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Energieziele, nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz gehen Hand in Hand

25.02.2013 von

Ban Ki-Moon, der UN-Generalsekretär, hat letztes Jahr die Initiative «Nachhaltige Energie für Alle» ins Leben gerufen. Deren Herzstück sind drei globale Energieziele. In einer kürzlich veröffentlichten Studie zeigen wir, dass diese drei Energieziele vereinbar sind mit dem Zwei-Grad-Klimaziel. Wenn wir die Energieziele erreichen, ist gleichzeitig ein wichtiger Schritt im Klimaschutz gemacht. Allerdings garantieren die Energieziele noch nicht, dass das Zwei-Grad-Ziel erreicht wird. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen auch langfristig beschränkt werden.

Es dürfte keine Überraschung sein, wenn ich schreibe, dass während der vergangenen zehn Jahre nur wenig substantieller Fortschritt gemacht worden ist beim Klimaschutz. Vielen, auch auf der höchsten politischen Ebene, ist aber in dieser Zeit klar geworden, dass Klimaschutz wichtig ist – und dass es nicht nur eine Option ist, die man sich mal überlegen könnte. Ein kürzlich erschienener Bericht der Weltbank, zum Beispiel, beschreibt eine vier Grad wärmere Welt, eine plausible Prognose, die bis Ende dieses Jahrhunderts eintreffen könnte, wenn die Weltgemeinschaft keine Klimaschutzmassnahmen ergreift. Gleichzeitig hebt der Bericht hervor, dass es unklar sei, ob unsere Gesellschaft sich überhaupt an eine vier Grad wärmere Welt anpassen könnte.

Teilweise als Antwort auf zögerliche Entscheidungen bei den Klimaverhandlungen, aber vor allem um nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung zu fördern, hat Ban Ki-Moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, letztes Jahr eine neue Initiative gestartet: «Sustainable Energy for All» oder auf Deutsch «Nachhaltige Energie für Alle». Diese Initiative, derzeitig schon von rund 50 Ländern unterstützt, besteht aus drei globalen Energiezielen, die man bis 2030 erfüllen möchte:

  • universeller Zugang zu modernen Energieformen für alle
  • eine Verdopplung des Anteils erneuerbarer Energieträger im globalen Energiesystem
  • eine Verdopplung der Verbesserungsrate der Energieeffizienz bis 2030 (2.4 Prozent statt wie heute 1.2 Prozent Verbesserung pro Jahr)

Weil die weltweite Energieproduktion für ungefähr 80% der globalen Kohlenstoffdioxid-Emissionen (CO₂-Emissionen) verantwortlich ist, haben Änderungen in der Energieproduktion auch eine entscheidende Auswirkung aufs Klima. In einer neuen Analyse, die wir vor kurzem publiziert haben, untersuchten wir, wie konsistent die UN-Energieziele mit dem Zwei-Grad-Ziel sind.

Mit Hilfe detaillierter Energieszenarien haben wir gezeigt, dass die drei UN-Energieziele zusammen die Welt auf einen Pfad in Richtung Zwei-Grad-Ziel führen könnten. Klimaschutz, Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung gehen also Hand in Hand.

Die zusätzlichen Kosten zur Erreichung der UN-Energieziele würden bis 2030 rund 0.3% des weltweiten Bruttoinlandproduktes betragen, wären also bezahlbar und würden einen vielfachen Nutzen bringen.

Es ist aber auch deutlich, dass die UN-Energieziele nur ein erster Schritt sind. Erstens sind zusätzliche Massnahmen notwendig, um die Emissionen weiterer klimaschädlicher Gase (zum Beispiel Methan) zu reduzieren, die nicht hauptsächlich aus der Energieproduktion stammen. Ausserdem müsste auch langfristig, also auch nach 2030, die weitere Senkung des CO₂-Ausstosses garantiert werden.

Unser Fazit: Die UN-Energieziele können sehr wohl helfen, Klimaschutz zu erreichen. Letztendlich bleibt es aber wichtig, die totalen (kumulativen) Treibhausgas-Emissionen zu beschränken. Nur das garantiert einen erfolgreichen Klimaschutz und das Erreichen des Zwei-Grad-Ziels.

Zum Autor

Joeri Rogelj ist Doktorand in Klimaphysik an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

Literaturhinweis & Lesetipps




Kommentare (2) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Sehr geehrter Herr Rogelj,

Die von ihnen beschriebene «Sustainable Energy for All»-Initiative mag klimakompatibel sein und sowohl Entwicklung als auch Umwelt- und Klimaschutz in einem Paket vereinen.

Doch nicht die in dieser Initiative anvisierten Menschen und Länder werden die CO2-Emissionen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stark ansteigen lassen, sondern diejenigen Länder, die die westliche Industrialisierung nachvollziehen – also China und Indien, später vielleicht auch Afrika.
China und Indien sind beides Kohleländer, die ihre Energie selbst geförderter Kohle verdanken. Aber auch in Afrika gibt es nicht unbedeutende Kohlevorkommen. Kohle ist auch heute die kostengünstigste Energie für Grundlaststrom und wird es für die nächsten 15 bis 20 Jahre sicher auch bleiben. Es verwundert deshalb nicht, dass in China jede Woche zwei neue 500 Megawatt Kohlekraftwerke ans Netz gehen und die CO2-Emissionen in China von 2010 auf 2011 um 9% gestiegen sind, so dass jeder Chinese im Jahr 2011 durchschnittlich 7 Tonnen CO2 pro Jahr emittiert, was bereits 1/4 mehr ist als von einem Schweizer emittiert wird.
Dem Kuznet Entwicklungsmodell folgend haben die westlichen Industrieländer in der Mehrzahl ihren CO2-Emissionspeak bereits vor ein paar Jahren überschritten, während China diesen wohl erst in den 2020er Jahren bei dann 10 bis 12 Tonnen CO2-Emissionen pro Chinese und landesweiten Emissionen von 13 Milliarden Tonnen CO2 erreichen werden. Diese Perspektive wird im DotEarth-Artikel Tough Truths from China on CO2 and Climate aufgezeigt.

Nicht eine Unterschrift unter einen Vertrag wird daran etwas ändern, sondern nur eine Energie-Alternative zur Kohle, die Energie ebenso kostengünstig, schnell installiert und netzverträglich bereitstellen wird.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Sehr geehrter Herr Rogelj,

«Sustainable Energy for All» will in erster Linie den 1.3 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Elektrizität diesen Zugang verschaffen. Menschen den Zugang zu Energie verschaffen, die vorher keinen solchen hatten, bedeutet zuerst einmal mehr Energie erzeugen als vorher. Ein Grossteil dieser zusätzlichen Energie kann aus CO2-armen Quellen stammen, jedoch kaum alle.

Weil eben weltweit gesehen nicht nur bestehende fossile Energien durch nichtfossile ersetzt werden müssen, sondern der Energieeinsatz insgesamt steigt wird selbst eine starke Zunahme von CO2-armen Energiequellen den CO2 Ausstoss insgesamt nicht senken. Dazu kommt, dass ein Ersatz bestehender fossiler Energiequellen nur langsam stattfindet. Viele der heutzutage gebauten Kohlekraftwerke werden auch im Jahre 2050 noch in Betrieb sein und es werden heute mehr Kohlekraftwerke gebaut als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Die internationale Energieagentur schätzt deshalb, dass Kohle ab dem Jahr 2017 Öl als wichtigste Primärenergiequelle ablösen wird.

Damit erhält der Satz (Zitat)„Some recent scenarios estimate that renewables will contribute more to a low-carbon energy supply by 2050 than nuclear power or fossil fuels using carbon capture and storage.“ aus Sustainable Energy for All eine ganz neue Bedeutung. Erneuerbare Energie werden im Jahre 2050 mit grosser Sicherheit mehr CO2-arme Energie bereitstellen als es dann Nuklearenergie und CCS-Kohle tun werden. Nicht weil es dann nur noch wenig Kohlekraftwerke (und kaum neue Nuklearkraftwerke) geben wird, sondern weil die meisten heutigen Kohlekraftwerke immer noch in Betrieb sein werden und Carbon Capture und Storage schlicht nicht zur Verfügung stehen wird oder den Ländern zu teuer erscheint.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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