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Wasser – wessen Problem ist es eigentlich?

13.06.2012 von

Eigentlich stand die Frage nach Wert und Preis des Wassers im Zentrum des Wassergesprächs an der ETH Zürich diesen Montag. Dieses war mit Peter Brabeck (VR Präsident Nestlé), Janet Hering (Direktorin Eawag) und Peter Niggli (Alliance Sud) als Redner hochkarätig besetzt. Aber je mehr ich über die Präsentationen und Diskussionen nachdenke, desto mehr stehen für mich andere Aspekte im Vordergrund. Vielmehr beschäftigen mich die Aussagen von sowohl Herrn Brabeck als auch Frau Hering, dass das Wasserproblem primär ein lokales Problem sei – und deshalb auch primär lokal gelöst werden müsse.

Ich bin hier dediziert anderer Meinung, insbesondere was die Landwirtschaft betrifft. Was sicher stimmt, ist, dass das Wasser eine lokale bis höchstens regionale Ressource ist, da es nur äusserst beschränkt über grössere Distanzen transportiert werden kann. Worin ich Herrn Brabeck ebenfalls zustimme, ist, dass die Landwirtschaft wenig haushälterisch mit der Ressource Wasser umgeht. Schwer zu denken gibt mir, dass jeder Mensch in der Schweiz durchschnittlich verantwortlich ist für den Verbrauch von jährlich 1600 Kubikmetern Wasser, und dass davon 81% auf die Landwirtschaft entfallen.

Womit ich aber ganz und gar nicht einverstanden bin, ist, dass das Problem ein nur lokales sei. Vielmehr meine ich, dass das Thema Wasser ein globales Problem ist – nur manifestiert sich das Problem primär lokal und weniger global.

«Cash crops» treiben Wasserverbrauch der Landwirtschaft in die Höhe

Ein Grund für meine Aussage ist die globale Nachfrage nach wasserverschwenderischen Agrarprodukten. Die Ausweitung der Bewässerungslandwirtschaft in aride und semiaride Gebiete ist mit ein wichtiger Treiber für die starke Zunahme des Wasserverbrauchs der Landwirtschaft. In solchen trockenen Gebieten werden nun sogenannte «Cash crops» produziert (ungefähr: «Bargeld-Pflanzen»). Diese landwirtschaftlichen Produkte (z.B. Spargeln, Erdbeeren, Trauben) sind nicht primär für den Heimmarkt bestimmt, sondern für den Export. Viele dieser Produkte brauchen grosse Mengen an Wasser, da die Pflanzen ursprünglich aus eher feuchteren Gebieten stammen. Damit konkurrenziert der Anbau dieser Produkte den Wasserbedarf von lokalen Nutzern. Aufgrund der relativ hohen Marge dieser Produkte können die Produzenten hohe Preise für das Wasser bezahlen oder, wo ein solcher Preis nicht existiert, ihren Bedarf durchsetzen.

Die Nachfrage nach diesen Produkten kommt von uns. Damit stehen auch wir hier in der Schweiz in der Verantwortung. Unsere Nachfrage nach Gemüse, Früchten und Beeren zu Jahreszeiten, wo unsere Landwirtschaft diese Produkte nicht liefern kann, treibt den Wasser-Fussabdruck der Landwirtschaft mit in die Höhe. Damit sollen die Produzenten der landwirtschaftlichen Produkte nicht aus der Pflicht genommen werden, denn auch diese müssen einen Beitrag leisten, um die Wassereffizienz der Landwirtschaft zu erhöhen. Auch die Effizienz im Gebrauch der bereits produzierten Lebensmittel muss verbessert werden. Zu diesen Punkten kann die ETH mit ihrer Forschung und Ausbildung viel beitragen.

Wasser-Fussabdruck eines Menschen ist Summe vieler Faktoren

Brabecks Aussage «Die Diskussion, ob wir in der Schweiz Avocado und Spargel aus Peru essen sollen, ist doch völlig absurd, solange sowieso ein Drittel unser Nahrungsmittel im Abfall landet» ist hingegen irreführend und falsch. Der Wasser-Fussabdruck eines Menschen ist die Summe aller Faktoren entlang der langen Kette vom Produzenten zum Verbraucher. Wenn man einen Faktor verbessert, dann verbessert man die Bilanz der ganzen Kette. Deshalb ist es sehr wohl entscheidend, woher unsere Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden.

Aus der Logik eines Nahrungsmittelkonzernes ist aber klar, dass vor allem die Effizienzsteigerung des Wassereinsatzes in der Produktion im Vordergrund steht. Eine übergeordnete Sicht des Problems stellt hingegen die Frage in den Raum, ob wir tatsächlich all diese wasserverschwenderischen Produkte brauchen. Und damit sind wir wieder bei uns.

Zum Autor

Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich. Er war Podiumsgast beim ETH-Wassergespräch vom 11. Juni 2012. Persönliches Zitat und Biografie

Weitere Blogbeiträge und Informationen zum Thema «Nachhaltige Wasserzukunft»und zum «ETH-Wassergespräch»

 





Kommentare (23) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

hallo,

beim unglaublich stimme ich zu.

Aber ich denke die Verschmutzung hat man einfach gemacht
weil es den entsprechenden Leuten egal ist was
wir hinter uns lassen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Dittmar,
eigentlich unglaublich, aber so kommt es halt, wenn man der Natur zuviel zutraut und nicht konsequent mechanisch- biologische Kläranlagen und Kanalisationen entlang der Ufer baut!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Hoerler,

bisher(?) nur auf Franzoesisch..
aber die Message ist klar:
Im „reichsten“ und „technologisch Spitzen(?)“ Land der Welt..
ein paar Fakten zur Qualitaet des Wassers..

was sagen Sie dazu?

„La qualité de l’eau de baignade laisse à désirer sur les plages américaines, où près de 3,5 millions de personnes contractent chaque année une maladie du fait de la pollution, a révélé mercredi 27 juin une organisation écologiste.“

http://www.lemonde.fr/ameriques/article/2012/06/28/etats-unis-la-pollution-des-plages-fait-des-millions-de-malades_1725541_3222.html

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hallo Herr Hoerler,

ich wuerde es etwas weiter gehend formulieren.

Entsprechend der IPAD Formel.

wir in den Industrielaendern haben leider praktisch nichts
geregelt. Ja, das Wachstum der Bevoelkerung ist gestoppt,
aber das Wachstum beim Konsum nicht nachhaltiger Produkte leider
ueberhaupt nicht.
Seien wir uns doch ehrlich, ein typischer Schweizer braucht
zum Leben, ich auch(!), mindestens 10 mal soviel wie ein
Inder.
Entsprechend sollten wir uns die Schweiz also mit 10 mal
mehr Menschen vorstellen.
Und schon jetzt mit nur 8 Millionen muessen 50% und mehr
der Nahrungsmittel oft weit weg produziert werden.

Also, trotz ermuedungserscheinungen sollten wir anfangen
unser Problem hier zu akzeptieren und entsprechend dem
Stop Prinzip uns aus der misslichen Situation zu befreien.

und ja, ein Messiah, ein Che ein Gandhi, ein xxx
wird uns dabei nicht helfen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Dittmar,
danke für das Besprechungsangebot, aber ich bin einfach zu müde dazu!
Dass 3000 km2 nicht ausreichen in der Praxis weiss ich. Es handelt sich um eine theoretische Minimalzahl, wenn man gute Energiepflanzen verwendet und ein Mensch 100 W benötigt.
Natürlich ist unser Grundproblem die Uebervölkerung. In den westlichen Industriestaaten hätten wir dies seit Jahrzehnten einigermassen gelöst, wenn die Einwanderung nicht wäre. Aber wie machen wir das mit den andern Völkern und Religionen? Hoffentlich finden wir genügend Politiker und Geistesgrössen, um hier einen Wandel hinzubringen. Und zugleich bleibt uns Ingenieuren und Wissenschaftern nichts anderes, als es halt weiter mit möglichst intelligenter Technik zu probieren und das von der Natur gewohnte hinauszuschieben!!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Hoerler,

noch ein Nachtrag:

„Nehmen wir eine Stadt von 10 Millionen Einwohnern in einem Entwicklungsland, die ohne wesentliche Industrie und einigermassen ökologisch leben will. Setzen wir voraus, die rein pflanzliche Ernährung sei durch riesige Anbauflächen (mindestens 3000 km2 erforderlich)“

also 3 000 km2 = 3000*100 = 300 000 ha?

Sie glauben also man schafft bei 10 Millionen Menschen also 33 Menschen pro ha?

Fuer die Schweiz kommt man heute, nicht nachhaltig(!), auf rund 10 Menschen / ha mit der Nahrung (die haelfte im Ausland).

„ sowie die nötigen Transportmittel und ev. Bewässerungsanlagen gesichert. Wie sollen nun die Wasser- und Abwasserprobleme gelöst werden? “

Ganz einfach, so wie heute schon.. es wird nicht geloest
und entsprechend wenn uns die billige Energie ausgeht
dann blueht uns das gleiche in Europa und der Schweiz!

Deshalb sollten wir jetzt(!) mit dem Stop Prinzip beginnen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hallo Herr Hoerler,

machen wir doch mal einen round table drink..
(wie waere es am 26.7 oder am 3.8 gegen 17:30?)
Aber zur schwierigen Frage:

eben das STOP Prinzip und ja ..
warum haben „wir“ uns diese Frage nicht schon
vor ein paar hundert Jahren gestellt als es eventuell
noch einfache moegliche Antworten gab.

Und dann „wir muessen ja zum Glueck nicht ueber wenige
Tage lernen wie man weg von der Ueberbevoelkerung mit Ueberkonsum kommt sondern haben ja noch ein paar Jahre?
Zeit. Nur der Geist von RIO+20 wird alles tun
um die Zeit zu verkuerzen.

Klar ist, je laenger wir warten desto dramatischer das Ergebnis!
Was wuerden Sie denn machen?

zum Abschluss als Antwort
(meine Einleitungszitate zur Vorlesung im Herbst)

Science promised us truth, or at least a knowledge
of such relations as our intelligence can seize:
it never promised us peace or happiness
Gustave Le Bon

Physicists learned to realize that whether they like a theory or
they don’t like a theory is not the essential question.
Rather, it’s whether or not the theory gives predictions that agree with experiment.
Richard Feynman, 1985

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Dittmar,
sicher, es wäre angenehmer und einfacher, unsere Probleme bei einem Gespräch anzugehen! Im Moment nur noch eine Frage zum „Lehrmeister Natur“:
Nehmen wir eine Stadt von 10 Millionen Einwohnern in einem Entwicklungsland, die ohne wesentliche Industrie und einigermassen ökologisch leben will. Setzen wir voraus, die rein pflanzliche Ernährung sei durch riesige Anbauflächen (mindestens 3000 km2 erforderlich) sowie die nötigen Transportmittel und ev. Bewässerungsanlagen gesichert. Wie sollen nun die Wasser- und Abwasserprobleme gelöst werden? Die Natur mit ihren oft riesigen Säugetierherden oder Heuschreckenschwärmen zeigt es uns: Die Tiere müssen ständig umherziehen, und ein grosser Teil geht drauf, was natürlich am Nachhaltigsten ist. Was würden Sie konkret hier vorschlagen? Eine Lösung à la Pol Pot mit Zwangsverteilung der Bevölkerung über das Land verbietet sich, da Sie nicht Diktator sind. Grundwasserbohrungen und die Verwendung von Technik für die Abwasserreinigung sind offenbar auch verboten, da unnatürlich. Es bleibt nur die Erkenntnis, das wir übervölkert sind, aber hier als kurzfristige und wirksame Lösung das Vorbild Natur zu empfehlen, ist ja nicht erstrebenswert.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Hallo Herr Hoerler,
@Kommentar von Hansulrich Hörler. 20.06.2012, 15:53

„es war nie die Rede davon, dass ich glaube, unsere Probleme seien gelöst. Meiner Meinung nach ging es aber um Ihre Frage, wieso in 60 Jahren auch in den reichen Ländern die Fliessgewässer nicht sauberer wurden, und da musste ich die Tatsachen bringen. Wenn alle Länder so gehandelt hätten wie die Abwasserpioniere bei uns, wäre die Meeresverschmutzung kein Problem.“

Na ja, wie gesagt der Teufel steckt im Detail.
Der Fix den wir geschafft haben ist im Ansatz nicht schlecht
aber, a) nicht nachhaltig, b) nur ein Anfang und c)
dass was man direkt sieht ist besser geworden aber
die PCB Vergiftung, die Hormone und etc in den Fluessen
sind noch lange nicht vorbei.
Und klar:
der „Export“ von schmutziger Industrie und der Import
von heute „grauer“ Verschmutzung in anderen Regionen
hat viel geholfen. Schauen wir dort wo auch in reichen
Laendern noch lokal Ressourcen abgebaut werden oder
intensive Landwirtschaft betrieben wird (Bretagne)
und schon ist die Freude am sauberen Wasser vorbei.
Auch die Flussmuendungen in und um Europa machen nicht den
besten Eindruck .. zum Beispiel hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/File:Aquatic_Dead_Zones.jpg

„Von der Natur können wir viel lernen, ..“
Warum tun wir es dann nicht?

„ Ich wüsste gern, welche wirklich gangbaren, realen Lösungen Sie unseren nun einmal in Ueberzahl existierenden Menschen vorschlagen, …“

Gerne, am besten mal bei einem kuehlen Getraenk!
(ein round table Gespraech mit den anderen Millionen Mit-Lesern
koennte Wunder bewirken.. smile)

Aber kurz:
1) Die Natur hat schon immer „nicht nachhaltige“ System
in die Schranken verwiesen.
2) Wenn man akzeptiert das wir uns „im Wald verlaufen haben“
dann gilt es das STOP Prinzip der Pfadfinder zu nutzen

S= Stop
T= Think
O= Observe
P = Plan

machen wir das gemeinsam!

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Kommentar von Martin Holzherr. 16.06.2012, 22:54
Sie haben recht, Herr Holzherrr, Nestlé macht mit Flaschenwasser grosse Gewinne. Und Gewinne machen gehört zu „richtigen Business-Genen“ dazu. Was mich stört: Nestlé packt das ureigene Interesse nach Gewinnmaximierung in das Mäntelchen einer Unternehmensphilosophie namens „Creating Shared Value“. Damit gibt Nestlé seinem Geschäft einen moralischen Anstrich, den der Konzern meiner Meinung nach nicht einhält. Leider kommt das Greenwashing, oder in bezug auf Wassergeschäfte das Bluewashing, immer mehr in Mode.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Herr Dittmar,
es war nie die Rede davon, dass ich glaube, unsere Probleme seien gelöst. Meiner Meinung nach ging es aber um Ihre Frage, wieso in 60 Jahren auch in den reichen Ländern die Fliessgewässer nicht sauberer wurden, und da musste ich die Tatsachen bringen. Wenn alle Länder so gehandelt hätten wie die Abwasserpioniere bei uns, wäre die Meeresverschmutzung kein Problem. Von der Natur können wir viel lernen, aber auch, dass das einzelne Leben dort nichts zählt, von Zeit zu Zeit eine Art völlig ausgerottet wird und weder das Rad noch die Schrift dort erfunden wurde. Ich wüsste gern, welche wirklich gangbaren, realen Lösungen Sie unseren nun einmal in Ueberzahl existierenden Menschen vorschlagen, die alle auf ein besseres Leben als das der Tiere in der reinen Natur hoffen. Ob Mässigung, Altruismus und Vernunft sich langfristig gegen den Egoismus und kurzfristigen Selbsterhaltungstrieb politisch durchsetzen wird, weiss niemand; die Natur hat das nicht unbedingt vorgesehen!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hallo Herr Hoerler,

ok ich versuche es nochmal:
@Kommentar von Hansulrich Hörler. 19.06.2012, 16:47
„ich komme nicht ganz nach, auf was Sie hinauswollen.“

Also, meine These ist: Ja, dank Techno-fix und viel
fossiler (Uran eingeschlossen) billiger Energie haben
wir es in den reichen Laendern
geschafft die Grenzen unserer nicht nachhaltigen
Weise zu leben immer wieder zu verschieben, ohne die Probleme
wirklich zu loesen.
Im Gegenteil, nichts von den angeblichen Loesungen ist wirklich
nachhaltig.

Nehmen Sie einfach das Oel aus der Gleichung heraus
und schon bricht nicht nur unsere Wasserversorgung
zusammen.

Wir zum Beispiel (am Rande des Jura an der Grenze in F) kriegen unser Trinkwasser jetzt aus dem Genfer See.
Ein relativ kompliziertes System… weil wir lokal die
Carrying Capacity seit ein paar Jahren ueberschritten haben.

Was passiert wenn die Leitungen alt werden ..
Aehnlich ist es in vielen anderen Regionen auch in der Schweiz.

Von anderen weniger sichtbaren Verschmutzungen unserer
Fluesse und Seen ganz zu schweigen.

Warum lernen wir nicht direkt von der Natur..?

Die hat es uns vorgemacht wie man sauberes Wasser
in Unmengen bekommt.. bevor wir Menschen eingegriffen haben.

Schauen sie sich doch einfach mal den Zustand der Meere an.
Gerade um die Muendungen der grossen Fluesse herum
und auch in Europa..

Glauben Sie wirklich die Probleme sind geloest?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Dittmar,
ich komme nicht ganz nach, auf was Sie hinauswollen. Klar, ist, dass jede einzelne Industrie und die meisten Menschen eigennützig sind und dadurch, im Verein mit der Uebervölkerung, unhaltbare Zustände entstehen, wenn man die Dinge einfach laufen lässt. Gerade die Abwasserreinigung und die dazugehörigen Auflagen an die Industrie sind aber in vielen Ländern eine Erfolgsgeschichte, und der Energieaufwand dafür ist bei Verwertung der Faulgase zum Teil sogar negativ. Der Tiber im alten Rom war schlimm dran, weil damals die Technik für Kläranlagen, Pumpen, Schlammfaulräume mit Gasmotoren usw. (alles Erungenschaften der Industrie) nicht vorhanden war. Anerkennen wir doch, was die verantwortlichen Leute mit unserm kontrollierten marktwirtschaftlichen System hier erreicht haben, und überlegen wir, welche Vorschriften, Kontrollen und Techniken wir für die Unverantwortlichen vorschreiben wollen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Herr Hoerler,

noch ein Nachtrag zum Thema:
Wasser und Nachhaltigkeit
(und die Todeszonen um die grossen Fluesse herum?)

glauben sie wirklich an den Fortschritt dank der besseren
Technologie beim Fischfang?

http://www.bbc.co.uk/news/science-environment-18353964

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Hansulrich Hörler. 17.06.2012, 10:59
Herr Hoerler,

danke fuer die Antwort.
„In der Schweiz und einigen anderen Industrieländern sind die Gewässer trotz zunehmender Bevölkerung dank dem Bau von Kläranlagen seit 60 Jahren ausserordentlich viel sauberer geworden.“

seit 60 Jahren? Schauen wir doch mal was offiziell dazu gesagt wird:
http://www.bafu.admin.ch/gewaesserschutz/index.html
und hier
http://www.bafu.admin.ch/gewaesserschutz/01267/01269/index.html?lang=de

zu:
„Diese Aufgabe im Intresse Aller wurde jedoch von den Gemeinden und Ländern angeregt und finanziert und nicht von der Marktwirtschaft.“

Klar wir alle haben ein Interesse an sauberem Wasser.
Verdreckt durch die Industrie (auch zu unserem angeblichen kurzfristigen Vorteil!). Und ja, wem verdanken wir
eigentlich diese gewissen positiven Aktionen?
Sicher nicht der Industrie..

und durch Steuergelder und mit billiger nachhaltiger
Energie wieder in Gewinne fuer den urspruenglichen
Verschmutzer.

Nicht schlecht .. erst machen „wir“ etwas kaputt,
und dann lassen „wir“ uns die Reparatur aus Steuergeldern bezahlen.

„ Diese hat logischerweise andere optimale Wirkungsbereiche, sie baute diese Anlagen und entwickelte die nötige Technik dazu.“

(uebrigens die angeblichen tollen Loesungen basieren auf mehr und
mehr nicht nachhaltiger Energie (und Aufwand).
Frueher gab es gutes Trinkwasser noch fast gratis und ueberall
in den Bergen.)

Sowie eine gewisse Reduktion der Schadstoffe durch Produktionsverlagerungen ins Ausland.

Banken und Service Industrie machen weniger Dreck
als sagen wir Glencore etc bei dem Abbau von Rohstoffen.

ps.. bezueglich Lachse..
http://www.bafu.admin.ch/tiere/09262/10022/index.html?lang=de

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,
@Kommentar von Martin Holzherr. 15.06.2012, 15:08

„Deine Frage warumder freie Markt die Wassersituation verschlechtert und nicht verbessert ist einfach zu beantworten. Der freie Markt nimmt sich alle Güter zum günstigsten Preis und in vielen Ländern hat Wasser keinen Preis.“

Damit gibst du eine System Antwort:

Das System ist unfaehig langfristig zu planen
und der kurzfristige Profit fuehrt direkt in die Katastrophe.
(Technofixe koennen das nur ein wenig verlangsamen
machen es aber, sobald der Weg nach unten beginnt
langfristig nur schwieriger.

„Die Wasserqualität im Rhein oder Bodensee hat sich schon verbessert, aber natürlich nicht radikal verbessert, denn das wäre zu teuer, nur so weit, dass sich die Leute nicht mehr am verdreckten Wasser stören.“

Genau, und das PCB Problem in den Fischen sehen wir ja nicht
direkt.

Gibt es noch andere Antworten auf meine Frage oder
bedeutet Schweigen eher die Zustimmung?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Dittmar, zu Ihrer Frage a vom 15. 6.: In der Schweiz und einigen anderen Industrieländern sind die Gewässer trotz zunehmender Bevölkerung dank dem Bau von Kläranlagen seit 60 Jahren ausserordentlich viel sauberer geworden. Diese Aufgabe im Intresse Aller wurde jedoch von den Gemeinden und Ländern angeregt und finanziert und nicht von der Marktwirtschaft. Diese hat logischerweise andere optimale Wirkungsbereiche, sie baute diese Anlagen und entwickelte die nötige Technik dazu.

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@Kommentar von Urs Schnell. 14.06.2012, 14:51

Sie schreiben: Jungbluth hatte für den Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW 2006 einen Vergleich der Umweltbelastungen von Hahnenwasser und Mineralwasser durchgeführt. Das Fazit ist vernichtend für die Flaschenwasserindustrie.

Alles andere würde mich überraschen. Es ist doch bekannt, dass Hahnenwasser in der Schweiz nur schon vom hygiensichen Standpunkt aus meist besser abschneidet als Mineralwasser. Dass der Transport von Wasser über Flaschen dem Transport über Wasserleitungen unterlegen ist, ist ebenfalls zu erwarten.

Was mich allerdings verwundert: Man hört aus ihrem Kommentar einen Vorwurf an Nestle heraus, den Vorwurf, dass Nestle mit abgefülltem Wasser Geschäfte macht. Doch ist es nicht so, dass der Kunde dem Mineralwasser überhaupt erst die Daseinsberechtigung gibt: Indem er es kauft, indem er im Restaurant Mineralwasser bestellt. Viele täglich konsumierten und gekauften Produkte liefern keinen echten Wert, geschweige denn einen Mehrwert. Mineralwasser ist da keine Ausnahme. Ich sehe keine Möglichkeit das zu ändern ohne den Konsumenten zu bevormunden. Dass Nestle in Pakistan und Nigera Gratiswasser oder Billigwasser durch Abfüllen in Flaschen veredelt verwundert mich ebenfalls in keiner Weise. Das gleiche würde Nestle sicher auch in der Schweiz machen, wenn es die Gelegenheit dazu hätte. Wenn Nestle das nicht tun würde, fehlren der Firma wohl die richtigen Business-Gene, würden wohl viele denken.
Natürlich sollte eine westliche Firma in Entwicklungsländern ein gewisses Fingerspitzengefühl entwickeln. Aber allzu viel kann man auch nicht erwarten. Es gibt hier immer zwei Seiten, zwei Partner. Wenn es sich ändern soll , müssen das die Nigerianer und Pakistaner ändern oder Leute, die für die Nigerianer oder Pakistaner einstehen, also vielleicht NGO’s oder UNO-Unterorganisationen oder gar die Regierungen dieser Länder selbst.

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@Kommentar von Michael Dittmar. 15.06.2012, 9:40

Deine Frage warumder freie Markt die Wassersituation verschlechtert und nicht verbessert ist einfach zu beantworten. Der freie Markt nimmt sich alle Güter zum günstigsten Preis und in vielen Ländern hat Wasser keinen Preis. In Spanien. Italien oder auch in Indien (über Tiefenbrunnen) wird einfach Wasser abgezapft bis es keines mehr hat.

Die Wasserqualität im Rhein oder Bodensee hat sich schon verbessert, aber natürlich nicht radikal verbessert, denn das wäre zu teuer, nur so weit, dass sich die Leute nicht mehr am verdreckten Wasser stören.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Und noch ein Report der exakt zum Thema Wasser passt:

entsprechend nach Brecht:
„Waere ich nicht arm waerst du nicht reich!“

Squeezing Africa dry: behind every land grab is a water grab
http://www.grain.org/article/entries/4516-squeezing-africa-dry-behind-every-land-grab-is-a-water-grab

Der ETH Wasserdialog hatte dazu leider keine Antworten.
Klar denn die Frage stand ja so auch praktisch nicht zur Diskussion.

Aber, vielleicht kann mir ja jemand der ETH Wasserexperten
trotzdem Antworten geben.

Also hier die Fragen:

Wie ist es moeglich dass nach ueber 60 Jahren
(und 20 Jahre nach dem Ende der „sozialistischen
Experimente“) grandioser technologischer und wissenschaftlicher Entwicklungen und in unserem besten aller Systeme,
der freie Markt es bis heute nicht verstanden hat

a) das Fliesswasser selbst in den reichen Laendern
jedes Jahr sauberer zu bekommen (eher das Gegenteil)
b) jedem Menschen die „triviale“ Grundmenge an
sauberem Wasser zur Verfuegung zu stellen
c) die (Wasser/Nahrungs) Situation in den kritischen Regionen des Planeten jedes Jahr schwieriger wird (selbst von den groessten Verfechtern des Marktes, nicht nur bei Nestle, eingestanden.

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Mir blieb nach Peter Brabecks Referat rätselhaft, welche sinnstiftende Bedeutung die Märkte „auf dem Weg aus der globalen Wasserkrise“ haben sollen. Brabeck wies darauf hin, dass Nestlé seinen Wasserverbrauch für die Produktion zwischen 2001 und 2011 massiv gesenkt habe. Warum aber verschwieg der Wirtschaftskapitän, dass Nestlé die Flaschenwasserproduktion im gleichen Zeitraum massiv ausweitete und damit das eingesparte Wasser gleich wieder verbrauchte? Nestlé macht aus Wasser immer mehr Wasser, abgefüllt in umweltschädlichen PET-Flaschen. Obwohl in den meisten westlichen Ländern das Hahnenwasser qualitativ nicht nur gleichwertig ist, sondern auch viel billiger und umweltfreundlicher. Nestlé hingegen braucht für sein Wachstum im Flaschenwassersektor immer neue Quellen, neues Grundwasser oder sogar en gros Wasserbezüge von kommunalen Versorgern. Die Konflikte sind entsprechend.
Dass Nestlé sein Wasser rund um die Welt gratis oder zu einem verschwindend kleinen Preis einkauft, dann aber mit Riesenprofiten weiterverkauft, verschwieg Brabeck. Er verschwieg auch, wieviel Nestlé für den Rohstoff Wasser in Problemstaaten wie Pakistan und Nigeria zahlt. Wenig bis nichts nämlich. In beiden Ländern verkauft Nestlé sein künstlich zusammengemischtes „Pure Life“ an die zahlungsfähige Mittel- und Oberschicht.
Schade, dass die ETH-eigenen „Challengers“ eine interessante Untersuchung des ehemaligen ETH-Doktoranden Niels Jungbluth nicht ins Spiel brachten. Jungbluth hatte für den Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches SVGW 2006 einen Vergleich der Umweltbelastungen von Hahnenwasser und Mineralwasser durchgeführt. Das Fazit ist vernichtend für die Flaschenwasserindustrie.

Urs Schnell, Regisseur von „Bottled LIfe“ / http://www.bottledlifefilm.com

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

der folgende BBC Artikel passt in diesem Zusammenhang

http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-18436602

Wuerde mich interessieren wie die Marktwirtschaft dieses Problem
loesen koennte.
Und ja im Nebenblog..
Klimawandel und Wasserkonflikte

Herr Bernauer, zaehlen sie das beschriebene Problem zu den Konflikten oder wie wird es eingeordnet?

Abgesehen davon, die Genfer Konvention hat sicher auch was zur Wassernutzung und Bereitstellung in besetzten Gebieten zu sagen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Das von Professor Gruber vorgeschlagene selektive Einkaufsverhalten mit Bestrafung von Wasserverschwendern durch Konsumverweigerung hat als Vorbild den Konsumboykott gegen Südafrika zur Zeit der Apartheit oder den Einkaufsboykott gegen Produkte aus besetzten Gebieten Israels.

Es dürfte aber viel schwieriger zu begründen sein für landwirtschatliche Produkte aus Ägypten oder Peru. Sind die Boykottmassnahmen wirksam haben sie ähnliche Wirkungen wie dazumal beim Kampf gegen das Apartheits-Regime in Südafrika. Bis zu einem gewissen Grad trifft es immer das ganze betroffene Land und nicht nur ein paar vom Export lebende Firmen.

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