ETH-Klimablog - Energie - Wenn sich die Politik mit der Energiewende anfreundet

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Wenn sich die Politik mit der Energiewende anfreundet

11.10.2011 von

Es war ein langer, anstrengender Prozess, bis der Ausstieg aus der Atomenergie mit klarer Mehrheit auch im Ständerat möglich wurde.Warum fiel es so vielen schwer, sich von dieser risikoreichen Technologie zu verabschieden? Und ging es bei diesem Richtungsentscheid wirklich «nur» um die Atomtechnologie? 

Abschied von Dogmen des letzten Jahrhunderts

Das letzte Jahrhundert hat unser Land wohlhabend werden lassen. «Grösser, schneller, reicher» war an vielen Orten die erfolgreiche Devise. Nur wenige realisierten, dass dieser materielle Wohlstand oft auf Kosten der Umwelt, der sozial Schwächsten und der nächsten Generationen ging.

Schatten lassen sich eine gewisse Zeit verdrängen, doch über kurz oder lang treten sie zu Tage. Der GAU im japanischen AKW, die Tonnen von hochradioaktiven Abfällen in unserem Land, aber auch die Steuerstreite mit Deutschland, den USA und anderen Ländern bezüglich Steuerfluchtgeldern führen uns drastisch vor Augen, wie ein Land von seinen «Schatten» eingeholt werden kann.

Das Ringen im Ständerat

Für mich ist seit über 40 Jahren klar, dass die Produktion von Atomstrom unverantwortbare Risiken mit sich bringt. Verständlich also, dass ich mich über die Ausstiegsentscheide von Bundesrat und Nationalrat freute und mich diesem Weg anschliessen wollte.

Schwieriger war der Weg für all jene, deren Weltbilder auf billiger Energie, auf billigen Ressourcen im Überfluss und auf dem Wunsch nach Grenzenlosigkeit basierten. Wer sich in der Frühlingssession noch voller Überzeugung eingesetzt hatte für neue AKW, für den war die bundesrätliche Energiewende eine harte Knacknuss. Zumal sich in diesem Thema die Wirtschaft aufspaltete. Da war einerseits die Economiesuisse, die sich nicht von ihren alten Dogmen lösen konnte. Und andererseits eine fast täglich wachsende Gruppe von KMU und Unternehmen, die ihre Chance in Innovation, Energieeffizienz und erneuerbarer Energien sehen.

Alte Welt muss sich mit neuer Welt verbinden

Im Ständerat war bis wenige Stunden vor der entscheidenden Debatte nicht klar, wo sich die Mehrheit einfinden würde. Dank vielen Gesprächen, Disputen und Fakten gelang es, eine neue Mehrheit zu finden für einen bedingungslosen Ausstieg ohne schwammige Begriffe wie «heutige oder nächste Generation».

Der Bundesrat muss nun dem Parlament eine Energiestrategie unterbreiten, die ohne Atomstrom auskommt und von uns allen noch einiges an Umdenken und Verhaltensänderung verlangen wird. Nur aus der Atomenergie auszusteigen, greift zu kurz. Wir sind aufgefordert, definitiv aus dem Zeitalter des Verschwendens auszusteigen und uns wieder mit Masshalten und Rücksichtnahme vertrauter zu machen. Und das wird für alle eine grosse Herausforderung werden.

Zur Autorin

Gastautorin Verena Diener ist Ständerätin des Kantons Zürich.

 .

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Kommentare (4) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Guten Tag Frau Diener,

Ich bin entsetzt! Wie ist so eine Kampagne heute noch moeglich.

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/SVP-mobilisiert-Autofahrer-gegen-Diener/story/18716392

Ich hoffe die blog Verantwortlichen, Kommentatoren und Leser
distanzieren sich von dieser Hetze.

meine Unterstuetzung haben sie (egal ob ich mit Ihnen einer
Meinung bin oder nicht!)

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Verena Diener spielt ihren persönlichen Einsatz in den Hintergrund.
Es ist klar, dass ihr ganzes politisches Können und ihr Engagement zum Resultat im Ständerat wesentlich beigetragen hat. Aber wie sie schon sagt: Die Arbeit beginnt erst. Aussteigen aus dem Zeitalter des Verschwendens ist nicht einfach. Aber vielleicht lernen wir wieder, dass ein Kerzli in der Winternacht noch viel schöner ist als eine Sparlampe.
Benny Riz

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

sehr geehrte Frau Ständerätin Diener

grün sind heute ja eigentlich alle und auch die bürgerlichen Parteien stimmen damit überein, dass gewisse Effizienzsteigerungen oder Sparmassnahmen angebracht sind. Allerdings bedeutet das nicht zwangsweise, dass man alle Massnahmen unterstützt, die das also offiziellen Ziel erklären. Man darf sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Wünschbaren auch physikalische und ökonomische Grenzen gesetzt sind.

Was den Liberalen an Ihrer Haltung stört, ist, dass sie meinen bereits zu wissen, welche Technologien die besten sind und diese mit Steuergeldern und planwirtschaftlichen Massnahmen unterstützen wollen, während sie die aus Ihrer Sicht falschen Technologien absolut verbieten möchten.

Der Liberale würde eher meinen, dass der Markt selbst entscheiden sollte, welches die beste Technologie ist. Ich denke, dass gerade die Kernenergie da sehr viel Potential hätte, weshalb ich es für grundfalsch halte, diese Technologie zu verbieten und voll und ganz auf die Energiesparlame und den Verbot des Standbymodus zu vertrauen.

Im Übrigen sehe ich den radioktiven Müll nicht als grosses Problem an und sehe auch nicht, inwiefern der Steuerstreit ein Schatten unseres Landes ist. Das Bankkundengeheimnis war gut und richtig, aber das hat mit dem Thema nicht mehr viel zu tun, sondern dürfte Wahlkampf sein.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 7 Daumen runter 4

Sehr geehrter Frau Diener,

Den Atomausstieg werden die meisten Schweizer nicht als Ausstieg aus dem Zeitalter des Verschwendens sehen, sondern nur als Verzicht auf eine Technologie, die nun vielen als riskant erscheint.

Zwar stimmt es, dass man (theoretisch) auch gut ohne Verschwenden leben kann, doch die Verschwendung ist ja nur ein Symptom einer wohlhabenden und immer wohlhabender werdenden Gesellschaft. Und dieses stete Wachstum scheint es aus vielen Gründen zu brauchen: Um die AHV für die immer älter werdende Bevölkerung sicherzustellen, um die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu finanzieren und vieles mehr. Tatsächlich kann unsere ganze westliche, kapitalistische Gesellschaft ohne Wachstum gar nicht funktionieren, was man ja auch an den sofort steigenden Arbeitslosenzahlen sieht, wenn Wachstum vorübergehend ausbleibt.

Im übrigen gilt die Binsenwahrheit, dass mit dem Atomausstieg vielleicht eine potenzielle Gefahr gebannt aber noch kein einziges konkretes Problem gelöst ist. Nur schon die Finanzierung der Energiewende wirft Fragen auf. Am wenigsten Konsequenzen hätte sie, wenn tatsächlich das was mehr für Energie ausgegeben wird, an einem anderen Ort eingespart würde, beispielsweise beim Militär oder eben im Gesundheitswesen. Dort müsste 2 Milliarden Franken pro Jahr abgezwackt werden. Doch zu solchen Kompensationsgeschäften ist wohl niemand bereit.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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