ETH-Klimablog - Ernährung & Landwirtschaft - Mikro-Wetterversicherungen gegen Ernteausfälle in Entwicklungsländern (Teil 1)

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Mikro-Wetterversicherungen gegen Ernteausfälle in Entwicklungsländern (Teil 1)

01.11.2011 von

Nach Schätzungen der Weltbank leben fast 30% der Menschen in Afrika unterhalb der Armutsgrenze; sie müssen mit weniger als 1.25 Dollar pro Tag auskommen. Die meisten der Haushalte befinden sich in ländlichen Gebieten und sind Selbstversorger. Das Wohlergehen vieler Familien hängt somit von den Erträgen aus dem Eigenanbau ab. Ernteausfälle führen zu vielschichtigen Problemen. Mikro-Wetterversicherungen könnten helfen.

Wenn der Regen einmal ausbleibt und Dürren zu Ernteausfällen führen, dann fehlt es nicht nur an Lebensmitteln zur eigenen Versorgung, sondern auch an Einkommen um notwendige Investitionen zu tätigen. Schlussendlich können viele Familien dann auch die Kleinstkredite nicht zurückzahlen, die sie zu Beginn der Saison für den Kauf von Saatgut und Dünger aufnehmen mussten.

Arme Haushalte sind besonders betroffen von schlechten Ernten

Für Mikrofinanzinstitutionen, die Kleinstkredite an Landwirte vergeben, bedeutet schlechtes Wetter eine höhere Kreditausfallwahrscheinlichkeit. Wetterbedingte Ernteeinbußen sind somit nicht nur für die betroffenen Haushalte problematisch, sondern auch für deren Kreditgeber. Landwirte stellen für die Finanzinstitutionen ein höheres Risiko dar, und haben es daher schwerer an Kredite zu kommen. Ohne Kredit bleiben die Investitionen jedoch aus. Wetterbedingten Ertragsschwankungen tragen somit dazu bei, dass Kleinstlandwirte nicht ausreichend in die Landwirtschaft investieren. Dabei ist Wachstum im Agrarsektor nicht nur notwendig, um Armut zu bekämpfen, sondern auch eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum. Mit dem Klimawandel könnten sich die Probleme im Agrarsektor und in der Armutsbekämpfung verschärfen.

Die Auswirkungen des Klimawandels werden vor allem in den ärmeren Ländern dieser Welt besonders spürbar sein. Häufigeres Auftreten von Dürreperioden und extremen Niederschlägen lassen Ernteausfälle zunehmen. Wetterrisiken zu managen ist für arme Haushalte besonders wichtig, da sie die Auswirkungen einer schlechten Ernte nicht selber kompensieren können. Im Extremfall kann sich eine Dürre zu einer humanitären Katastrophe ausbreiten, wie zuletzt am Horn von Afrika.

Möglichkeiten zur Versicherung der Ernte

Traditionelle Agrarversicherungssysteme auf die Landwirte in Industrieländern zurückgreifen, um sich vor den Folgen von Missernten zu schützen, existieren in Entwicklungsländern meist nicht.

Eine klassische Ernteversicherung erfordert eine Begutachtung des Schadens, bevor der Versicherte für seine Verluste entschädigt wird. Im Nachhinein ist es oft schwierig die Ursache eines Ertragsverlustes zu ermitteln. Folglich werden nicht nur wetterbedingte Verluste ausgeglichen. Versicherungspolicen werden dadurch unnötig teuer, und viele Regierungen in Industrieländern subventionieren die Agrarversicherung, um sicher zu stellen, dass die Prämien erschwinglich bleiben.

In Entwicklungsländern hingegen fehlen die Mittel, um Versicherungsprämien zu subventionieren. Auf dem Afrikanischen Kontinent haben sich daher so gut wie keine Agrarversicherungssysteme gebildet. Somit stehen den Landwirten in Entwicklungsländern derzeit keine Mittel zur Verfügung, um sich vor den finanziellen Folgen des Klimawandels zu schützen.

Mit Mikro-Wetterversicherung Klimawandelfolgen managen

Mit Mikro-Wetterversicherungen könnten sich künftig Millionen von Menschen in Entwicklungsländern gegen Missernten absichern. Bei den sogenannten index-basierten Wetterversicherungen ist die Auszahlung an ein bestimmtes Ereignis gekoppelt. Die Versicherungen zahlen aus, sobald das Wetter den Grenzwert eines Wetterindex über- oder unterschritten hat. Der große Vorteil besteht darin, dass der Versicherte seine Verluste nicht nachweisen muss. Das senkt nicht nur die Verwaltungskosten, sondern reduziert gleichzeitig das Risiko, dass nicht-wetterbedingte Schäden ausgeglichen werden.

Würde die Vergabe von Kleinstkrediten an den Abschluss einer solchen Mikro-Wetterversicherung gekoppelt, hätte dies positive Auswirkungen auf die Kreditvergabe: Bleibt der Regen aus oder zerstört Hitze die Ernte, zahlt die Wetterversicherung. Landwirte könnten mit diesem Geld ihre Mikrokredite bedienen, wodurch die wetterbedingten Kreditausfälle reduziert werden, was die Kreditvergabe erleichtert.

Index-basierte Wetterversicherungen, zu denen auch die oben genannten Mikro-Wetterversicherungen gehören, stellen eine innovative Alternative dar zu den klassischen, schadensbasierten Wetterversicherungen. In Pilotprojekten wird das neue Risikomanagementinstrument derzeit in einigen Afrikanischen Ländern getestet. In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich von den Herausforderungen berichten, die es zu bewältigen gilt, bevor Millionen von Landwirten von den Vorteilen einer Mikro-Wetterversicherungen profitieren können.

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Bauern bearbeiten ein Baumwollfeld in der Nähe des Dorfes Kouniguekaha, Elfenbeinküste.

Zur Autorin

Ines Kapphan schreibt ihre Doktorarbeit am Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich. Zurzeit ist sie Gast-Doktorandin an der Universität Stanford. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (10) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Liebe Frau Kapphan,

vielleicht interessieren Sie sich im Zusammenhang mit Ihrer Promotion für meine Arbeit?

Schauen Sie einfach mal, was wir tun bzw. vorhaben unter

http://die-wetterversicherung.de/2013/04/25/die-wetterversicherung-ist-ein-schritt-in-die-richtige-richtung/

Ich bin immer interessiert an einem wissenschaftlichen Dialog zum Thema, denn auch ich musste hier viel „Forschung & Entwicklung“, wenn auch aus Unternehmensperspektive, leisten, um dahin zu kommen, wo wir stehen… Oberste Maxime meines Handelns war: Eine Wetterversicherung muss auch ohne staatliche Subvention bezahlbar sein, sonst verfehlt sie ihre Wirkung als Mittel des Risikotransfers in der betriebswirtschaftlichen Realität des Landwirts. Mein Ansatz ist beliebig skalierbar – er taugt genauso für kleine wie große Landwirte…

Über einen Dialog würde ich mich freuen! Vielleicht können wir so unser Netzwerk erweitern…

Freundliche Grüße,

Sebastian Mahler

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guten tag frau kapplan

gute idee. mit meinem kommentar bekämpfe ich hier diene idee nicht. ist nur als eine ergänzung gedacht.

das modell könnte eine bedeutende wert der produktionssicherung für selbsversorgung saison/wetter bedingte abhängige regionen in afrika südlich sahara werden.

aber die auswirkungen der klimänderung lassen sich nicht nur mit dem wetter in dieser regionen bemerken. es gibt da noch unter anderen schädlingen, krieg und neu profitgierige multinationale durch den massenkauf von zehntausende km2 fruchtbares land mit noch effective niederschläge. also welche schade kann man hier als priorität nennen und versichern.

meine meinung, es braucht eine agrarpolitische umdenken. die einführung eine globale verbindliche rahmenbedingung zum schutz von den recht diese menschen auf zugang zur sichere selbstversorgung wird die idee eine klimwandelversicherung gut ergänzen. die menschen verhungern in afrika südlich sahara 90 pro cent mehr von globale marode governance der etablierte regierungen, die nur ihren privaten interesse vertretten.

schöne tag
gruss

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Zitat Palmer:
Aber von Geld kann man sich nicht ernähren, auch nicht von Versicherungsausschüttungen.

Falsch. Sogar grundfalsch. In der heutigen Welt kann man sicher sehr gut mit Geld allein ernähren. Der globale Mangel an Nahrungsmitteln ist (noch) AUSCHLIESSLICH ein Verteilungsproblem. Daher helfen Versicherungslösungen sehr wohl.

Man muss nur genug Geld haben um den Europären/US Amerikanern/Chinesen ein bisschen Schweinefutter bzw. Ethanol-Rohstoff wegzukaufen.

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Herr Palmer,

woran denken Sie wenn sie „von gewissen Regionen“
dieses Planeten schreiben.

An Europa (inklusive Schweiz) zum Beispiel?
(wir importieren doch inzwischen 50% und mehr der Nahrungsmittel
und machen den Bauern gleichzeitig das Leben schwer..
Wie viele haben gerade wieder aufgegeben?
Zum Beispiel hier.
http://www.urnerwochenblatt.ch/aktuelle_ausgabe/nachrichten_details.asp?id=8359

und

„Das Nomadentum war eine der Alternativen in der Vergangenheit: wenn die Weidegründe abgegrast waren, suchte man sich neue.“

Waere sicher interessant das mal genauer zu untersuchen.
(z.B. Warum wollen reichere Menschen in immer ferneren
Paradiesen Urlaub machen?)

„ Auch die Völkerwanderungen in klimatisch mildere Gefilde sind aus der Antike bekannt. Als die nördlicheren Breitengrade vom dicken Eispanzer befreit waren, wurden sie intensive besiedelt.“

Aber, vielleicht sind wir uns einig..

Diese Optionen bestehen heute nicht mehr!
Die „Erde ist praktisch vollkommen besiedelt“ und
jetzt geht es ums „Verdraengen“ (Kriege gegen Menschen
und die Natur?)

„Oder in dem sich die Wachstumsrate der Bevölkerung reduziert.“

Davon sind wir aber bei 1.1% Wachstum noch weit entfernt.
Sie meinten wohl eher die Wachstumsrate ins negative bringen
oder? Also eine Abnahme oder?

„Das kann auch zu einem ethischen Problem werden, aber rein mathematisch, physikalisch und biologisch gesehen, bestimmen die natürlichen Ressourcen (Raum, Versorgung) eine Obergrenze.“

Genau, kennen Sie die Begriffe Carrying Capacity und
Ghost Carrying capacity?

Was passiert (nicht nur mit Importen und der Landwirtschaft)
wenn wir auf einmal mit viel viel weniger
Oel leben muessten.

Wissen wir ja alle.. „das ist noch so weit weg..“
aber nur mal rein theoretisch..

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Herr Dittmar,

Richtig, auch die Bevölkerungsexplosion ist zu berücksichtigen. Es ist eine Tatsache, dass in gewissen Regionen dieses Planeten die Bevölkerungsdichte so gross ist, dass die lokalen Ressourcen nicht ausreichen, um alle zu ernähren. Es sei denn man kann Ressourcen über die natürlich verfügbaren hinaus mobilisieren. Zum Beispiel indem man die Nahrungsmittelproduktion intensiviert (Anbaufläche, Ertrag, Produktivität), Nahrungsmittel importiert oder Bewohner in andere Regionen exportiert.

Das Nomadentum war eine der Alternativen in der Vergangenheit: wenn die Weidegründe abgegrast waren, suchte man sich neue. Auch die Völkerwanderungen in klimatisch mildere Gefilde sind aus der Antike bekannt. Als die nördlicheren Breitengrade vom dicken Eispanzer befreit waren, wurden sie intensive besiedelt.

Oder in dem sich die Wachstumsrate der Bevölkerung reduziert. Das kann auch zu einem ethischen Problem werden, aber rein mathematisch, physikalisch und biologisch gesehen, bestimmen die natürlichen Ressourcen (Raum, Versorgung) eine Obergrenze.

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Hr. Palmer

Es ist doch ganz einfach: Die Klimaforscher sagen häufigere Extremwetter voraus, das führt zum ganz logischen Schluss, dass alle momentanen Extremwetter dem Klimawandel zuzuschreiben sind, was wiederum (logisch) den Schluss zulässt, dass das CO2 schuld ist.

Forschung anno domini 2011

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Hallo Herr Palmer,

wie waere es wenn man die Demographie
(oder politisch unkorrekt „Population Explosion“)
in ihrer Rechnung beruecksichtigt?

„Ein Schiff mit einem Leck ist viel anfaelliger fuer Stuerme
als ein Schiff ohne Leck ..“

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Wer die Hungersnot einzig dem Klima zuschreibt, macht sich die Aufgabe zu leicht und führt in die Irre.

“ …allerdings ist ein viel größeres Problem, dass Somalia aufgrund der politischen Situation kein funktionierender Staat ist. Kurz gesagt: Es gibt niemanden, der dort steuernd eingreifen könnte. […] In Kenia sind die Auswirkungen nicht so dramatisch, obwohl Teile des Landes ebenfalls stark betroffen sind. Die Versorgung funktioniert dort schlicht besser, weil die politische Situation stabiler ist“
Zitate aus http://derstandard.at/1310511636809/Hungersnot-Duerre-in-Ostafrika-kein-Effekt-des-Klimawandels

Dass extreme Dürren in Afrika auch in der vorindustriellen Zeit vorkamen, scheinen Sedimentuntersuchungen zu bestätigen:
„A new study of lake sediments in Ghana suggests that severe droughts lasting several decades, even centuries, were the norm in West Africa over the past 3,000 years.“
http://www.sciencedaily.com/releases/2009/04/090416144520.htm

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Ich bin immer wieder erstaunt, wie in diesem Blog einzelne Extremsituationen beharrlich dem Klimawandel zugeschrieben werden, als ob es dafür reale Beweise gäbe. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Forschungsgelder besonders leicht fliessen, wenn man irgendwo einen Zusammenhang zum Klimawandel herstellt.

Wenn denn eine (globale, nicht regionale) Temperaturzunahme um weniger als 1 Grad über Jahrzehnte eine solche Auswirkung hätte, müssten in diese Regionen vor einigen hundert Jahren, als die „globale“ Temperatur um einiges niedriger war, jahrein-jahraus regelmässig verteilte Niederschläge in ausreichender Menge gefallen sein. Die Naturgeschichte (Observation, nicht Modellrechnungen) belehrt uns eines Anderen.

„Es hat in dieser Gegend auch in der Vergangenheit immer wieder Dürrekatastrophen gegeben. Was man sagen kann: 2010 hat global ein starkes La-Nina-Phänomen geherrscht und das hatte auch Auswirkung auf Ostafrika. Aber dieser Zusammenhang wurde bereits vor 20 Jahren wissenschaftlich herausgefunden und ist nicht erst seit heuer bekannt.“

Der Nahrungsmittelmangel in diesen Regionen ist ein wesentlich komplexeres Problem, das man nicht einfach mit Versicherungen lösen kann. Um Versicherungsprämien zu bezahlen, muss erst einmal Geld vorhanden sein. Aber von Geld kann man sich nicht ernähren, auch nicht von Versicherungsausschüttungen. Es gibt allerdings Hilfsorganisationen, die gemeinsam über ausreichend Geld verfüge, um z.B. Saatgut gratis zu verteilen. Was macht die FAO mit ihrem (unserem) Geld?

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Sehr geehrter Frau Kapphan,
der Sinn einer Mikrowetterversicherung wie sie sie hier beschrieben haben leuchtet mir unmittelbar ein, obwohl ich sonst keine grosse Meinung von Versicherungen habe. Schliesslich zahlt der Versicherungsnehmer im Endeffekt immer mehr als wenn er das Risiko selberträgt. Das gilt allerdings nur für tragbare, kleinere und mittlere Risiken. Für einen armen Landwirt kann allerdings schon ein einziger Ernteausfall nicht mehr tragbar sein und ihn in eine wirklich missliche Lage bringen. Eine Versicherung wie hier beschrieben, die praktisch ohne administrativen Aufwand auskommt und damit die eingezahlten Gelder fast ohne Verlust auch wieder ausschüttet, bringt also eine fast kostenlose Verstetigung des Lebens dieser armen Landwirte und macht sie weniger von den Launen der Natur abhängig.

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