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Neue Studie: Auswirkungen des Klimawandels auf unsere natürliche Umgebung

19.04.2013 von

Der Klimawandel schreitet voran. Der letzte Woche veröffentlichte Klimabericht von BAFU und Meteo Schweiz veranschaulicht die vielfältigen Auswirkungen auf unsere natürliche Umgebung. Am augenfälligsten sind die schwindenden Gletscher. Dass sich nebst der Luft auch die Gewässer erwärmen, lässt sich an den Fischpopulationen ablesen oder an der Eisbedeckung der Seen. Zu letzterem gibt es die europaweit längste Messreihe vom St. Moritzersee.

Am sichtbarsten verändert sich die Gebirgslandschaft unter der Klimaerwärmung: Bei einer andauernden Erwärmung um ein Zehntel Grad ziehen sich die Gletscher um mehrere hundert Meter zurück. Parallel zur Luft erwärmen sich auch Flüsse und Seen. Auf höhere Wassertemperaturen reagieren bestimmte Fischarten wie Bachforelle und Äsche sensibel, was sich direkt in den Populationszahlen niederschlägt. Ein aussagekräftiger Indikator ist auch die Eisbedeckung. Die europaweit längste Zeitreihe gibt es hierzu zum St. Moritzersee – dessen Eisschicht war bereits im frühen 19. Jahrhundert von Interesse wegen des noch heute statt findenden internationalen Pferderennens. Die Messdaten seit 1832 zeigen, dass der See immer früher auftaut.

Eine Schwalbe macht einen Frühling

Dass sich der Frühlingsbeginn vorverschoben hat, lässt sich anhand weiterer Phänomene beobachten: Um 1800 entfaltete die Rosskastanie ihre Blätter Anfang April; heute bereits Ende Februar. Die Kirschbäume blühen einige Wochen früher als noch vor hundert Jahren. Die Rauchschwalbe kehrt heute früher aus Afrika zurück; andere Vogelarten wie die Ringeltaube verzichten inzwischen gar auf ein Winterexil und bleiben ganzjährig in der Schweiz.

Lange Zeitreihen nötig

Der Bericht zeigt ferner auf, dass temporäre Schwankungen den langfristigen Trend oft überlagern. Der Klimawandel ist keine konstante Grösse, die sich jedes Jahr in gleichem Masse fortschreibt. Auch wenn uns Mitteleuropäern der hartnäckige Winter noch im Nacken sitzt: Der späte Frühlingsbeginn in diesem Jahr darf nicht isoliert betrachtet und als Indiz für eine Abkühlung gewertet werden. Das Klimaphänomen lässt sich nur über einen längeren Zeithorizont anhand aussagekräftiger Indikatoren erfassen. Historische Daten, wie sie zum Beispiel über den St. Moritzersee bestehen, sind daher für die Klimabeobachtung ein Glücksfall.

Literaturhinweis
Zur Autorin

Gastautorin Andrea Burkhardt ist Abteilungsleiterin Klima beim Bundesamt für Umwelt (BAFU).

 





Kommentare (6) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Die Schweiz ist eines der Länder, das sich zwar dem Klimawandel anpassen muss, das dies aber auch kann und wo der Klimawandel nicht durchweg negative Folgen hat. Die nötigen Infrastrukturanpassungen (wegen auftauendem Permafrost, zusätzlicher Hochwassergefährdung, saisonal anders verteilten Niederschlägen, invasiven Arten etc.) sind für die Schweiz sicher finanzierbar und sollten kostenmässig nur Bruchteile eines Prozents des BIP’s ausmachen.
Generell gilt, dass sich die meisten Länder anpassen müssen, dass aber die Klimaveränderungen für gewisse Länder auch Chancen bieten. Vor allem die Landwirtschaft in höheren Breitengraden kann in Ländern wie Kanada oder Russland von der Klimaerwärmung profitieren, wie man den Beiträgen von Professor Lehman hier im Klimablog, aber auch seinem Artikel Klimawandel und Landwirtschaft aus Sicht der agrarökonomischen Forschung entnehmen kann. Dumm nur, dass in diesen Gegenden heute nur sehr wenig Menschen leben und dass die stark negativ betroffenen Regionen wie Afrika und Indien umgekehrt ein sehr starkes Bevölkerungswachstum verzeichnen und deshalb auf höhere landwirtschaftiche Erträge angewiesen wären.
Tatsächlich hat der Klimawandel das Potenzial, die Landkarten völlig neu zu zeichnen. Dies legt jedenfalls das Buch The New North: The World in 2050 nahe, wo eine Zukunft aufscheint, in der die nördlichen Länder zum neuen Zentrum der Welt werden: Reich an Ressourcen, die erst mit der Erwärmung zugänglich werden wie Erdgas und Erdöl aus der auftauenden Arktis, ausgestattet mit riesigen Landflächen in Kanada oder Russland, die erst jetzt richtig landwirtschaftlich genutzt werden können, haben sie all das mehr, was den Ländern im Süden zunehmend fehlen wird.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Zum Klimabericht von BAFU und Meteo Schweiz passt auch die jetzt überall zitierte Nature Geoscience-Studie, welche die Klimaentwicklung der letzten 2000 Jahre auf allen Kontinenten ausser Afrika detailliert auswertete. Die Resultate dieser rein deskriptiven Studie, die nicht auf die Ursachen der Veränderungen eingeht, wird je nach Interessenlage überall etwas anders dargestellt. Insgesamt scheint sie aber nachzuweisen, dass Mittelalterliche Warmzeit und Kleine Eiszeit globale Phänomene mit zeitverschobenen Temperatur-Maxima/Minima auf der Nord- versus der Südhalbkugel waren und dass die jüngste Erwärmung im globalen Durchschnitt die Mittelalterliche Warmzeit (MWP) übertrifft. In Europa war es nur während der Römischen Warmperiode (RWP) um die Jahre 21-80 wärmer als heute.
Die über die 2000 Jahre insgesamt festgestellte Abkühlung passt natürlich zum bekannten Bild unserer Zwischeneiszeit (Holozän), in der die Temperaturen schon seit dem Jahre 4500 BC langsam aber stetig fallen.
Fazit: Auch wenn der Temperatur-Trend über die letzten paar tausend Jahre unserer Zwischeneiszeit (4500 BC bis heute) eine langsame Abkühlung aufzeigt, gibt es doch herausstechende Wärmeperioden (MWP und RWP) und die heutige Warmzeit hebt sich nur wenig von diesen früheren Wärmeperioden ab. Allerdings ist die heutige Wärmeperiode nur schon darum deutlich wärmer als die MWP und RWP weil der Langfristtrend immer weiter nach unten führt. Tatsächlich war die 1850 (gerade erst) beendete Kleine Eiszeit die bisher kälteste Periode des Holozäns. Allein schon die Beobachtungsdaten sprechen also dafür, dass wir in eine neue Wärmephase eingetreten sind, die am besten mit einer neuen Ursache – den steigenden CO2-Werten – erklärt werden kann.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

„da Sie sich hier standhaft gegen sämtliche Fakten wehren“

??? Irgendein Punkt in meinem Post, der nicht auf Fakten basiert?

„Die ersten drei Punkte, die Sie aufzählen, werden als Folge des Klimawandels zunehmen“

GLAUBEN Sie? Aufgrund welcher Fakten? Was dagegen die Folgen der Kleinen Eiszeit anbelangt, WISSEN wir das tatsächlich.

Für Hungersnöte übrigens hat in den vergangenen Jahren die Klimahysterie gesorgt, indem grosse Teile der Getreideproduktion zu „Biotreibstoff“ verarbeitet wurden. In der Folge stiegen die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel und wurden für viele unerschwinglich. Ein Ergebnis unbedachter grüner Politik.

„Hexenverfolgung und Klimawandel“
Lesen Sie Geschichtsbücher, Stichworte: LIA/Hexen.

„Gletscher“
Bitte belegen Sie, wie wir zum Gletscherschwinden beitragen.

„Sommer 1540“
Eines der vielen, historischen Ereignisse, welche die Mär einer „bisher nie gesehenen Erwärmung“ widerlegen.

Davon abgesehen, wo bleibt sie eigentlich, die prognostizierte Erwärmung? Seit 15 Jahren stagniert oder sinkt die mittlere Globaltemperatur trotz gestiegenem CO2-Atmosphärengehalt.
Die Modellvorhersagen entfernen sich immer mehr von den real gemessenen Temperaturen, besonders eindrücklich zu sehen bei den Satellitendaten (1979-2012) …

http://www.drroyspencer.com/2013/04/global-warming-slowdown-the-view-from-space

Die wenigen Modelle, die der Wirklichkeit halbwegs nahe kommen, gehen von einer deutlich geringeren Klimasensitivität aus. Geringere Sensitivität heisst, dass die billionenteure Mitigation Geldverschwendung bedeutet und dass wir mehr Zeit haben, effiziente und wirtschaftliche Alternativen der Energieerzeugung zu entwickeln.

„Gegen den Klimawandel“ argumentiert hier niemand. Er ist real und es hat ihn immer gegeben. Argumentiert wird gegen die Auffassung, er sei katastrophal und hauptsächlich oder allein von Menschen verursacht.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 5 Daumen runter 15

Spezielle Ansichten, die Sie da haben, Herr Bühler.

„Am Ende der Kleinen Eiszeit … wünschen wir uns die ernsthaft zurück, mit ihren Missernten, Agrarkrisen, Hungersnöten, Hexenverfolgungen usw.?“

Die ersten drei Punkte, die Sie aufzählen, werden als Folge des Klimawandels zunehmen, besonders in ärmeren, von der Landwirtschaft abhängigen Regionen. Von Ihrem Standpunkt aus verstehe ich Ihre Frage nicht. Sie müssten sie ja klar mit „ja“ beantworten, da Sie sich hier standhaft gegen sämtliche Fakten wehren und jegliche Massnahmen für unnötig halten. Was die Hexenverfolgung mit dem Klimawandel zu tun haben, würde mich auch noch interessieren.

„“Schwindende Gletscher”
Während des Römische Klimaoptimums und der Mittelalterlichen Warmperiode waren sie praktisch ganz verschwunden.“

Nur weil die Gletscher angeblich schon einmal verschwunden waren, sollen wir nun weiter dazu beitragen, dass sie das noch einmal tun? Warum?

„Da gibt’s in der Tat viel zu entdecken. Der Sommer 2003 z. B. gilt vielen als bisher nie gesehenes Wärmeereignis. Eine Irrtum, wie z. B. die folgende Arbeit zeigt, im Sommer oder im Jahr 1540 war’s deutlich wärmer.“

„(Geschätzter) CO2-Atmosphärenanteil um 1500: 280 ppm. Dampfmaschine, Ölheizung, Klimaanlage und Verbrennnungsmotor noch nicht erfunden.“

Was wollen Sie damit genau sagen? Diese Erkenntnis taugt weder als Gegenargument gegen den diskutierten Bericht noch gegen den Klimawandel generell. Die CO2-Konzentration lag in grauer Vorzeit schon deutlich über den heutigen Werten, das bestreitet keiner. Nochmals: Nur weil es etwas schon einmal gegeben hat, heisst das in keinster Weise, dass man nochmals auf so einen Zustand hinarbeiten sollte. Im Übrigen deckt sich die Studie in keiner Weise mit Ihren Ansichten, sie will im Gegenteil zum besseren Verständnis von Extremereignissen als Folge des Klimawandels beitragen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 13 Daumen runter 4

Banal aber wahr: das Klima verändert sich und was die jüngere Erwärmungsphase angeht, zu unserem Glück.

„Um 1800 entfaltete die Rosskastanie ihre Blätter Anfang April“

Am Ende der Kleinen Eiszeit … wünschen wir uns die ernsthaft zurück, mit ihren Missernten, Agrarkrisen, Hungersnöten, Hexenverfolgungen usw.?

„Schwindende Gletscher“

Während des Römische Klimaoptimums und der Mittelalterlichen Warmperiode waren sie praktisch ganz verschwunden.

„Historische Daten, wie sie zum Beispiel über den St. Moritzersee bestehen, sind daher für die Klimabeobachtung ein Glücksfall“

Da gibt’s in der Tat viel zu entdecken. Der Sommer 2003 z. B. gilt vielen als bisher nie gesehenes Wärmeereignis. Eine Irrtum, wie z. B. die folgende Arbeit zeigt, im Sommer oder im Jahr 1540 war’s deutlich wärmer …

http://www.clim-past.net/9/41/2013/cp-9-41-2013.html

(Geschätzter) CO2-Atmosphärenanteil um 1500: 280 ppm. Dampfmaschine, Ölheizung, Klimaanlage und Verbrennnungsmotor noch nicht erfunden.

„Der späte Frühlingsbeginn in diesem Jahr darf nicht isoliert betrachtet und als Indiz für eine Abkühlung gewertet werden“

Erinnern wir uns daran, wenn der nächste heiße Sommer dazu benutzt wird, die Alarmglocken wieder lauter erklingen zu lassen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 6 Daumen runter 16

Einiges spricht dafür, dass die Klimaerwärmung rein über das Thermometer gemessen langsamer abläuft als von vielen Journalisten aber auch Klimatologen vorausgesagt.
Doch die Auswirkungen von auch nur geringen Durchschnittstemperaturänderungen sind langfristig grösser als von den meisten eingeschätzt. In der langen Frist betrachtet ist die Temperatur über das ganze 20. Jahrhundert gestiegen und dies hat bereits viele quasi permanente Änderungen bewirkt. Ein Beispiel dafür ist der Rückgang der Gletscher.
Dieser nun schon mehr als hundert Jahre anhaltende Langzeittrend der Klimaerwärmung wird von jahre- bis jahrzehntelangen Phasen von Klimaschwankungen unterschiedlichster Genese unterbrochen. Die kalten Winter in den 1960er Jahren gehen auf negative Werte der Nordatlantischen Oszillation zurück und seit ein paar Jahren scheint sich das zu wiederholen, wobei die Ursache heute möglicherweise in den offenen, eisfreien Wasserflächen der Nordmeere liegt, welche zu Instabilitäten in den Hauptwindesströmungen während dem Nordhemisphärenwinter führt.

Der jetztige Stand-Still in den globalen Temperaturen wird im Rückblick möglicherweise ähnlich eingestuft werden wie der entsprechende Stillstand in den 1950er bis 1970er Jahren. Einiges spricht dafür, dass die Erwärmung auch global bald wieder an Fahrt gewinnt.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

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