ETH-Klimablog - Klimaforschung - Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 7)

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Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 7)

22.08.2012 von

Ein vorausschauender Umgang mit dem «totalen Klimarisiko» ist kostengünstiger als Zuwarten. Die internationale Klimakonvention muss deshalb Rahmenbedingungen schaffen, die dieser Tatsache Rechnung tragen: Sie muss die Entwicklung lokaler Anpassungsstrategien und deren Umsetzung unterstützen, damit die für die Anpassung notwendigen Mittel optimal eingesetzt werden.

Selbst wenn wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren, bleibt uns der Klimawandel nicht mehr erspart. Wir sollten also unser Möglichstes tun, die Emissionen zu senken, um den Klimawandel in Grenzen zu halten. Doch sind wir ebenso gezwungen, in Anpassungsmassnahmen zu investieren – auch da lohnt es sich, nicht zuzuwarten.

Eine robuste Anpassungsstrategie erfordert ganzheitlichen Ansatz

Die Anpassung an den Klimawandel muss lokal erfolgen und abhängig von der (wirtschaftlichen) Entwicklung betrachtet werden. Nachhaltige Anpassung muss stets auf sorgfältiger lokaler Analyse basieren, wie ich in Teil 6 meiner Beitragsserie erklärt habe. Die lokale Analyse wird sinnvollerweise gepaart mit einem regional koordinierten Vorgehen bei der Umsetzung. Dabei ist es zwingend notwendig, nicht die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken, sondern das sogenannte «totale Klimarisiko» der Anpassungsdiskussion zugrunde zu legen. Das totale Klimarisiko setzt sich aus dem heutigen Risiko, der wirtschaftlichen Entwicklung sowie dem zusätzlich durch den Klimawandel hervorgerufenen Risiko zusammen (siehe auch Teil 2).

Eine robuste Anpassungsstrategie zeichnet sich also dadurch aus, dass sie dem totalen Klimarisiko erfolgreich begegnet. In vielen Fällen ist es günstiger, bereits heute in Anpassungsmassnahmen zu investieren, als zukünftige Schäden zu bezahlen. Dies haben wir anhand von acht Fallstudien aufgezeigt (siehe auch Teile 3-6, siehe Lesetipp). Weiter zeigte sich in allen Studien, dass selbst in Regionen mit grosser Risikozunahme kosteneffektive Massnahmen bestehen – und dass durch geschickte Kombination von Prävention und Versicherung selbst ambitiöse Schutzziele erreicht werden können.

«Integrales Risikomanagement»: Versicherung als Teil der Anpassungsstrategie

Die Klimaanpassung erfordert einen integrierten Ansatz im Umgang mit den Risiken: Es geht um das Zusammenspiel von Prävention, Intervention und Versicherung. Solide Prävention stellt nicht nur die Versicherbarkeit von Risiken sicher, sie hat auch einen kostensenkenden Einfluss auf die Prämien – was wiederum einen Anreiz für Prävention darstellt. Präventionsmassnahmen sind besonders in Bezug auf häufig wiederkehrende Ereignisse erfolgreich.

Eine Versicherung ist im Allgemeinen eine attraktive Möglichkeit zur vorausschauenden Absicherung gegen Ereignisse mit hohem Schadenausmass und geringer Häufigkeit. Deshalb sollen Versicherungsinstrumente als integrierte Anpassungsmassnahmen mitberücksichtigt werden.

Klimakonvention muss lokale Massnahmen und regionale Solidarität fördern

Oft sind einzelne Akteure nicht in der Lage, solch umfassende Lösungen umzusetzen, wie ich zum Beispiel in Teil 6 anhand der Situation in der Karibik aufzeigen konnte. Die CARICOM-Staaten beschlossen deshalb, eine regionale Versicherung zu etablieren, die den sechzehn Staaten Schutz vor Extremereignissen bietet: die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF, www.ccrif.org). Diese Lösung stellt einen vielversprechender Ansatz dar, um dem Klimawandel vorausschauend zu begegnen – nicht zuletzt deshalb, weil sie regionale Solidarität institutionalisiert.

Aller Voraussicht nach werden solche Strukturen auch durch den Green Climate Fund gefördert werden. Die internationale Klimakonvention muss deshalb Rahmenbedingungen schaffen, die dieser Tatsache Rechnung tragen. Konkret bedeutet dies, dass die Anpassungsgelder kosteneffizient zugeteilt werden sollen. Der Einsatz der Gelder soll aufgrund nationaler, regionaler und lokaler Anpassungsstrategien erfolgen. Diese Strategien sollen angemessene Investitionen in Prävention, Intervention und Versicherungslösungen beinhalten.

Gelingt dies nicht, so wird derjenige, der nach einer Katastrophe am lautesten schreit Unterstützung erhalten, während derjenige, der den Gefahren vorausschauend begegnen möchte, dafür keine Unterstützung erhält. Dies wollen wir vermeiden. Da ein Grossteil der Anpassungsgelder in Schwellen- und Entwicklungsländer fliessen wird, bietet sich uns damit die Chance, Anreize zu selbst verantwortetem Tun zu schaffen.

Zum Autor

Gastautor David Bresch ist Leiter Sustainability bei Swiss Re.

Lesetipp

Lesen Sie auch die Teile 1-6 der Serie «Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie» von David Bresch und Prof. Reto Knutti

 





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