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Bedrohte tropische Moore

06.10.2011 von

Moore sind riesige Kohlenstoffspeicher. Indonesiens Moore beispielsweise speichern rund 2’700 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. Der Erhalt der Moore ist wichtig: Denn wenn ein Moor entwässert wird, oxidiert der Torf und es entstehen hohe CO₂-Emissionen.

In Indonesien befinden sich besonders viele Moore. Diese sind jedoch stark bedroht durch Entwässerung, da Palmölplantagen zunehmend auf den Torfböden entstehen. Würden alle Moore Indonesiens entwässert, würden rund 2’700 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar freigesetzt. Pro Hektar entspricht das in etwa den Emissionen, die ein einzelner Passagier mit 340 Flügen um die Welt verursacht. Lösungen sind deshalb gesucht.

Klimaschutzprojekte als Lösung?

Ein vielversprechender Lösungsansatz sind Schutz- und Restaurationsprojekte durch Wiedervernässung von Mooren. Solche Projekte können über den globalen CO₂-Handel finanziert werden. An unserer Professur Umweltpolitik und Umweltökonomie haben wir diesen Lösungsansatz aus naturwissenschaftlicher und ökonomischer Sicht analysiert. Nach unseren Berechnungen können durch Schutz- und Restaurationsprojekte im Schnitt 30 Jahre lang jährlich etwa 30 bis 60 Tonnen CO₂ pro Hektar Moor gebunden werden. Eine gewaltige Zahl im Vergleich zu typischen Waldschutzprojekten. Diese binden jährlich etwa 5 Tonnen CO₂ pro Hektar Wald.

Doch sind Klimaschutzprojekte in Moorgebieten ökonomisch attraktiv für private Investoren? Um diese Frage zu beantworten, muss einerseits den Preisunsicherheiten der Kohlenstoffmärkte Rechnung getragen werden. Andererseits muss berücksichtig werden, dass Entscheidungsträger bestimmte Ausstiegsoptionen aus Projekten haben, sollten sich ihre Preiserwartungen nicht erfüllen. Solche preisliche Unsicherheiten sind hauptsächlich in den politischen Rahmenbedingungen begründet: Sollte die globale Staatengemeinschaft sich entscheiden, ihre Emissionsziele teilweise mit Zertifikaten aus Waldschutzprojekten zu erreichen, würde dies wohl auch Moorschutzprojekte beinhalten. Dadurch würden Zertifikate aus dem Moorschutz einen höheren Preis erhalten im Vergleich zu heute.

Moorschutzprojekte attraktiver als Wiedervernässungsprojekte

Wir haben Moorschutz- und Wiedervernässungsprojekte mit einer Realoptionsanalyse untersucht – gestützt auf Kostendaten von Pilotprojekten. Die Resultate bargen eine kleine Überraschung: Unsere Berechnungen ergaben, dass Wiedervernässungsprojekte sich kaum lohnen, falls der Preis für CO₂-Zertifikate nicht steigt. Moorschutzprojekte hingegen sind attraktiv: Sie zeigen Net Present Values (NPVs) von etwa US$ 1’000 – 3’000 pro Hektar. Allerdings zeigt ein Blick in die Literatur, dass Palmölplantagen einen NPV von etwa US$ 4’000 bis 10’000 haben. Somit sind Palmölplantagen dennoch wirtschaftlicher als Moorschutzprojekte – zumindest solange sie direkt mit Palmölplantagen konkurrieren müssen.

Staatliche Restriktionen helfen dem Klimaschutz

Bei unserer Analyse stützten wir uns auf indonesischen Rahmenbedingungen. Speziell ist dort, dass die Regierung für Schutz- und Restaurationsprojekte einen besonderen Konzessionstyp ausstellt. Dieser erlaubt keine andere Nutzung. In anderen Ländern müssten solche Projekte die Kosten aus entgangenen Gewinnen decken (Opportunitätskosten).

Unsere Studie lässt die zwei folgenden Schlussfolgerungen zu:

  • Auch die Implementierungskosten, – im Falle von Moorschutz zum Beispiel die Kosten von Dämmen – haben einen hohen Einfluss auf die Attraktivität von Moorprojekten. Viele Studien analysieren aber nur die Opportunitäts- und Transaktionskosten. Transaktionskosten von Klimaschutzprojekten beinhalten z.B. Kosten für Projektdokumentierung und unabhängige Zertifizierung.
  • Schutz- und Restaurationsprojekte in Mooren sind trotz ihres hohen Speichervermögens an CO₂ wenig attraktiv gegenüber Palmölplantagen.

Indonesiens Ansatz der Ausstellung von speziellen Konzessionen für Schutz- und Restaurationsprojekte ist wirkungsvoll, da sie die Projekte von den hohen Opportunitätskosten befreien. Insofern zeigt unsere Studie, dass rein privatwirtschaftliche Lösungen wie Zertifikate nicht unbedingt zum gewünschten Ziel führen. Es ist deshalb wichtig, dass die Politik wo nötig mit Restriktionen wie beispielsweise speziellen Konzessionen die Marktwirtschaft begrenzt.

Literaturempfehlung

Murdiyarso, D., K. Hergoualc`h and L. V. Verchot (2010). „Oportunities for reducing greenhouse gas emissions in tropical peatlands.“ PNAS 107(46): 19655-19660.

Zu den Autoren

Stefanie Engel ist Professorin für Umweltpolitik und Umweltökonomie an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

Diesen Blogbeitrag hat Prof. Stefanie Engel gemeinsam geschrieben mit Tilmann Silber, basierend auf dessen Masterarbeit am Institut für Umweltentscheidungen und weiterführenden Analysen. Tilmann Silber ist derzeit bei South Pole Carbon Asset Management Ltd. tätig, einem führenden Entwickler von Klimaschutzprojekten für den globalen Markt.

 






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