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Nachhaltige Siedlungsplanung: Wie lassen sich Wohnentscheide beeinflussen?

10.01.2013 von

Mich fasziniert das Zusammenspiel zwischen unseren Entscheidungen als Gesellschaft und der Umwelt. Gelingt es, dieses Wechselspiel zu entschlüsseln, liesse sich meiner Meinung nach die Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit steuern. Mit dieser Überlegung bin ich in meine Masterarbeit in Umwelt- und Verkehrsplanung gestartet. Einige wichtige Erkenntnisse stelle ich hier vor.

Wo und wie wir wohnen entscheidet, wie unsere Städte gebaute werden, wie viel Mobilität anfällt, wie viel Boden versiegelt wird, welche Nachbarschaften sich bilden oder wie stark die Landschaft zerstückelt wird. Gleichzeitig verrät die Wohnentscheidung (Standort und Preis), welche Eigenschaften einem Menschen wichtig sind und wie viel man bereit ist, für sie zu bezahlen.

Modell für die Abhängigkeit von Mietpreis und Wohnsituation

Um diese Abhängigkeit zu modellieren, verwende ich ein sogenanntes hedonisches Preismodell. Es erklärt den Mietpreis in Abhängigkeit einer Vielzahl von Eigenschaften einer Wohnung und deren Umgebung. Dazu gehören zum Beispiel die Wohnfläche, die Erreichbarkeit, der Ausländeranteil im Quartier, die Nähe zu ökologisch wertvollen Gebieten oder zu einem See, der Lärm und die Luftqualität vor Ort. Ich habe im ganzen Kanton Zürich entsprechende Daten erhoben und modelliert. Dabei hat mich speziell interessiert, ob sich räumliche Unterschiede zeigen: Ob also zum Beispiel Bewohner der Stadt die Prioritäten anders setzen als Bewohner eines Dorfes.

Das Modell lässt regionale Unterschiede erkennen. So würde beispielsweise ein identischer Ausbau der Verkehrsinfrastruktur die Mieten im Freiamt viel stärker erhöhen als im Zürcher Unterland (Abbildung 1). Eine Mietpreissteigerung führt häufig zu einer gesteigerten Bautätigkeit und damit womöglich zu Zersiedelung.

Wie wirken verschiedene Massnahmen auf Wohnentscheide?

Mit dem Modell kann ich auch quantitative Angaben für die verschiedenen Eigenschaften untereinander machen. Ein wichtiges Anliegen ist in meinen Augen, den Trend zu stoppen, dass der Wohnflächenverbrauch pro Person von Jahr zu Jahr steigt. Wie bringt man also eine Zürcher Person dazu, auf einen Quadratmeter Wohnfläche zu verzichten? Laut dem hedonistischen Modell dann, wenn der Strassenlärm um zwei Dezibel vermindert oder der Fussweg zum nächstgelegenen Park um 180 Meter verkürzt würde. Oder auch durch das Vorhandensein eines künstlichen oder natürlichen Gewässers; 30 Aren in der Nachbarschaft wären nötig.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte für den Kanton Zürich, variieren jedoch lokal je nach Einflussstärke der Wohnfläche auf den Mietpreis (Abbildung 2). Für Planende sind sie eine wichtige Information, wie unpopuläre, jedoch nötige Schritte – wie verdichtetes Bauen – kompensiert und die Besiedelung des Raumes so gesteuert werden kann, dass Verkehr möglichst vermieden wird.

Abbildung 1: Je heller die Fläche, desto stärker wirkt sich eine Verbesserung der Erreichbarkeit, beispielsweise durch einen schnelleren öffentlichen Verkehr oder einen Ausbau der Strassen, auf die Wohnungsmieten aus. In solchen Gebieten würde ein Infrastrukturausbau die dezentrale Besiedelung übermässig beschleunigen. Erreichbarkeitsmodellierung: IVT, ETHZ; Kartengrundlage: Kanton Zürich.

Abbildung 2: Je heller die Fläche, desto stärker wirken sich zusätzliche Quadratmeter Wohnfläche auf den Mietpreis aus. In solchen Gebieten ist es besonders schwierig, den Verlust von Wohnfläche durch andere positive Eigenschaften zu kompensieren. Kartengrundlage: Kanton Zürich.

Zum Autor

Raphael Fuhrer absolvierte seinen Master in Raumentwicklung und Infrastruktursystemen. Er schreibt zurzeit seine Doktorarbeit am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie





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