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«Die Nachhaltigkeitswoche» an ETH und Uni – ein Blick hinter die Kulissen

05.03.2013 von

Es ist sieben Uhr abends. Wir vom Organisationskomitee der Nachhaltigkeitswoche beginnen unsere Sitzung. Die Stimmung ist kreativ, kooperativ und sehr konstruktiv. Locker ist im Alltag des Organisationskomitees der Nachhaltigkeitswoche allerdings wenig: Wir neun Mitglieder studieren alle an der ETH oder der Universität Zürich und engagieren uns in studentischen Organisationen. Zwei dieser Organisationen haben die Nachhaltigkeitswoche initiiert: [project 21], der studentische Verein für Nachhaltigkeit, und die seit einem Jahr bestehende Nachhaltigkeitskommission des Verbands der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH).

Trotz der Müdigkeit, der scheinbar endlosen To-Do-Liste und der Tatsache, dass es für diese Arbeit keine Lorbeeren gibt (und Kreditpunkte fürs Studium erst recht nicht), scheint unsere Motivation grenzenlos zu sein. Voller Energie organisieren wir Podiumsdiskussionen und Vorträge, designen Logos und regeln die Finanzierung. Unsere Pläne für die Nachhaltigkeitswoche sind vielfältig: Die Mensen sollen nachhaltiges Essen anbieten und die CO₂-Werte der Menus angeben. Professoren sollen mitdiskutieren. NGOs sollen auch dabei sein. Ein «BikeCheck» für den Frühling darf nicht fehlen. Noch ein veganer Kochkurs, eine Tauschbörse, acht Plakate über digitale Nachhaltigkeit…

Fünf Tage Nachhaltigkeit

Wir vom Organisationskomitees gehören ganz unterschiedlichen Studienrichtungen an: Von Mathematik über Ingenieurwissenschaften bis hin zu Germanistik ist einiges vertreten. Auch sind auf dem Programmheft die Logos beider Studierendenverbände nebeneinander abgebildet. Wo es so viel Kooperation und Eigeninitiative gibt, ist Nachhaltigkeit im Spiel! Und die soll hier aus dem ewig Umstrittenen, Konzeptuellen ins Materielle, Umsetzbare übertragen und so ins Leben gerufen werden. Nachhaltigkeit wird diese Woche nicht nur diskutiert. Denn was uns alle verbindet, ist die Freude, Nachhaltigkeit auszuleben.

Zum Autor

Artemi Egorov studiert Mechanical Engineering an der ETH Zürich mit Fokus auf Energie und Thermodynamik. Er ist Co-Präsident von [project 21], der studentischen Organisation für nachhaltige Entwicklung an den Zürcher Hochschulen, und Mitorganisator der ersten Nachhaltigkeitswoche an der ETH Zürich und der Universität Zürich.

Veranstaltungshinweis: «Die Nachhaltigkeitswoche» vom 4. bis 8. März

Diese Woche findet die erste Nachhaltigkeitswoche an der ETH Zürich und der Universität Zürich statt. Interessierte haben die Möglichkeit, das Thema Nachhaltigkeit aus verschiedenen Perspektiven kennen zu lernen und zu erleben. Unter anderem finden statt: Kunstaktionen, Referate zu Wasser, fairer Schokolade oder umweltgerechter Mobilität, ein Podium zur Rolle der Universität im Nachhaltigkeitsdiskurs, Kochkurse, die Präsentation studentischer Nachhaltigkeits-Initiativen und eine Tauschbörse. Jeder Tag ist einem Thema gewidmet: Montag: ‚Ressourcen‘, Dienstag: ‚Ernährung‘, Mittwoch: ‚Nachhaltigkeit an der Hochschule‘, Donnerstag: ‚Digitale Nachhaltigkeit‘ und Freitag: ‚Mobilität‘. Programmheft und weitere Informationen





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Die Aussage: „Nachhaltigkeit ist unser aller Zukunft ob wir uns darum kümmern oder nicht.“
bedeutet angewendet auf unsere globale Industriezivilisation, dass diese über mehrere Generationen nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn sie geschlossene Materialkreisläufe aufbaut und der biologischen Natur genügend Raum lässt.

Es gibt nun zwei grundlegend verschiedene Ansätze um zu einer solchen Nachhaltigkeit zu kommen. Die eine geht über ein erhöhtes Konsumentenbewusstsein, die andere über veränderte Rahmenbedingungen. Wobei in meinen Augen nur der Ansatz mit veränderten Rahmenbedingungen nachhaltig wirkt. Ein verändertes Konsumentenbewusstsein kann allerdings das Bewusstsein und Wählerverhalten schaffen und unterstützen, welches in veränderten Rahmenbedingungen mündet.

Mit veränderten Rahmenbedingungen meine ich konkret auf die CO2-Emissionen gemünzt: Der Bürger der Zukunft wird irgendwann nicht mehr die Wahl für viel oder wenig CO2-Emissionen haben, wird sich nicht mehr für Produkte entscheiden können, die mit viel oder wenig CO2 Emissionen verbunden sind, weil es die CO2 intensiven Produkte schlicht nicht mehr geben wird, weil sie unter den veränderten Rahmenbedinungen nicht mehr angeboten werden. Ein Lenkungsinstrumente, das in diese Richtung führt, ist beispielsweise ein Preis auf CO2-Emissionen. Auch Verbote für Produkte, die besonders viel CO2 ausstossen gehören dazu.

Die Welt kann nicht über ein verändertes Konsumverhalten gertettet werden, weil man die Welt nicht auf völlig freiwilliger Basis und als Ausdruck eines Lebensstils retten kann. Mit dem coolen CO2-freien Produkten, die man persönlich einsetzt, kann man vielleicht die WG-Mitbewohner oder Freunde beeindrucken, nicht aber die Welt an und für sich. Bürger mit einem anderen Konsumverhalten sind allerdings wohl eher bereit, nationale oder gar globale Regelungen zu unterstützen, die das gleiche auf allgemeinerer Basis anstreben, was die Konsumenten aus Konsumbewusstsein leben.

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In Ergänzung zum vorher Gesagten und zur Klärung des Gemeinten hier noch ein kleiner Lese-Tipp:
Oliver Geden: Strategischer Konsum statt nachhaltiger Politik? Ohnmacht und Selbstüberschätzung des ‚klimabewussten‘ Verbrauchers (Transit : europäische Revue, Heft 36, 2008, S. 132-141).

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An Artemi Egorov: „Es nützt uns nichts, wenn [die Statistik zeigt, dass] die meisten nichts bewirken wollen.“
Es kann sehr nützlich sein, sich zu fragen, WARUM viele „nichts bewirken wollen“. Wer darauf vertraut, dass Verhalten primär informationsgesteuert und rational durchdacht ist, hat ein Problem, wenn sich herausstellt, dass der Mensch in den meisten Situationen nicht so funktioniert. Er/Sie tut gut daran zu überlegen, welche anderen Hebel existieren, um individuelle Verhaltensweisen oder gesellschaftliche Strukturen zu verändern. Dass diese sich im Zeitverlauf verändern, ist offensichtlich, die Frage ist vielmehr: Durch welche Triebkräfte, in welche Richtung und welche Chancen ergeben sich daraus…?

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Ich möchte zu den bestehenden Kommentaren ein paar (hoffentlich aufklärende, aber zumindest spannende) Bemerkungen hinzufügen:
1. Was zählt ist die Absicht: Wir wollen mit „wer mehr weiss, kann mehr bewirken“ nicht postulieren, dass Wissen zum Handeln anregt. Wir wollen aber zeigen, dass Wissen Vorteile hat, sprich man mehr bewirken kann, wenn man mehr weiss, angenommen man möchte überhaupt was bewirken – und davon gehen wir aus. Wieso? Weil man manchmal naiv sein muss, um etwas zu verändern. Es nützt uns nichts, wenn die Statistik zeigt, dass die meisten nichts bewirken wollen. Statistiker sollen mit ihren eigenen Absichten arbeiten, wir arbeiten mit unseren. Die Schilderaktion ist Teil der Nachhaltigkeitswoche, ein informierender Teil, ein Teil, der (oft in der Nachhaltigkeitsdebatte vernachlässigte) Verhältnismässigkeiten aufzeigen soll. Wer nichts bewirken will, muss auch nicht. Wir wollen keine Zombies produzieren, die alle vegetarisch essen und Fahrrad fahren. Das wäre nicht Nachhaltigkeit.
2. Zitiere Enno Schmid, der sich bereit erklärt hat, für die Nachhaltigkeitswoche ein Essay über „Nachhaltigkeit, globales Denken“ zu schreiben: „Erstens: wir sind alle auf dem Weg dazu. Alle. Zweitens: wir sind alle auf dem Weg dazu. Auf dem Weg. Niemand ist damit schon fertig.“ Zitat Ende. Nachhaltigkeit ist unsere Zukunft, und gemessen wird sie an unserem Handeln – ignorieren, verdrängen und hinterfragen wir unsere Zukunft oder heissen wir sie willkommen und freuen uns auf sie? Niemand ist von unserer GEMEINSAMEN Zukunft ausgeschlossen, alle machen mit, ob bewusst oder unbewusst. Und wer sich aktiv mit Nachhaltigkeit beschäftigt, hat meiner Meinung nach das Privileg, bewusst an der Zukunft mitzuarbeiten – how cool is that!
3. Wissen im Sinne von Intellekt bzw. Information ist frei zugänglich und nötig. Ist aber nur eine Beschreibung der Realität. Wissen im Sinne von Erfahrung IST die Realität. Denn Erfahrung=Wahrnehmung und ohne Wahrnehmung keine Realität.

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Herr Nauser, ich komme noch einmal auf Ihren dringenden Aufruf, die „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ umzusetzen, zurück. Sie gehen allen Ernstes davon aus, dass die Wissenschaft ihr letztes Wort gesprochen hat.
Ich bin gerade auf einen Artikel gestossen, der meine These unterlegt, dass wir nicht wissen, wieviel wir nicht wissen. Insbesondere zeigt der Artikel, dass uns nur eine holistische Betrachtung der Naturvorgänge wirklich Aufschluss bringt. Der Artikel zeigt das deutlich in Bezug auf Desertifikation und Biodiversität.

http://wattsupwiththat.com/2013/03/08/a-bridge-in-the-climate-debate-how-to-green-the-worlds-deserts-and-reverse-climate-change/

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Herr Nauser, ja, Wissen ist Macht, auch vermeintliches oder behauptetes Wissen. Und wir wissen aus Erfahrung, das Macht oft auch missbraucht wird. „Wer isoliert handelt, weiss, dass Wissen oft Ohnmacht ist. Und wer sich mit anderen zusammentut, …“ teilt zwar die gemeinsamen Überzeugungen, das ist aber keine Gewähr für die Qualität des Wissens im wissenschaftlichen Sinn. Wissenschaft basiert nicht auf Konsens.

Manchmal sollten wir wieder zur Bescheidenheit zurück kehren und uns eingestehen, dass unser Wissen relativ ist und innig von unserer individuellen Überzeugung und Präferenzen beeinflusst wird.

Wir wissen nicht, was wir (individuell) nicht wissen, wir wissen nicht mit absoluter Sicherheit, ob unser Wissen tatsächlich die Realität abbildet.

„Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft waschen ihre Hände in Unschuld.“ Meine obigen Ausführungen gelten auch für Politiker. Kennen Sie auch nur einen Politiker weltweit, der allwissend ist? Gibt es spezifische Aufnahmeprüfungen für angehende Politiker? Haben Politiker Zugang zu allwissenden Wissenschaftlern? Wenn das so wäre, gäbe es keine unterschiedlichen politischen Parteien, denn es gibt nur eine Wahrheit.

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Cool – die vermeintlich unpolitische Studentenschaft, die angeblich nur noch ich-bezogene Jugend von heute, sie senden Signale aus, die man schon fast für verstummt glaubte. Es ist halt nicht so einfach zu verdrängen, wenn man an den Quellen des Wissens sitzt.
Nachdenklich stimmt mich der Slogan der Spruchschilder-Kampagne zur Nachhaltigkeitswoche (http://vsuzh.ch/vsuzh/wp-content/uploads/2013/03/NH-Woche%20Spruchschilder%20Website.pdf): „Wer mehr weiss, kann mehr bewirken.“ Da klingt die alte Weisheit an, dass Wissen Macht ist. Wenn dem so wäre, könnten sich auch Wissende das Verdrängen sparen. So bleiben aber zumindest eine Bedingung und eine Annahme unerwähnt, die zu diskutieren wären:
Die Bedingung: Etwas (Relevantes) bewirken wird nur, wer etwas bewegen kann. Wer isoliert handelt, weiss, dass Wissen oft Ohnmacht ist. Und wer sich mit anderen zusammentut, weiss, dass gesellschaftliche Strukturen träge sind und jene, die mit dem Status Quo gut fahren die Tendenz (und oft auch die Mittel) haben, diesen zu verteidigen.
Die Annahme: Unser Handeln ist Abbild unseres Wissens. Stimmt das? Aus der Verhaltensforschung wissen wir seit Jahrzehnten, dass der weitaus grösste Teil unserer alltäglichen Handlungen keiner systematischen Abwägung von Vor- und Nachteilen oder bewusst gefassten Entscheidungen entspringt. Leider ist das in der Auseinandersetzung um die Voraussetzungen einer nachhaltigen Gesellschaftsorganisation nie wirklich angekommen. Statt dessen wird das hohe Lied der Konsumentensouveränität gesungen. Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft waschen ihre Hände in Unschuld. Es gibt kein besseres Mittel, um den Status Quo zu erhalten.
Vielleicht hat die Nachhaltigkeitswoche ja dazu neue Einsichten gebracht? Ich wäre gespannt, darüber zu lesen.

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