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Hurrikan Sandy ist ein Weckruf

04.12.2012 von

Wetterbedingte Naturkatastrophenschäden nehmen zu. Über die letzten vierzig Jahre beobachten wir mehr als eine Verzehnfachung der Schäden: von jährlich um die fünf Milliarden Dollar in den Siebzigerjahren auf deutlich über fünfzig Milliarden Dollar pro Jahr im letzten Jahrzehnt. Dies ist primär auf das Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand zurückzuführen. Allerdings wird der globale Klimawandel die Situation verschärfen.

Ein aktuelles Beispiel einer wetterbedingten Naturkatastrophe mit grossen Schäden ist der Hurrikan Sandy. Dieser traf am 29. Oktober die Ostküste der USA und führte zu wirtschaftlichen Schäden in der Grössenordnung von 50 bis 60 Milliarden Dollar. Sandy stellt mit einem Durchmesser von über 1’800 Kilometern den flächenmässig grössten bis anhin beobachteten Nordatlantischen Hurrikan dar.

Sandy – ein einzigartiger Hurrikan…

Hurrikane sind quasi symmetrische Tiefdruckgebiete mit warmer Luft im Zentrum, die Wärme aus dem Ozean beziehen und in Bewegungsenergie umwandeln. Sandy vereinigte sich mit einem Tiefdruckgebiet und erfuhr damit eine sogenannte «extratropische Transition». Nach einer solchen Transition besteht der Kern aus kalter statt warmer Luft und das Gebilde bezieht die Energie primär aus Druck- und Temperaturunterschieden entlang der Polarfront. Sandy kombinierte damit die hohen Winde eines Hurrikans mit der grossen Ausdehnung eines extratropischen Sturmes. Durch die Vereinigung mit einem Tiefdruckgebiet wurde Sandy nicht nur ausgedehnter, sondern auch niederschlagsreicher. Weiter führte Sandy zu einer unüblich hohen Sturmflut von über vier Metern, verstärkt dadurch, dass Sandy bei Flut und Vollmond aufs Land traf.

…aber in seinem Schadensausmass nicht unbekannt

Sandy war also in der Tat einzigartig, doch sind Stürme dieser Intensität im Nordosten der USA nicht gänzlich unbekannt. Im Jahre 1938 wütete der «Long Island Express», ein schwerer Hurrikan der Neuengland traf. 1962 führte ein Sturm in sechs Staaten zu Zerstörungen und 1954 sowie 1985 führten die Hurrikane Carol und Gloria ebenfalls zu grossen Schäden.

Auch Sandy führte zu grossen Zerstörungen. Verantwortlich sind dafür unter anderem die unüblichen meteorologischen Eigenschaften von Sandy und insbesondere, dass Sandy ein äusserst dicht besiedeltes Gebiet traf. Der Grossteil der Schäden wurde durch die Sturmflut verursacht. Nicht zu vernachlässigen sind die Beschädigungen durch umgestürzte Bäume – speziell an Fahrzeugen und Stromleitungen. Apropos Strom: Drei Atomkraftwerke mussten sicherheitshalber vor dem Eintreffen des Sturms heruntergefahren werden – und grosse Teile Manhattans sowie umliegender Gebiete waren mehr als eine Woche ohne Stromversorgung. Sieben U-Bahn-Tunnel und vier Strassentunnel wurden geflutet, des Weiteren mehrere grosse Parkgaragen. Und nicht zuletzt: Die Komplexität und mannigfaltigen Abhängigkeiten in unserem Wirtschaftssystem steuerten das ihre zum Schadenausmass von Sandy bei.

Sandy ist ein Weckruf

Ist Sandy eine Folge des Klimawandels? Nein – ein einzelnes Ereignis kann nicht so einfach dem Klimawandel in die Schuhe geschoben werden. Die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass solche Ereignisse mit fortschreitendem Klimawandel zunehmen könnten. Die Daten sind jedoch noch mit Unsicherheiten behaftet.

Sandy ist dennoch ein Weckruf. Der Wirbelsturm hat uns einmal mehr daran erinnert, dass auch hochentwickelte Gesellschaften Unwetterrisiken ausgesetzt sind. Es lohnt sich nicht zu riskieren, dass solche Ereignisse häufiger werden. Auch wenn wir Ereignisse dieser Art nicht ganz verhindern können, so sind wir doch aufgefordert, vorausschauend zu handeln, sprich: Die Treibhausgasemissionen zu senken, um die Zunahme von Klimarisiken zu begrenzen. Sollten wir nicht im Stande sein, die Emissionen zu senken, so werden wir mehr und mehr Mittel für die stetig ansteigende Belastung durch Naturkatastrophen aufwenden müssen. Deshalb ist es zwingend nötig, die Treibhausgasemissionen massiv zu senken. Dies ist nicht gratis zu haben, doch deutlich kostengünstiger, als zuzuwarten. Zudem hat Prof. Lucas Bretschger vor kurzem dargelegt, dass wirtschaftlicher Erfolg trotz ehrgeizigen Klimazielen möglich ist.

Zum Autor

Gastautor David Bresch ist Head Sustainability bei Swiss Re.





Kommentare (2) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Eine verzehnfachung in vierzig Jahren entspricht einer jährlichen Zunahme von 6%. Das ist etwa die Inflation über die letzten vierzig Jahre.

Wenigsten bezeichnen sie Sandy als eine wetterbedingte Naturkatastrophe und nicht als klimabedingt!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

Es gibt keinen Hurrikan-Spezialisten von Ruf und Geltung, der die These eines von Menschen bzw. steigenden CO2-Emissionen verursachten Sturms unterstützt.

Hier ein paar Zahlen …

http://rogerpielkejr.blogspot.ch/2012/12/record-us-intense-hurricane-drought.html

Die Balken bezeichnen weder die Häufigkeit noch die Intensität der Hurrikan-Ereignisse in den letzten 100 Jahren, sondern im Gegenteil die Anzahl Tage, die zwischen dem Auftreten bedeutender Hurrikans der Kategorie 3, 4 oder 5 vergangen sind.

Wir bzw. die Ostküstenamerikaner leben demnach in besonders glücklichen Zeiten. Sandy übrigens galt bei Landfeinfall als Hurrikan der Kategorie 1. Nicht auszudenken, welche Schäden ein Sturm der Kategorie 3, 4 oder 5 angerichtet hätte.

http://rogerpielkejr.blogspot.ch/2012/03/handy-bullshit-button-on-disasters-and.html

Mit einem menschlich verursachten Klimawandel hat Sandy wenig zu tun, eher aber mit menschlicher Dummheit, Vergesslichkeit und mangelnder Voraussicht: Bauen in gefährdeten Gebieten, geringe Vorkehr gegen Extremereignisse, verwundbare Infrastruktur, behördliche Schlamperei etc.

Bequem allerdings für die verantwortlichen Politiker die Verantwortung irgendwie, wenn auch wissenschaftlich nicht gestützt, auf „den Klimawandel“ zu schieben.

Dazu Chris Landsea:

https://cirescolorado.adobeconnect.com/_a1166535166/p6zpseq4ygr/?launcher=false&fcsContent=true&pbMode=normal

Warnen Sie, Herr Bresch, erhöhen Sie die Prämien in Regionen, in denen offensichtlich Dummheit und fehlerhafte Planung regieren, aber lassen Sie den „Klimawandel“ aus dem Spiel. Er zeigt keinerlei Trend für eine Zunahme von Stürmen oder deren Intensität. Es wäre im Gegenteil verantwortungslos, einen solchen Zusammenhang zu konstruieren und die Möglichkeit einer Vermeidung anzudeuten. Es gibt sie nicht. Bleibt nur die Anpassung.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 12

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