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Klimaschutz: Forder- & Fö(r)deralismus

01.12.2011 von

Klimaschutz wird auch auf dem Papier und in Verhandlungsräumen gemacht, doch zum Glück in zunehmendem Masse erfolgreich und immer globaler auch an den Werkbänken, in den Innovationslabors, beim Bauen, Transportieren, Stromproduzieren, bei Investitions- und Konsumentscheiden.

Klar, dieses tagtägliche Low-Carbon-Wirken ist abhängig von klaren und strikten Regulatorien, doch auch von individuellem Willen, Präferenzen und Zukunftserwartungen. Natürlich ist es unsere Erwartung, dass in den globalen Klimaverhandlungen ein ambitioniertes Klimaregime vereinbart wird, mit global verbindlichen Emissionsbeschränkungen, wirksamen Prozessen wie einem generellen Preis für CO₂ sowie gefüllten Funds für Mitigation und Adapation. Der Handlungsbedarf dafür ist unbestritten, wird dringlicher und grösser. Die noch zu überwindenden Hürden für den weltweiten Klimadeal leider auch. Die grössten Emittenten, wie die USA und China, entdecken aber auch, dass sich nationale Investitionen in effizientere Technologien lohnen. Gestärkt werden muss nun noch die Einsicht, dass sich solche Investitionen für alle um ein Vielfaches rechnen, wenn sie eingebettet werden in einen globalen Deal.

Nichtsdestotrotz – oder gerade deshalb – sind Eigeninitiative und Bottom-up-Engagements von uns allen (Privaten, Firmen, Gemeinden, Ländern, Kontinenten) hin zu einer Low-Carbon-Gesellschaft ebenso wichtig, wie die engagierte Arbeit unserer Schweizer Delegation in Durban: Klimaschutz wird geleistet mit Push & Pull, Kyoto-Protokoll & Kopenhagen-Accord, Low-Carbon-Projekten in Zürich & Bangalore, von Bafu, Gebr. Fischer AG, myclimate & Familie Moser.

In Durban wird die globale politische Architektur des Klimaschutzes weiterentwickelt. Ein globales Kollektiv-Ringen darüber, wer, wie verbindlich, wie rasch und wie hohe Emissionsbeschränkungen anstreben und wieviel er dafür bezahlen kann/soll/muss. Nach der Gründerzeit des Kyoto-Protokolls, wo der Klimaschutz quasi auf der «Grünen Wiese» erstmals global reguliert wurde, herrscht momentan Diversifizierung beim Klimaschutz: Jedes Land realisiert sein eigenes Klimaschutzregime, die föderale Vielfalt nimmt weltweit rasch zu; die Komplexität und Schwierigkeit für einen gemeinsamen globalen Deal auch. Wenn’s «Top-Down» harzt, braucht’s erst recht den «Bottom-up»-Tatbeweis: Wir alle haben es in der Hand in unserem persönlichen Handlungs- und Entscheidungsbereich klare ambitionierte Klimaziele zu verfolgen, einen Preis auf Treibhausgasemissionen zu bezahlen und radikale technische Innovationen zugunsten extrem ressourcenschonender Wirtschaftsstrukturen zu realisieren. Wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltiger gesellschaftlicher Wohlstand sind künftig nur inklusive Klimaschutz zu haben, das hat sich im Mainstream etabliert. Der entbrannte LowCarbon- & -Cleantech-Wettbewerb ist mehr als ein Hoffnungsschimmer – denn wer will schon dieses Zukunftsbusiness verpassen. Manche treibt die Sehnsucht hin zum Low-Carbon-Paradies, andere brauchen den Push ins kalte Wasser …. Gute Leader gehen 1. mit gutem Beispiel voran und 2. spielen sie oder lassen sie vielfältig spielen auf beiden Instrumenten: der Fordern-Trompete und der Fördern-Geige!

Zum Autor

Gastautor René Estermann ist Geschäftsführer der Stiftung myclimate, die freiwillige Kompensationsmassnahmen, CO₂-Bilanzen und Klimabildung anbietet.





Kommentare (1) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Sehr geehrter Herr Estermann,
Klimaschutz als Gebot der Stunde, wo Wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltiger gesellschaftlicher Wohlstand künftig nur inklusive Klimaschutz zu haben sind, das hat sich im Mainstream etabliert. schreiben sie. Doch Klimaschutz mag angesagt und gar der neue Hype sein, Tatsache bleibt aber, dass das eigentliche Ziel, die vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft und Gesellschaft nur über viele Jahrzehnte zu erreichen ist. Wichtig sind vor allem Investitionsentscheide in Objekte mit einer langen Lebensdauer, also in Gebäude, Infrastruktur, Verkehrsmittel. Es macht einen Unterschied ob ein Objekt (ein Gebäude zum Beispiel) 30 Jahre lang CO2 ausstösst oder eben nicht, weil es von Beginn weg CO2-arm geplant war. Nicht nur die neu gebauten Kohlekraftwerke in Südafrika, China und Indien werden noch Jahrzehnte CO2 ausstossen, auch viele neue Gebäude in der Schweiz werden dies tun. Dies liegt sicher auch daran, dass Klimaschutz eben immer noch oder sogar zunehmend der freiwilligen Initiative einiger Individuen entspringt und sich viele andere darum nicht kümmern.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

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