ETH-Klimablog - Politik - Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 5)

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Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 5)

23.08.2011 von

Es ist nicht nur sinnvoll, sondern in vielen Fällen auch deutlich kostengünstiger, schon heute in Massnahmen zur Minderung des Klimarisikos zu investieren. Die möchte ich an einem realen Beispiel aus dem Bundessaat Maharashtra in Indien zeigen. 

Der durchschnittliche dürrebedingte Ernteausfall im Bundesstaat Maharashtra in Indien beläuft sich heute auf jährlich 238 Millionen USD (siehe Blogbeitrag Teil 3 >hier, direkt zur Studie >pdf). Aufgrund der bis zum Jahr 2030 prognostizierten wirtschaftlichen Entwicklung könnte der Ernteausfall nochmals um jährlich 132 Mio UDS zunehmen, aufgrund der Klimaveränderung jährlich um weitere 200 Mio. USD. Bis  im Jahre 2030  muss also mit jährlich 570 Mio. USD Ernteverlust gerechnet werden («totales Klimarisiko»), mehr als doppelt so viel wie heute.

Soweit die schlechte Nachricht, die ich auch bereits im Teil 4 meiner Blogserie erläuterte (Blogbeitrag Teil 4 >hier). Doch gibt es auch eine gute Nachricht.

Etwa die Hälfte der Dürreschäden lässt sich – theoretisch – vermeiden

Die Swiss Re hat untersucht, welche Möglichkeiten bestehen, um den Ertragsausfall zu reduzieren und so eine wirtschaftliche Stabilität für die Bevölkerung zu erreichen. Dazu wurden Interviews mit Betroffenen und Experten vor Ort geführt. In Zusammenarbeit mit einer lokalen Forschungsanstalt wurden Ertragsmodelle beigezogen, um den schadensmindernden Effekt abzuschätzen. Damit konnte für eine ganze Reihe von Massnahmen das Kosten/Nutzen-Verhältnis quantifiziert werden. Es zeigte sich, dass ein beträchtlicher Teil des Ertragsausfalles (Schaden) durch kostengünstige Massnahmen vermieden werden könnte (siehe Abbildung 1 unten).

Die Massnahmen zur Ertragsstabilisierung umfassen die Tröpfchenbewässerung (siehe Blogbeitrag Teil 4 >hier) sowie gut bekannte Techniken wie Beregnung, Entwässerung, Wassermanagement-Massnahmen im Einzugsgebiet und Bodenverbesserung. Weitere Massnahmen sind der Einsatz resistenter(er) Sorten und Schädlingsbekämpfung. Manche der Massnahmen werden durchaus kontrovers diskutiert, so etwa der Einsatz von Gentechnologie (in der Abbildung: resistente Sorten B).

Die Anpassungskostenkurve liefert deshalb kein Rezept und fordert in keiner Weise die Umsetzung aller untersuchten Massnahmen. Sie stellt lediglich eine Diskussionsbasis dar – und zeigt das Anpassungspotential auf. Demnach könnte der Bundesstaat Maharashtra etwa die Hälfte seiner bis 2030 erwarteten Dürreschäden kosteneffizient vermeiden.

Investitionen in kostengünstige Massnahmen lohnen sich doppelt

Die Mehrheit der erwähnten Massnahmen erhöht die Widerstandsfähigkeit der lokalen Landwirtschaft. Diese Massnahmen sind besonders in Bezug auf häufig wiederkehrende Ereignisse erfolgreich – also beispielsweise lokale Dürren. Zur Absicherung gegen grossflächige und andauernde Dürreereignisse mit hohem Schadenausmass und geringer Häufigkeit hingegen bietet sich eine Versicherung an. Deren Prämie wäre aber sehr hoch, wenn zuvor keine der Präventionsmassnahmen umgesetzt würde. In diesem Sinne lohnen sich die kostengünstigen Massnahmen doppelt: Sie senken das Risiko und machen das Versichern erschwinglicher.

Mit einer Kombination von Versicherung und Risikoprävention lassen sich bis zu 80% der potenziellen Schäden abdecken. Es verbleibt jedoch noch ein Restrisiko von etwa 20%, das sich mit den bekannten Massnahmen nicht bewältigen lässt. Ob sich diese Erkenntnisse verallgemeinern lassen, werde ich in meinem nächsten Beitrag diskutieren.

Abbildung 1: Anpassungskostenkurve für dürrebedingte Klimarisiken im Bundesstaat Maharashtra in Indien

 

Jedes Rechteck stellt eine Anpassungsmassnahme dar. Horizontal ist der abdiskontierte Nutzen im Sinne eines vermiedenen Schadens abgetragen – und zwar kumulativ für die beschriebenen Massnahmen. Vertikal ist das abdiskontierte Kosten/Nutzen-Verhältnis der einzelnen Massnahmen, bezogen auf 2008, dargestellt. Die einzelnen Massnahmen (Rechtecke) sind von links nach rechts anhand des aufsteigenden Kosten/Nutzen-Verhältnisses dargestellt. Eine erste Gruppe von Massnahmen am linken Rand zeigt ein negatives Kosten/Nutzen-Verhältnis. Dies deshalb, weil die Ertragsgewinne in die Kosten einrechnet wurden, womit sich zum Bsp. die qualitative Verbesserung der des Bodenqualität schon rein aufgrund der Ertragssteigerung mehr als amortisiert.

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Zum Autor

Gastautor David Bresch ist Head of Sustainability & Political Risk Management bei der Swiss Re.

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Leseempfehlung

Lesen Sie die Teile 1-4 der Serie «Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie» von David Bresch und Prof. Reto Knutti

  • Teil 1: Prof. Reto Knutti: Hochentwickelte Klimamodelle bilden Grundlage für Anpassungsstrategien >hier
  • Teil 2: David Bresch: Kosten aufgrund von Naturgefahrenschäden haben sich vervierfacht >hier
  • Teil 3: David Bresch: Robuste Anpassungsstrategien berücksichtigen «totales Klimarisiko» >hier
  • Teil 4: David Bresch: Fallbeispiel zu Ernteausfällen in Maharashtra in Indien >hier




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