckt sich weitgehend mit dem Temperaturverlauf und erkläre auch die gegenwärtige Erwärmungspause. Allerdings können die Studienautoren nicht überzeugend erklären, warum die paar Millionen Tonnen FCKW’s, die es insgesamt in der Atmosphäre hat, eine solch starke Treibhausgaswirkung entfalten sollen. Sie machen deshalb kosmische Strahlung als verstärkenden Faktor verantwortlich.

Sind FCKW’s verantwortlich für die kürzlichen extremen Sommerniederschläge in Australien?
Die Studie Relationship between the ozone depletion and the extreme precipitation in austral summer behauptet das antarktische Ozonloch sei über eine geänderte atmosphärische Zirkulation mitverantwortlich für die extremen sommerlichen Regenfälle 2012/13 über Australien.

Schlussfolgerungen: Einzelstudien mit spektatkulären Resultaten wie die beiden oben erwähnten sind immer mit Vorsicht zu geniessen. Nur weil zwei Kurven – hier die CFC-Konzentration und die Temperatur – parallel verlaufen darf man noch nicht auf einen ursächlichen Zusammenhang schliessen. Solche Korrelationen können einen Hinweis für weitere Forschungen geben, sie genügen aber nicht für sich allein. Wer zur Erklärung kosmische Strahlen heranzieht macht es meist zu einfach.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Es wäre interessant zu erfahren, welche Auswirkung diese Reduktion der FCKW- und Halon-Emissionen auf das radiative Forcing hat. Es wäre jedenfalls eine logischere Erklärung für die Stagnation der Temperaturanomalie als das sehr hypothetische Verschwinden der Wärme in den unergründlichen Tiefen der Ozeane.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

„Während wir mit dem Kyoto-Protokoll für die Periode 2008 bis 2012 ein Reduktionsziel von 2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr erreichen wollten, entspricht die durch das Montrealer Protokoll tatsächlich erreichte äquivalente Reduktion […] 10 bis 12 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr – ist also fünf- bis sechsmal so gross.“

Ein grossartiger Erfolg … kann man das im Bericht des IPCC oder gar in den Medien irgendwo nachlesen? Entwarnung statt Katastrophenalarm: wir haben die Kyoto-Ziele übertroffen, ohne die Gesellschaft umzukrempeln. Wenn das keinen Friedens-Nobel-Preis wert ist …

Damit können wir uns wohl die gigantischen Investitionen, die Kyoto erfordern würde und deren tatsächlicher Erfolg mehr als zweifelhaft ist, ersparen. Sechsmal wirkungsvoller und ohne volkswirtschaftliche Kosten, das nennt man einen Quantensprung in Effizienz!

Wissenschaft und Engineering triumphiert über Politik. Stellt das nicht die ganzen politischen Bemühungen des IPCC in Frage?

Lieber Herr Professor Peter, haben sie nicht noch etwas Vergleichbares im Ärmel?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

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