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Zur Rolle Indiens in internationalen Klimaverhandlungen

19.01.2012 von

Hiesige Beobachter der Klimaverhandlungen in Durban vergangenen Dezember fanden wenig Verständnis für die vergleichsweise unkooperative Position Indiens. Eine ungebremste Zunahme von CO₂-Emissionen mit entsprechendem Klimawandel wird dieses Land empfindlich treffen. Besonders die Armen werden den Dürren, Stürmen und Überflutungen schutzlos ausgesetzt sein. Warum spielte Indien in den Verhandlungen keine kooperativere Rolle? Ich habe mir dazu einige Gedanken gemacht.

Gerechtigkeit

Die Idee, dass jedem Menschen ein Recht auf dieselbe Menge CO₂-Emissionen zusteht, ist international noch nicht stark verankert und hat erst bescheidene Auswirkungen auf die Vorschläge, die an den internationalen Klimakonferenzen diskutiert werden.

Warum sollte Indien schon heute CO₂-Emissionen reduzieren, wenn es pro Person noch immer etwa 10-mal weniger CO₂ emittiert als die OECD-Länder? Zudem ist ein beträchtlicher Teil der CO₂-Emissionen von Entwicklungsländern auf Produkte zurückzuführen, die in den reicheren Ländern konsumiert werden¹. Der schweizerische – im Vergleich zu anderen Industriestaaten relativ tiefe – Wert an CO₂- Emissionen pro Kopf würde sich fast verdoppeln, wenn wir uns auch die CO₂-Emissionen der importierten Güter zurechnen würden – was wohl gerecht wäre.

Wirtschaftliche Entwicklung ist für Indien eine Notwendigkeit, eine Frage des Überlebens. Länder, die schon viel CO₂ emittiert haben, müssten fairerweise zur Entwicklung Indiens beitragen, wenn Indien sich schon jetzt, auf einem viel tieferen Niveau der pro-Kopf CO₂-Emissionen, in einen Vertrag einbinden liesse.

CO₂ ist in Indien nicht das dringlichste Problem

Viele Entwicklungsländer haben offensichtliche, gravierende Umweltprobleme. Klimawandel ist weniger handfest als lokale Verschmutzung und steht daher nicht zuoberst auf der Liste der zu behandelnden Probleme. Bei Indiens Klimaproblem ist zudem CO₂ nicht in gleicher Deutlichkeit die dominierende Emission, wie beim globalen Klimaproblem. Insbesondere Russ schafft sowohl ein lokales Umweltproblem, als auch ein regionales, nicht sehr gut verstandenes, auf kurze Sicht wichtiges Klimaproblem². Bei den internationalen Verhandlungen konzentriert man sich jedoch auf CO₂. Die Bemühungen Indiens, das Russproblem zu entschärfen werden nicht honoriert – aus globaler, langfristiger Sicht vielleicht zu Recht.

40% der Menschheit verwendet Biomasse als Brennstoff zum Kochen, dem wichtigste Energieverbrauch dieser Menschen³. Wenn in den Entwicklungsländern zum Kochen zum Beispiel Flüssiggas verwendet würde, erhöhten sich zwar die Treibhausgasemissionen, die von der Verbrennung fossiler Energieträger stammen, um gegen 4%. Die Klimaauswirkungen wären trotzdem geringer, da die ineffiziente, unvollständige Verbrennung von Biomasse sehr viel Treibhausgasemission verursacht4. Und die Umstellung führte zu besserer Luft in den Häusern (und damit zu weniger Lungenkrankheiten – noch sterben daran jährlich etwa 1.5 Mio. Menschen) und hülfe der allgemeinen Entwicklung. Die Frauen gewännen damit Zeit für andere Dinge als für das arbeitsintensive Sammeln und Tragen von Holz. In den von den Industriestaaten stark geprägten Klimadiskussionen scheinen aber Treibhausgase, die nicht durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern stammen, immer noch eine bescheidene Rolle zu spielen.

Die Frage der Gerechtigkeit und die Fokussierung auf CO₂ sind zwei Gründe, warum Indien wünscht, dass die Klimaverhandlungen neu angegangen werden und auch Elemente der Entwicklungszusammenarbeit enthalten. Letztere sollen dazu beitragen, in Indien und anderen Entwicklungsländern eine klimaverträgliche wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

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¹ siehe Figur 1 in http://www.pnas.org/content/108/21/8533.full  sowie http://www.nature.com/nclimate/journal/v2/n1/pdf/nclimate1332.pdf

² siehe den viel zitierten Artikel http://www.sciencemag.org/content/335/6065/183.full, zitiert z.B. in Neue Zürcher Zeitung, 14. Januar 2012: «Plan B gegen den Klimawandel Konkrete Massnahmen gegen kurzlebige Klimakiller»

³ Pachauri S, Zerriffi H, Foell W, and Spreng D, Guest Editors [2011]. Clean Cooking Fuels and Technologies in Developing Countries. Special Section in Energy Policy 39, 7487-7908

4 Grieshop AP et al. [2011], op.cit.

Zum Autor

Daniel Spreng ist emeritierter Professor und forscht in den Bereichen Energiewirtschaft und Energieanalyse. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (18) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Die im obigen Beitrag gestellte Frage „Warum sollte Indien schon heute CO₂-Emissionen reduzieren, wenn es pro Person noch immer etwa 10-mal weniger CO₂ emittiert als die OECD-Länder?“ ist eine rhetorische Frage.

Doch die im Namen der Gerechtigkeit versteckt gestellte Forderung nach Nachsicht was Indiens CO2-Emissionen betrifft, ist problematisch wie der EU-Report LONG-TERM TREND IN
GLOBAL CO2 EMISSIONS
deutlich macht.

Es stimmt zwar, dass Indien pro Kopf im Vergleich zur OECD wenig CO2 ausstösst, doch man muss auch wissen warum: Weil die Industrieproduktion und damit das pro Kopf-BIP in Indien immer noch um die 1300 Dollar pro Jahr (138.Rang von 181) liegt und somit bloss 1/4 desjenigen in China beträgt.
die Figur 3.3 im oben genannten Bericht zeigt aber, dass Indien an 7. Stelle steht was die CO2-Emissionen pro BIP betrifft. Mit anderen Worten: Indiens Industrie ist in ihrer Energieversorgung vollkommen auf Kohle und andere fossile Rohstoffe ausgericht.
Hier die 10 am CO2-intensivsten pro Wirtschaftseinheit produzierenden Länder der Erde:
1. Ukraine, 2. China, 3. Russland, 4. Süd-Afrika, 5. Saudi-Arabien, 6. Iran, 7.Indien, 8. Australien, 9. Indonesien, 10. Polen

Der oben erwähnte Bericht ist auch darum interessant, weil er deutlich macht, dass die CO2-Emissionen auch bei vergleichbarer Wirtschaftsleistung bei verschiedenen Ländern stark voneinander abweichen können. Es gibt „Kohleländer“ mit hohen CO2-Emissionen und andere, die pro BIP-Einheit sehr wenig CO2 ausstossen.
China emittiert fast 5 Mal mehr CO2 um eine BIP-Einheit zu erzeugen wie Frankreich. Die Gleichung mehr BIP, mehr CO2 mag innerhalb eines Landes stimmen, sie stimmt aber nicht, wenn man verschiedene Länder vergleicht.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Professor Sprengs muss – wenn schon – nicht nur Indien, sondern auch Afrika grössere CO2-Emissionen zugestehen.
Vieles was auf diesem Blog geschrieben wurde, wird damit aber hinfällig.

Verzerrte Wahrnehumung der Realität

Joeri Rogelij will das 2-Grad Klimaziel mit der Schliessung des 2°C-Emission-Gap erreichen und dazu Kohle durch Erneuerbare oder Biomasse ersetzen. Doch der Kraftwerkausbau (Zitat Rogelij: die Emissionen des Energiesektors machen bis zu 80 Prozent der Gesamtemissionen aus) bis zum Jahr 2020 ist jetzt schon fest geplant. In Indien sollen Ultra-Mega-Power-Plants (auf deutsch Riesenkohlekraftwerke) den indischen Energie-Gap schliessen.
Diagnose: Joeri Roeglij verkennt die politische Machbarkeit seiner klimapolitischen Wünsche. Wenn jetzt, im Jahre 2012, die CO2-Emissionen um 3% pro Jahr steigen, können sie in 8 Jahren nicht schon stagnieren.

Die Redaktion ETH-Klimablog steht hinter den Thesen zur Energiezukunft: Reduktion auf 2 Tonne CO2-Ausstoss bis 2050 trotz Abschaltung der AKW’s. Dieses Ziel erfordert (Zitat)bis 2050 unter anderem einen CO2-freien Wärmesektor, einen minimalen CO2-Ausstoss bei der Stromerzeugung sowie eine effiziente, teilelektrifizierte Mobilität. Anmerkung: (Wikipedia) Zurzeit werden etwa 13 % der Neubauten und 2 % der Sanierungen in der Schweiz nach Minergie zertifiziert.
Diagnose: Nur schon das Ziel eines CO2-freien Wärmesektors bis 2050 ist ohne massiven Zwang nicht erreichbar.

Zu erwartende CO2-Emissionen weltweit in 2030

Indien wird bis 2030 4 Gt mehr CO2 ausstossen,China ebenfalls + 4 Gt, Afrika + 2 Gt, OECD – 3 Gt
Weltweit wird also 2030 mehr CO2 ausgestossen werden als heute.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

Sehr geehrter Herr Professor Spreng,

die Story, die sie von den armen Indern, welche Dung (oder andere Biomasse) verbrennen anstatt Flüssiggas erinnert mich etwas an die Geschichte vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern (welches in Armut erfriert) von Hans Christian Anders. Menschen, die nahe am Wasser gebaut sind, mussten sich beim Lesen bestimmt ein paar Tränen abwischen.

Doch im Subkontinent Indien lebt arm und reich schon lange Seit an Seit.

Indien wächst jetzt schnell und will in vielem China folgen, auch in der Energiepolitik.
Das Ultra-Mega-Power-Programm, welches im Moment von 16 Kohlekraftwerken ausgeht, von denen jedes mehr als 3 Gigawatt elektrische Leistung bringen soll, ist ein Nachfolger des Mega-Power-Programms aus den 1990ern, welches seine Ziele nur teilweise erreicht hat. Wie China, welches zwischen 2005 und 2011 jedes Jahr Kohlekraftwerke mit 60 Gigawatt Leistung gebaut hat, will auch Indien von jetzt an jedes Jahr soviel thermische Kraftwerksleistung zubauen, so dass bis 2030 950 GW an elektr. Leistung vor allem durch Kohlekraftwerke dazukommen. Natürlich plant Indien auch Wind-/Solar- und Nuklearkraftwerke, doch im Vergleich zur Kohle sind diese Bereiche unbedeutend.
Weitere Informationen zu UMPP’s findet man mit dem google-Suchbegriff ultra mega power projects

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

Peter,

Deine eigene Lesefaulheit.. ?? du bist doch gar kein Physiker..
na aber wie du sagst sparen wir die Energie fuer das Energieproblem.

Haben wir denn aus deiner Sicht ein Energieproblem?
(meine Ansichten sind „bekannt“).

Aber, falls deine (die von BP?)
Loesung die Wasservergiftung sein sollte

„Wenn sich Nord- und Südamerika in absehbarer Zeit selber versorgen können“

Also, die Leute dort werden einfach sterben.. dann
gibt es natuerlich mehr zu importieren.

„wird das eben so Auswirkungen auf den Weltmarkt haben wie die zunehmende Nutzung der heute z. T. wegen fehlender Erschliessung abgefackelten Gasvorkommen.“

Immer noch besser als die Gase explodieren zu lassen.
(hatten doch im Golf von Mexiko)

„sorgt doch die Erschliessung neuer Energievorkommen in der Summe für mehr Zeit betr. die ersehnte “Energiewende”.

Welche ersehnte „Energiewende“ und warum?
Du schreibst doch immer wieder die Grenzen des Wachstums sind
noch „unendlich“ weit entfernt.

Nun muessen wir also doch die letzten „Oasen“ zerstoeren?

Stimmt es also vielleicht doch was wir vor 40 Jahren
im Buch „limits of growth“ gelesen haben?

Zur Erinnerung ..
die einzige Vorhersage im Buch war:

ohne Aenderung werden wir in den naechsten 50-100 Jahren
so oder so den Kollaps bekommen.
Und jetzt sind 40 Jahre um!

Bezueglich

„Nicht indem wir die vorhandenen Mittel auf untaugliche Technologien verschwenden (s. Nachbarblog “Solartechnik”), sondern indem wir sie auf das Sinnvolle, Effiziente und Machbare konzentrieren und gleichzeitig die Forschung fördern. Was, wie bei anderer Gelegenheit dargelegt, unterbleibt. In der Schweiz stagnieren die für Energieforschung reservierten Mittel seit über 20 Jahren.“

Die beste Unterstuetzung der Forschung waere
die Menschen auf die Endlichkeit der Ressourcen
vorzubereiten. In der Tat, die Energie wird verschwendet
die simplen Tatsachen weiter zu leugnen!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Katharina Michaelowa

Sehr geehrte Katharina Michaelowa,

Ihre Aussage, Premierminister Manmohan Singh habe sein Land verpflichtet immer unter den Pro-Kopf-Emissionen der OECD zu bleiben, wird im Artikel (und nicht nur dort) India’s CO2 Emissions Will At Least Triple in the Next 20 Years bestätigt. denn auch mit dem von der indischen Regierung proijzierten Emissionsanstieg von 1.4 Milliarden Tonnen CO2 in 2009 auf 4 bis 7.3 Milliarden Tonnen im Jahr 2031 bleibt Indien mit dann 200 Millionen zusätzlichen Bürgern unter dem OECD Pro-Kopf-Durchschnitt. Allerdings bedeutet es, dass 2030 weltweit nicht 30 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr ausgestossen wird, sondern 40 oder noch mehr, ist doch Indien nicht das einzige grosse Schwellenland.

Als Begründung für den unvermeidbaren (?), notwendigen CO2-Emissionsanstieg in Indien finde ich in ihrem verlinkten CIS-Working Paper (Zitat): devlopment without further emissions increase is hard to imagine

Solange dies stimmt und es noch Länder gibt, die sich wirtschaftlich entwickeln (müssen), werden auch die CO2-Emissionen ansteigen. Global erfolgreiche Klimamassnahmen müssen deshalb vorrangig nach Wegen suchen, wie Ökonomien wachsen können ohne gleichzeitig die CO2-Emissionen zu erhöhen.

Was in ihrem Papier gut rüberkommt, ist die ganze 3-Welt-Rhetorik (Gerechtigkeit, historische CO2-Schuld, Kolonialschuld der Reichen), die von der indischen Diplomatie gepflegt wird und die hier Professor Spreng ganz unkritisch übernommen hat, indem er ein Kapitel mit Gerechtigkeit überschrieben hat.

Ein zukünftig selbstbewussteres Indien wird eine andere Haltung einnehmen und einfach sagen: „was für Indien gut ist werden wir Inder auch realisieren, denn was für Indien gut ist, ist auch für die Welt gut“ (China lässt grüssen).

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Dittmar

Die Lesefaulheit von Physikern gäbe evtl. Anlass zu einem eigenen thread, aber sparen wir die Energie für die Energiefrage, deren Behandlung dringender erscheint.

Wenn sich Nord- und Südamerika in absehbarer Zeit selber versorgen können, wird das eben so Auswirkungen auf den Weltmarkt haben wie die zunehmende Nutzung der heute z. T. wegen fehlender Erschliessung abgefackelten Gasvorkommen.
Indien und China werden nutzen, was ihnen zu Gebote steht, darunter u. a. Kohle.

Auch wenn sich eine weiterhin wachsende Nachfrage in den Preisen niederschlagen sollte, sorgt doch die Erschliessung neuer Energievorkommen in der Summe für mehr Zeit betr. die ersehnte „Energiewende“.

Zeit, die wir nutzen sollten. Nicht indem wir die vorhandenen Mittel auf untaugliche Technologien verschwenden (s. Nachbarblog „Solartechnik“), sondern indem wir sie auf das Sinnvolle, Effiziente und Machbare konzentrieren und gleichzeitig die Forschung fördern. Was, wie bei anderer Gelegenheit dargelegt, unterbleibt. In der Schweiz stagnieren die für Energieforschung reservierten Mittel seit über 20 Jahren. In einem Land, das – in höchstem Masse energieabhängig – neben Wasserkraft über keine weiteren Ressourcen von Bedeutung verfügt.

Aus nüchterner Sicht schwer erklärbar, aber ein Fakt. Stattdessen verrennen wir uns in nicht einhaltbaren, diffusen „Klimaschutzzielen“ und in der Förderung ineffizienter Technologien, weil die Heil versprechen, wo in Wahrheit keines zu finden ist, es sei denn für die fleissig lobbyierenden Vertreter der EE-Branche.

Zu den daraus resultierenden Folgen schreibst du… „Das ist das Ergebnis deiner geliebten angeblich freien Marktwirtschaft“.
Im Gegenteil: es ist das Ergebnis einer verfehlten Politik und deren Fokussierung auf ein schwammiges, wissenschaftlich schwach gestütztes Konstrukt.

Kein Anlass, den Indern Lehren zu erteilen. Umgekehrt stehen eher welche zu erwarten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

Die indischen Argumente erscheinen in der Tat gut nachvollziehbar. Zudem hat Premierminister Manmohan Singh ohnehin sein Land darauf verpflichtet, auch bei dem erhofften zukünftigen ökonomischen Wachstum die Pro-Kopf-Emissionen Indiens immer unter dem OECD-Durchschnitt zu halten. Das gilt explizit auch dann, wenn es den OECD-Ländern gelingen sollte, durch erhebliche Einsparungen den Durchschnitt mittelfristig zu senken. Indien leidet so stark an der Knappheit von Energieressourcen, dass Sparmassnahmen ohnehin und ganz ohne externe Verpflichtungen notwendig sind, um das ökonomische Wachstum weiterführen zu können.
Allerdings hat der im Sommer in das Ministerium für Ländliche Entwicklung beförderte vormalige Umweltminister Jairam Ramesh die indischen Positionen überzeugender auf internationaler Ebene zu vertreten gewusst als seine Nachfolgerin Jayanti Natarajan. Durch offeneres Auftreten hat er bei der UNFCCC-Konferenz in Cancun eine Schlüsselstellung bei der Kompromissfindung eingenommen.
Wir haben die Entwicklung der indischen Verhandlungsposition und -strategie über die letzten Jahre (bis zum Weggang von Ramesh) gerade in einem CIS-Working Paper dokumentiert und kamen zu diesem Zeitpunkt zu einem recht optimistischen Fazit. Vielleicht interessiert sich der ein oder andere für mehr Details:

http://www.cis.ethz.ch/publications/publications/WP_70.pdf

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Peter,

noch ein Nachtrag zu deinen Illusionen in Shale Gas
(Wenn du wenigstens damit Geld verdienen wuerdest!)

http://www.propublica.org/article/years-after-evidence-of-fracking-contamination-epa-to-supply-drinking-water

Aber, klar du wirst sagen: BP et al werden diese kleinen
technischen Probleme noch loesen und sterben muessen wir sowieso.

Ich antworte: „Erst wenn der letzte Baum gefaellt ist
und der letzte Fluss vergiftet etc.. werdet ihr begreifen
dass man Geld nicht essen kann“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

Physiker die noch nicht mal in der Lage sind den BP
Report ueber geologische Ressourcen zu lesen
oder zu beruecksichtigen (das Buch verkauft sich wohl besser
ohne Fakten!)

„Der Physiker Gerd Ganteför vertritt in seinem Buch “Klima – der Weltuntergang findet nicht statt” sehr ausdrücklich die Meinung, es führe kein Weg an der Nutzung der Kohleenergie vorbei, denn es sei die günstigste Energieform, zudem noch hunderte von Jahren verfügbar und absolut notwendig für ärmere Länder um sich aus der Armut zu befreien und in der Folge auch die Kinderzahl zu reduzieren, was letztlich allen zugute komme. “

Aber, wir wollen das besser machen oder?

Also schauen wir mal die Zahlen zur Kohle genauer an!
(und ignorieren erstmal die Unterschiede von Stein und Braunkohle)

Also: http://www.bp.com/sectionbodycopy.do?categoryId=7500&contentId=7068481

und Sektion Kohle.

Wie bitte sollen die Menschen in Afrika
ausser Suedafrika denn Kohle nutzen.
(und in Suedamerika).

Und ja, auch die Zahlen fuer verschiedene Laender in der
EU sehen gar nicht so nach hunderte von Jahren aus!
(denken wir daran dass viele EU Laender Kohle importieren).

Wenn auch manche Physiker den Kopf lieber in den Sand stecken
ist das kein gutes Zeichen!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Peter,

genaues lesen scheint nicht deine Staerke zu sein.
(insbesondere wenn der Inhalt nicht mit deinen
Vorurteilen uebereinstimmt!)

Deine „links“ belegen es mal wieder 100%

Zur Erinnerung (was ich geschrieben habe):
„Jetzt nehme noch das Problem mit den (fast oder ganz) erschoeften Energieressourcen (Oel, Gas, Kohle und Uran) in der EU und bedanke dich bei deiner Generation der Scheuklappen Traeger.“

dein Guardian Artikel schreibt schon in der Headline:

„BP forecasts that growth in fuel sources will make North and South America self-sufficient by 2030 – but UK will still need Gulf supplies“

und bestaettigt eindeutig was ich geschrieben habe!
Selbst das ehemalige reiche Oel und Gasland in Europa.
Jetzt nehme mal den Rest der EU+CH und ueberlege
dir die Folgen des um einen Faktor 4 gestiegenen Oelpreises
von 20-30 Dollar/Barrel (vor 10 Jahren) auf jetzt 100 Dollar/Barrel.

Dann vergleiche deine oekonomischen Illusionen
(hoehere Preise fuehren zu neuen Feldern etc)
mit den realen Zahlen der Oel Foerderung in UK und Norwegen.
(BP Jahresreport Energie 2011)

Der Rest deiner „links“ .. kenne ich.
Ja und? Das ist das Ergebnis deiner geliebten angeblich freien
Marktwirtschaft.

BP Report analysieren.. wenn du mich dafuer bezahlst!
gerne!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@ Dittmar

Verfrühtes Triumphgeheul, Gutester. Einfach richtig lesen und Fokus erweitern. Es gibt, wie unten erwähnt, ganze Reihen lokaler und regionaler Klimaveränderungen, die auf menschliches Tun zurückzuführen sind: Landnahme, Bauten, Bodenversiegelung, Siedlungen, Strassen, Landwirtschaft, Entwässerung, Rohstoffgewinnung usw. usf.

Kein Problem, die zu anerkennen und in den zutreffenden Kontext zu stellen.

Die CO2-Hypothese dagegen unterwirft aufgrund eines nicht verifizierten monokausalen Erklärungsmodells die (westliche) Wirtschaft einem rigiden und kaum finanzierbaren Vermeidungsregime.

Dass wir uns dabei einfach in die Tasche lügen, belegen das eingangs erwähnte Zitat aus Prof. Sprengs Beitrag eben so wie die unten erwähnten Verlagerungen industrieller Tätigkeit. Sie wären zwar nicht allesamt zu verhindern, aber man müsste sie unter dem Titel der „Klimarettung“ nicht auch noch zusätzlich fördern.

Mit anderen Worten, die forcierte CO2-Hexenjagd führt zum Gegenteil dessen, was sie angeblich anstrebt: zu einem Mehr an globalen CO2-Emissionen – und um den Preis einer fortschreitenden Deindustrialisierung im Westen und und zunehmender Umweltschäden in Fernost.

Vielleicht machst du dir mal Gedanken über das Ausmass und die Absurdität dieser Entwicklung …

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/wirtschaft/Strompreise-elektrisieren-Betriebe;art4325,1297967

Auch was die angeblich „erschoeften Energieressourcen“ anbetrifft, solltest du dich keinen Illusionen hingeben …

http://www.guardian.co.uk/environment/2012/jan/18/shale-oil-gas-us-energy-self-sufficient

http://www.bp.com/liveassets/bp_internet/globalbp/STAGING/global_assets/downloads/O/2012_2030_energy_outlook_booklet.pdf

Ich weiss, ich weiss … ein BP-Bericht. Du darfst ihn in allen Punkten zerpflücken, in denen er zu falschen Ergebnissen gelangt.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

Herr Professor Spreng macht im obigen Beitrag die implizite Annahme, ein gutes Leben bedeute auch ein fossiles Leben, deshalb nimmt er Indiens Verweigerungshaltung in Schutz. Denn dass sich Indien industriell noch entwickeln muss und darf zweifeln wohl nur wenige an.

Die entscheidene Frage ist also, ob es ein Wirtschaftswachstum ohne Erhöhung der CO2-Emissionen geben kann.
Der Physiker Gerd Ganteför vertritt in seinem Buch “Klima – der Weltuntergang findet nicht statt” sehr ausdrücklich die Meinung, es führe kein Weg an der Nutzung der Kohleenergie vorbei, denn es sei die günstigste Energieform, zudem noch hunderte von Jahren verfügbar und absolut notwendig für ärmere Länder um sich aus der Armut zu befreien und in der Folge auch die Kinderzahl zu reduzieren, was letztlich allen zugute komme. Die Klimaerwärmung bestreitet er nicht, nimmt sie aber als das kleinere Übel in Kauf.
Ganz von der Hand weisen kann man diese Meinung nicht. Professor Ragaller ist wohl der einzige hier, der daran glaubt, die Welt könne sich schon in 10 Jahren vollkommen erneuerbar mit Energie versorgen. Die am weitesten verbreitete Meinung, sehr fundiert hier dargestellt, geht von einem Dekarbonisierungsprozess aus, der viele Jahrzehnte dauert und erst in 100 Jahren abgeschlossen ist.

Jedenfalls ist es zuviel von Indien verlangt vollkommen selbst für eine CO2-freie Wirtschaftsentwicklung aufzukommen, denn sogar für Deutschland sind z.B. EE- Energien Neuland und Teil einer doppelten Infrastruktur, wo jede Windturbine von einem fossilen Schattenkraftwerk abgesichert ist – etwas was für Indien zu teuer ist. Der Klimawandel ist ein globales Problem das auch globale Hilfestellung benötigt, wo es Elemente der Entwicklungszusammenarbeit braucht.

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Peter Buehler in neuem Gewand!

„Gesamtbilanz, verbunden mit dem Niedergang europäischer Industrien und bei gleichzeitigem Aufbau neuer Industrien und Infrastrukturen in anderen Weltgegenden (Landnahme, Bauten, Siedlungen, Strassen, Energie usw.): ein Mehr an zusätzlichen CO2-Emissionen bzw. anthropogenen Klimaveränderungen.“

diesen apokalyptischen Satz hast du wohl selber gefunden!

Jetzt nehme noch das Problem mit den (fast oder ganz) erschoeften Energieressourcen (Oel, Gas, Kohle und Uran) in der EU und bedanke dich bei deiner Generation der Scheuklappen Traeger.

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Endlich ein paar Stimmen der Vernunft …

Prof. Spreng: „Der schweizerische – im Vergleich zu anderen Industriestaaten relativ tiefe – Wert an CO₂- Emissionen pro Kopf würde sich fast verdoppeln, wenn wir uns auch die CO₂-Emissionen der importierten Güter zurechnen würden – was wohl gerecht wäre“

Ist es! Die feine, leicht neurotische 2’000-Watt-Gesellschaft soll sich mal um ihre schmuddligen Hinterhöfe (inkl. Solarzellen und Windräder, Whalewatching) kümmern, bevor sie anderen Lehren erteilt.

Binsenwahrheit: die CO2- und Gesamtumwelt-Bilanz der in Fernost gefertigten (bescheidene Umweltstandards, Transporte) und in die Schweiz importierten Güter fällt in aller Regel schlechter aus als jene der ursprünglich hier produzierten Produkte.

Dasselbe gilt für Güter, die wir gar nicht oder nur in geringem Mass importieren, deren ursprünglich schweizerische oder europäisch) Fertigung sich nach Osteuropa oder Fernost verlagert.

Kurz, kein Null-Summen-, vielmehr ein Plus-Summenspiel.

Gesamtbilanz, verbunden mit dem Niedergang europäischer Industrien und bei gleichzeitigem Aufbau neuer Industrien und Infrastrukturen in anderen Weltgegenden (Landnahme, Bauten, Siedlungen, Strassen, Energie usw.): ein Mehr an zusätzlichen CO2-Emissionen bzw. anthropogenen Klimaveränderungen.

Abgesehen von der schieren Bedeutungslosigkeit zusätzlicher menschlicher CO2-Emissionen: tritt endlich jemand dem epidemischen Wahnsinn entgegen?

„Klimaverträglichkeit“: hübsches Wort, bloss: was soll es bedeuten?

Die Vorstellung EINES (1nes) Klimas ist verfehlt. Es wird, wie auch immer sich das aufgrund von Mittelwerten erhobene „Globalklima“ künftig entwickelt, weltweit Klimagewinner und -verlierer geben, wie in allen Epochen der Menschheitsgeschichte zuvor.

Man wünscht Indien viel Erfolg auf dem eingeschlagenen Entwicklungsweg. Seine Touristen jedenfalls sind in der Schweiz hoch willkommen. Mit oder ohne CO2-kompensierte Flüge …

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@Alexander Müller

Sehr geehrter Herr Müller, sie schreiben:

(Zitat)Indien emititierte im Jahr 2008 laut Wikipedia aber nur 1.5t/Kopf

Gerade darum will doch Indien nicht in CO2-Emissionsbeschränkungen einlenken, denn die grosse Kohlekraftwerkoffensive steht in Indien erst bevor. Zwar plant Indien schon seit ein paar Jahren viel mehr Kohlekraft, aber in Indien (der grössten Demokratie der Welt) gibt es mehr Hindernisse für einen zügigen Ausbau der Kohlekraft als in China. Ein steiler Anstieg der Kohlekraftwerkkapazität hat in Indien erst 1999 eingesetzt. Doch die Nachfrage nach Elektrizität übersteigt das Angebot in Indien immer noch deutlich. Darum sind jetzt Es sind 16 Ultra Mega Power Plants geplant. Dass Kohle in Indien aktuell ist können sie auch hier nachlesen. Nach Wikipedia hat sich der Steinkohleverbrauch in Indien zwischen 2000 und 2009 verdoppelt.

Was sie sonst noch schreiben zu Nicht-CO2-Treibhausgasen ist für China oder Indien nicht relevant, denn diese Länder verfügen selbst über Kohle und ihre Kohlenutzung steigt von Jahr zu Jahr, so dass die übrigen Treibhausgase immer weniger eine Rolle spielen.

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Danke, Herr Professor Spreng, dass Sie auch einmal die Perspektive eines Schwellenlandes nachvollziehbar darstellen. In unserer Nabelschau blenden wir hier in Europa diese Aspekte und Überlegungen viel zu oft aus – was es uns dann sehr leicht macht, die Welt in gut (wir) und schlecht (die anderen) einzuteilen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

@Martin Holzherr,
Indien emititierte im Jahr 2008 laut Wikipedia aber nur 1.5t/Kopf. Natürlich kann man auch nicht einfach auf dem Gleichheitsprinzip beharren, wenn dieses aus Gründen der Anpassungszeit an tiefere pro Kopf Emissionen dazu führen würde, die Klimaerwärmung kaum mehr in einem tragbaren Mass begrenzen zu können. Aber die Ausführungen von Herr Spreng zeigen doch, wie die Fokussierung auf CO2 nicht einmal für den Klimaschutz stets das beste Mittel ist (vom Thema der Luftverschmutzung mal ganz abgesehen).

Der Fokus auf CO2 ist sogar in der Schweiz m.E. teilweise fragwürdig. Ich hatte einmal einen Vergleich der CO2 Gesetzgebungen anderer europäischer Staaten gemacht und dabei stellte sich heraus, dass einige Staaten auch andere Treibhausgase in ihren Reduktionszielen berücksichtigen und dort eine nicht unbeträchtliche Reduktion erreicht haben. Das würde sich ev. auch für die Schweiz lohnen.

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Sehr geehrter Herr Professor Spreng,
ich denke mir sie hätten sich die obigen komplizierten Überlegungen sparen können, denn es gibt einen einfachen Grund dafür, dass Indien keine CO2-Emissionsgrenzen akeptieren will: Indien will seine eigene Kohle, aber auch importierte Kohle zur Energieerzeugung nutzen und die Kohlenutzung ist heute der wichtigste Grund für sehr hohe CO2-Emissionen. Die USA emittierten im Jahre 2008 17.5 Tonnen CO2 pro Kopf und mehr als die Hälfte dieses CO2 entstammt entweder Kohle-oder Gaskraftwerken.
China emittierte im Jahre 2008 5.8 Tonnen CO2 pro Kopf. Damit emittierte ein Chinese im Jahr 2008 mehr CO2 als ein Schweizer, obwohl im Jahre 2008 ein Chinese weniger als 2000 Watt verbrauchte, während ein Schweizer einen Durchschnittsenergieverbrauch von 6000 Watt pro Kopf hatte.

Kohlekraftwerke und die industrielle Verwendung von Kohle ist der wichtigste Grund für die starken CO2-Emissionsanstiege in jüngster Zeit. Während in den 1990er-Jahren die CO2-Emissionen nur um 1% pro Jahr zunahmen, stiegen sie ab dem Jahr 2000 um 3% pro Jahr und parallel dazu stieg der Anteil der Kohle am Primärenergieverbrauch von 25% auf heute 29%.

Wenn sie schreiben, CO2 sei in Indien nicht das dringlichste Problem, so dürften sie das ruhig verallgemeinern und schreiben CO2 ist heute für kein Land das dringlichste Problem. Der CO2-Anstieg ist ein Zukunftsproblem, das aber alle Länder treffen kann und das gewisse Länder besonders stark treffen wird. Deutschland, die Schweiz und sogar viele reiche Länder in klimatisch schwierigen Ländern werden wenig leiden unter der Klimaerwärmung, denn mit viel Geld kann man Vorkehrungen gegen die Folgen der Klimaerwärmung treffen. Indien dagegen könnte als immer noch armes Land, das zudem sehr südlich liegt allerdings stark betroffen sein, besonders dann wenn sich das Monsunsystem durch die Klimaerwärmung ändern sollte.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 4

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