ETH-Klimablog - Klimaforschung - Tropische Wirbelstürme und Klima

ETH life zum Thema

Welternährung: «Ein nahrhafter Denkanstoss» (17.10.13)
Klimaforschung: «Klimaforschung im Dialog» (4.10.13)
Klimaforschung: «Emissionen verpflichten uns langfristig» (27.9.13)
Energieforschung: «Der Asket unter den Motoren» (12.9.13 )

Blog-Schwerpunkte

Die Beiträge geordnet nach Wissensgebieten rund um den Klimawandel:
>Klimaforschung
>Umweltfolgen
>Energie
>Mobilität
>Wirtschaft
>Politik
>Stadtentwicklung
>Welternährung
>Nord-Süd

Archive

Tropische Wirbelstürme und Klima

31.05.2011 von

Hurrikane Katrina in 2005 Der Klimawandel wird in gewissen Meeresgebieten zu höheren Wassertemperaturen führen. Dadurch könnte die Intensität von Hurrikanen zunehmen. Ob sich auch ihre Anzahl ändert, ist nicht so einfach vorherzusehen, da verschiedene Faktoren die Entstehung eines Wirbelsturmes beeinflussen.

Tropische Wirbelstürme entstehen dort, wo die Wassertemperaturen des Ozeans bis in eine Meerestiefe von 50 Metern über 26.5 °C liegen. Dieses warme Wasser verdunstet rasch und es können sich Quellwolken bilden, die bis hoch in den Himmel reichen.

Doch die warmen Ozeantemperaturen sind nicht das einzige Kriterium für die Entstehung von tropischen Wirbelstürmen. Damit der Sturm auch zu rotieren beginnt, müssen sich die Wolkentürme mindestens 5° von Äquator entfernt befinden. Ausserdem muss bereits eine atmosphärische Störung in Form massiver tropischer Gewitterwolken vorhanden sein. Ferner sollte der Wind sich mit der Höhe nicht allzu sehr verändern, da der Wirbelsturm sonst auseinander gerissen würde. Diese Vielfalt an Faktoren legt nahe, dass es nicht einfach ist vorauszuberechnen, wie sich tropische Wirbelstürme im wärmeren Klima entwickeln werden.

Ungewissheit Staub

Tropische Wirbelstürme, die sich im Nordatlantik bilden, werden Hurrikane genannt. Im Jahr 2005 traten 15 Hurrikane auf; es war die schlimmste Hurrikan-Saison seit Beobachtungsbeginn im Jahr 1850. Die Hurrikan-Saison 2006 wurde als ähnlich verheerend vorhergesagt wie 2005, aber schlussendlich entwickelten sich nur 5 Hurrikane. Der wahrscheinlichste Grund hierfür sind die häufigen Saharastaubstürme in 2006. Dieser Saharastaub manifestiert sich in der sog. Saharan Air Layer (SAL), einer relativ warmen, trockenen, und windreichen Schicht in der mittleren Troposphäre, die die Bildung von Quellwolken reduziert.

Fehlende historische Daten erschweren Prognose

Laut dem 4. IPCC Bericht (2007)¹ ist aufgrund der allgemeinen Klimaerwärmung eine Intensivierung tropischer Wirbelstürme mit dem kontinuierlichen Anstieg der tropischen Meeresoberflächentemperaturen wahrscheinlich (> 66 %). Dies würde zu Wirbelstürmen mit höheren Windgeschwindigkeiten und mehr Starkniederschlägen führen. Ob sich allerdings auch die Anzahl der tropischen Wirbelstürme verändern wird, ist ungewiss. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Datengrundlage der tropischen Wirbelstürme vor dem Jahre 1970 nicht sehr gut ist, da damals noch keine Beobachtung der tropischen Wirbelstürme mittels Satelliten möglich war. Deshalb divergieren die Schlussfolgerungen der Forschenden, wie sich die Auftretenshäufigkeit von Hurrikanen unter dem Einfluss der Klimaerwärmung verändern wird.

Höhere Intensität verursacht künftig mehr Schäden

Wie stark Hurrikane zu Schäden führen, hängt aber nicht nur von ihrer Auftretenshäufigkeit, sondern auch von ihrer Intensität ab – also der maximalen Windgeschwindigkeit und der Stärke der Sturmflut. Wenn eine grössere Intensität der tropischen Wirbelstürme in einem wärmeren Klima wahrscheinlich ist, muss sich die Menschheit in Zukunft besser vor diesen Gefahren wappnen. Denn sonst werden sich Katastrophen wie 2005 durch Hurrikan Katrina in New Orleans wiederholen.

Literaturhinweis

¹ 4. IPCC Report: Klimaänderung 2007, Wissenschaftliche Grundlagen, Cambridge University Press, 2007 (pdf >hier)

Zur Autorin

Ulrike Lohmann ist Professorin für Atmosphärenphysik an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie.

.

.

 





Kommentare (4) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Mit de Zusammenhang Klimaerwärmung/Hurrikanstärke und -häufigkeit befasst sich auch der Klima-Lounge Beitrag Hurrikan Irene an der US-Küste. Er beginnt mit der auf den IPCC-Bericht 2007 gegründeten Aussage: weniger, aber dafür heftigere Stürme werden erwartet. und kommt dann auf eine aktuelle Aussage von Kerry Emanuel, einem führenden Hurrikanexperten, zu sprechen, wonach nicht die absolute Meeresoberflächentemperatur über die zu erwartende Hurrikanstärke entscheidet, sondern das Temperaturgefälle zwischen Oberfläche und der oberen Troposphäre, wo die im Hurrikan aufsteigende Luft wieder aus dem Hurrikan ausströmt. Die Temperatur der oberen Troposphäre war jedoch lange Zeit infolge Ozonschwund erniedrigt und normalisiert sich jetzt langsam wieder. Stefan Rahmstorf beendet den Aritkel mit: „Das wäre eine gute Nachricht, weil das FCKW-Problem weitgehend politisch gelöst ist (anders als das Treibhausproblem) und daher der Anstieg der Hurrikanaktivität dann künftig geringer ausfallen dürfte als in den vergangenen dreißig Jahren.“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Und ich sage wieder mal: Nein

http://wattsupwiththat.com/2011/05/27/tornadoes-and-global-warming-still-no-linkage/

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

@Martin Holzherr: „Hurrikane sind nur ein Beispiel von extremen Wetterereignissen, bei denen der Klimawandel eine Zunahme erwarten lässt: Es wird auch mehr Starkniederschläge, Überschwemmungen, Bergrutsche, Hitzewellen und Dürren geben, weil in einem wärmeren Klima mehr Wasser unregelmässiger zirkuliert, die Temperaturen höher sind und der Meeresspiegelanstieg Überflutungen begünstigt.“

Erstaunlich welchen Einfluss ein paar Zehntelgrade so alles anrichten können. Wie die Geschichte zeigt, gab es vor 200 Jahren weder Starkniederschläge, Überschwemmungen, Bergrutsche, Hitzewellen noch Dürren. Vor 200 Jahren zirkulierte das Wasser auch viel regelmässiger (in einem chaotischen! Klimasystem). Ja, die gute alte Zeit …

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

Sehr geehrt Frau Professor Lohmann,

Von vielen Studien werden eventuell weniger, dafür stärkere Hurrikane vorausgesagt. Zusammen mit der erwarteten Meeresspiegelerhöhung könnten Hurrikane auch dann, wenn sie seltener das Festland erreichen, den Fortbestand ganzer Städte bedrohen, zumal wenn sie äusserst heftig sind.
New Orleans wird wohl durch die Kombination von Deltasenkung, Meeresspiegelanstieg und zukünftigen Hurrikanereignissen in absehbarer Zukunft unbewohnbar werden – ausser man geht entschlossen gegen jede dieser Gefahren vor, was allerdings gewaltige Investitionen nötig macht, die vergleichbar sind mit denen in Holland, wo pro Jahr 700 Millionen für Deichbau und -unterhalt ausgegeben werden.
Hurrikane sind nur ein Beispiel von extremen Wetterereignissen, bei denen der Klimawandel eine Zunahme erwarten lässt: Es wird auch mehr Starkniederschläge, Überschwemmungen, Bergrutsche, Hitzewellen und Dürren geben, weil in einem wärmeren Klima mehr Wasser unregelmässiger zirkuliert, die Temperaturen höher sind und der Meeresspiegelanstieg Überflutungen begünstigt. Existentiell betroffen davon sind vor allem arme, von der Landwirtschaft lebende Menschen in Entwicklungsländern: Die Überschwemmungen in Pakistan 2010 zeugen davon (auch wenn sie nicht unbedingt dem Klimawandel anzulasten sind).
Extreme Wetterereignisse dem Klimawandel zuzuschreiben ist schwierig, andererseits geniessen solche Ereignisse hohe mediale Aufmerksamkeit und sie können, als Warnzeichen wahrgenommen, Massnahmen gegen den Klimawandel rechtfertigen. Das IPCC wird im 5. Assessment Report einen Special report on Extreme Events aufnehmen.

Dauerhaft veränderte Regionalklimata werden aber wohl noch überzeugendere Hinweise auf den Klimawandel sein. Allerdings passiert das schleichend und jede Generation erlebt nur gemässigte Änderungen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

top
 
FireStats icon Powered by FireStats