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Was Familienplanung dem Klima bringt

11.07.2013 von

Heute ist Weltbevölkerungstag! Wie jedes Jahr am 11. Juli macht der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) auf seine Hauptarbeitsthemen aufmerksam. Die Verbesserung der Gesundheitsbedingungen von Frauen in Entwicklungsländern, die Familienplanung und die Gleichberechtigung der Geschlechter stehen im Zentrum. Doch weshalb ist das ein Thema für den ETH-Klimablog? Gesellschaft, Weltbevölkerung und Treibhausgasemissionen sind eng mit einander verbunden. Diese Zusammenhänge möchte ich an diesem speziellen Tag mit Euch diskutieren.

 

Ein erster Zusammenhang ist offensichtlich: Mehr als 7 Milliarden Menschen sind wir heute auf der Erde, und die Bevölkerung nimmt weiter zu. Weil wir Menschen unseren Energiebedarf noch immer zu einem grossen Teil durch fossile Brennstoffe decken, nimmt auch der Ausstoss von Treibhausgasen zu. Studien1 zeigen, dass Treibhausgasemissionen und Weltbevölkerung direkt proportional sind, wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben. Die Anzahl dieser Faktoren, die das Bevölkerungswachstum und damit den CO₂-Ausstoss ebenfalls beeinflussen, ist ziemlich gross: Urbanisierung, Überalterung und Fruchtbarkeit, um nur einige zu nennen.

Die Familie im Fokus

Der UNFPA seinerseits hat zwar kein ausdrückliches Ziel in Bezug auf das Weltklima geäussert. Dennoch werden seine Aktionen eine wichtige Rolle spielen für den Klimaschutz. Die Arbeit des UNFPA richtet sich an die lokalste und intimste Einheit unserer Gesellschaft, wo Leute wie Ihr und ich zusammen kommen, um Entscheidungen zu treffen fürs Leben: die Familie. Die Förderung der Familienplanung durch Informationen für Frauen (insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern), durch Aufklärung von Heranwachsenden und Abgabe von Verhütungsmitteln wird künftig nicht nur das Wachstum der Weltbevölkerung abschwächen. Die Familienplanung trägt auch dazu bei, dass das globale Durchschnittsalter ansteigt, weil der Anteil junger Leute an der Gesamtbevölkerung sinkt. Demographische Studien1 zeigen, dass Menschen im Alter von 35 bis 64 Jahren weniger Energie verbrauchen als Menschen zwischen 20 und 34 Jahren. So kann die bewusste Planung der Familie zu einer Mässigung des globalen CO₂-Ausstosses führen.

Stärkung der gesellschaftlichen Stellung der Frau

Der UNFPA fordert und fördert bessere gesellschaftliche Bedingungen für Frauen. Auch da besteht ein Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum: Besser ausgebildete Frauen haben weniger Kinder2. Dieser Effekt könnte für die Weltbevölkerung bis 2050 einen Unterschied von über einer Milliarde Menschen ausmachen. Eine Bevölkerungspolitik, die die gesellschaftliche Stellung der Frau stärkt, hat das Potenzial, die globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 um 15 Prozent senken – bis 2100 sogar um 40 bis 60 Prozent.

Falls der UNFPA seine Ziele mit dem Weltbevölkerungstag erreicht, wäre das zwar noch nicht die Lösung des Klimaproblems. Es würde jedoch helfen, die Treibhausgasemissionen dieses Jahrhunderts zu beschränken.

 

1 O’Neill, B. C. et al. Demographic change and carbon dioxide emissions. The Lancet 380, 157-164, doi:10.1016/s0140-6736(12)60958-1 (2012).

2 Lutz, W. & KC, S. Global Human Capital: Integrating Education and Population. Science 333, 587-592, doi:10.1126/science.1206964 (2011).

 

Zum Autor

Joeri Rogelj ist Post-Doktorand in Klimaphysik an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

 





Kommentare (1) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Sehr geehrter Herr Dr. Rogelj,

Der Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und CO2-Emissionen ist indirekt und nicht sehr eng, denn die ärmsten Menschen erzeugen praktisch keine CO2-Emissionen wie die Länderliste der CO2-Emissionen zeigt, wo in Ländern wie Afghanistan, Mali oder Äthiopien nur gerade 100 Gramm CO2 pro Kopf und Jahr ausstossen werden und wo selbst Bangladesher nur auf 300 Gramm CO2 pro Jahr kommen, was 20 Mal weniger ist als ein Schweizer emittiert.

Einen relativ engen Zusammenhang gibt es aber zwischen CO2-Emissionen und Wirtschaftsleistung (BIP) eines Landes, mindestens heute noch, wo fossile Energien dominieren.

Dennoch spielt die Zahl der Erdenbürger eine grosse Rolle für die Beanspruchung der Erdsystemressourcen und auch für die Emissionen, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Menschen im 21. Jahrhundert zu einem gewissen Wohlstand kommen werden. Nur schon der Gerechtigkeitsgedanke spricht dafür, sich für dieses Ziel einzusetzen, das auch von der UNO verfolgt wird, beispielsweise über die Milleniumkampagne: „End Poverty 2015“.

Global gesehen ist das Bevölkerungswachstum seit 1970 kontinuierlich am Sinken und von 2.2% 1970 auf 1% pro Jahr 2010 gefallen.
Ein Problem sind nur noch die paar Hotspots des Bevölkerungswachstums in Afrika: Nigeria mit heute 170 Millionen Einwohner wird 2050 350 Millionen Einwohner haben (mehr als die USA) und 2100 1 Milliarde (mehr als Europa auf 1/10 der Fläche Europas). Die UN geht heute aufgrund dieser Hotspots von bis zu 11 Milliarden Menschen im Jahre 2100 aus. Dies zeigt, dass Familienplanung einen grossen Unterschied ausmachen kann.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

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