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Mein Weg zu mehr Lebensqualität und weniger Welthunger

20.06.2013 von

Es gibt kaum ein Problem, bei dem wir Konsumenten so viel mit so einfachen Massnahmen erreichen können, wie im Bereich der Lebensmittelverschwendung. Wenn wir bewusster mit unseren Lebensmitteln umgehen, ist dies eine Chance für mehr Lebensqualität, für weniger Schädigung der Umwelt und für eine Entschärfung des Welthungers.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung hat zu wenig Lebensmittel für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Hunger ist die häufigste Todesursache auf der Erde. Gleichzeitig wird weltweit etwa ein Drittel der verfügbaren Lebensmittel verschwendet. Alleine die Lebensmittel, welche in Europa und den USA weggeworfen werden, würden ausreichen, um alle Hungernden der Welt drei bis sieben Mal zu sättigen. Wie kommt es dazu, dass Milliarden von Leuten sterben, weil ihnen etwas fehlt, wovon es mehr als genug hat?

Lebensmittel sind ein Spezialfall

Die Problematik des Welthungers ist komplex und kann nicht mit zwei Sätzen gelöst werden. Trotzdem gibt es entscheidende Mechanismen, bei denen auch wir eine Schlüsselrolle spielen. Wir sind uns aber kaum bewusst, wie viel wir mit unserem Verhalten bewirken.

In der Regel haben wir in der industrialisierten Welt den Eindruck, dass wir absolut frei sind, mit unseren Einkäufen zu machen, was wir wollen, so lange wir anderen keinen Schaden zufügen. Wenn wir zum Beispiel keine Sorge zu unserem Fotoapparat tragen, ihn auf den Boden fallen lassen oder in die pralle Sonne stellen, geht er schneller kaputt und wir müssen früher einen neuen kaufen. Da wir ihn selber bezahlen, tragen wir auch die Verantwortung. Wer auf der anderen Seite sein Fahrrad gut pflegt und nicht auf der versalzenen Strasse herumfährt, wird belohnt durch eine längere Lebensdauer des Fahrrads.

Anders ist es bei den Lebensmitteln. Der Umgang mit ihnen ist keine Privatsache, sondern eine ethisch und ökologisch höchst verantwortungsvolle Aufgabe. Wieso?

Was macht Lebensmittel so einzigartig?

Erstens sind Lebensmittel ein lebensnotwendiges Gut, eine unersetzbare Lebensgrundlage. Zweitens sind Lebensmittel begrenzt verfügbar. Wir können zwar die Produktion auf neue Flächen ausdehnen oder auf bestehenden Flächen intensivieren oder ertragsreichere Produkte anbauen. Aber der Anbau ist immer auf die knappen Ressourcen Land, Wasser und Energie angewiesen und mit Umweltbelastungen verbunden. Mehr Produktion bedingt mehr Arbeit und erhöht das Risiko, Ressourcen zu übernutzen und die Umwelt zu belasten. Die Verfügbarkeit an Lebensmitteln ist also beschränkt. Drittens werden viele Lebensmittel auf internationalen Märkten gehandelt und ihr Preis massgeblich durch Angebot und Nachfrage sowie Subventionierungen und Zollbestimmungen beeinflusst. Was bedeutet das für uns?

Wir kaufen den Armen das Brot weg

Wenn ich im Laden drei Kilo Brot kaufe und nur zwei davon esse, so erhöhe ich «künstlich» die Nachfrage nach Brot. Die Schweiz importiert fast die Hälfte aller Lebensmittel aus dem Ausland. Je mehr wir verschwenden, desto mehr müssen wir importieren und desto mehr treiben wir die Lebensmittelpreise in die Höhe – für viele Leute an der Armutsgrenze genau über die Schwelle, bei der sie sich nicht mehr genug Lebensmittel leisten können. Wir können zwar die zwölf Kilo Brot, welche jeder Schweizer im Mittel pro Jahr wegwirft, nicht nach Afrika schicken – aber wir können das entsprechende Brot erst gar nicht kaufen. Auf diese Weise entlasten wir den begrenzten Weltmarkt und leisten so einen Beitrag gegen den Welthunger.

Die Chance zu mehr Lebensqualität

Damit wir weniger Lebensmittel verschwenden, müssen wir bewusster mit ihnen umgehen. Wir müssen den Einkauf besser planen, Frischprodukte öfter und dafür in kleineren Mengen kaufen, beim Zubereiten die Portionen abschätzen und nicht zu viel kochen und schliesslich etwas kreativer sein beim Reste Verwerten.

All dies tönt auf den ersten Blick nach Anstrengung und womöglich sogar nach Verzicht. Doch Verzicht worauf? In dieser Frage steckt der Schlüssel zur Lösung des Problems.

Wenn wir weniger konsumieren, so verzichten wir auf den Konsum gewisser Lebensmittel. Verzichten wir damit auch auf Lebensqualität? Dazu ein paar Überlegungen:

  • Sicherheit der Lebensmittelversorgung: Wenn wir bei Hunger nichts essen können, werden wir unglücklich und womöglich krank. Für eine hohe Lebensqualität müssen wir also bei der Produktion eine gewisse Reserve einplanen, damit wir bei Ertragseinbussen wegen schlechter Witterung oder Schädlingsbefall nicht zu wenig Nahrungsmittel haben. Die dazu nötige Überproduktion wäre aber viel kleiner als die heutige Verschwendung.
  • Qualität und Auswahl: Wenn wir zwischen mehreren Joghurtsorten wählen können, so können wir diejenigen Geschmacksrichtungen meiden, die wir nicht mögen. Wir haben dann vermutlich mehr Essgenuss. Doch können wir diesen Effekt immer weiter steigern? Haben wir mit 50 Sorten fünf Mal mehr Genuss als mit zehn Sorten, und mit 100 Sorten nochmals den doppelten Genuss? Irgendwo gibt es eine Grenze, über welcher uns noch mehr Auswahl keinen Mehrwert mehr bietet. Im Gegenteil, das einzelne Produkt verliert seinen Stellenwert und seine Exklusivität. Was wir im Überfluss haben, schätzen wir kaum mehr. Besonders ausgeprägt zeigt sich dieser Effekt bei saisonalen Produkten. Wenn wir das ganze Jahr über die gleiche, volle Auswahl an Früchten haben, so schätzen wir beispielsweise eine Erdbeere viel weniger, als wenn wir einige Monate auf Erdbeeren verzichtenund uns dann auf die Frühlingserdbeeren freuen. Wer immer alles hat, dem fehlt die Zeit der Vorfreude.
  • Unser Bezug zu Lebensmitteln: Wenn wir selbst erlebt haben, wie ein Getreidekorn gewachsen ist, wie es geerntet und verarbeitet wurde, und wie es sich anfühlt, einen Brotteig zu kneten, so schätzen wir das Produkt viel mehr, als wenn wir es immer fertig verpackt aus dem Regal nehmen.

Wenn wir bewusster mit unseren Lebensmitteln umgehen, so bringen wir ihnen mehr Wertschätzung entgegen. Weniger Verschwendung heisst dann Gewinn an Lebensqualität.

Zum Autor

Claudio Beretta schloss seinen Master in Umweltnaturwissenschaften ab mit Schwerpunkten in Wald- und Landschaftsmanagement, nachhaltigen Energiesystemen und Lebensmittelverschwendung. Er arbeitet am Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich, wo er im Sommer seine Doktorarbeit beginnen wird. Persönliches Zitat und Biografie

 





Kommentare (8) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@Kommentar von Ben Palmer. 13.08.2013, 3:58

Sehr geehrter Herr Palmer,

Sie fragen:
„wer sind denn die Reichen, die “nun auch ihrem Auto Benzin oder Diesel vegetabiler Herkunft gönnen wollen”?

Antwort: Das sind wohl die US-und EU-Bürger, denn dort werden Biotreibstoffe vor allem gefördert. Diese sind zwar nicht alle reich, aber doch insgesamt reich genug, als dass die Staaten in denen sie leben, solche Projekte finanzieren können. Die Auswirkungen der Biotreibstoffförderung unterscheiden sich aber etwas: In den USA wird der meiste Biotreibstoff heimisch produziert und die Förderung von Biotreibstoff ist somit auch eine versteckte Subvention für US-Landwirte. In Europa ist das bis jetzt ähnlich ,wobei ein Teil des Biotreibstoffs auch aus Brasilien stammt. Falls der Biotreibstoffanteil am EU-Treibstoff weiter erhöht werden soll, müsste jedoch weit mehr Biotreibstoff importiert werden.
Im Artikel Mit Vollgas zur Zerstörung: Europas Biokraftstoffpläne und deren Auswirkungen auf Klima und Natur liest man dazu:
„Allein aufgrund indirekter Landnutzungseffekte könnten durch die europäischen Biokraftstoffpläne bis zu 69 000 Quadratkilometer Land in landwirtschaftliche Fläche umgewandelt werden. Das ist nicht nur eine mögliche Bedrohung für Wälder und andere Ökosysteme sowie arme Bevölkerungsgruppen. Landnutzungsänderungen dieser Größe verursachen auch Kohlendioxid-Emissionen aus Vegetation und Boden, die Biokraftstoffe zu einer größeren Gefahr für das Klima werden lassen, als die fossilen Brennstoffe, die sie ersetzen sollen.“

Bis 2017 sollen laut OECD weltweit 125 Milliarden Liter Bioethanol und 24 Milliarden Liter Biodiesel erzeugt werden.

Fazit: Es gibt genug Land und Geld für Biotreibstoffe. Damit könnte man auch den Welthunger zum Verschwinden bringen.

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@Holzherr,
„(Zitat)“Wir kaufen den Armen das Brot weg” “ Wer kauft denn den Armen das Brot weg? Wer sind diese Armen überhaupt, die Sie hier vertreten? Ihre Pauschalisierungen sind unverständlich.
Und wer sind denn die Reichen, die „nun auch ihrem Auto Benzin oder Diesel vegetabiler Herkunft gönnen wollen“? Meines Wissens ist der Biotreibstoff eine grünem Gruppendenken entsprungene Schnapsidee, deren unbedachte Konsequenz tatsächlich eine Erhöhung der Getreidepreise ist.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

Claudio Beretta sieht in diesem Artikel die Lösung des Welthungerproblems vor allem in Verhaltensänderungen in Bezug auf Alltagslebensmittel (wie Brot) – ganz im Gegensatz zu dem, was heute en vogue ist im Meinungsmarkt, wo man regelmässig aufgefordert wird auf Fleisch zu verzichten und Sätze liest wie Pro Kalorie Fleisch liegt der heutige Emissionswert bei zirka 10 Gramm CO2-Äquivalenten, oder gar die Aufforderung „D’ont eat meat“ liest, die für die Schwachen im Fleische zu Bring on the ‘Frankenburger’ wird, also der Aufforderung zum Umstieg auf im Labor erzeugtes Fleisch. Das sind zwar auch Verhaltens- und Konsumänderungen – kein Fleisch oder nur Laborfleisch essen – aber solche, die implizit von einem Mangel an Nahrung oder Ackerflächen ausgehen, dem man durch Verzicht begegnen müsse.

Wenn man sich kundig gemacht hat, muss man Claudio Beretta aber recht geben. Weltweit wird heute bereits mehr als genug Nahrung erzeugt. Vieles davon wird weggeworfen, wird den Armen weggekauft (Zitat)„Wir kaufen den Armen das Brot weg“ oder wird, weil keinen genügenden Preis erzielend, gar nicht erst produziert. So kann es passieren, dass Landwirte Biotreibstoffe anbauen, weil diese mehr einbringen als Nahrungsmittel, da sie besser subventioniert werden. Subventioniert von den Reichen, die schon genug an Speck angesetzt haben und nun auch ihrem Auto Benzin oder Diesel vegetabiler Herkunft gönnen wollen.

Mehr Menschen mit mehr Einkommen werden in Zukunft sicher mehr und teurere Dinge essen. Doch viele in den reichen Ländern essen heute schon zu viel, sind gewissermassen über den Peak of Food hinausgeschossen. Ungleichgewichte korrigieren würde im Food-Bereich bedeuten, dass die Reichen weniger, die Armen mehr essen. Dazu braucht es kaum neue Technologien.

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@Kommentar von Ben Palmer. 21.07.2013, 22:43
Sehr geehrter Herr Palmer,
Sie haben recht: Marktmechanismen und damit auch der Preis von Nahrungsmitteln haben entscheidenden Einfluss darauf, wieviel Nahrungsmittel produziert werden und wer sie sich überhaupt leisten kann. Einerseits werden heute schon mehr als genug Nahrungsmittel produziert, was sich in Verschwendung und Überkonsum (mit Übergewicht und Fettsucht als Folge) zeigt, andererseits könnte noch mehr produziert werden, wenn es genügend kaufkräftige Abnehmer geben würde. Extrem Arme und abgeschieden lebende Selbstversorger, die Ernteausfälle nicht abfedern können, sind deshalb die Hauptbetroffenen von Hunger. Politische Programme zur Armuts- und Hungerbekämpfung richten sich deshalb direkt an die Betroffenen,  müssen aber oft mit Schwächen im politischen und organisatorischen Bereich des betreffenden Landes zurecht kommen. Und hier erweisen sich die politischen und gesellschaftlichen Strukturen oft als größtes Hindernis. Die Regierung Indiens beispielsweise hat kürzlich den Ärmsten Gratisversorgung mit Grundnahrungsmitteln versprochen und müsste dazu nur ihre übervollen Kornkammern öffnen. Doch bereits bei der Verteilunghapert es. Damit etwas scheinbar so einfaches wie die Verteilung von Nahrung funktioniert, braucht es bereits viele Akteure, die ihre eigenen Interessen zugunsten eines gemeinsamen Ziels zurückstecken.

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„Würden alle fettsüchtigen auf Normaldiät umstellen gäbe es einen riesigen Überschuss an Nahrungsmitteln auf der Erde.“

Das glauben Sie doch selbst nicht. Wenn wirklich ein Überschuss würde, dann würde die Rentabilität der Produktion sinken und die Produzenten entweder aus dem Markt ausscheiden oder umstellen.

Was würden Sie mit Kartoffeln machen, die Sie in Ihrem Garten kultivieren, wenn sie niemand mehr will oder niemand etwas dafür zahlen will? Selber essen und Übergewicht zulegen? Verschenken?

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Nach FAOSTAT gab es 1990 1 Milliarde, 2012 aber nur noch 870 Millionen Hungernde, was aber immer noch 15% der Weltbevölkerung sind Die Nahrungsversorgung pro Kopf stieg in dieser Zeit weltweit von 88.3 auf 108 Punkte, wobei sie sich in Asien am stärksten verbesserte, in Afrika aber nur wenig. Das Millenium Development Goal Halve, between 1990 and 2015, the proportion of people who suffer from hunger wird wahrscheinlich nicht erreicht, auch weil Hungernde oft in ländlich abgeschiedenen Gebieten wohnen und/oder Vertriebene und Kinder sind. Es sollte aber bis 2020 erreicht sein. Gleichzeitig hat sich die krankheite Fettleibigkeit (Adipositas) seit 1980 verdoppelt und 1.4 Milliarden Menschen sind jetzt übergewichtig, 500 Millionen gar adipös, was weltweit mehr Todesfälle verursacht als Untergewicht. Damit sind wir bei folgender Problemkategorie angelangt:

Schwer lösbare Menschheitsprobleme
Es scheint, dass es erst dann keine Hungerleidende mehr gibt, wenn die Mehrzahl der Menschen übergewichtig ist. Es scheint, Armut verschwindet erst dann, wenn fast alle reich sind (absolut gesehen, relativ gibt es immer Arme). Hunger und Adiopositas, aber auch Sucht und Armut gehören damit zu den schwer lösbaren Menschheitsproblemen, obwohl sie (scheinbar) nur eine Verhaltensänderung oder eine Rücksichtsnahme abverlangen. Auch die allgemeine Umstellung auf emissionsfreie Energien könnte teilweise darum schwierig sein, weil eingespurte Verhaltensmuster eine Umstellung schwer machen.

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Die im Artikel und in meinenm Kommentar vom 20.06.2013 vorgeschlagenen indirekten Massnahmen um den Welthunger zurückzudrängen (bewusster Konsum, Adipositasbekämpfung), sind weniger effektiv als Massnahmen, die direkt vor Ort und in den betroffenen Ländern ansetzen.
Exemplarisch zeigt das das in Brasilien lancierte Programm Fome Zero, mit dem Ziel Hunger und Extremarmut in Brasilien zum Verschwinden zu bringen mittels Direktauszahlungen, Restaurants für die Armen, Gratisschulmahlzeiten, Wasserzisternenbau in Trockengebieten, Ernährungserziehung und Verteilung von Nahrungszusätzen (Vitamine, Eisen). Fome Zero verbesserte die Ernährungssituation deutlich, verringerte die Kinderarbeit und erhöhte die Teilnahme von Kindern im Schulunterricht – auch wenn es die Ungleichheit in Brasilien (Gini-Index 59.3, Schweiz 33) insgesamt kaum änderte.
Die meisten Länder – auch relativ arme – sind finanziell gesehen durchaus in der Lage, Extremarmut und Hunger mit eigenen Mitteln zurückzudrängen. Auch Indien hat immer wieder Nahrungsmittelüberschüsse, die es in letzter Zeit häufiger an die Armen verteilen will. Doch korrupte indische Politiker und Beamte haben mehrmals Gratis-Nahrungsmittel aus diesem Programm abgezweigt und an Händler verkauft um sich zu bereichern: Ein Problem in vielen Entwicklungsländern, wo Eliten korrupt sind und sich Ärmeren gegenüber nicht solidarisch fühlen.

70% aller Hungernden leben übrigens auf dem Lande und sind nicht selten Bauern, die eine Missernte direkt in den Hunger treibt, weil sie keine Ersparnisse haben (sie leben von der Hand in den Mund). In den Städten vieler Entwicklungsländer gibt es dagegen schon heute recht viele Übergewichte, so dass Hunger und Adipositas nebeneinander vorkommen. Hunger scheint ein Problem der Extremarmut und fehlender Solidarität zu sein.

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Sehr geehrter Herr Beretta,

weniger Lebensmittelkonsum und weniger Spekulation mit Lebensmittelfutures und -aktien senkt den Preis der Nahrungsmittel und vermindert damit den Hunger derjenigen, die in Extremarmut leben. Und das sind deutlich mehr als 1 Milliarde Menschen. Hunger und Unterernährung gibt es ab einem Welthungerindex von 5, anzutreffen in der gesamten Subsahara, Indien, Südostasien, Mongolei, im Nordwesten von Südamerika und (stark abnehmend) in China.

Die Chancen, Lebensmittelpreise durch Minderkonsum von Lebensmitteln in den überversorgten Ländern zu senken sind allerdings gering. Viel wäre schon erreicht durch Reduktion der Fettsucht. Im Jahr 2050 werden 42% der US-Amerikaner fettsüchtig sein. Fettsucht grassiert sogar in vor kurzem noch armen Länder wie Mexiko, wo 70% übergewichtig sind mit 35% Adipositas bei Männern und 24% bei Frauen, womit die Mexikander beinahe schon die US-Amerikaner erreicht haben.
Adipositas ist ungesund, verursacht viele Sekundärkrankheiten und verschlechtert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Würden alle fettsüchtigen auf Normaldiät umstellen gäbe es einen riesigen Überschuss an Nahrungsmitteln auf der Erde.
Kalorienaufnahmen pro Land und Person zeigen das: In 40 Ländern mit zusammen mehr als 1 Milliarde Menschen wird pro Kopf mehr als 3000 Kalorien eingenommen, in Ländern wie Indien oder Bangladesh aber nur 2300 Kalorien. Selbst in Indien gäbe es keine Unterernährung wenn alle Inder gleich viel essen würden.
Fazit: Ohne Fettsucht gäbs keinen Hunger, viel weniger Kranke, tiefere Lebensmittelpreise und weniger Landverbrauch

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