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Energieeffizienz im Gebäudebereich – ein riesiges Potential

21.06.2011 von

Der Bundesrat und nun auch der Nationalrat haben vor dem Hintergrund der Katastrophe in Fukushima den Atomausstieg beschlossen. Ein wichtiges Standbein einer Zukunft ohne Atomstrom ist mit Sicherheit die Energieeffizienz. Besonders gross ist das Potenzial im Gebäudebereich. 

Der Energiekonsum im Gebäudebereich stellt circa 30% des gesamtschweizerischen Verbrauchs dar. Zudem sind 60%¹ der Wohngebäude Einfamilienhäuser, wovon rund 85%¹ einer älteren, energetisch nicht effizient gebauten Generation angehören (sprich: vor 1990 gebaut wurden).

Energieoptimierte Erneuerungen selten, trotz vieler Vorteile

Tatsächlich wird aber häufig beobachtet, dass GebäudeeigentümerInnen, insbesondere EinfamilienhauseigentümerInnen, oftmals Erneuerungsprojekte wählen, welche die Energieeffizienz nicht verbessern. In einer soeben abgeschlossenen Studie über Erneuerungsentscheide von Schweizer Einfamilienhausbesitzern fanden wir heraus, dass nur gerade an rund einem Prozent des Gebäudebestandes pro Jahr die Gebäudehülle, sprich Fenster, Fassade, Keller oder Dach, erneuert wird.

Besonders nachdenklich stimmt die Erkenntnis, dass nur gut die Hälfte derjenigen, die eine Fassade renovieren, sich für eine energetische Lösung entscheiden. Warum? Bringen doch energetische Erneuerungsmassnahmen, wie z.B. die Dämmung der Gebäudehülle, nicht nur den Vorteil, dass künftig die Heizkosten sinken, sondern erhöhen sie auch den thermischen Komfort im Haus. Zudem handelt es sich meist um wirtschaftlich interessante Projekte.

Manch einer mag jetzt einwenden, dass die Mehrheit solcher Projekte finanziell nicht interessant ist. Wer mag denn schon 30 Jahre in die Zukunft blicken? Vor dem Hintergrund, dass die Energiepreise in Zukunft mit grösster Wahrscheinlichkeit steigen werden, könnte sich das Blatt aber bald wenden. Eine energieoptimierte Renovation wird spätestens dann tatsächlich nicht nur in ökologischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht sinnvoll.

Wie das Potenzial anzapfen? Information als wichtiges Element!

Wir haben mit unserer Studie auch zeigen können, dass sowohl bei den Konsumenten wie auch bei Fachleuten ein Informationsdefizit besteht; dies einerseits bezüglich Verfügbarkeit von neuen Technologien, andererseits bezüglich Kosten und Nutzen von Erneuerungen. Informationskampagnen sowie der Einsatz von Beratern, die auf Gebäudeerneuerungen spezialisiert sind, scheinen uns deshalb erfolgsversprechende Lösungsansätze zu sein, um energetische Erneuerungen zu fördern.

Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass es angesichts der langen Renovationszyklen von bis zu 40 Jahren (und mehr) ausserordentlich wichtig ist, dass bei heutigen Erneuerungen energetische Kriterien mitberücksichtigt werden. Durch Information kann und soll bei Bauherren das Verständnis gefördert werden, dass durch eine energetische Investition der Wohnkomfort gesteigert, längerfristig Geld gespart und ein essentieller Beitrag zum Umweltschutz gemacht werden kann.

Link zur Studie >hier

Zur Autorin

Céline Ramseier ist Doktorandin in Volkswirtschaftlehre und Energiewirtschaft an der Professur für Nationalökonomie des CEPE (Center for Energy Policy and Economics) der ETH Zürich. Sie ist zudem Präsidentin von [project 21], der studentischen Organisation für nachhaltige Entwicklung. Persönliches Zitat und Biografie

¹Korrigendum

Ursprünglich stand im Blogbeitrag «(…) sind 85% der Wohngebäude Einfamilienhäuser, wovon rund 70% einer älteren, energetisch nicht effizient gebauten Generation angehören (…)». Richtig ist: «(…) sind 60% der Wohngebäude Einfamilienhäuser, wovon rund 85% einer älteren, energetisch nicht effizient gebauten Generation angehören (…)»

 

 





Kommentare (6) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Hallo Céline
Gratuliere zu Deinem interessanten Blog. Ich finde ihn sehr gut geschrieben und leicht verständlich. Bravissima!

Grüessli Uschla

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Sehr geehrte Frau Céline Ramseier,

was mich an ihrem Blogbeitrag am meisten verwundert hat: Sie bringen als Motivation für die energetischen Gebäudesanierungen nur gerade den Ausstieg aus der Atomkraft und schreiben demensprechend: Ein wichtiges Standbein einer Zukunft ohne Atomstrom ist mit Sicherheit die Energieeffizienz.

Sie scheinen völlig vergessen zu haben, dass sie ihren Beitrag in einem Klimablog publiziert haben und dass die Hauptthese der Klimawissenschaflter folgende ist: Das Verbrennen der fossilen Brenn- und Treibstoffe führt zu einer progressiven Erwärmung und schliesslich zum Ende unseres Eiszeitalters, also dem völligen Abschmelzen der polaren Eiskappen mit einer entsprechenden schwerwiegenden Änderung aller Klimata dieser Erde

Aus Klimasicht gilt es also, auf Kohle, Öl und Erdgas völlig zu verzichten. Davon schreiben sie in ihrem Beitrag nichts, ja die Wörter Öl und Erdgas (wird ja in Form von Wärmekraftkoppelungsanlagen vom BFE sogar für die Zukunft empfohlen) kommen in ihrem Beitrag nicht einmal vor.

Offiziell fordert der Weltklimarat übrigens einen Pro-Kopf-CO2-Ausstoss von 1 Tonne CO2 bis 2050. Doch wenn die These der Klimawissenschaflter zutrifft wird das nicht genügen. Der CO2-Austoss muss bis 2100 sogar auf 500 kg pro Kopf reduziert werden.

Es steht uns also noch einiges bevor!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig einem dieses eine Drittel des Gesamtenergieverbrauchs bewusst ist.
Täglich passiert es immer noch, dass Kollektoren bei Neubauten gestrichen werden, weil es „sonst die Kosten sprengen würde“. Und da sind die Planer definitv gefragt, aufzuzeigen, wie sich Betriebskosten entwickeln, wenn voll auf Fremdenergie gesetzt wird. Auch die Banken sind bei der Hypothekenvergabe gefordert, eben auch die Tragbarkeit eines Objektes anhand der Betriebskosten zu betrachten und nciht nur auf Zins und Tilgung.
Ein weiterer Marktteilnehmer sind die Energieversorger. Da wird Ihnen keiner widersprechen, dass sie nicht wirklich Interesse haben, wenn dieser drittel des Gesamtenergieverbrauchs mehr und mehr vom eigenen Dach kommt.
Wie Herr Holzherr gehe ich davon aus, dass die Sanierungsrate vor allem bei steigenden Energiepreisen zunimmt. Da bin ich guter Dinge, dass dies nicht mal mehr so lange dauern wird.
Und, Herr Meier, das mit dem Schimmel ist nun wirklich ein alter Zopf, hält sich so wie das mit dem Spinat.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

In zu vielen Köpfen ist noch verankert, dass man durch umweltfreundliches Handeln meist auch einen wirtschaftlichen Nachteil hat.
Dass ein heute günsitges Bauen morgen teuer werden kann, muss kommuniziert werden.

Den Ansatz Klimaschutz durch Renovationen finde ich spannend und zukunftsweisend.

@Meier: Meiner Meinung nach entsteht Schimmel bei zu hoher Luftfeuchtigkeit und ungenügender Wanddämmung (z.B. bei Kältebrücken). Durch energetisches Bauen wird beides grundsätzlich verbessert.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

„Bringen doch energetische Erneuerungsmassnahmen, wie z.B. die Dämmung der Gebäudehülle, nicht nur den Vorteil, dass künftig die Heizkosten sinken, sondern erhöhen sie auch den thermischen Komfort im Haus“

Ja, und den Vorteil, dass die Wände zu schimmeln beginnen. So einfach ist es nicht!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

Sehr geehrte Frau Ramseier,
Fazit ihrer Studie ist:
1) Die energetische Sanierung von Gebäuden ist keine Selbstläufer
2) 70% der Einfamilienhäuser – die wiederum 80% aller Gebäude ausmachen – bedürfen der energetischen Sanierung
3) 1% der Gebäude werden pro Jahr saniert, was ein Ziel wie 80-100% energetisch sanierte Häuser bis 2050 illusorisch werden lässt
4) Viele Gebäudesanierungen sind keine energetischen Sanierungen

Folgerungen:
– Nur höhere Energiepreise (z.B. in Folge einer Ölverknappung), Vorschriften oder Anreize ähnlich den Einspeisevergütungen für Solarstrom ändern etwas an der Frequenz und dem Ausmass der energetischen Sanierung.
– Da Sanierungen so selten sind, sollte nicht nur energetisch, sondern vor allem auch fossil saniert werden. Sanierte Häuser sollten also kein CO2 mehr ausstossen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

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