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Was der Klimawandel mit Bärenpelzen und Omeletten gemeinsam hat

16.08.2011 von

Kennen Sie das Sprichwort «Man kann den Pelz des Bären nicht waschen, ohne ihn nass zu machen»? Unsere französischsprachigen Compatriotes meinen das gleiche mit «On ne peut pas faire une omelette sans casser des œufs». Beide Sprichwörter drücken aus, dass gewisse Eingriffe notwendig sind, wenn wir Veränderungen erreichen möchten. Wieso ich auf dieses Thema komme?

Kürzlich las ich Folgendes in der Skizze des Aktionsplans «Energiestrategie 2050» des Bundesamts für Energie: «Verursachergerechten, haushaltsneutralen und marktwirtschaftlichen Lenkungsinstrumenten wie steuerlichen Anreizen kommen in der Zukunft grosse und wachsende Bedeutungen zu. Diese Instrumente haben jedoch eine hohe Eingriffstiefe und sind daher mit der gebotenen Zurückhaltung zu behandeln.» Da musste ich an Bärenpelze und Omeletten denken!

Wir wollen unsere gesellschaftlichen Strukturen so verändern, dass wir durch unsere Existenz nicht die eigenen Lebensgrundlagen zerstören. Wir möchten eine nachhaltige Gesellschaft werden. Gleichzeitig möchten wir eine hohe Lebensqualität erhalten, was wohl auch möglich ist. Aber um beides zu erreichen, müssen wir einige Spielregeln ändern. Instrumente, die zu wenig tief eingreifen, werden zum erforderlichen Strukturwandel auch nicht genügend beitragen. Solche Instrumente mit geringer Eingriffstiefe sind ineffizient: Nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich, weil sie die herkömmlichen Prozesse nur an der Oberfläche berühren. Wollen wir einen Strukturwandel erreichen, so werden an Altbewährtes neue Anforderungen gestellt. Das ist in der Regel teuer. Instrumente, die bewirken, dass die Prozesse von Anfang an richtig gestaltet werden – also solche mit hoher Eingriffstiefe! – haben einleuchtenderweise weniger negative Nebenwirkungen und Reibungsverluste.

Lenkungsinstrumente sind nötig, um den Klimawandel zu bremsen

«Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.» sagt Tancredi im Roman «Il Gattopardo» von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, als sich das Zeitalter der Aristokraten dem Ende zuneigt. Die Aristokraten können an den alten Strukturen kleben und lamentieren, dass sie ihre Macht verlieren. Oder sie passen sich geschickt an die neuen Verhältnisse an, helfen mit, das aufkommende Bürgertum zu gestalten. Die Romanfigur Tancredi heiratet deshalb die Bürgertochter Angelica.

Die Geschichte lässt sich auf heute übertragen: Wer heute an den Energieträgern und Produktionsmethoden von Gestern hängt und darum Massnahmen mit grosser Eingriffstiefe verhindert, kann vielleicht ein Weilchen länger seine Privilegien geniessen. Das Ende ist jedoch absehbar. Bedauerlich ist, dass durch die Verzögerung der Schaden für die Nachkommen grösser wird.

Mein Fazit: Wenn wir Pfannkuchen essen wollen, müssen wir die Eier aufschlagen. Wenn wir uns wärmen wollen, müssen wir das stinkende Bärenfell mit Wasser und Seife waschen. Wenn wir den Klimawandel in den Griff bekommen wollen, sollten wir lieber bald «tief eingreifen», mit verursachergerechten, haushaltsneutralen und marktwirtschaftlichen Lenkungsinstrumenten wie zum Beispiel steuerlichen Anreizen.

Zur Autorin

Gastautorin Gabi Hildesheimer ist Geschäftsführerin von Öbu, dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.

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Kommentare (9) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Weit besser als hohe Energiesteuern, die Wirtschaft und Bürger belasten ist eine vernünftige Energiepolitik, die den Bau neuer Kernkraftwerke beinhaltet.
Die Kernenergie ist kein „notwendiges Uebel“, sondern eine wichtige Zukunftsenergie.

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Hoi zusammen,

zu

„Eine wirksame Massnahme ist auch, wenn möglichst viele Leute auf Demos und Kundgebungen gehen.”
und CO2 Ausstoss dabei (Ben Palmer)

Was machen Sie in der gleichen Zeit wenn sie nicht nach Chur
fahren? Nehmen wir an sie fahren zum Wandern in die Berge
oder gehen nach Genf in den Autosalon?
produziert alles Co2 .. also bitte nicht unter der Guertellinie
argumentieren!

Als Alternative:
„sie arbeiten in ihrem eigenen Garten oder helfen
jemand anderem im Garten?“
und reduzieren damit die Nahrungsmittel Importe (und die graue
Energie) in die Schweiz?

bezueglich neuen Kohle/Gas etc Kraftwerken..

Warum brauchen wir eigentlich so viel elektrische Energie?

Aendern wir „einfach“ unsere Drug(Oel/Energie) Abhaengigkeit
und lernen wieder zufrieden und auch nicht schlecht lokal zu leben.

Nach dem Motto

„Verlassen wir das Oel bevor es uns verlaesst“

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@Ben Palmer, Christina Marchand

“Eine wirksame Massnahme ist auch, wenn möglichst viele Leute auf Demos und Kundgebungen gehen.”

Anstatt Demos gegen alles Mögliche und Unmögliche sollte man sich im Zusammenhang mit dem Kimaschutz und der Defossilierung gegen Schritte in die falsche Richtung wenden. Weiter Kohlekraftwerke zu bauen, ist eindeutig ein Schritt in die falsche Richtung, denn 1/3 des gesamten weltweiten CO2-Ausstosses kommt aus Kohlekraftwerken und Kohlekraftwerke laufen zudem 50 Jahre lang. So gesehen ist auch der voraussehbare Bau von Gaskraftwerken in der Schweiz problematisch und sollte eigentlich nur „erlaubt“ werden, wenn das erzeugte CO2 sequestriert anstatt ausgestossen wird.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

„Eine wirksame Massnahme ist auch, wenn möglichst viele Leute auf Demos und Kundgebungen gehen.“ Eine tolle Idee. Reisen wir alle nach Chur, solange wir noch CO2 emittieren dürfen, es lebe die Mobilität. Ich gehe natürlich davon aus, dass alle Teilnehmer an der Demo kein Kilogramm mehr an CO2 ausstossen, als wenn sie zu hause geblieben wären.

Aber was tun Sie _konkret_, um den Energieverbrauch zu senken?

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„Wir wollen unsere gesellschaftlichen Strukturen so verändern“

Das erinnert mich an „neue Gesellschaft“, „grosser Sprung nach vorne“ und ähnliches, aus einer Mottenkiste, die man fälschlicherweise für immer geschlossen hielt.

Und es gibt noch einige, die glauben, es gehe nur um ein Spurengas.

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Grüezi Herr Holzherr –

Natürlich haben Sie recht, wenn Sie fordern, dass langlebige Investitionen so getätigt werden, dass sie den zukünftigen Anforderungen gewachsen sind. Und Ihre drei genannten Hauptprobleme sind plausibel. Sie schreiben aber als dritten Punkt richtig: „Der Verzicht auf fossile Rohstoffe kann sehr teuer sein.“ – aber er muss nicht!

Wenn wir die Energiepreise schrittweise, im Einklang mit den Effizienzgewinnen erhöhen, geben wir gemeinsam nicht mehr aus. Diejenigen, die innovativer und aktiver sind mit der Umstellung, geben unter dem Strich sogar weniger aus. Die Passiven zahlen natürlich entsprechend mehr – diese werden wegen den höheren Rechnung aber schliesslich auch wirtschaftlich motiviert, Massnahmen zu ergreifen.

So kann ein langsamer, aber stetiger Absenkpfad mit laufend höheren Preisen über die Jahre hinweg die nötigen Einsparungen bringen – ohne volkswirtschaftlichen Schaden. Fangen wir früher damit an, ist der Prozess sanft, normale Erneuerungsinvestitionszyklen können eingehalten werden. Je später der Einstieg erfolgt, desto steiler der Absenkpfad und dann können auch höhere Kosten durch den Ersatz nicht amortisierter Anlagen entstehen.

Mein Fazit: Schnelle Umsetzung im Bereich der Langfristinvestitionen durch entsprechende Instrumente und so bald wie möglich der Einstieg in eine ökologische Finanzreform mit Lenkungsabgaben und Rückerstattung.

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Heute müssen wir das stinkende Bärenfell nicht mehr mit Wasser und Seife waschen, wir kaufen einfach das fertige Kleidungsstück in der Migros.

Auf die Energieversorgung übertragen: Wir können uns schon den Luxus leisten gegen AKW’s und Alternativ-Energien zu sein. Importstrom ist dann die Folge.

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Eine wirksame Massnahme ist auch, wenn möglichst viele Leute auf Demos und Kundgebungen gehen. Denn nur, wenn die Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit sieht, dass es die Menschen interessiert und sie besorgt sind, dann kann sich etwas ändern.

Eine gute Gelegenheit bietet sich am Samstag den 27. August 2011 mit der Kundgebung „Kein Klimaschaden aus Graubünden – Repower-Kohlekraftwerke ADE!“ in Chur. Hier kann man mit wenig Aufwand viel CO2 verhindern.

30 Organisationen rufen mit uns zur Kundgebung gegen die REPOWER Kohlekraftwerke auf, mit Musik, einigen Reden und einem Abschlussfest mit italienischer Festwirtschaft (Besammlung 14 Uhr Churer Bahnhofplatz, Umzug zum Kundgebungsort Kornplatz, Fest Turnerwiese).

Deshalb: Datum reservieren, Freunde motivieren und teilnehmen!

Hintergrund: Die von REPOWER geplanten und grossteils finanzierten Kohlekraftwerke in Deutschland und Italien wären die grössten Europas und würden so viel CO2 ausstossen, wie die gesamte Fahrzeugflotte der Schweiz.
gruss
Christina Marchand

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Sehr geehrte Frau Hildesheimer,
eine Massnahme, die wirkt ist sicher mehr wert als dutzende von Massnahmen, von denen jede folgende die ungenügende Wirkung der vorhergehenden ausgleichen soll.
Was sind nun klimawirksame Massnahmen: Es sind alle Eingriffe oder Entscheidungen, die den Verbrauch an fossilen Rohstoffen dauerhaft reduzieren. Es gibt drei Hauptprobleme bei der Defossilierung
1) Die fossilen Rohstoffe decken einen Grossteils unseres Energiebedarfs
2) Die Defossilierung findet nicht in Jahren sondern in Jahrzehnten statt
3) Der Verzicht auf fossile Rohstoffe kann sehr teuer sein

Es gibt nur wenig Pläne zur Defossilierung die dies alles berücksichtigen. Wer heute viel Geld für ineffektive Massnahmen ausgibt wird irgendwann aufgeben müssen, weil er es sich nicht mehr leisten kann. Wer andererseits alle Massnahmen auf eine unbestimmte Zukunft vertagt, wird die verlorene Zeit nicht mehr aufholen können. Andererseits könnten zukünftige, vor allem technische Entwicklungen die Fossilierung auch billiger machen.

Fazit: Wir sollten heute mit Massnahmen beginnen, die effektiv sind, langfristig wirksam sind und wo es in Zukunft kaum billigere Alternativen gibt. Ein Beispiel dafür ist das CO2-freie Gebäude. Heute schon sollten alle neu erstellten Gebäude ohne konventionelle Heizung auskommen, denn diese später zu ersetzen ist wohl teurer als heute schon das Gebäude CO2-frei zu planen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

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