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Was können wir von Chinas Klimapolitik erwarten?

11.04.2013 von

China ist die Nation mit dem insgesamt höchsten CO₂-Ausstoss, obwohl der CO₂-Ausstoss pro Dollar Bruttoinlandprodukt (BIP) seit 1980 abnahm. Im Rahmen der Kopenhagen-Vereinbarung («Copenhagen Accord») von 2009 verpflichtete sich China, den CO₂-Ausstoss pro Dollar BIP bis 2020 weiterhin zu senken – trotzdem wird Chinas CO₂-Ausstoss insgesamt massiv steigen. Wird China deshalb seine Klimapolitik verschärfen?

Blick in die Vergangenheit

Chinas BIP nahm zwischen 1980 und 2011 durchschnittlich um zehn Prozent pro Jahr zu (siehe Grafik: blaue Linie, durchzogen). Der CO₂-Ausstoss hingegen stieg zwischen 1980 und 2009 nur um 5.5 Prozent pro Jahr (rote Linie, durchzogen). Somit nahm der CO₂-Ausstoss pro Dollar BIP um zwei Drittel ab. Trotzdem ist China mit insgesamt zirka neun Milliarden Tonnen CO₂-Ausstoss (2012) der grösste nationale Treibhausgasemittent. Chinas Pro-Kopf-Emissionen von annähernd sieben Tonnen pro Jahr bewegen sich bereits in der Grössenordnung der EU-Werte (Durchschnitt 7.5 Tonnen pro Jahr)1.

 

Abbildung 1: Chinas BIP (blau; Milliarden Dollar, kaufkraftbereinigt, Preisbasis 2005) und totaler CO₂-Ausstoss (rot; Millionen Tonnen)

Mögliche Entwicklung des CO₂-Ausstosses bis 2020

Im Rahmen der Kopenhagen-Vereinbarung von 2009 verpflichtete sich China, die CO₂- Emissionen pro Dollar BIP weiterhin zu senken – bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber dem Jahr 2005. Die dafür erforderlichen jährlichen Reduktionsraten wären etwas geringer als in den vergangenen drei Jahrzehnten.

Um abzuschätzen, wie sich der CO₂-Ausstoss Chinas entwickelt, kombiniere ich die geplante Reduktion der Emissionen pro Dollar BIP mit einer möglichen Entwicklung des BIP (blaue Linie, gestrichelt). Ich habe dazu angenommen, dass das jährliche BIP-Wachstum bis zum Jahr 2020 von zehn Prozent auf 7.4 Prozent abnimmt.2 Daraus resultiert eine Entwicklung des CO₂-Ausstosses wie in der Grafik dargestellt (rote Linie, gestrichelt) Obwohl die Wachstumsrate der CO₂-Emissionen abnehmen würde, wäre der gesamte Ausstoss im Jahr 2020 um 7 bis 7.8 Milliarden Tonnen höher als im Jahre 2005 – ein Anstieg, der mehr als das Doppelte der Emissionsreduktionen beträgt, die die Industrieländer für den Zeitraum 2005 bis 2020 in Kopenhagen deklariert haben!3

Mögliche Entwicklung des CO₂-Ausstosses bis 2035

Am UN-Klimagipfel in Durban im Jahr 2011 hat China (neben anderen Schwellenländern) zugestimmt, ab 2015 eine verbindliche Vereinbarung zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen einzugehen, wobei die Massnahmen jedoch erst ab 2020 wirksam werden sollen.

Natürlich kann auch ich nicht vorhersagen, wozu sich China dannzumal tatsächlich verpflichten wird. Trotzdem möchte ich mit einigen plausiblen Annahmen berechnen, wie sich Chinas CO₂-Ausstoss bis von 2021 bis 2035 entwickeln könnte. Für meine Szenariorechnung habe ich angenommen:

  • Die Reduktion der CO₂-Emissionen pro Dollar BIP beträgt von 2021 bis 2035 erneut 40 bis 45 Prozent jährlich. Der CO₂-Ausstoss pro Dollar BIP würde sich damit im Jahre 2035 auf 0.32 bis 0.38 Kilogramm belaufen – Werte die zwischen den gegenwärtigen Niveaus der USA (0.42 Kilogramm) und der EU (0.26 Kilogramm) liegen.
  • Die jährliche Wachstumsrate des BIP geht zurück auf vier Prozent bis 2035 (BIP = blaue Linie, gepunktet).

Aus diesen Annahmen ergibt sich eine Entwicklung des CO₂-Ausstosses (rote Linie, gepunktet), der bis im Jahr 2035 in einer weiteren Steigerung um 2.9 bzw. 4.6 Milliarden Tonnen münden würde.

Ohne an dieser Stelle variierende Annahmen und Ergebnisse zu diskutieren, sollte hinreichend deutlich werden, dass China auf absehbare Zeit den CO₂-Ausstoss erhöhen wird, auch wenn es den Trend der erfolgreichen Emissionsbegrenzung der Vergangenheit in Zukunft beibehält.

Wird China seine Klimapolitik verschärfen?

Kann man von Chinas Klimapolitik mehr erwarten? Ich wäre vor allem aus zwei Gründen überrascht, wenn sich das Land für die Zeit nach 2020 zu mehr als einer Fortschreibung der Kopenhagen-Ziele verpflichten würde.

• Erstens hat China seit 1980 trotz der drastischen Abnahme der Armut eine massive Zunahme der Einkommensungleichheit erlebt. Um soziale Spannungen zu vermeiden, strebt die Regierung Umverteilungskorrekturen an, die nur über hohe Raten des Einkommenswachstums der Unter- und Mittelschicht erreichbar sind.

• Zweitens leiden grosse Teile der Bevölkerung unter den Folgen stark angestiegener Umweltbelastungen in der Luft, im Wasser und in den Böden. Auch hier plant die Regierung umfangreiche und kostspielige Eingriffe, um den jetzt schon immer wieder aufbrechenden gesellschaftlichen Protest zu begrenzen.

Ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum ist somit vorprogrammiert, und die lokal wirksame umweltpolitische Agenda ist dringend und mehr als voll. Chinas Beiträge zur globalen Klimapolitik werden diesen Randbedingungen untergeordnet bleiben.

 

1Alle Daten: Weltbank, World Development Indicators, 2012.

2Im 12. Fünfjahresplan 2011-15 sind 7% vorgesehen, Analytiker erwarten 8%.

3Vergl. Umweltbundesamt (2010): Post-2012 Climate Regime. Berlin. http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3954.

Zum Autor

Rolf Kappel ist Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Probleme der Entwicklungsländer an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

 

 





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Die chinesische nationale Entwicklungs- und Reformkommission will ab 2016 ein strenges Cap&Trade-Handelssystem einrichten und zudem sollen die totalen CO2-Emissionen im Jahre 2025 ihr Maximum erreichen und dann abfallen. Dies ist vorerst ein Plan, der noch genehmigt werden muss, wobei aber schon heute 7 chinesischen Provinzen einen Kohlenstoff-Emissionshandel kennen.

Berichtet wird darüber unter anderem im Artikel China moots reaching emissions peak by 2025 des New Scientist.

Sollte China diesen Plan umsetzen sind die Chancen gut, dass auch weltweit schon in den (wahrscheinlich späten) 2030er Jahren der CO2-Emissionspeak erreicht wird.

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Heute spricht alles von China wegen seinem rasanten Wachstum. Doch das Primat der wirtschaftlichen Entwicklung unter der Nebendingung die unmittelbaren Umweltschäden nicht allzu gross werden zu lassen gilt auch für Schwellenländer wie Indien, Mexiko, Indonesien und Brasilien um nur einmal die grössten Schwellenländer zu nennen. Professor Kappel hat das für China so formuliert:
„Ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum ist somit vorprogrammiert, und die lokal wirksame umweltpolitische Agenda ist dringend und mehr als voll. Chinas Beiträge zur globalen Klimapolitik werden diesen Randbedingungen untergeordnet bleiben.“
Zur lokalen umweltpolitischen Agenda dieser Länder gehören aber nicht die CO2-Emissionen, sondern die typischen Umweltzerstörungen einer ungezügelten Industrialisierung.
Das sind zuerst einmal schlechte Aussichten für die Klimapolitik, wenn es diesen Länder um sustained economic growth (Zitat aus dem Abschlussbericht „The Future We Want“ von Rio+20) geht anstatt um sustainable economic growth.

Dennoch muss das nicht heissen, dass nichtfossile Energien in diesen Ländern keine Chancen hätten. Es hängt letztlich von den
Kosten für nichtfossile Energien ab. Kosten für erneuerbare Energien wie Strom aus Wind- und Sonnenkraftwerken sinken tatsächlich sehr schnell, was mit ein Grund ist, dass viele Leute die Zukunft in den erneurbaren Energien sehen. Doch für sich industrialisierende Länder sind nicht die Kosten von Solarpanels oder die Kosten von Windturbinen das entscheidende Kriterium für oder gegen Erneuerbare Energien sondern die Kosten für ein Gesamtsystem, das ihnen erlaubt, ihre neu aufgebauten Industrien ohne tägliche Stromausfälle zu betreiben. Entscheidend wird damit das Übertragungsnetz und die Regulierung des Stromnetzes. Hier sind Entwicklungsländer oft weit im Hintertreffen und eine internationale technische Zusammenarbeit könnte die Situation verbessern.

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Weshalb denn in die Ferne schweifen?

Die für die Schweiz und ihre politischen Entscheidungen erheblich näher liegende Frage lautet: was ist von der Klimapolitik der EU zu erwarten?

Wenig bis gar nichts, wie sich zeigt …

http://www.economist.com/blogs/schumpeter/2013/04/carbon-trading

Wirklich neu ist das nicht, denn bereits 20111 war klar …

http://opinion.financialpost.com/2011/11/25/durban-downbeat

Gemäss einem UBS-Bericht hatte zu diesem Zeitpunkt das ETS die europäischen Konsumenten bereits gut 210 Milliarden gekostet, mit gegen komplett Null resultierender Wirkung hinsichtlich der Vermeidung von CO2-Emissionen. Dazu kamen/kommen die horrenden Kosten für die Förderung ineffizienter EE-Technologien.
Die Emissionsbilanz hat sich seither keineswegs verbessert, im Gegenteil, die hysterisch übereilten AKW-Stilllegungen Deutschlands sorgen für eine in diesem Umfang kaum erwartete Renaissance der Kohleverbrennung.

Indessen können es hierzulande viele Grüne und Grünbeseelte kaum erwarten, der EU nachzueifern und sämtliche ihrer Fehler nachzuahmen. Politische Opponenten werden als hoffnungslos rückständig und wechselweise als von der Tabak- oder Ölindustrie finanzierte Gegner „fortschrittlicher“ Technologien und Politikentscheidungen denunziert.

Abgesehen von den bis in den privaten Alltag der Bürger reichenden und die Wirtschaftlich enorm belastenden, weltfremden Bürokratieentscheidungen, wird es Zeit für ein Umdenken an der Spitze der schweizerischen Klima-Diplomatie, die sich zusehends isoliert und allenfalls noch in der Gesellschaft von entweder unbedeutenden oder von zweifelhaften Regimes regierten Ländern findet.

Eine Beschränkung der mit Steuergeldern finanzierten Reisli zahlreicher Funktionäre an die verlockenden, exotischen Destinationen der sog. „Klimakonferenzen“ wird nicht nur Emissionen sondern vor allem Steuer- und Konsumentengelder einsparen.

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Sehr geehrte Herren Holzherr und Allnoch

Zunächst vielen Dank für Ihre interessanten Kommentare. Wir haben ja alle keine Glaskugel, aus der wir Chinas künftige Klimapolitik ablesen könnten. Meinem einfachen Elastizitätsansatz stellt Herr Holzherr Annahmen von technisch-strukturellen Veränderungen im Energiesektor gegenüber. Im Gegensatz zu ihm bin ich etwas skeptischer hinsichtlich des Ausbaus der Kernkraft. Wenn die Chinesen mit den vollen Kosten der nuklearen Stromerzeugung, des gesamten Brennstoffkreislaufs und des Rückbaus von Kernreaktoren konfrontiert werden, werden sich die ehrgeizigen Pläne vermutlich relativieren. Bei der Windkraft sehe ich ebenfalls die Notwendigkeit, fossile Kraftwerke für die „Windflauten“ bereit zu stellen, womit die Entkarbonisierung nicht unerheblich eingeschränkt wird. Und nicht zu vernachlässigen ist der massive Einsatz fossiler Energieträger in der Industrie (mehr als 80% des Sektorverbrauchs), dessen schrittweise Substitution ebenfalls erhebliche Kosten verursachen wird.

Trotz dieser Unterscheide liegen Herr Holzherrs und meine Rechnung gar nicht so weit auseinander. Bei mir zeichnet sich der Apex der Environmental Kuznets Curve etwa 2035 ab, Herr Holzherr kommt mit seinen Annahmen auf Ende der 2020er Jahre. Entscheidend für meinen Blog war die aus der Rechnung abgeleitete Erwartung, dass sich China nach 2015 noch nicht auf eine absolute Abnahme seiner CO2-Emissionen verpflichten wird. Ich habe den Eindruck, dies liesse sich auch aus Herrn Holzherrs Überlegungen ableiten. Unwidersprochen ist natürlich, dass technologische Durchbrüche das alles über den Haufen werfen könnten.

Ich bin (leider) auch nicht hoffnungsvoll, dass der von Herrn Allnoch propagierte „Investitionsansatz“ uns in der Überwindung der globalen kollektiven Handlungsprobleme weiterbringen könnte. Am Ende zählen die Kosten, auch wenn man sie in ein zunächst attraktiver anmutendes Investitionsprogramm verpackt.

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Mit diesem Beitrag wirft Professor Kappel auch einen wohl ungewollt kritischen Blick auf die UN-Klimaverhandlungen, denn was taugen diese Verhandlungen, wenn unter ihnen (Zitat)„China auf absehbare Zeit den CO₂-Ausstoss erhöhen wird, auch wenn es den Trend der erfolgreichen Emissionsbegrenzung der Vergangenheit in Zukunft beibehält“

Es stimmt schon: Solange ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum nur mit fossilen Rohstoffen möglich ist, solange werden Schwellenländer wie China und Indien nicht bereit sein, allzuhohe Reduktionsverpflichtungen einzugehen.

Und leider gibt es heute keine kostengünstige Art Erneuerbare Energien als Ersatz für fossile Energien einzusetzen. Vielmehr werden heute Erneuerbare Energien in Deutschland oder auch China vollkommen durch fossilen Backup abgedeckt womit zuerst einmal die Kohle- oder Gaskraftwerke vorhanden sein müssen. Im Wikipedia-Artikel Wind power in China liest sich das so: In addition, increasing China’s wind power capacity means increasing coal use as well, to provide power when the wind isn’t available. „China will need to add a substantial amount of coal-fired power capacity by 2020 in line with its expanding economy, and the idea is to bring some of the capacity earlier than necessary in order to facilitate the wind-power transmission,“ according to Shi Pengfei, vice president of the Chinese Wind Power Association

Viel besser wäre es, wenn Länder wie Deutschland oder China auf fossilen Backup verzichten könnten. Ein weltumspannendes Supergrid könnte dies ermöglichen und es würde zudem eine gesunde Preis-Kompetitvität unter nichtfossilen Energiestandorten weltweit einführen. Ein solches globales Grid ensteht aber nur in der Zusammenarbeit sehr vieler Länder. Solch eine Zusammenarbeit scheint mir nötig: Eine Zusammenarbeit zwischen Ländern der ganzen Welt, die über das Abhalten von Konferenzen hinausgeht.

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China konnte sein schnelles Wachstum im Energiebereich (Verdoppelung der Stromproduktion zwischen 2005 und 2010) nur mit Kohlekraftwerken realisieren. Erneuerbare und Nukleare Energien, die in China aggressiv ausgebaut werden, sollten aber ab Ende der 2020er Jahre, wenn sie in den Bereich von 1/5 bis 1/4 der Gesamtstromproduktion kommen, die CO2-Emissionen sogar absolut senken.
Die Frage ist, ob nicht schon in der ersten Hälfte der 2020er Jahre die CO2-Emissionen in China ihren Peak überschreiten könnten. Und zwar im Sinne von Professor Kappel ohne in einem immer noch armen Land mehr Geld als nötig für Energie auszugeben und mit der Absicht zugleich mit den CO2-Emissionsreduktionen auch die Luftverschmutzung zu verringern, denn wie Professor Kappel schreibt „… leiden grosse Teile der Bevölkerung unter den Folgen stark angestiegener Umweltbelastungen in der Luft, im Wasser und in den Böden.“ und diese Umweltbelastungen haben nicht direkt etwas mit den CO2-Emissionen zu tun.
Es gibt diese Möglichkeit. Wie im NYT-Artikel China Must Exploit Its Shale Gas überzeugend dargestellt wird, könnte mit einer schnellen Förderung der gewaltigen Schiefer-Gas-Reseren Chinas sowohl die CO2-Emissionen als auch die Luftverschmutzung schon ab Beginn der 2020er Jahre deutlich gesenkt werden. In den USA hat die Schiefergasförderung die CO2-Emissionen in wenigen Jahren deutlich reduziert und in absoluten Zahlen mehr erreicht als das Kyoto-Protokoll. Schiefergas kann sogar billiger sein als Kohle und Erdgaskraftwerke sind in der Anschaffung billiger als Kohlekraftwerke und müssen nicht Jahrzehnte betrieben werden um rentabel zu sein. Es ist klar, dass Schiefergas selbst viele Probleme hat (unter anderem Methanlecks, Grundwassergefährdung) und nur eine Übergangslösung sein kann. Doch je weniger bereits gebaute Kohlekraftwerke es gibt umso besser.

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Die erwarteten CO2-Daten für China sind realistisch und zeigen, dass sich das CO2-Problem in den Ländern allein mit dem Begrenzungsgedanken und -modellansatz im Kyoto-Protokoll nicht lösen lässt. Vorgeschlagen wird vom IWR (www.iwr-institut.de) daher, den Begrenzungsgedanken als Alleinstellungsmerkmal um einen Investitionsansatz mit dem Grundgedanken zu erweitern, die CO2-Emissionen eines Landes an klimafreundliche Investitionen (z.B. erneuerbare Energien) zu koppeln (CERINA-Plan http://www.cerina.org). Zur Umsetzung und Berechnung: Kennt man den jährlichen globalen CO2-Anstieg, dann kann rückwärts die Höhe der weltweiten Investitionen (ca. 500 Mrd. Euro pro Jahr) zur CO2-Kompensation des Anstiegs (das Delta) berechnet werden. Über einen einzigen Verteilungsschlüssel (16 Euro pro Tonne CO2 bei insgesamt 34 Mrd. t) lassen sich die Investitionen dann verursachergerecht auf die einzelnen Länder in Abhängigkeit vom CO2-Ausstoß verteilen. Ein Investitionsprogramm ist politisch attraktiver im Land darstellbar als ein Begrenzungsansatz wie das Kyoto-Protokoll. Auch eine paralle Debatte und Umsetzung von Begrenzung (Kyoto) und Investitionen (CERINA-Plan) wäre denkbar.

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Ist BIP-Wachstum zwangsläufig mit höheren CO2-Emissionen verbunden und können die CO2-Emissionen nur gesenkt werden, indem die Wirtschaft CO2-effizienter wird, indem also mit gleich viel Kohle, Erdöl und Erdgas mehr BIP erwirtschaftet wird?
Das gilt tatsächlich für eine Wirtschaft, die zutiefst fossil ist und es auch bleibt. Nicht aber für eine Wirtschaft, die von nichtfossilen Energieträger dominiert ist. Der CO2-Ausstoss pro erwirtschafteten Schweizer Franken ist für in der Schweiz erzeugten Strom, der beinahe CO2-frei produziert wird, wohl im Gramm-Bereich nicht aber im Bereich von mehreren hundert Gramm wie das in den USA oder in China der Fall ist.
Die Überlegungen die Professor Kappel zur CO2-Effizienz macht – weniger CO2 für das gleiche erwirtschaftete BIP – sind in ihrem Charakter identisch mit denen von Dr. Ohndorf in seinem Beitrag Rebound-Effekt: Ein Argument für oder gegen die Förderung von Energieeffizienz?, wo er eine staatliche Förderung der Energieeffizienz für sinnvoll erachtet. Doch es gibt Energiequellen ohne jede CO2-Emission und diese bedürfen keiner effizienten Nutzung um CO2 ärmer zu werden. Schlicht weil sie kein CO2 emittieren. So produziert die Sonne Energie ohne CO2-Emissionen – denn anders als das die Engländer früher glaubten brennen auf der Sonne keine gewaltigen Kohlemengen.
In China besteht aber tatsächlich das Problem der bereits gebauten Kohlekraftwerke und der Kohle, die für industrielle Prozesse genutzt wird. Selbst wenn alle neuen Energiequellen Chinas nichtfossil sind bleiben diese Altlasten – wenn sie nicht einfach abgestellt werden oder ihr CO2-Ausstoss sequestriert wird.
Das ist auch der Grund, warum China bis 2050 kaum unter 4 Tonnen CO2 pro Person kommen wird. Es sei denn es geschehe ein Wunder und eine spottbillige nichtfossile Energiequelle taucht plötzlich auf.

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„Chinas BIP nahm zwischen 1980 und 2011 durchschnittlich um zehn Prozent pro Jahr zu“ schreibt Professor Kappel und – möchte ich ergänzen – Chinas Stromproduktion verdoppelte sich allein zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2005. Dies liess sich nur mit dem schnellen Bau von Kohlekraftwerken realisieren, denn diese stellen die geringsten Anforderungen an das Leitungsnetz (prekär in China) und sind einfach und schnell zu bauen.
China hat aber Ende 2011 auch bereits 62 GW an Wind-Kapazität (2010 noch 41.8 GW (+50% in einem Jahr)) und verfügt über ein Windpotenzial von mehr als 2000 GW. China hat 2012 16 AKWs in Betrieb und 26 in Bau. Windkraftwerke und AKWs werden 2020 bereits je 6% des Stroms produzieren. In 2050 sollen Chinas AKWs 400 GW Leistung haben und die Windleistung soll 1000 GW übersteigen, womit allein Wind und Nuklear im Jahr 2050 weit mehr als die Hälfte des dann benötigten Stroms liefern werden.
Dies belegt die von China verfolgte Dekarbonisierungsstrategie, die die CO2-Emissionen Chinas ab Ende der 2020er Jahre senken und bis 2050 zusammen mit technologischen Fortschritten (PV-Strom so billig wie Kohlestrom) wohl in das Band 4 bis 6 Tonnen CO2-Emissionen pro Chinese und Jahr zurückführen wird. Damit folgt Chinas Entwicklung der Environmental Kuznets Curve, welche eine Reduktion der Umweltverschmutzung und der Emissionen mit steigendem Wohlstand prognostiziert. Auch Indien und Afrika werden diesem Pfad folgen und wohl dank Technologiefortschritten im Jahre 2050 ebenfalls im Emissionsband 4 bis 6 Tonnen CO2 pro Person liegen, ebenso wie die USA. In Europa wird 2050 zwischen 2 und 4 Tonnen CO2 pro Person emittiert werden. Weltweit gesehen werden die CO2-Emissionen im Jahr 2050 also genau so hoch sein wie heute aber mit einem deutlichen Trend zu immer weniger.
Mit technologischen Durchbrüchen (PV spottbillig, Fusionsenergie) ist aber auch mehr möglich bis 2050.
Professor Kappel hat das nicht berücksichtigt in seinem Beitrag.

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Sehr geehrter Herr Professor Kappel,

Kompliment für die gut nachvollziehbaren quantitativen Abschätzungen der zukünftigen CO2-Emissionen Chinas. Sie basieren ihre Prognosen auf das zu erwartende chinesische Wirtschaftswachstum und die beobachteten und extrapolierten Effizienzverbesserungen (CO2-Intensität) sowie die bereits gemachten Zusagen Chinas.

Bis zur Mitte der 2020er Jahre oder auch etwas darüber hinaus dürften ihre Projektionen in etwa stimmen und ein Chinese dürfte in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre zwischen 10 und 12 Tonnen CO2 pro Jahr CO2 ausstossen. 10 Tonnen CO2 pro Kopf als Maximum hat auch Zou Ji, Der Direktor von Chinas Klimawandelstrategieinstitut in einem NYT-Interview vorausgesagt.
Doch gegen Ende der 2020er Jahre dürften die CO2-Emission der Chinesen bereits den Höhepunkt überschritten haben und während den ganzen 2030er Jahren sogar deutlich sinken.
Der Grund dafür liegt in der von China bereits fest geplanten Umstellung in der Stromproduktion von jetzt vorwiegend Kohlekraft auf immer mehr Wasser, Atom und Wind. Bis zum Jahr 2020 sind an nichtfossilen stromerzeugenden Kapazitäten 200 GW Wind, 70 GW Nuklear und 300 GW Hydro geplant mit noch weit höheren Zielen bis 2035. Damit wird der Anteil von Kohle an der Stromproduktion bereits in den frühen 2020er Jahren unter 70% fallen und gegen den Ende der 2020er Jahre sogar absolut zurückgehen. Die USA der letzten 7 Jahre zeigen, dass ein Rückgang der Kohleverstromung (dort Kohle -> Erdgas) innert kurzer Zeit zum Rückgang der CO2-Emissionen führt.

Fazit: Chinas Kohleverstromung (2010 stammen 78% des Stroms aus Kohle) ist heute die Hauptquelle von CO2-Emissionen. Doch Chinas Strom wird immer mehr aus nichtfossilen Quellen stammen. Eine Umstellung, die jetzt schon läuft und die an Kraft gewinnt, wenn die chin. Wirtschaft weniger wächst. Denn die Umstellung braucht Zeit.

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