ETH-Klimablog - Energie - Effiziente Energienutzung

ETH life zum Thema

Welternährung: «Ein nahrhafter Denkanstoss» (17.10.13)
Klimaforschung: «Klimaforschung im Dialog» (4.10.13)
Klimaforschung: «Emissionen verpflichten uns langfristig» (27.9.13)
Energieforschung: «Der Asket unter den Motoren» (12.9.13 )

Blog-Schwerpunkte

Die Beiträge geordnet nach Wissensgebieten rund um den Klimawandel:
>Klimaforschung
>Umweltfolgen
>Energie
>Mobilität
>Wirtschaft
>Politik
>Stadtentwicklung
>Welternährung
>Nord-Süd

Archive

Effiziente Energienutzung

06.06.2013 von

Tiefe Erneuerungsraten sind ein zentrales Hemmnis für einen energieeffizienten Gebäudebestand. Obwohl Technologien auf dem Markt erhältlich sind, scheint es, dass Hauseigentümer nur zögernd in Energieeffizienz investieren. Dieses Paradox wird in der Literatur Energieeffizienz-Lücke («energy efficiency gap») genannt und bezeichnet die Differenz vom beobachteten zum optimalen Energieverbrauch.

Die Energieeffizienz-Lücke ist sozusagen das Energieeinsparpotential, das erlangt werden könnte, wenn in diejenigen Technologien investiert würde, welche die effizientesten aktuell auf dem Markt erhältlichen sind und welche unter den aktuellen Energiepreisen wirtschaftlich sind.

Energieverschwendung

In einem Haushalt wird allerdings nicht Energie per se nachgefragt, sondern beispielweise Warmwasser, angenehm geheizte Wohnräume, ein feines Znacht und Licht. Aus ökonomischer Perspektive heisst das, dass Haushalte Energie, Arbeit und Kapital einsetzen, um Energiedienstleistungen zu produzieren (zum Beispiel Kaffee kochen, Waschen, Heizen). Wirtschaftlich gesehen ist es wichtig, diese Energiedienstleistungen auf eine effiziente Art und Weise bereitzustellen. Häufig werden zwei Fälle von ineffizienter Produktion und damit Nutzung beobachtet – bei beiden wird Energie verschwendet:

  • Ineffiziente Nutzung neuer Technologien: So kann es sein, dass ein Haushalt sehr wohl eine moderne Technologie verwendet – zum Beispiel eine Heizung der neusten Generation – diese aber ineffizient nutzt und zu viel Energie oder Kapital einsetzt.
  • Einsatz veralteter Technologien: Es kann aber auch sein – und das ist meiner Meinung nach weit der häufigere Fall – dass ein Haushalt eine überholte Technologie einsetzt, welche gar nicht erlaubt, mit weniger Energie und Kapital (!) das Haus angenehm warm zu beheizen.

Was kann ich tun?

Im ersten Fall hat der Haushalt die Möglichkeit die Ressourcen zu reduzieren und deren Einsatz neu zu definieren. Was konkret bedeuten kann, die Heizung gründlich zu warten oder den Brenner auszutauschen. Möglich ist auch, dass man sich entscheidet ein bis zwei Grad weniger warm zu heizen – der Rebound-Effekt und die Suffizienz (siehe Lesetipps) lassen grüssen. Man könnte auch gleich ganz gross denken und die Gebäudehülle energetisch erneuern.

Der zweite Fall liegt näher am eingangs beschriebenen Konzept der «energy efficiency gap», berücksichtigt aber zusätzlich den wichtigen Aspekt der Kosten. Ein solcher Haushalt sollte unbedingt in eine neue Technologie investieren, um die gleiche Menge an Energiedienstleistung mit weniger Ressourcenverschleiss zu produzieren. Für mich persönlich wichtig ist hier die Wahl von nachhaltigen Lösungsansätzen.

Frohes Energie-Optimieren!

Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte Sie einladen, sich Gedanken zu machen, wie sie Ihr Zuhause energietechnisch optimieren können. Nehmen Sie sich doch eine Aktion für nächste Woche vor – sei es den Kaminfeger zu bestellen oder die Heizplatte ihrer Kaffeemaschine auszuschalten. In diesem Sinne, frohes Energie-Optimieren!

Lesetipps

Blogbeiträge zum Thema Rebound-Effekt:

Blogbeitrag zum Thema Suffizienz:

Zur Autorin

Mit diesem Artikel verabschiedet sich Céline Kind (früher: Ramseier) als Autorin des ETH-Klimablogs. Céline hat Mitte Mai ihre Doktorarbeit in Volkswirtschaftlehre und Energiewirtschaft an der Professur für Nationalökonomie des CEPE (Center for Energy Policy and Economics) der ETH Zürich verteidigt. Persönliches Zitat und Biografie





Kommentare (9) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

In der Energiediskussion sind folgende fragwürdige Einstellungen häufig anzutreffen:
Bei den „Energiewendern“:
– Moralisierung/Ideologisierung/Politisierung mit Lagerbildung wie in den USA wo Republikaner „gegen das Klima“, Demokraten „für das Klima“ sind
– Religiöse/Apokalyptische Überhöhung: die 4 Reiter sind unterwegs, wir müssen jetzt einkehren und uns bescheiden damit wir beim Jüngsten Gericht auf der rechten Seite stehen
– Techno-Sektierertum: Technologie X ist die Lösung, alles andere schlecht
– Ökologismus/Autarkismus: Jeder muss sich mit lokal erzeugter Energie versorgen und auch sonst ist vollkommene Selbstversorung angesagt, die bis zur Einstellung des Welthandels und der Rückkehr in den Schoss der Natur geht

Bei den „Energierealisten“:
– Perseveranz: Es dauert viele, viele Jahrzehnte bis zum Wechsel
– Energieegoismus: Die fossilen Energien auf die wir verzichten, verkonsumieren andere

Bei den „Fossilen“:
– Sakralisierung: Öl ist das schwarze Gold, alles andere Täuschung
– Umweltignoranz: Die Umwelt ist nicht unser Problem und unsere Nachfahren werden sich schon etwas einfallen lassen

Meiner Ansicht nach ist das Schicksal der Menscheit nicht an dasjenige der fossilen Energien gebunden, den Übergang zu bestimmten anderen Energieformen sollte man aber auch nicht erzwingen, sondern vielmehr alle Alternativen erforschen und auch etwas fördern und dann die Chancen ergreifen, die neue Technologien plötzlich bieten können. Energieeffizienz kann aber den Wechsel zu anderen Energieformen niemals ersetzen. Es gibt Energieformen ohne jeden Kohlendioxidausstoss und wer 10 Mal soviel Energie wie ein anderer verbraucht, kann immer noch weniger CO2 ausstossen.
Ganz konkret: 1 Langstreckenflug hin und zurück über 14’000 km entspricht einer Leistungsaufnahme von 1000 Watt während einem Jahr. Und hier ist 100% der Energie fossile Energie. Wäre sie nichtfossil, hätte das keinerlei schädliche Auswirkungen auf das Klima. Und 30% Einsparen…

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Hansulrich Hörler. 13.06.2013, 17
Sehr geehrter Herr Hörler,
Ihre Betrachtung der europäischen Energiesituation ist rein statisch. So gesehen haben sie natürlich recht, dass ein Elekromobil heute kaum CO2 einspart. Der Anteil von Elektromobilen ist bis jetzt aber unbedeutend und Sinn machen sie tatsächlich nur, wenn sich der Gesamtstrommix ändert. So wie vom deutschen Bundesministerium im Artikel Vollständige Stromversorgung durch erneuerbare Energien bis 2050 vorgesehen. Strom Sparen macht natürlich trotzdem Sinn, aber auf eine Wärmepumpe verzichten, weil sie Strom braucht, ist falsch. Der Stromverbrauch in der Schweiz wird zunehmen, auch wenn gespart wird, weil Elekrizität fossile Energien ersetzt. Das sieht auch der Bericht Energiezukunft Schweiz“ so,  wo im Szenario Mittel von einem Anstieg des Verbrauchs  von heute 60 auf 80 Terawattstunden im Jahr 2050 ausgegangen wird. Weltweit wird sich der Stromverbrauch bis 2050 vervierfachen, der Gesamtenergieverbrauch aber nur verdoppeln. Da der Gesamtenergieverbrauch allem durch die fossilen Energien bestimmt wird und ihr Ersatz durch Strom und Dämmung/Wärmepumpen mindestens bei der Raumwärme und der Klimatisierung stark zurückgehen sollte, wäre es sogar denkbar, dass der Gesamtenergieverbrauch kaum ansteigt, sondern nur der Stromverbrauch.
Strom als neues Hauptmedium der Energie sollte zudem stärker über nationale Grenzen hinweg transportiert werden.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Ich lese Erstaunliches:

Kern-, sprich Atomenergie, ist erneuerbar?! Aha! Sowas…

Man soll uns kleine Schweiz doch endlich von Gesetzen und Vorschriften, die unseren Energieverschleiss zu drosseln versuchen, verschonen. Wow! Es wird immer bunter!

So lange die USA sich um jegliche Verantwortung drückt – genau genommen, genau das Gegenteil macht, sind wir doch vernachlässigbar. So, so! Da bleibt einem ja die Spucke weg!

Genau genommen, wird es einem zunehmend übel. Da wird uns mit hanebücherner Selbstgefälligkeit ein Persilschein ausgestellt, uns, den biederen Schweizern/innen, die wir doch schlicht zu viel von uns verlangen. Wenn die Grösse eines Landes oder die verfehlte, umweltverachtende anderer als Argument für den Erhalt der eigenen Bequemlichkeit herhalten muss, wird es richtig peinlich. Unser oekologischer Fussabdruck ist beängstigend, die Zersiedelung und Zerstörung unseres zunehmend knapp werdenden fruchtbaren Bodens ein Skandal,.die Liste unserer Verfehlungen könnte beliebig verlängert werden und das, was wir machen könnten, lassen wir bleiben? Lieber mit dem ausgestreckten Finger auf die anderen zeigen? Ehrlich gesagt: Das ist erbärmlich!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 3

Herr Rohrer,
der Schweizer Strom ist schon hauptsächlich CO2- frei, aber jeder Mehr- oder Minderverbrauch bei uns schlägt halt auf das europäische Verbundnetz durch, indem wir je nachdem entweder von dort mehr oder weniger beziehen oder weniger oder mehr „sauberen“ Strom exportieren. Der Strom in diesem Verbundnetz ist heute zu mindestens 50% fossil, und ob sich das rasch verbessern wird, ist ungewiss.
Im Internet findet man z. B. etwa folgende Zahlen für den aequivalenten CO2- Ausstoss, inklusive Brennstoffgewinnung, in kg je kWh: Dieselöl, Heizöl, Benzin 0,30, Steinkohle 0,39, Erdgas 0,24 (bezogen auf Brennwert). Europäischer Strommix 0,58, mittleres Kohlekraftwerk 1.05.
Das heisst, dass es dem Klima mehr nützt, 1 kWh Strom zu sparen als 1 kWh Heizöl. Allerdings, wenn man mit dem Strom eine Wärmepumpe mit Leistungsfaktor 4 betreibt, ist das natürlich viel besser als eine Oelheizung. Aber ein Elektromobil, das 16 kWh/100 km ab Netz verbraucht, wobei dazu noch etwa 30% für die graue Energie der Batterie gerechnet werden muss, ist 10% schlechter als ein Benzin- Hybridauto mit 4 l/100 km Verbrauch. Als Extremfall könnte man auch mit Kohlekraftwerken rechnen für den Strom, da diese bei einem Zusatz- Stromverbrauch länger am Netz bleiben würden („Grenzstrombetrachtung“). Dann wäre ein Elektromobil für das Klima sogar doppelt so schädlich wie ein gutes Benzinauto.

Die Dinge liegen halt nicht so einfach, und gut wird die Elektrizität erst, wenn wir sie möglichst durchgehend CO2- frei erzeugen. Davon sind wir noch weit entfernt, besonders, wenn wir keinen Strom sparen!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Johann Rohrer: „Mit jedem eingesparten kM – ausser es sei ein Velo oder Elektromobil – reuzieren wir sofort den Schadstoffausstoss.“
Weder in der Schweiz noch in Europa gibt es ausreichend nicht-fossile elektrische Energie, um die fossile Energie zu ersetzen.

„Klimawandel und Energiewende beginnen bei den fossilen Energien (hier hockt auch die wahre weltweite Lobby)!“
Die Lobby sind Sie und wir, wir brauchen und verbrauchen doch diese fossile Energie für Mobilität und Transport. Ich schlage vor, Sie gehen mit dem Beispiel voran und verzichten auf Ihren PC und das Internet. Das ist leichter als auf die Fahrt zum Arbeitsplatz zu verzichten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 5

@Kommentar von Johann Rohrer. 11.06.2013, 18:02

Sehr geehrter Herr Rohrer,

Volle Zustimmung zu jedem Satz in ihrem Kommentar.
Allerdings gibt es eines zu bedenken: Wenn man in der Schweiz vom Stromsparen spricht hat das wenig mit Klimaschutz aber viel mit AKW’s und neuen Kraftwerken zu tun. Auch das geplante Abschalten der AKW’s hat nichts mit Klimaschutz zu tun wie überhaupt die ganze Energiewende kaum etwas mit Klimaschutz zu tun hat.

Der grösste Atavismus, dem man heute aber in der Energiediskussion noch begegnet ist die weitverbreitete Meinung wir müssten uns zu 100% mit selbsterzeugtem Strom versorgen. Dabei wird in Europa genug Strom erzeugt und im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien wäre es zudem sehr viel besser, diese würde dort erzeugt, wo es am meisten Wind und am meisten Sonne hat. Wegen dem Selbstversorgungs- gar Autarkiestreben dominieren zudem weiterhin die fossilen Energien, die zum Beispiel in Deutschland jede kWh EE-Energie mit ebenso viel fossiler Schattenenergie abdecken. Die Lösung wäre ein mindestens ganz Europa umfassendes Netz von allein oder vorwiegend erneuerbaren Energiequellen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

Warum sitzen auch promovierte Wissenschaftler ebenso wie namhafte Politiker stets dem selben Irrtum auf: Energie sparen sei in erster Linie Strom sparen? Der Energieverbrauch der Schweiz (übrigens gerade mal 0,1% des Welt-Energiehungers – was wir sparen wird 99,9 mal mehr im Ausland verbraucht) besteht zu 3/4 fossile und nur 1/4 Strom. Der Strom besteht nahezu aus sauberer Wasser-, Kern- und übriger Erneuerbarer Energie. Wenn wir etwas fürs Klima tun wollen müssen wir bei den Fossilen ansetzen, wovon wiederum 2/3 durch den Verkehr anfällt. Also alle Anstrengungen sofort auf Mobilität (bitte auch den Flug- und LKW-Verkehr nicht wieder grosszügig weglassen)! Mit jedem eingesparten kM – ausser es sei ein Velo oder Elektromobil – reuzieren wir sofort den Schadstoffausstoss. Klimawandel und Energiewende beginnen bei den fossilen Energien (hier hockt auch die wahre weltweite Lobby)!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

Mind The Gap

Vielleicht gibt es neben der Energieeffizienzlücke auch eine kognitive Lücke. Diese besteht darin das Gesamtproblem – die energetische und emissionsbezogene Sanierung von huntertausenden bis Millionen Gebäuden – noch nicht so aufgegleist zu haben, dass man das Problem in verschiedene Gebäudekategorien heruntergebrochen hat, die sich hinsichtlich nötigem Aufwand für die Sanierung und Ertrag der Sanierung unterscheiden. So gibt es sicherlich Gebäude bei denen sich eine Sanierung nach welchen Masstäben auch immer nicht lohnt und solche Gebäude, wo eine Sanierung sich aufdrängt und etwas bringt.

Wenn man sich an jeden Einzelnen Hausbesitzer/Wohnungsbewohner richtet wie in obigem Aufruf zum Frohen Energie-Optimieren, dann müsste man sich überlegen, wie man die Betroffenen am besten in ihren Entscheidungen betreffend Energeioptimierung unterstützt. Ein Online-Softwareprogramm , indem man seine „Verbraucher“ samt elektrischer Leistungsaufnahme et. und seine „Erzeuger“ (z.b. die Heizung) und noch einiges zu den Raumverhältnissen eingeben könnte, und das dann Vebesserungsvorschläge ausspucken würde, wäre sicherlich eine attraktive Option.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Das ist doch Alles Geschwätz von Hinterwäldlern, welche noch nie über die Schweiz hinaus gesehen haben!

Schaut einmal die USA an, die dort in Riesenmengen für den Weltmarkt hergestellten Produkte und DEREN Energieeffizienz; schaut in Entwicklungs- und Schwellenländern wie etwa in allen lateinamerikanischen Staaten, welche wirtschaftlich vollständig von den USA abhängig sind, was die USA DORT z.B. für Lastwagen verkaufen: Eigengewicht doppelt so hoch wie die Nutzlast, Höhe der Ladebrücke über anderthalb-mannshoch ab Boden, Dieseltechnologie der Siebziger-Jahre! (kein Wunder haben die USA das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet, sie hätten per sofort die ganze Automobilindustrie und den grössten Teil der Elektroapparate-Industrie still legen müssen)

Hört auf damit, die Schweizer Bevölkerung -gerade mal ein Promille der Weltbevölkerung – mit immer strengeren Umweltschutzregeln einzuengen! Schaut dafür, dass weltweit der heutige Schweizer Standard erreicht wird!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 6

top
 
FireStats icon Powered by FireStats