ETH-Klimablog - Umweltfolgen - Meereis ist nicht bloss Eis

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Meereis ist nicht bloss Eis

18.10.2012 von

Die Ausdehnung des arktischen Meereises hat diesen Sommer einen Rekordtiefstand seit Beginn der Satellitenbeobachtungen erreicht. Hinter dem Meereis verbirgt sich ein erstaunlich vielfältiges Ökosystem, das wenig erforscht und kaum bekannt ist. Gefährdet der Rekordtiefstand nun das ganze Ökosystem?

In diesem Sommer wurde ein nie zuvor gemessener Tiefstand bei der Ausdehnung des arktischen Meereises beobachtet (siehe Blogbeitrag von Prof. Stefan Brönnimann und Blogbeitrag von Prof. Reto Knutti). Damit sind die Rekorde von 2005 und 2007 deutlich um 36% bzw. 18% unterboten worden.

Dauerhafte Veränderungen im Meereis

Ein Rekord für sich allein ist klimatologisch nicht besorgniserregend. So haben 2007 absonderlich hohe Temperaturen und in diesem Jahr ein Sturm – also besondere Wetterereignisse – zum jeweiligen Rekord beigetragen. Doch in diesem Jahr zeigt sich ein weit bedenklicherer Effekt. Nämlich, dass die dauerhaften Veränderungen im Meereis selber vermutlich nicht unwesentlich beteiligt sind.

So sind seit Beginn dieses Jahrhunderts sämtliche Eisflächenwerte ständig ausserhalb des 95% Vertrauensintervalls der Datenreihe (1979-2000) – und zwar ausschliesslich auf der «warmen» Seite (2.5% Intervall) zu liegen gekommen1. Dies ist klimatologisch bemerkenswert.

Das arktische Meereis ist stetig empfindlicher geworden, denn der Anteil des mehrjährigen Eises ist dahingeschmolzen: Meereis älter als zwei Jahre hat zu Beginn der 80er Jahre im arktischen Sommer fast 60% des Meereises ausgemacht. Heute ist dieser Anteil um die Hälfte auf unter dreissig Prozent zusammengeschrumpft. Noch beunruhigender ist dessen Abnahme im Winter, wo der Anteil von 35% auf weniger als die Hälfte (~15%) abgefallen ist. Das zeigt, dass die Erholung des Meereises nicht mehr gewährleistet ist.

Dem Meereisbiom drohen eingreifende Veränderungen

Für das Meereisbiom dürften diese strukturellen Veränderungen weit bedeutender sein, als dies einzelne Rekorde je sein können. Doch was ist das Meereisbiom?

Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Meereis die Lebensgrundlage eines überraschend reichhaltigen Ökosystems ist2. Im Unterschied zum Festland und küstennahen Gebieten, wo tropische Ökosysteme zu den produktivsten der Welt gehören, ist die Produktivität der Meerökosysteme des offenen Meeres in hohen Breitengraden am höchsten. Dies ist einer der Gründe, warum Wale riesige Wanderungen machen: Sie ziehen es vor, ihre Jungen in den räuberarmen tropischen Gewässern zur Welt bringen, um dann tausende von Kilometer polwärts zu schwimmen, wo sie genügend Nahrung finden.

Algen besiedeln die Unterseite des Meereises, dort wo der Salzgehalt des Wassers hoch genug ist und genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen. Insbesondere die als Krill bekannten Kleinkrebse weiden die eisbesiedelnden Algen ab. Sie bilden den Anfang einer wichtigen Nahrungskette, die über verschiedene Fischarten, Robben, Walrosse, Vögel bis hin zu den grossen Walen reicht. Schrumpft das mehrjährige Meereis, so entschwindet dem Meereisbiom die Lebensgrundlage – und damit der ganzen davon abhängenden Nahrungskette. Erste Abschätzungen3 deuten darauf hin, dass die Produktivität der Meere durch die Klimaerwärmung abnimmt.

Sind die Eisbären gefährdet?

«Ohne Eis keine Eisbären» antwortete mir ein kanadischer Forscherkollege, der sich sein Leben lang mit Eisbären beschäftigt hatte, als ich ihn fragte, ob seiner Einschätzung nach die Eisbären als Art gefährdet sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass damit schon besagt wäre, dass ein ungebremster Klimawandel den Eisbär als Art zur Ausrottung verdammt4. Zu befürchten ist dies aber, wenn das Meereis im Sommer auf Dauer fehlte.

Eisbärmütter gebären und säugen ihre Jungen in einer Höhle, welche sie über den Winter nie verlassen. Bislang hat keine Eisbärmutter ihre Jungen im Frühjahr lebend aus der Höhle entlassen, wenn sie im Herbst zuvor nicht mindestens 189 kg wog. Um ein solches Gewicht zu erlangen, ist die werdende Eisbärmutter auf Jagderfolge mit genügend fettreicher Beute angewiesen – sie braucht Robbenspeck.

Das frühere Aufbrechen des Meereises im Frühjahr und insbesondere das spätere Zufrieren im Herbst haben aber in den letzten Jahrzehnten die Robbenjagd für Eisbären erschwert und zu deutlichen Gewichtsverlusten bei den weiblichen Eisbären geführt. Setzen sich bisherige Trends fort, wird diese Gewichtsgrenze im Durchschnitt schon in wenigen Jahren in der am besten untersuchten Eisbärpopulation der westlichen Hudsonbay erreicht sein. Somit dürfte ab 2020 in dieser Population nur noch jede zweite im Herbst trächtige Eisbärmutter ihre Jungen durch den Winter bringen. Die bislang beobachtete Populationsabnahme setzte sich entsprechend fort.

Eisschutz erfordert Klimaschutz

Mir scheint in Anbetracht der vorhandenen Forschungsergebnisse klar: Nicht der Rekordtiefstand beim arktischen Meereis ist entscheidend für das Schicksal des arktischen Meereisbiomes, sondern die schleichenden Veränderungen in der Alterszusammensetzung des Eises. Diese Veränderungen hatten wir beim Verfassen des letzten IPCC-Berichtes5 unterschätzt, unter anderem weil auch die Klimamodellrechnungen zu optimistisch waren (siehe Blogbeitrag von Reto Knutti). Selbst grösste Schutz- und Hegemassnahmen6 werden das Aussterberisiko des Eisbären nicht mehr wesentlich zu reduzieren vermögen, denn der beste Artenschutz ist der Schutz des Lebensraums. Damit ist «eisklar»: Eisschutz erfordert Klimaschutz.

Literatur

1Tägliche Meereisflächendaten z.B. für 2012 (Figur 2 ) und alle Daten seit Beginn der Messaufzeichnungen

2Arrigo & Thomas, 2004. Large scale importance of sea ice biology in the Southern Ocean. Antarctic Sci., 16(4): 471-486.

3Sarmiento et al., 2004. Response of ocean ecosystems to climate warming. Global Biogeochem. Cycles, 18(3): GB3003.

4Fischlin et al., 2007. Box 4.3. Polar bears – a species in peril? In: Ecosystems, their Properties, Goods and Services, IPCC AR4, p. 231.

5Fischlin et al., 2007. Figure 4.4 and Table 4.1. In: Ecosystems, their Properties, Goods and Services, IPCC AR4, p. 231.

6z.B. Amstrup et al., 2010. Greenhouse gas mitigation can reduce sea-ice loss and increase polar bear persistence. Nature, 468(7326): 955-958.

Zum Autor

Andreas Fischlin ist Professor für Systemökologie an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie





Kommentare (15) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

So lieber Blogschreiber und Leser:
was ist die Folgerung? ist es 5 nach 12?
also lass uns weiter wurschteln wie bisher?
Buehler’s werden sich freuen.. sie haben es immer gesagt
Profit now pay later!

Aber was sagen die anderen ..
die glauben wir haben noch alles unter Kontrolle
und falls es noetig wird dann einigen wir uns
auf drastische Massnahmen..
Ist dieser Moment gekommen?
Was braucht es noch mehr?

Natürliche Eisbarrieren schmelzen dramatisch

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/steigender-meeresspiegel-die-polkappen-schmelzen-dramatisch-a-870145.html

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Buehler

na so was.. jetzt auf dem Niveau der Weltwoche angekommen?
(vielleicht noch ein paar Portraits von Profs die gefaehrliche
Irrlehren verbreiten.. Vor diesen Professoren wird gewarnt..
kenne ich von damals..)

und ist das jetzt ne Auszeichnung?
„an Grossbritanniens Schulen wegen “alarmism and exaggeration” verboten wurde.“

shoot the message not the messenger!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

und noch was zur Antarktis:

eben ein heisses Thema:
(schade der original Nature Artikel ist nicht lesbar..
http://www.theage.com.au/environment/weather/190m-tonnes-of-ice-a-day-has-sea-rising-1mm-a-year-20121022-2817w.html

aber mit google findet der Interessierte einiges:

http://phys.org/news/2012-10-antarctic-weight-loss.html

http://www.redorbit.com/news/science/1112717725/antarctic-ice-loss-grace-102212/

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoffen wir, dass Herr Kurz die Rechnungen tatsächlich prüfen wird, die ihn und seine Kinder mit enormen Mehrkosten für die Förderung ineffizienter Energien und mit unsinnigen CO2-Abgaben etc. erheblich belasten werden, ohne dass damit auch nur annähernd etwas für das Klima getan wäre.

Die Milde, für die Herr Dittmar plädiert, soll ihm selber gewährt sein, fällt es ihm doch offensichtlich schwer, auch nur ein paar kurze Abstract auseinander zu halten bzw. richtig zu interpretieren.

Dass die Modelle in Sachen Antarktis versagen, steht hier zu lesen …
http://journals.ametsoc.org/doi/abs/10.1175/JCLI-D-12-00068.1?af=R&&amp&

Dass die Antarktis an Kontinental-Eismasse und Meereisfläche zunimmt, hat Herr Dittmar immerhin richtig verlinkt. Er stolpert dann aber am Ende des Abstracts über das Wort „may“, die englische Konjunktivform von „mögen“ oder „können“. Die Autoren halten fest, dass „eine langsame Zunahme von Schneefall zusammen mit einer Klimaerwärmung – in Übereinstimmung mit den Modell-Vorhersagen – ansteigende dynamische (Eis)Verluste ausgleichen KÖNNTE.“

Der Satz ist zugegebenermassen etwas schwierig zu verstehen. Er besagt vereinfacht ausgedrückt, dass gerade Erwärmung (mit mehr Luftfeuchtigkeit und Kondensation) für mehr Eis sorgen könnte. Klingt auf den ersten Anschein absurd, wäre aber das Bedenken wert, wenn denn die Modelle so etwas tatsächlich vorsehen würden. Das tun sie aber nicht. Sie rechnen alle mit einer Abnahme an antarktischem Eis, sei es zu Land oder zu Wasser (s. Link 1).
Derlei Feinheiten entgehen Herrn Dittmar eben so beiläufig wie die Qualität der „Buehler Quellen“. Es handelt sich um die NASA.

Das ist unser Dittmar. Aber schon ist er weiter, nun bei David Wasdell, – einem Berater von Al Gore, dem Mann, dessen Film „An inconvenient truth“ zur Vorführung an Grossbritanniens Schulen wegen „alarmism and exaggeration“ verboten wurde.
Quellen …

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 3

Lieber Herr Kurz,

bitte werden sie nicht zum naiven „Abstract“ Leser
sondern „pruefen Sie selber die Rechnung die Sie, wir alle und ihre Kinder bezahlen muessen.“

Das neue Beispiel von Buehler spricht klar fuer sein eigenes
Durcheinander.. (seien wir milde mit ihm.. smile)

http://ntrs.nasa.gov/archive/nasa/casi.ntrs.nasa.gov/20120013495_2012013235.pdf

er wollte gerne beweisen wie die Modelle fuer die Antarktis versagen.. aber er kann noch nicht mal seine eigenen Quellen
(15 Zeilen) bis zum Ende lesen.

„A slow increase in snowfall with climate wanning, consistent with model predictions, may be offsetting increased dynamic losses.“

Und Pech.. wie schon zu anderen Gelegenheiten
die Buehler Quellen erlauben leider keine genaueren Analysen
..

Das ist unser Buehler..

aber als Alternative, zum Nachdenken und weiter diskutieren
moechte ich
David Wasdell – Scientific Voice and the IPCC
vorschlagen.

http://www.aglmedia.co.uk/index.php/wasdell-ipcc

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Roland Kurz

Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen: die Antarktis gewinnt seit Jahrzehnten sowohl an Landeismasse als auch an Meereisfläche

http://vimeo.com/46429608

http://ntrs.nasa.gov/archive/nasa/casi.ntrs.nasa.gov/20120013495_2012013235.pdf

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 5

@ Prof. Fischlin

Danke für Ihre differenzierten und aufschlussreichen Ergänzungen.

Was den von Ihnen zitierten Ian Stirling anbelangt, seien ein paar kritische Anmerkungen gestattet. Susan J. Crockford hat sich mit seinen Publikationen auseinandergesetzt …

http://polarbearscience.com/2012/07/26/ian-stirlings-new-polar-bear-book-a-review

Ergebnis: während Herr Stirling in seinen wissenschaftlichen Publikationen auffallend höhere Mortalitätsraten von Eisbären auf besonders lange kalte Winter, dickes Packeis und spätes Eisaufbrechen zurückführt, unterlässt er den Hinweis auf diese Fakten an anderer Stelle und rückt stattdessen die angeblich durch CO2-Emissionen bewirkte „Klimaerwärmung“ in den Vordergrund.

Dazu Susan J. Crockford: „This juxtaposition gives readers the impression that the dramatic ringed seal and polar bear population declines of ‘74-’76 and ‘85-’86 were the result of too little ice (rather than too much), without saying so explicitly. The audacity of this misdirection is breathtaking“

In der Tat erstaunlich bzw. „atemberaubend“, wenn ein in Wirklichkeit durch KÄLTE , spätes Eisaufbrechen und damit ausbleibende Ringelrobben erhöhtes Bärensterben ganz im Gegenteil mit globaler ERWÄRMUNG durch erhöhte CO2-Emissionen erklärt wird.

Dass es sich bei der Geschichte um die Himalaya-Gletscherschmelze, fälschlicherweise prognostiziert in IPCC AR4 für 2030, um einen Zahlendreher handelte, mochte nicht nur Blauäugigen glaubhaft erscheinen. Im Fall der Hudson-Eisbären dagegen müsste unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Grundlagen schon eher von einem veritablen „Faktendreher“ die Rede sein.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 5

Ein dritter Punkt: Noch etwas zu den Grundlagen, auf die ich mich stütze: Allein zur Frage der Eisbären bezog ich mich auf 72 Arbeiten, die grosse Mehrheit rein wissenschaftliche Veröffentlichungen (peer reviewed). Zu den Quellen des Kapitels Ökosysteme aus dem letzten IPCC Bericht (Fischlin et al., 2007, Literatur 4 u. 5), auf das ich mich mit diesem Blobbeitrag stark bezogen habe, lässt sich Folgendes sagen: Wir haben 915 von insgesamt 3081 begutachteten Veröffentlichungen zitiert (31%). Die ganz grosse Mehrheit (96% der zitierten) sind sog. „peer reviewte“ wissenschaftliche Artikel. Die restlichen Werke sind Bücher und Berichte, unter letzteren viele Regierungsberichte oder sonst von Institutionen mit hoher akademischer Reputation (z.B. Akademien) und einer Doktorarbeit. Allerdings hat es darunter auch Werke, welche von sog. klimaskeptischen Kreisen verfasst worden sind oder die von Umweltverbänden wie dem WWF herausgegeben worden sind. Wir wurden ausdrücklich gebeten, auch solche Werke mitzuberücksichtigen und zu begutachten. Wir haben uns also sehr umfassend und in völlig offener Art und Weise unvoreingenommen informiert, um den gesamten Wissensstand zusammenzustellen und begutachten zu können.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

Ein zweiter Punkt: Selbst wenn unser wissenschaftliches Verständnis zum arktischen Meereis noch bis vor kurzem infolge Modellunzulänglichkeiten zu optimistisch war (http://blogs.ethz.ch/klimablog/2012/09/27/meereisabnahme-in-der-arktis-schneller-als-vorausgesagt/), heisst das noch keineswegs, dass nun davon auszugehen ist, dass schon bei einer globalen Erwärmung von 2°C das arktische Sommereis vollständig abschmelzen wird. Erstens ist diese Aussage möglicherweise missverständlich, denn das in der Klimapolitik oft genannte 2°C Schutzziel meint eine globale Erwärmung von 2°C gegenüber vorindustriellem Klima, bezieht sich also nicht auf das jetzige Klima. Der in diesem Zusammenhang genannte Artikel (Mahlstein & Knutti, 2012) geht aber von einer weiteren Erwärmung von 2°C gegenüber heutigen Verhältnissen aus, also einer globalen Erwärmung gegenüber vorindustriellem Klima von 2.5 bis fast 3°C (≈ ~0.74 + ~2 °C). Der „arktische Sommer“, insbesondere der September, sind aber für die Eisbären nicht besonders wichtig. Weit wichtiger sind die Eisverhältnisse im Frühjahr sowie dem arktischen Spätherbst und anbrechenden Winter. Im Frühjahr schlüpfen die Eisbärmütter mit ihren Neugeborenen erstmals nach monatelangem Fasten aus der Winterhöhle. Im Herbst müssen sich trächtige Eisbärmütter vor dem Bau der Winterhöhle genügend „Speck“ zugelegt haben, damit das lange Fasten den ganzen Winter durch, welches Gebären und Säugen der Jungen während einem langen Höhlenaufenthalt ohne jegliche Nahrungsaufnahme, durchgehalten werden kann. Wenn die Eisbärmutter im Herbst über ungenügend Nahrungsreserven verfügt, so verhungern ihre Jungen und sie wird im nächsten Frühling geschwächt allein aus der Winterhöhle schlüpfen. Abschliessend möchte ich aber noch betonen, mir ging es in diesem Blogbeitrag nicht nur um die Eisbären, sondern um das Schicksal des ganzen Meereisbioms. Eben „Meereis ist nicht bloss Eis“!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

Kurz ein paar Reaktionen zu den Kommentaren:

Ja ich hätte vermutlich am besten gleich die Namen der Eisbärforscher genannt, mit denen ich u.a. während Jahren regen wissenschaftliche Diskussionen geführt habe und auf welche das Zitat zurückgeht: Es waren Ian Stirling und Nick Lunn von Alberta (University, NFRC). Die Aussage haben Sie mir gegenüber im persönlichen Gespräch gemacht. Dass ein WWF Sprecher das gleiche ausgesagt habe, aus welchen Gründen auch immer und zu welchem Zweck auch immer, spielt hier überhaupt keine Rolle. Die Aussage obgenannter Eisbärfeldforscher erachtete ich deswegen als bemerkenswert, weil sie zeigt, wie schwierig es ist, Genaueres zum Schicksal der Eisbären in einem sich wandelnden Klima vorauszusagen. Sicher ist bloss, ohne Eis keine Eisbären. Alles andere wird schnell recht schwierig. Wenn die gut untersuchte Western Hudsonbay Population deutliche Zeichen an einem Bestandesrückgang zeigt, signifikante Gewichtsabnahmen bei wahrscheinlich trächtigen Weibchen seit 1980 festzustellen sind (http://pubs.aina.ucalgary.ca/arctic/Arctic59-3-261.pdf) und gleichzeitig das Meereis im Frühjahr früher weg- bzw. im Herbst später zuschmilzt, so ist damit noch keineswegs die Art Eisbär als Ganzes sogleich gefährdet. Diese offensichtlich signifikant beeinträchtigte Unterpopulation ist nur eine von 19. Weiter nördlich gelegene Unterpopulationen sind zwar weniger gut untersucht, aber es ist infolge der Eisverhältnisse wie wir sie aus Satellitendaten kennen, davon auszugehen, dass diese noch lange nicht gleichermassen negativ beeinträchtigt sind. Ein allfälliges Aussterben der Art Eisbär würde m.E. deshalb ein sehr langsamer Prozess sein, der sich über Jahrhunderte hinziehen würde und wie der im Detail sich abspielte ist beim jetzigen Wissensstand nicht nur mit erheblichen Unsicherheiten verknüpft, sondern hängt zudem auch noch vielen anderen als klimatischen Faktoren ab (s. 6). Um dies alles zu erläutern, fehlt mir jetzt hier die Zeit (und der Platz). 😉

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

Herr Kurz,

gibt es doch alles (noch nicht auf dem ETH Blog aber
wer sucht der findet) mit vielen Daten dazu..

wo ist ihr Problem? (bei ihren eigenen Quellen?)
http://www.skepticalscience.com/antarctica-gaining-ice-intermediate.htm

unter anderem:
„Response: Note: the rebuttal above has been updated since this comment was posted, incorporating later references and clarifying that sea ice and land ice are two separate phenomena. Antarctica is losing land ice at an accelerating rate. Sea ice around Antarctica is increasing. The reasons for sea ice increasing in a warming Southern Ocean are complex and described in detail above.“

und ja fuer Daten zur Arktis (wir wollen uns doch Daten anschauen und dann selber urteilen.. smile)
alles dokumentiert und bitte:
http://nsidc.org/arcticseaicenews/

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– Warum nicht auch mal einen Bericht ueber die diesjaehrige Rekordeisausdehnung der Antarktis?
– Wie hat das ganze Oekosystem die minoische und roemische Waermeperiode eigentlich ueberlebt?
– Wenn ich die aktuellen Satellitendaten anschaue, scheint es so, dass die Arktis auch schneller zufriert als die letzten Jahre
– Sehr sehr interessante Informationen auf http://www.real-science.com/arctic

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 4 Daumen runter 4

Inzwischen ist klar, woher der Satz «Ohne Eis keine Eisbären» stammt …

WWF & Mother Nature Network

http://www.mnn.com/earth-matters/animals/stories/if-there-is-no-ice-there-will-be-no-polar-bears

… zwei dieser typischen Graue-Literatur-Quellen, die den wissenschaftlichen Aussagewert des letzten IPCC-Reports (AR4) nachhaltig beschädigten.

Verlässlichere Daten gibt es z. B. hier …

http://env.gov.nu.ca/sites/default/files/foxe_basin_polar_bears_2012.pdf

„there are about 15,000 polar bears across Canada’s Arctic. That’s likely the highest [population level]there has ever been.”

http://www.theglobeandmail.com/news/national/healthy-polar-bear-count-confounds-doomsayers/article2392523

Frage: wer schützt uns vor „Klimaschützern“ und notorischen Falschmeldungen?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 4 Daumen runter 6

Sehr geehter Herr Professor Fischlin,
Die von ihnen erwähnten neueren Klimamodelle gehen davon aus, dass das arktische Sommereis vollständig abschmelzen wird, wenn die globale Erwärmung 2°C erreicht. Dies wird voraussichtlich in den nächsten 30 bis 50 Jahren passieren, womit sich das Meereisbiom und die Ökologie der Arktis überhaupt mit Sicherheit stark ändern werden.

Eine eisfreie Arktis im September hat es möglicherweise während des Temperaturmaximums im ersten Teil des Holozäns gegeben (9000 – 5000 Jahre vor unserer Zeit), mit Sicherheit aber während der vorletzten Warmzeit vor 125’000 Jahren, dem Eem, in der die Temperaturen bis zu 5°C höher waren als heute. Die Arktis, aber auch unsere Breiten werden also schon bald klimatische Verhältnisse erleben, die es das letzte Mal vor mehreren tausend Jahren gab.
Der Eisbär müsste tatsächlich seinen gewohnten Lebensstil deutlich ändern, wenn das arktische Eis im Sommer komplett wegschmilzt. Doch möglicherweise hat er das bereits einmal getan – seinen Lebensstil geändert nämlich -, gab es doch im frühen Holozän wahrscheinlich kein arktisches Sommereis und gewiss keines im warmen Eem.
So lange scheint es den Eisbären auch gar noch nicht als eigenständige Subspezies des Braunbären zu geben und Braunbär und Eisbär sind bis heute ja auch kreuzbar. DNA-Analysen deuten auf eine Abspaltung von der Braunbärenpopulation vor 150’000 oder aber vor 338’000 bis 934’000 Jahren hin. Immerhin liegt das so weit zurück, dass man schliessen kann, dass Eisbären auch schon die Eem-Warmzeit mit den dazumal sicher eisfreien arktischen Sommern überstanden haben. Möglicherweise eignen sie sich dann einen ähnlichen Lebensstil an wie ihn die Braunbären haben.

Für Eisschutz in Form von Klimaschutz ist es wohl zu spät. Es müsste schon ein Wunder geschehen, damit die CO2-Konzentration nicht über 450…

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Der Klimawandel und die Eisbären …

Es ist immer gut, auf Stimmen zu hören, die sich vor Ort mit einem bestimmten Gegenstand beschäftigen. Man wüsste deshalb gern, vom wem das Statement «Ohne Eis keine Eisbären» stammt.

Hier der Blog einer Wissenschaftlerin, die sich beruflich mit Eisbären beschäftigt …

http://polarbearscience.com/2012/07/26/cooling-the-polar-bear-spin

Offenbar lässt sich die Dame nicht gern Bären aufbinden. Wenn etwa in einer Arbeit die Klimaerwärmung für den Tod von Eisbären verantwortlich gemacht wird, sich aber bei genauer Betrachtung herausstellt, dass besonders kalte Winter mit dickem Packeis den Bären die Jagd erschwerten.

Oder wenn sie festhält, dass Eisbären hauptsächlich von März bis Juni auf Eis angewiesen sind: “An ice-free September in the Arctic really means nothing in the life cycle of polar bears.” …

http://polarbearscience.com/2012/08/28/record-low-sea-ice-extent-and-what-it-means-for-polar-bears/#more-358

Man darf sich daneben wundern, wie eine vor 4 bis 5 Mio Jahren entstandene Spezies frühere Phasen rückläufiger Meereisbildung überstanden hat, darunter u. a. die über 50 Glazial/Interglazial-Wechsel während des Pleistozäns und die Warmphasen im Holozän, ein Zeitabschnitt, in dem meistens wärmere Temperaturen herrschten als in der Gegenwart …

http://news.ku.dk/all_news/2011/2010.8/arctic_sea_ice

Das „Aussterberisiko“ des Eisbären ist keineswegs hoch. Er ernährt sich ja nicht von Meereis, sondern saisonal von auf Meereis anzufindenden Beutetieren … http://polarbearscience.com/2012/10/10/good-news-study-on-chukchi-polar-bears-is-unpublished

„Meereisbiom drohen eingreifende Veränderungen“
Veränderungen „drohen“ jederzeit und überall. Der Klimawandel mit der ihm innewohnenden natürlichen Variabilität ist allgegenwärtig, oder sollte er mittels „Klimaschutz“ gleichsam vor sich selber geschützt werden?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 4 Daumen runter 8

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