ETH-Klimablog - Energie - Happy Birthday Klimawandel

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Happy Birthday Klimawandel

19.04.2012 von

Wäre uns denn drum, wir könnten heuer einen runden Geburtstag feiern. Vor 300 Jahren ging in einem englischen Kohlebergwerk eine Dampfpumpe in Betrieb: die erste thermodynamische Maschine. Das war der Startschuss für den Beginn des fossilenergetischen Zeitalters. Denn die oberflächennahen Kohlevorräte gingen in England um 1700 zur Neige. Man musste also tiefer graben – und immer mehr Grundwasser aus den Stollen pumpen. Erst mit der (für heutige Begriffe sehr ineffizienten) Dampfpumpe gelang das so effizient, dass der Kohleabbau in großen Stil möglich wurde. Die neue Ära hat der Menschheit präzedenzlosen materiellen Wohlstand beschert – und die Klimakrise.

Heute zwingt uns der Klimawandel, das fossilenergetische Zeitalter zu verabschieden. Einfach ist das nicht, auch wenn alternative Energietechniken schnelle Fortschritte machen: Zu sehr haben die spezifischen Eigenschaften der hoch konzentrierten, extrem billigen, leicht lager- und transportierbaren fossilen Energie unsere Gesellschaft mit ihren (mentalen und gebauten) Strukturen geprägt.

Die billige Energie hatte das Zeug, die Menschheit von schwerer Arbeit zu befreien. Allein: Zunächst trieb gerade die Dampfmaschine die Sklaverei – die archaischste aller Energieformen – zu ihrer grausamen Blüte (weil die kohlebefeuerten Textilfabriken immer mehr sklavengepflückte Baumwolle verbrauchten), und die Lebenserwartung sank. Die Sklaverei ging zu Ende, als sie verboten wurde; die Massen profitierten von der Industrialisierung, als ihre Rechte politisch gestärkt wurden. Die billige Energie hat den wichtigsten Errungenschaften der Moderne (Menschenrechte, Demokratie, Freiheit) zum Durchbruch verholfen, aber nur indirekt: indem sie eine Welt denkbar machte, in der es genug für alle gab.

Ein Zuviel an zu billiger Energie hat aber auch zu Konzentrationen ökonomischer Macht geführt, wie es sie nie zuvor gegeben hatte. Die Energiebranche hat wie keine andere die Macht, Regierungen zu kaufen und Gesellschaften zu erpressen. Oder ganz alltäglich: Im Straßenverkehr wirkt die Energie-Hypertrophie antidemokratisch, indem sie die Schwächsten (Fußgänger, vor allem Kinder) aus dem öffentlichen Raum vertreibt. Die schiere kinetische Energie des Verkehrs tötet mehr Menschen als die Malaria.

Man kann sich eine Energiewende vorstellen, die die Errungenschaften der Moderne in das postfossile Zeitalter hinüberrettet und gleichzeitig die negativen Folgen der zu billigen Energie überwindet. Neue Energien und dezentrale Strukturen ihrer Bereitstellung haben das Zeug, demokratie-unverträgliche Machtkonzentrationen zu brechen. Ob das geschehen wird, wird aber keine technische Frage sein – sondern eine politische. Die Sklaverei ist nicht verschwunden, weil es eine neue, bessere Energie gab, sondern weil sie abgeschafft wurde. Die fossile Energie und ihre Machtstrukturen werden nicht verschwinden, nur weil Windräder und Solarpanels aufgestellt werden.

Lesetipp
  • Eine ausführlichere Bilanz von 300 Jahren Dampfmaschine >hier
Zum Autor

Gastautor Marcel Hänggi ist Wissenschaftsjournalist und Autor zweier Bücher.

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Kommentare (25) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Hoi Martin,

interessante Ansaetze.
Hast du das Gefuehl irgend jemand in einer Regierung
in Europa bereitet so ein Szenario ernsthaft vor?
(oder haben die nicht alle lieber den Kopf im Sand?)

die Zahlen zu den Folgen des hohen Oelpreises
sprechend auch fuer die Zeichen der Zeit.

Wiederum, um ein Chaos zu vermeiden..
wann sollten „Buehlers“ etc darueber mal richtig informiert werden? Vor 30 Jahren, jetzt oder wenn es zu spaet ist?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,
ich kann dir ein besseres Beispiel als Serono für den wirtschaftlich negativen Einfluss von zu teurem Öl und für die schon vorhandene Peak-Oil-Gefahr bringen. Im TA vom 27.04.2012 steht: Ohne Energiekosten wäre Italiens Handelsbilanz anstelle eines Defizits von 40 Milliarden Euro mit 22 Milliarden Euro im Plus. Auch Spanien würde ohne Energieimporte einen jährlichen Handelsüberschuss von 2,5 Prozent am BIP aufweisen.

Und hier mein Rezept wie man eine Peak-Oil-Situation 20 Jahre lang übersteht:
1) Der Versuchung widerstehen Öl zu subventionieren (billiger zu machen). Dann kommt es nur schlimmer
2) Den gesamten Güterverkehr und öffentlichen Verkehr (Bus, Postauto ..) zwangsweise auf Erdgas umstellen
3) Vorschriften wie gross der Treibstoffverbrauch bei Neuwagen sein muss
4) Pendeln mit dem Auto verbieten, wenn es eine Alternative gibt.

Mit dem richtigen Mix von freiem Markt (man soll den hohen Preis sprüren) und dirigistischen Massnahmen kann man eine leicht abnehmende Ölförderung 20 Jahre lang überstehen. Und in der Zwischenzeit findet sich sicher ein Ausweg.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

Hoi Martin,

„grundlegender Wandel wird nicht durch nach- und umdenken nur aufgrund einer Vision ausgelöst, sondern gezwungermassen durch äussere Umstände, denen man sich nicht mehr entziehen kann.“

Ich wuerde das zwar nicht als Naturgesetz erklaeren
und wenn man genauer in die Geschichte schaut
wird man vielleicht auch andere Beispiele finden.
Aber egal, das Peak Oil Problem ist sicher so ein auesserer Umstand. Die Frage ist eben nur wann die Schmerzgrenze erreicht ist.

Man koennte auch sagen Fukushima (oder der Untergang der..)
war so ein Ausloeser und vorbei war es mit dem Aberglauben
an die Techno-Fix Loesungen.

Aber, es ist sicher richtig.. wir sind noch weit entfernt
von griechischen Verhaeltnissen..
(ausser natuerlich gewisse Warnzeichen von Massenentlassungen
in Genf..)

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,
grundlegender Wandel wird nicht durch nach- und umdenken nur aufgrund einer Vision ausgelöst, sondern gezwungermassen durch äussere Umstände, denen man sich nicht mehr entziehen kann.

Deshalb wird folgendes erst nach einem äusseren Ereignis stattfinden :(Zitat)Ich wuerde sagen als erstes muss sich die Gesellschaft, unsere hier in der Schweiz klar werden was nicht nachhaltig ist und was ausser dem Muell (Chemie, Plastik, Asbest und radioaktivem Zeugs) nachhaltig ist, sein koennte oder muesste.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

„Wir kennen heute aber zuviele technologische Ansätze dem zu entrinnen, als dass eine Krise auch schon zur langjährigen Stagnation oder gar zum dauerhaften Niedergang führen müsste.“

und du willst wirklich mit technologischen Ansaetzen spekulieren?

Ich wuerde sagen als erstes muss sich die Gesellschaft,
unsere hier in der Schweiz klar werden
was nicht nachhaltig ist und was ausser dem Muell (Chemie, Plastik, Asbest und radioaktivem Zeugs) nachhaltig ist,
sein koennte oder muesste.

Dann sollten wir uns auch klar machen was wir
wirklich erhalten wollen und was nicht.
(unoetigen Balast ueber Bord!)

Eben nach Einstein:
Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Methoden loesen
die es geschaffen haben!

Ansonsten fuehren selbst vernuenftige Ansaetze immer wieder zu:

„ Im Nachhinein wird man sagen, dass man zulange zugewartet hat um die bekannten Lösungen auch wirklich zu realisieren.“

und entsprechend den griechischen Verhaeltnissen auch bei uns!
(unmoeglich? wirklich (und wir wissen es muesste nicht sein!)
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/merck-serono-zentrale-in-genf-wird-geschlossen_1.16606427.html)

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Happy Birthday Klimawandel heisst es auch für den Arktischen Rat, der immer grössere Bedeutung erhält, rechnet er doch, dass durch das zunehmende Wegschmelzen der aktischen Eisbedeckung die arktischen Rohstoffvorräte zugänglich werden. In der NZZ vom 25.4.2012 wird unter dem Titel Chinas arktische Ambitionen über das Interesse von China an der (auftauenden) Arktis und über Chinas Verhältnis zu den Mitgliedern des arktischen Rates bericht: Wen Jiabao hat kürzlich Island und Schweden besucht, China verfügt über eine der stärksten Polarforschungskapazitäten der Welt obwohl es kein Anrainer der Arktis ist und es ist trotz Interesse nicht einmal als ständiger Beobachter des arktischen Rates zugelassen. China ist aber nicht nur an den arktischen Rohstoffen, sondern auch and einer offenen Nordostpassage entlang der Nordküste Russland und an einer offenen Nordwestpassage entlang der kanadischen Arktis interessiert, denn diese Routen würden den Transport nach Europa um Tausende von Kilometern verkürzen.

Wenn nun aber ein weiterer Klimawandel einfach ausbleiben würde wäre das für den arktischen Rat und auch für China eine herbe Enttäuschung. Sogar für Klimaforscher wäre wohl ein Ausbleiben weiterer Klimakonferenzen oder gar ein Bedeutungsverlust ihres Fachgebiets schwer zu verkraften.
Also, Happy Birthday Klimawandel, auf ein nächstes Jahr und ein langes Leben!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Peter, noch ein Nachtrag

besser kann man es wohl nicht formulieren:
http://charleshughsmith.blogspot.com/2012/04/future-is-unknown-but-we-know.html

I don’t how the future will unfold, not just because I’m an idiot but because it’s unknowable. Though we cannot know the future, we do know two very important things: 1) that which is unsustainable will implode, and 2) the present Status Quo is unsustainable.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Michael Dittmar, @Peter Bühler
Betreffend Apokalypse versus Singularity (auch hier und hier) erwarte ich tatsächlich in naher Zukunft eine Wachstums-Krise, die mehrere Jahre anhält. Als Auslöser sehe ich Ressourcenknappheit als Folge des schnellen Wachstums der Schwellenländer.

Wir kennen heute aber zuviele technologische Ansätze dem zu entrinnen, als dass eine Krise auch schon zur langjährigen Stagnation oder gar zum dauerhaften Niedergang führen müsste. Im Nachhinein wird man sagen, dass man zulange zugewartet hat um die bekannten Lösungen auch wirklich zu realisieren.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Peter Bühler. 24.04.2012, 10:43
@“welcome on the Titanic!”
@Wieder mal in Weltuntergangsstimmung?

nein,
ganz im Gegenteil!

Der Untergang der Titanic war auch kein Weltuntergang.

Das Ende des Oelzeitalters wir nur die angebliche Globalisierung beenden.

Ohne Oel (bzw.. mit jedem Jahr 3% weniger Oel)
wird die Fortbewegung wieder ein Gesundbrunnen.. smile

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

@ Dittmar

„welcome on the Titanic!“

Wieder mal in Weltuntergangsstimmung?

Nachstehend eine Sammlung ähnlicher Prognosen aus früheren Jahren. Gemeinsam ist ihnen, das sie – ähnlich wie die Ankündigungen der Zeugen Jehovas – nicht eingetroffen sind …

http://factsnotfantasy.blogspot.com/2012/04/genocidal-green-quotes.html

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 3

Hoi Martin,

wie schon oefter geschrieben. Es lohnt sich die Dinge im Detail
und nicht durch eine Brille mit Scheuklappen zu betrachten.

Wir haben es eben nur gut verstanden das „natuerliche Kapital“
sehr schnell und nicht nachhaltig abzubauen.
Jetzt wird uns die Rechnung bald praesentiert.

Aber im wesentlichen schreibst du genau was alle wissen:

a)
„Die einzige Lösung, die es 9 Milliarden Menschen erlaubt gesund und reich auf diesem Planeten zu leben ist eine neue Wirtschaftsform, die kaum noch auf die Ressourcen der Natur angwiesen ist.“

b) das ist eben unmoeglich! 2. Hauptsatz der Thermodynamik

c) welcome on the Titanic!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,

Der Grund für die letzten beiden Weltkriege waren eine Kombination einer extrem stark ausgeprägten Konkurrenz zwischen Nationalstaaten in Kombination mit Wirtschaftskrisen.

Doch beide Kriege haben nichts gebracht. Auch der Vietnamkrieg hat für die Amerikaner nichts gebracht.
Immer mehr Staaten kommen deshalb zum Schluss, dass heutige Kriege kaum einer Partei Vorteile bringen.

Im übrigen stimmt es nicht, dass die Wohlstandsgesellschaft nur rein materielle Vorteile bringt. Sie bringt auch eine grössere durchschnittliche Gesundheit, ein längeres Leben, mehr intaktte Familien bei denen nicht Familienmitglieder an Krankheit oder durch Gewalt frühzeitig verstorben sind.

Viele kennen einfach nicht die Statistiken der verklärten Vormoderne. z.B. für Europa zur Zeit des Mittelalters: Bis zu 15% der Frauen verstarben bei der Erstgeburt, 15% der Männer starben in gewaltsamen Auseinandersetzungen. Tod durch Gewalt und Krankheit gehörten zum Alltag.

Seit Beginn der Moderne gibt es dieses „nachhaltige“ Leben wo tagtäglich geboren und gestorben wird nicht mehr und es werden mehr geboren als sterben und die Überlebenden leben ein gesünderes Leben. Doch die Moderne hat es zu gut mit uns gemeint: Nach Malthus, der im späten 18. Jahrhundert unvermeidliche Populationskrisen voraussagte, hat sich die Menschenzahl nochmal versechsfacht. Langsam kommen wir wirklich an die Grenzen des Planeten. Aber eine Rückkehr zu früheren Zuständen ist nicht möglich ohne sehr viel zu verlieren. Die einzige Lösung, die es 9 Milliarden Menschen erlaubt gesund und reich auf diesem Planeten zu leben ist eine neue Wirtschaftsform, die kaum noch auf die Ressourcen der Natur angwiesen ist.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Martin,

es gibt etliche Antworten zu deinen Aussagen.

Aber:
„Auch Kriege lohnen sich für eine wohlhabende Gesellschaft weniger.“

Welche Gesellschaft hat eigentlich die groesste Armee
und die meisten Auslandsbasen und ist in praktisch allen
Kriegen seit 1945 an der Front?
Man sollte wohl eher sagen:
Fuer eine wohlhabende Elite haben sich Kriege, Sklaverei
praktisch immer gelohnt. Wenn die Kriege verloren gehen
kann das natuerlich schief gehen.
Aber selbst die deutsche Elite hat es immer recht gut verstanden
oben zu schwimmen.

Ansonsten.. „wohlhabende Gesellschaft“..
solange man das nur materiell definiert und
der intakten Umwelt und intakte sozialen Strukturen
und allen moeglichen anderen Dingen keinen
Wert gibt dann gilt
nach Brecht eben:

„waere ich nicht arm waerst du nicht reich“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,
Entrechtete (z.B. Sklaven) sind meist auch sehr arme Menschen. Wohlstand bedeutet mehr Möglichkeiten sich zu wehren, sich für seine Recht einzusetzen und Reserven anzulegen für wengier gute Tage.
Auch Kriege lohnen sich für eine wohlhabende Gesellschaft weniger. Nur noch wenn die Grundlagen des Wohlstands angegriffen werden -z.B. das Öl nicht fliesst – ist ein Krieg noch vermittelbar. Das frühere Motiv des Beutezugs gegen den reichen Nachbarn entfällt.
Du schreibst richtig: Sklaverei etc war schon immer ein Verbrechen. Genau wie die Zerstoerung der Umwelt, Raubkriege
Diebstahl etc schon immer ein Verbrechen waren und bleiben.

Doch erst heute sind solche Verbrechen für ganze Völker gar nicht mehr attraktiv und man muss sich nicht mehr vor dem Russen fürchten, der uns ausraubt.

Dass unser Lebensstil nicht nachhaltig ist, stimmt. Allerdings war er das noch nie während der letzten paar hundert Jahre, wo die Bevölkerung plötzlich sprunghaft zunahm und sich der Mensch immer mehr Land und Rohstoffe aneignete.

Nur um nachhaltig zu werden, den Wohlstand zu halbieren wird wohl nicht akzeptiert werden und könnte höchstens das Resultat von externen Schocks wie Rohstoffverknappungen oder massiven Umweltproblemen sein.

Um solche Schocks zu vermeiden und sogar nachhaltig zu werden sehe ich als einzige Chance die Entkoppelung der menschlichen Wirtschaft von der Natur, was auf eine Kreislaufwirtschaft mit 100% Rezyklierung hinausläuft. Fehlt nur noch die Energie um alle Stoffe am Kreisen zu halten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Martin,

„Der Wohlstand, der zunehmend ohne Lebenskräfte zehrenden körperlichen Einsatz geschaffen werden konnte, machte beispielsweise Sklavenarbeit erst zum Skandal, denn sie zeigte, dass Sklaven wie Maschinen behandelt wurden.“

Bist du wirklich dieser Meinung?

Ich nicht! Sklaverei etc war schon immer ein Verbrechen.
Genau wie die Zerstoerung der Umwelt, Raubkriege
Diebstahl etc schon immer ein Verbrechen waren und bleiben.

Was „wir“ in unserer Herrscher Kultur
wirklich gelernt haben ist das natuerliche Kapital
a) als praktisch unendlich zu erklaeren und es den „modernen“
Sklaven auch noch so zu verkaufen dass sie es glauben.
b) das natuerliche Kapital am effizientesten und so schnell wie
moeglich abzubauen. Einige wenige profitieren davon.
c) Was nicht Nachhaltig ist, kann logischerweise nicht ewig
funktionieren. Die Folgen tragen auf jeden Fall zukuenftige! Generationen.
Wir machen also in Wirklichkeit nur den von uns selber legalisierten Diebstahl am natuerlichen Kapital (Neo-Kolonialismus) in anderen Gegenden der Welt und
Zerstoerung unserer Lebensgrundlagen (unserer = der gesamten
Biosphaere) und damit von zukuenftigen Generationen.

zukuenftigen

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Sehr geerhter Herr Hänggi,

Ihren historischer Rückblick schneidet Themen an, die bis heute im Klima-Blog nur implizit – in den Hinterköpfen der Autoren und Kommentatoren – eine Rolle gespielt haben, aber nie direkt angesprochen wurden.
Es ist die Janusköpfigkeit unserer technisch und eben auch fossil begründeten Wohlstandsgesellschaft. Der Wohlstand, der zunehmend ohne Lebenskräfte zehrenden körperlichen Einsatz geschaffen werden konnte, machte beispielsweise Sklavenarbeit erst zum Skandal, denn sie zeigte, dass Sklaven wie Maschinen behandelt wurden. Die andere Seite des Januskopfes zeigte sich vor allem in der Frühzeit der Industrialisierung und heute wieder bei der Industrialisierung der Schwellenländer. Es ist die mit ihr verbundene Umweltzerstörung und Gesundheitsgefährdung.

Auch das, was die Peak-Oil-Gemeinde beschäftigt, kommt in ihrem Rückblick vor: Dass nämlich fossile Energien viele günstige Eigenschaften in sich vereinen, weil sie z.B ihre eigenen Speicher sind, wodurch sie eine enorme Bedeutung gewonnen haben und nicht so leicht ersetzbar sind. Auch heute noch würde sich eine schnelle Verknappung von Öl dramatisch auswirken und zu politischen Spannungen zwischen Öl-Import- und Exportländern führen.

Ihr drittes angeschnittene Thema ist die Verbindung von Macht und Energie-/Rohstoffbesitz, was sich z.B. darin zeigt, dass 5 der 10 topplazierten Fortune-500 Firmen entweder Öl- oder Autofirmen sind.

Ihre Ansicht, es könnte ein Zuviel an billiger Energie geben, wird aber wahrscheinlich nur von wenigen US-Bürgern geteilt und Leute wie Bill Gates glauben sogar, dass überall vefügbare billige Energie das Ende von extremer Armut bedeuten würde. Auch hier gibt es einen Januskopf: Energieeffiziente Geräte und Häuser sind teurer. Die Alternative, einfach weniger Energie zu brauchen und im Winter nur noch im dicken Pulli herumzulaufen wollen sich offensichtlich nur wenige zumuten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Ja, die alternativen Energien haben die „demokratie-unverträglichen Machtkonzentrationen“ schon unterwandert und es gibt jetzt Firmen wie Yingli und Suntech Power in China, die die Solarpanels für Europa fertigen. Und die sind ja bekannterweise basisdemokratische Kollektive, die nur aus herzensguten, ehrlichen, nicht-gewinnorientierten Individuen bestehen. Sicher haben sie wie schon Foxconn Netze bei den Abeiterunterkünften gespannt, damit sich nicht zuviele selbstmörderisch in die Tiefe springen. Für die Leute, die es vor lauter Freude am postfossilen Zeitalter nicht mehr aushalten.
Die neue Gesellschaft ist wunderbar! Die haben’s besser als die Sklaven bei BP oder Shell!

Oder fragen Sie einen Chinesen, der das Neodym für die Windräder aus dem Boden buddelt! Der springt schon nur im Dreieck vor Freude, wenn an das Verschwinden der fossilen Machstrukturen denkt! Da kann ich nur sagen: Happy Birthday Klimawandel!

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Gut dass es das ETH Klimablog gibt! Happy Birthday!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Herr Meier,

„Rohstoff-Firmen, die Millionen und Milliarden in die Exploration und Entwicklung von Lagerstätten investiert haben, können nicht einfach so abhauen.“

Mir kommen die Traenen. Nur komisch das manche dieser Firmen
und deren „Bosse“ steinreich sind und die Menschen in der
Region wie (als?) Sklaven arbeiten und ehemalige Paradiese
in „Wuesten“ verwandelt werden.
Das Delta in Nigeria zum Beispiel..
und ja, manchmal muessen Aktivisten dafuer sterben.
(Vergleichen Sie das mal mit Tierquaelerei bei der Huehnerhaltung die Sie ja ablehnen.)

Und dann, was machen diese Firmen wenn die Lagerstaetten abgebaut sind? Brauchen Sie Bilder?
Hier: http://vimeo.com/39311288

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„Happy Birthday Klimawandel“

Der mit diesen Glückwünschen Geehrte wird sich etwas wundern über die schäbigen 300 Kerzen auf seiner Geburtstagstorte.

Nachdem es sich nicht um eine Dame handelt, dürfen wir sein wahres Alter ungeniert ansprechen: gut 4,5 Mia ist er alt, der Klimawandel, und hat überall sichtbare und mächtige Spuren seines Wirkens hinterlassen. Die weit ins Mittelland reichenden Gletschermoränen mehrerer Eiszeiten etwa und die aus reichlich gebundenem CO2 entstandene Jurakette.

Er hat viel gesehen, der Jubilar, in all den Äonen seit seiner Entstehung.
Menschliche Narrheit begleitet ihn gerade mal 200’000 Jahre und unterzieht ihn seither ihren wechselnden Betrachtungen.

Kriege hat er ausgelöst, Menschenopfer wurden ihm dargebracht, Hexen verbrannt. Es hat ihm kaum ein Windpfeifen entlockt und auch keine Verwunderung darüber, dass der Mensch sich an seine
Launen und deren Auswirkungen anzupassen versuchte.

Nichts, was der Alte Herr nicht schon gesehen hätte: Regentänzer und Wetterzauberer, Sonnenbeschwörer … sie alle strichen am Ende die Segel vor seiner Unberechenbarkeit und Unbeeinflussbarkeit.

Auch mit „fossilen Energien“ (s. Jura), Vulkanausbrüchen, Meteoriteneinschlägen und anderen kosmischen Ereignissen kam er im Lauf der Jahrmillionen zurecht. Die Pläne von Geoingenieuren, ihm mit allerlei Mitteln zu Leibe zu rücken, lassen ihn bloss müde lächeln. Er kennt weitaus mächtigere Gegner.

Ins sturmumwölkte Stirnrunzeln gerät er allerdings, wenn ihm der Mensch seine Rolle streitig macht und ihn bekämpfen, indem er sich, 2°-Ziele verkündend, zum alleinigen Klimamacher erklärt.

Schliessen wir uns den Glückwünschen dennoch an und hoffen, der Gefeierte lasse das derzeit herrschende Interglazial noch etwas andauern und überrasche uns nicht – wie in der jüngeren Dryas – mit einem Stadial – deshalb, weil wir seine Rolle nicht angemessen zu würdigen und zu feiern verstehen …

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„Die Sklaverei ging zu Ende, als sie verboten wurde; die Massen profitierten von der Industrialisierung, als ihre Rechte politisch gestärkt wurden.“ Heute fehlt es uns weder an politischen Rechten noch an materiellen Gütern, von Revolutionsgelüsten ganz zu schweigen. Fragt sich, was „die Massen“ heute motiviert, der Politik die Kraft zu verleihen, einschneidende Machtverschiebungen in einer Energiewirtschaft, die sich leicht über alle politischen Schranken hinwegsetzt und bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit mit der Kosten- oder Stromlückenfuchtel winkt, durchzusetzen. Gegen das permanente Versprechen von „immer mehr und immer billiger“, zu welchem Politik und Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten zusammengefunden haben, sind auch tragische Ereignisse wie Fukushima ein ziemlich kleiner Tropfen auf dem heisser werdenden Stein.

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energie ist im grunde kostenlos, wir haben nur das gefühl, wir müssen es mit Geld bewerten – damit wir andere (3. Welt und Schwellenländer) länger an der Nase herum führen können und diese ihr Geld in der Schweiz verstecken 🙂

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„Im Straßenverkehr wirkt die Energie-Hypertrophie antidemokratisch, indem sie die Schwächsten (Fußgänger, vor allem Kinder) aus dem öffentlichen Raum vertreibt“

Also, wenn die Mehrheit der Bevölkerung beschliesst, dieser und jener Strassenabschnitt ist für Autos da, dann ist das antidemokratisch?
Das Demokratieverständnis der Linken war seit jeher „fragwürdig“

„Die Energiebranche hat wie keine andere die Macht, Regierungen zu kaufen und Gesellschaften zu erpressen.“
Wenn Sie sich mit der Energiebranche überhaupt mal befassen würden (ausser WOZ lesen), wüssten Sie, dass die Energiebranche wie überhaupt die Rohstoffbranche die am meisten erpresste Industrie überhaupt ist. Jeder andere Firma kann das Land verlassen, wenn sie von der Regierung drangsaliert wird. Rohstoff-Firmen, die Millionen und Milliarden in die Exploration und Entwicklung von Lagerstätten investiert haben, können nicht einfach so abhauen.
Keine Woche vergeht, ohne Drangsalierung einer Rohstoff-Firma. Diese Woche: Enteignungsdrohungen gegen Repsol-Tochterfirma in Argentinien. Es gibt TAUSENDE solcher Beispiele. Aber da müsste man mehr als WOZ/Blick/Tagi lesen.

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„Die Sklaverei ist nicht verschwunden, weil es eine neue, bessere Energie gab, sondern weil sie abgeschafft wurde. “

Schoen waers wenns wahr waere!
ein einfaches googlen gibt die Antwort:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei

oder

http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/menschenrechte/sklaverei/moderne_sklaverei.jsp

und ja.. gar nicht so weit von uns entfernt
http://www.ban-ying.de/modernesklaverei/

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Sehr geehrter Herr Hänggi,

Die Macht der Kirche basiert auf der Masse der Gläubigen, die Macht der Energiemonoplisten auf der Glaubwürdigkeit ihrer Versprechen und Forderungen. Diese Machtballungen können gebrochen werden und wurden – im Fall der Kirche – gebrochen.
Man/Frau kann auch anders. Doch jeder politische begründete Wunsch muss auch eine Basis in der Realtität haben, muss umsetzbar sein.

Die neue EE-dominierte Energieinfrastruktur, die heute schon realisierbar ist, beruht auf einem grossräumigen Netzverbund von standortoptimierten EE-Quellen, wo viel Windstrom im Winter von der Atlantikküste stammt und viel Windstrom im Sommer von Nordafrika herkommt und wo Wasserkraftwerke in Skandinavien und der Schweiz für Ausgleich sorgen.

Ihre zusammen mit vielen anderen sich alternativ fühlenden Mainstream-Denkern propagierten dezentralen Strukturen für die Energieerzeugung -und den Energieverbrauch sind mit heutigen technischen Mitteln nur teilweise realisierbar und kleinräumige Energieautarkie ist mit Erneuerbaren sogar äusserst schwierig umsetzbar und auf alle Fälle sehr teuer. Aber was spricht poltiisch denn gegen einen grossräumigen europaweiten Stromverbund. Vertrauen sie den anderen europäischen Ländern nicht? Seltsam nur, dass der Autarkietraum nur im Energiebereich ausgelebt wird, während die CH-Landwirtschaft so grosse Futtermittelmengen importiert, dass für den eigenen Anbau die halbe Schweiz benötigt würde.

Ein europaweites Verbundnetz für Strom ist auch eine politische Chance. Es bedeutet, dass zusammenwächst, was zusammengehören kann. Es bedeutet auch, dass jede Nation oder besser gesagt jede Region (Nationen spielen da (leider?) keine so grosse Rolle mehr) das zum Verbund beiträgt, was sie in Hülle und Fülle anzubieten hat. In der Schweiz ist das die Wasserkraft und nicht die Sonnenergie oder die Windkraft.
Autark muss CH dagen im Gebäudebereich werden.

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