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So funktioniert eine Wetterversicherung

11.08.2011 von

Wenn uns ein regnerischer Tag die Gartenparty verdirbt, dann können wir wenig tun, am allerwenigsten das Wetter beeinflussen. Viele Unternehmen sind gleichwohl auf gute Wetterbedingungen angewiesen: die Getränkeindustrie, die Baubranche, der Tourismus, und die Landwirtschaft.

Die Aufzählung ließe sich noch fortsetzen, denn genau betrachtet machen sich die Auswirkungen des Wetters in vielen Lebens- und Wirtschaftsbereichen bemerkbar.

Das Wetter beeinflusst unsere Freizeitaktivitäten, und somit die Umsätze von Bergbahnbetreibern im Sommer und Skiressorts im Winter. Dieser Tage dürfen sich die Betreiber von Strandbädern, Biergärten und Eisdielen über zahlreiche Gäste freuen. Dies ist nicht immer der Fall. Während ein einzelner Regentag zu verkraften ist, kann eine Serie von Regentagen die Umsätze schon mal einbrechen lassen – ganz zu schweigen von den Auswirkungen eines kühlen und verregneten Sommers.

Die Entstehung der Wetterversicherung

Während wir das Wetter nicht beeinflussen können, kann den finanziellen Auswirkungen der Wetterkapriolen entgegen gewirkt werden. Seit einigen Jahren nutzen Unternehmen Wetterversicherungen, um ihre wetterbedingten Umsatzschwankungen abzusichern. Die zugrunde liegende Idee hinter diesem Versicherungsprodukt ist einfach. Der Versicherte erhält eine Auszahlung in Abhängigkeit vom beobachteten Wetter an einer ausgewählten Wetterstation.

Die Anfänge der Wetterversicherung liegen im Energiesektor, wo das „Wetterderivat“ erstmals 1997 in den USA zum Einsatz kam. Damals versicherten sich Stromhersteller gegen die Schwankungen des Energieverbrauchs, welche durch zu heiße Tage im Sommer und zu kalte Tage im Winter hervorgerufen werden. Seither entwickelte sich in den USA und Europa ein börsennotierter Markt für Wetterderivate.

Risikoreduzierung und Basisrisiko

Die im Markt gehandelten Instrumente kamen allerdings für viele Unternehmen zum Versichern ihres Wetterrisikos nicht in Frage, da die Wetterderivate zu Beginn nur für Messstationen in großen Städten erhältlich waren. Die geographische Nähe zur Messstation spielt jedoch für die Risikoreduzierung eine wichtige Rolle. Denn ob eine Wetterversicherung auszahlt, wird durch das Wetter an der Messstation bestimmt, welches schon mal vom Wetter am Standort des Unternehmens abweichen kann. Mittlerweile bieten einige Versicherungen nun in Europa und den USA auch standortspezifische Wetterversicherungen an.

Wie den richtigen Wettervertrag finden?

Wenn sich ein Unternehmen nun gegen die Kapriolen des Wetters versichern möchte, stellt sich die Frage, wie es den für sein Wetterrisiko passenden Vertrag findet. Die Auswahl des zugrunde liegenden Wetterindex und der Parameter, welche die Konditionen für und das Ausmaß der Auszahlungen festlegen, spielen hierbei eine wichtige Rolle, um das Wetterrisiko effektiv zu reduzieren. Dies möchte ich hier illustrativ am Beispiel der Stadtzürcher Strandbäder aufzeigen.  Wir haben für diese im Rahmen unserer anstehenden Summer School1 mögliche Wetterversicherungen auf ihre Risikoreduzierung untersucht.

Für das Strandbad Mythenquai zeigt eine einfache statistische Analyse, dass die Anzahl der Regentage nur eine Korrelation von 10% mit den durchschnittlichen Tageseinnahmen (auf Monatsbasis) aufweist, wohingegen die Anzahl der Tage mit einer Durchschnittstemperatur über 19 Grad mit den Eintritten zu 79% korreliert. Das bedeutet, dass die Temperatur für das Strandbad entscheidend ist: Tage mit einer Durchschnittstemperatur unter 19 Grad führen zu weniger Eintritten und damit weniger Einnahmen. Basierend auf diesen und weiteren Informationen wird der Vertrag zur Wetterversicherung aufgebaut (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Auszahlung in Abhängigkeit von der Anzahl der Tage, an denen an der Messstation Zürich Fluntern eine Temperatur über 19 Grad gemessen wurde. Die Versicherungsvertrag setzt eine aktuarisch faire Prämie voraus und einen durchschnittlichen Eintrittspreis von 5 CHF pro Person.

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Die Wetterversicherung des Strandbads Mythenquais könnte dann zum Beispiel wie folgt aussehen:  Das Strandbad würde eine Auszahlung erhalten, wenn an weniger als 20 Tagen pro Monat eine Temperatur von über 19 Grad geherrscht hat. Je geringer die Anzahl der Tage pro Monat, an denen die 19-Grad Marke geknackt wird, desto höher die Auszahlung. Wenn man die tatsächlichen durchschnittlichen Tageseinnahmen des Strandbades mit den hypothetischen Einnahmen beim Kauf einer Wetterversicherung vergleicht, zeigt sich, dass die Wetterversicherung die Schwankungen in den Einnahmen drastisch reduziert hätte (siehe Abbildung 2).

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Abbildung 2: Durchschnittliche Tageseinnahmen auf Monatsbasis des Strandbades Mythenquai jeweils mit (blau) und ohne Wetterversicherung (grün). Der betrachtete Zeitraum erstreckt sich von Mai bis September in den Jahren 2003-2010.

Wetterversicherung und Klimawandel

Mit dem Klimawandel wird die Häufigkeit von Extremereignissen wie heisse und trockene Sommer, zunehmen. Davon dürften die Betreiber von Strandbädern profitieren. Andere Unternehmen hingegen werden immer häufiger mit wetterbedingten Umsatzschwankungen konfrontiert werden. Für sie könnte eine Absicherung mit einer Wetterversicherung durchaus sinnvoll sein. Für einen effektiven Versicherungsvertrag braucht es vor Vertragsabschluss eine genaue Prüfung von möglichen Wetterversicherungsverträgen und deren Auswirkung auf die Risikoreduzierung.

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1Die hier verwendeten Daten wurden von der Stadt Zürich für ein Projekt im Rahmen der NCCR Climate Summer School 2011 zur Verfügung gestellt. In einem Workshop können die Teilnehmer der Summer School (http://www.nccr-climate.unibe.ch/summer_school/2011/index_en.html) mehr über die einzelnen Schritte zur Gestaltung einer Wetterversicherung erfahren. Die Wetterdaten der Station Zürich Fluntern wurden von MeteoSchweiz bereitgestellt. 

Zur Autorin

Ines Kapphan schreibt ihre Doktorarbeit am Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich. Zurzeit ist sie Gast-Doktorandin an der Universität Stanford. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (3) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Guten Tag Ines
In Deinem Blog erwähnst Du die Wetterversicherung aus der Sicht des Unternehmens (Strandbad Mythenquai). Gibt es auch Angebote von Wetterversicherung aus der Sicht des Touristen (ich kenne nur Zurich to-go Skiwetterversicherung)?
Ich danke Dir für eine Antwort. Gruss Claudia

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

„Mit dem Klimawandel wird die Häufigkeit von Extremereignissen wie heisse und trockene Sommer, zunehmen.“

Wenn das mit grosser Sicherheit der Fall sein sollte, dann ist DAS die beste Wetterversicherung: Mit dem heissen Wetter rechnen. Und die Versicherung ist die Gewinnerin.
Sollte es sich aber im Lauf der Jahre zeigen, dass Ihre Wetterprognose nicht stimmt, dann ist die Versicherung ebenfalls die Gewinnerin, denn sie wird bei häufiger auftretenden niedrigeren Temperaturen sukkzessive die Prämien erhöhen. Oder kennen Sie eine Versicherung, die über Jahre hinweg Verluste einstecken kann?

ich möchte gerne wissen, woher Sie die Gewissheit nehmen, dass in der Zukunft vermehrt extreme Wetterbedingungen in den Starndbädern Zürichs herrschen werden. Kann man das aus den Klimamodellen herleiten?

Längerfristig wäre eine solche Versicherung für die Strandbäder ein Spiel mit von der Versicherung gezinkten Karten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

„Mit dem Klimawandel wird die Häufigkeit von Extremereignissen wie heisse und trockene Sommer, zunehmen“
Aha, wenn es im Sommer heiss ist, zählt das schon als Beweis für den AGW…
Diesen Sommer trifft leider nicht mal diese Prognose zu….

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

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