ETH-Klimablog - Klimaforschung - CO₂-Emissionen: klare Rahmenbedingungen schaffen

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CO₂-Emissionen: klare Rahmenbedingungen schaffen

22.11.2011 von

Wie ich in meinem Blogbeitrag von letzter Woche schrieb (>hier), sind die weltweiten CO₂-Emissionen im 2010 um mehr als 5% gestiegen. Gleichzeitig hat die CO₂-Effizienz der Wirtschaft abgenommen. Umso mehr gilt es nun, den Anstieg der Emissionen zu stoppen. Die Schweiz sollte dafür klare Rahmenbedingungen schaffen.

Die Dynamik der globalen Entwicklung und die Verlagerung der wirtschaftlichen Macht haben einen direkten Einfluss auf die Entwicklung der CO₂-Emissionen. Während sich die Märkte und damit auch die Emissionen in Europa und den USA wenig veränderten, steuerte China den grössten Teil zum Wachstum der CO₂-Emissionen im Jahre 2010 bei. Einerseits weil China auch den grössten Teil zum Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung beitrug, andererseits weil China für das Wirtschaftswachstum auch sehr hohe CO₂-Emissionen in Kauf nahm. Das ist vor allem auf den massiven Einsatz von Kohlekraftwerken zur Stromproduktion zurückzuführen. Kohlekraftwerke führen zu sehr hohenCO₂-Emissionen pro produzierte Einheit Energie, und damit auch zu einer geringen CO₂-Effizienz der Gesamtwirtschaft. Die Renaissance der Kohle als wichtigster fossiler Energieträger ist somit einer der wichtigsten Gründe für die Umkehrung des Trends einer steigenden CO₂-Effizienz der Wirtschaft. Aus klimapolitischer Perspektive ist dies ein grosser Rückschritt.

Flinte nicht ins Korn werfen

Angesichts der globalen Entwicklung der steigenden CO₂-Emissionen und sinkenden CO₂-Effizienz erscheinen die Bemühungen derjenigen Länder hoffnungslos, die sich unter dem Kyoto-Protokoll verpflichtet haben, ihre CO₂-Emissionen gegenüber 1990 zu verringern. Während die Kyoto-Länder ihre Emissionen gegenüber 1990 tatsächlich um ca. 5% verringert haben – wenn auch im Schnitt etwas weniger als versprochen – stiegen die globalen Emissionen im gleichen Zeitraum von etwa 6.2 auf nun über 9 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (C) pro Jahr. Das ist ein Anstieg um fast 50%.

Auch wenn die Situation düster aussieht, wäre es fatal, nun die Flinte ins Korn zu werfen. Das gilt auch für die Schweiz, wo die Revision des CO₂-Gesetzes zurzeit ansteht. Ziel der Klimapolitik muss es sein, den weiteren Anstieg der globalen Emissionen möglichst rasch zu stoppen, und danach eine Reduktion anzustreben. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen früher oder später alle Länder ihren Beitrag leisten. Das wissen eigentlich auch diejenigen Länder, die zurzeit den Fortschritt der Klimaverhandlungen blockieren.

Es mag idealistisch klingen, aber ich bin überzeugt, dass die internationale Klimapolitik eine Lösung aus der jetzigen Pattsituation finden wird. Wahrscheinlich nicht dieses Jahr, aber schon bald, denn die Konsequenzen eines unkontrollierten Wachstums der CO₂-Emissionen will niemand tragen. Das bedeutet, dass diejenigen, die frühzeitig und konsequent mit dem Klimaschutz beginnen, im Vorteil sein werden. Denn die Technologien und Produkte, die Verhaltensweisen und Wertvorstellungen, die wir für die benötigte massive Erhöhung der CO₂-Effizienz brauchen, werden überall auf der Welt eingesetzt werden müssen. Die Schweiz hat hier eine riesige Chance. Dafür ist es entscheidend, dass klare und für alle Sektoren verbindliche Rahmenbedingungen gesetzt werden. Denn nur so kann meiner Meinung nach, diese Chance auch genutzt werden.

Zum Autor

Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie





Kommentare (5) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

‚Silence is golden‘ – speziell unter den Klimaforscher, wenn es um Climategate 2.0 geht.

Will niemand aus der Truppe Klimaspezialisten auf diesem Blog zu den vor kurzem offengelegten professionellen Schikanen der Kollegen stellung nehmen?

Zum Beispiel:
– Dass Ihre Fachkollegen privat nicht an den eigenen Resultaten zu glauben scheinen?

– Dass andersmeinende Kollegen, auch Zeitschrifteditoren, schikaniert wurden?

– Dass anderslautende, nicht passende Ergebnisse einfach verschwiegen wurden?

‚Silence speaks loudest’…

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Herr Meier,

immerhin, ein ehrliches Wort!

Koste es fuer die anderen was es wolle..
(wo habe ich so was schon mal gehoert?
Ach ja, stand/steht an einem Krieger Denkmal in Hamburg
D.. muss leben, auch wenn wir sterben muessen)

Geniessen Sie den Base Jump Flug ohne Fallschirm.
Lange wird er nicht mehr dauern.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 5 Daumen runter 3

„die Konsequenzen eines unkontrollierten Wachstums der CO₂-Emissionen will niemand tragen“

Doch, ich für meinen Teil kann ganz gut damit leben

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

Guten Tag Herr Gruber,

vielleicht sollten man sich erstmal auf einen akzeptablen
CO2 limit einigen (ich wuerde sagen weniger als 350 ppm!)
und verstehen wie „wir“ ueberhaupt dieses
Problem erzeugt haben.

Dann, mit Hilfe von Einstein:
„Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Methoden loesen
die das Problem geschaffen haben.“

koennen wir nach einer Loesung suchen.

Alles andere kann wie schon seit mehr als 40 Jahren
zu nichts ausser einer Verstaerkung des Problems fuehren.

Deshalb geht es nicht um:

„Umso mehr gilt es nun, den Anstieg der Emissionen zu stoppen.“

Auch weniger Wachstum fuehrt in die Katastrophe,
sondern wir muessen einen Plan formulieren wie der CO2 Gehalt
der Atmosphaere nicht weiter ansteigt.

Die Verursacher Laender der letzten 100 Jahre sind dabei
natuerlich besonders gefragt.

„Die Schweiz sollte dafür klare Rahmenbedingungen schaffen.“

Hoert sich gut an, aber in der Realitaet
(warum geben wir so gerne den Chinesen die Schuld?
und kaufen fleissig deren graue Energie und CO2 Produkte ..)

http://www.bfe.admin.ch/energie/00588/00589/00644/index.html?lang=de&msg-id=39869

Bern, 28.06.2011 – Der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz ist 2010 gegenüber dem Vorjahr um 4,4% auf den neuen Rekordwert von 911`550 Terajoule gestiegen. Wichtigste Gründe dafür waren die deutlich kältere Witterung, die positive Wirtschaftsentwicklung und das anhaltende Bevölkerungswachstum.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 3

Sehr geehrter Herrr Professor Gruber,
nach Schätzungen vieler Autoren, die sich mit Dekarbonisierung beschäftigen, wird dieser Prozess viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen und erst in 100 Jahren abgeschlossen sein. So liest man bei Novatlantis (2000 Watt-Gesellschaft), Ein CO2-Ausstoss von einer Tonne pro Kopf der Bevölkerung und Jahr gilt auch für die Schweiz als langfristiges Ziel. …. kann das ambitiöse CO2-Ziel in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts oder spätestens im Laufe des nächsten Jahrhunderts erreicht werden. Auch ein Bericht des Max-Planck-Instituts hält fest: Somit folgt als Fernziel der Aufbau einer Energieversorgung, die auf fossile Energieträger verzichtet. Dieses Ziel dürfte bei uns einen Realisierungszeitraum von einem Jahrhundert haben.
Berücksichtigt man die vielen Gebäude, die saniert werden müssen und den Betriebszeitraum jetzt erstellter Kohlekraftwerke, scheinen 50 Jahre die kürzest mögliche Zeitdauer für eine völlige Dekarbonisiesrung. Doch sogar dies setzt voraus, dass jetzt erstellte Gebäude auf fossile Energien verzichten und jetzt zugebaute Energieerzeuger nicht fossil sind.

Entscheidend für die Erreichung des Dekarbonisierungsziels ist also, dass alle jetztigen und zukünftigen Investitionsentscheidungen zu nichtfossilen Lösungen führen. So gesehen wird die Welt und auch die Schweiz wohl nicht an einem Preis für CO2 vorbeikommen. Alternativ könnten fossile Lösungen verboten werden genau so wie Rauchen in öffentlichen Räumen verboten ist. Dass eine CO2-Bepreisung sich nicht durchsetzt, auch nicht im engeren Kreis der Kyoto-Vertragsstaaten ist für mich ein starker Hinweis darauf, dass es sich beim Klimadiskurs um eine Scheindiskurs handelt (es geht gar nicht ums Klima sondern um etwas anderes, aber worum nur?) oder aber, dass die Zeit noch nicht wirklich reif für radikale Einschnitte ist.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

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