ETH-Klimablog - Wirtschaft - Grenzöffnung für den Klimawandel

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Grenzöffnung für den Klimawandel

13.07.2011 von

Morgen schon könnte eine Bundesrätin mit einer Verordnungsänderung für eine wohltuende Klimaveränderung sorgen. Wenn Sie nun denken, dass hier die Signatur der Vorsteherin des Umwelt- und Energie-Departements gefragt wäre, liegen Sie falsch. Denn die gesetzliche Änderung würde den Klimawandel indirekt beeinflussen. Im Fokus steht der tiefe Euro, welcher unmittelbar das Konsumverhalten und damit auch unseren ökologischen Fussabdruck beeinflusst.

Resistente Schweizerpreise

Der Euro schlägt mit seinem Sinkflug alle für unmöglich gehaltenen Negativ-Rekorde. Seit über einem Jahr fordert die Stiftung für Konsumentenschutz, dass die Währungsgewinne der Euro-Baisse – sie werden von der Wirtschaft realisiert, ohne dass die Unternehmen dafür einen Finger krümmen – den Konsumentinnen und Konsumenten gehören. Doch bisher ist nichts von Bedeutung geschehen. In den schweizerischen Verkaufsregalen halten sich die Preise der importierten Produkte beharrlich auf hohem Niveau. Die schweizerischen Konsumentinnen und Konsumenten werden in der «freien Marktwirtschaft» so zu Verlierern. Denn die Währungsgewinne füllen lediglich die Kassen der international tätigen Hersteller oder des Zwischenhandels.

Natürlich wissen sich viele Geprellte zu helfen: Seit Monaten hat der Einkaufstourismus ins benachbarte Ausland markant zugelegt. Im vergangenen Jahr kauften Schweizer und Schweizerinnen für über drei Milliarden Franken im Ausland ein. Im Inland lamentieren Vertreter verschiedener Wirtschaftszweige unterdessen, dass besonders grenznahe Einkaufszentren kaum mehr von kauffreudiger Kundschaft frequentiert werden. Das zeigt: Für den Wocheneinkauf nehmen Herr und Frau Schweizer einen längeren Anfahrtsweg unter die Räder, denn die ausländischen Kassenzettel weisen einen beachtlich tieferen Total-Betrag aus. Genau das zählt fürs Haushaltbudget. Anderen Kostenfaktoren wie Mobilität und Zeit wird selten Beachtung geschenkt.

Euro-Baisse: Klima links liegen gelassen

Bei diesen individuellen Budgetüberlegungen geht die Umwelt gänzlich vergessen: Längere Anfahrtswege zum grenznahen Supermarkt verschlechtern die CO₂-Bilanz der eingekauften Produkte – von Internalisierung keine Spur. Die Stiftung für Konsumentenschutz verzichtet deshalb aus ökologischen Überlegungen auf das Bewerben des grenznahen Ausland-Shoppens. Jede Autofahrt über die Grenze einzig mit dem Ziel, im Ausland billiger einzukaufen, ist eine Autofahrt zu viel.

Neue Zollverordnung korrigiert ungerechtfertigt hohe Preise

Doch wir von der Stiftung für Konsumentenschutz tolerieren auch nicht, dass in der Schweiz die Preise der importierten Produkte bis zu 50 Prozent (und mehr!) teurer sind als im Ausland. Um die Anbieter zu zwingen, ihre Preise in der Schweiz dem Euro-Kurs anzupassen und so den Einkaufstourismus stark zu bremsen, gäbe es eine Lösung: Diese liegt auf dem Tisch der Vorsteherin des Finanzdepartements, also auf demjenigen von Eveline Widmer-Schlumpf. Sie könnte die abgeänderte Verordnung der Zollverwaltung unterzeichnen. Denn darin wäre geregelt, dass die sogenannten Zollgebühren, die bei ausländischen Internetbestellungen dem Käufer in Rechnung gestellt werden, vereinheitlicht würden. Heute jedoch können unterschiedlich teure Zollverfahren angewendet werden, ohne dass der Besteller der Ware vorgängig darüber ins Bild gesetzt wird. Aus diesem Grund ist der Einkauf im Internet sehr unberechenbar und damit bleibt die Autofahrt über die Grenze weiterhin attraktiv.

Wenn diese Zollgebühren – die virtuellen Grenzschranken – abgebaut und vereinheitlich würden, gingen sicherlich viele internationale Anbieter punkto Preisbildung über die Bücher. Denn plötzlich wäre das billigere Ausland nur noch wenige Sekunden und einige Mausklicke von der Haustüre entfernt.

Departements- und Themenübergreifende Lösungen sind künftig unabdingbar, damit das Klima einer gesunden Zukunft entgegenblicken kann.

Zur Autorin

Gastautorin Sara Stalder ist Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz SKS.

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Kommentare (3) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Das Konsumverhalten nachhaltig zu verändern braucht Überzeugung, Motivation, Wille. Und es funktioniert, mit Erfolg!
Opportunitäten die sich durch Währungsunterschiede ergeben sind kurzfristig. Ich kann durchaus verstehen, wenn ein Basler in Lörrach Bioprodukte kauft. Das wäre immernoch ziemlich „lokal“. Deutschland ist auch bekannt für ihre ausgezeichneten Bioprodukte. Es ist auch richtig, dass die Frankenstärke eine grosse Herausforderung für unsere Wirtschaft ist.
Zurück zum Konsumverhalten. Es gibt täglich Möglichkeiten, sein nachhaltiges Konsumverhalten zu verbessern. Und es ist finanziell sehr rentabel, die Bilanz nachhaltig positiv. In meinem Fall habe ich folgendes in den letzten 6 Monaten unternommen:
Wechsel von 4.5 in 2 Zimmer Wohnung (Kosten gespart, CO2 Fussabdruck nachhaltig reduziert)
Wechsel von Auto auf OeV, E-Bike, Mobility (Kosten gespart Leasing, Versicherung, Autosteuer, Benzin, Garage, CO2 Fussabdruck nachhaltig reduziert)
Weiterbildung im Bereich Klima-, Umweltwissenschaften und Ökologie (nachhaltige Zeitinvestition)
Hahnenwasser, LED, bewusst reduzierter Fleischverzehr, Ernährung aus lokalen und Bio-Produkten, Leute über nachhaltiges und umweltbewusstes Verhalten und Möglichkeiten informiert und Wissen verteilt (nachhaltiger Konsum gefördert).

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Ja, genau. Das muss mal gesagt werden!
Solange man von den Schweizer Detailhändlern vera****t wird, fahre ich mit meinem SUV (iiiiih….) über die Grenze zum Einkaufen.

Dafür sollte der Konsumentenschutz sein und nicht für „wir sorgen für irrsinnige Strompreise und dafür, dass die Schweiz mit Windrädern verschandelt wird“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Sehr geehrte Frau Stalder,

Konsumentenschutz hat in der Tat nur indirekt etwas mit Klimaschutz zu tun. Dem Klimaschutz würde es direkt am meisten helfen, wenn CO2 einen Preis hätte. Damit würden die meisten Einzelmassnahmen und Beeinflussungsversuche über Regelungen und Verordnungen überflüssig. Eine Fahrt über 100 km mit einem Spritfresser wäre dann sehr teuer. Mit dem Elektroauto, das seinen Strom aus einer CO2-freien Quelle bezieht könnte man aber weiterhin kostengünstig im Ausland einkaufen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

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