ETH-Klimablog - Energie - Ohne Erdgas wird’s nicht gehen

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Ohne Erdgas wird’s nicht gehen

24.05.2011 von

Wärmekraftkopplungsanlagen, hier ein Blockheizkraftwerk in Wil SG, produzieren mit hoher Effizienz gleichzeitig Strom und Wärme. Nach den Ereignissen in Japan ist die Diskussion über die Schweizer Energiepolitik neu lanciert und bereits in vollem Gang. Die Frage, in welchem Ausmass die Schweiz noch auf Kernkraft setzen wird, ist eine politische. Sie muss von den demokratisch legitimierten Instanzen beantwortet werden. Als flankierende Massnahme wird es auch sinnvoll sein, einen Marschhalt bei der zusätzlichen Elektrifizierung der Schweiz zu machen. Ich denke da insbesondere an die Bereiche Mobilität und noch mehr Elektro-Wärmepumpen.

Die aktuelle Energiepolitik bewegt sich in einem Dreieck, das es auszubalancieren gilt: Zwischen den Risiken der Kernkraft und ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz, dem kurz- und mittelfristigen CO2-Ausstoss sowie den Wohlstandsverlusten durch hohe Preise und eine unsichere Versorgungslage beim Strom. Es wird nicht ohne Konzessionen gehen.

Noch grosses CO2-Reduktionspotenzial

Mit Sparen, Effizienzsteigerung und erneuerbaren Energien wird man das Substitutionsziel nicht erreichen. Importe sind weder wirtschaftlich noch ökologisch eine Alternative. Daher wird die einzig realistische und valable Option der vermehrte Einsatz von Erdgas sein. Man darf nicht vergessen: Der grösste Beitrag zur Reduktion von CO2 in der Schweiz wird nicht durch neue erneuerbare Energien, sondern durch die Substitution von Erdöl durch Erdgas geleistet. Das allein spart jährlich 2,5 Millionen Tonnen CO2 ein.

Wir setzen uns für grösstmögliche Effizienz und dezentrale Produktion ein. Deshalb sind grosse Gaskombi-Kraftwerke nicht die erste Wahl. Wir setzen unsere Prioritäten bei der Wärmekraftkopplung. Die beginnt bei grösseren Heizzentralen und geht bis zur stromproduzierenden Heizung im Einfamilienhaus. Bei der gleichzeitigen Produktion von Strom und Wärme ist der Wirkungsgrad markant höher.

Erdgas und Erneuerbare sinnvoll kombinieren

Erneuerbare Energien sind sinnvoll, müssen aber in genügender Menge und zu vernünftigen Kosten verfügbar sein. Erdgas ist ideal für die Kombination mit erneuerbaren Energien. Schon heute speisen wir Biogas ins Erdgas-Netz ein, an Erdgas-Heizanlagen und Fahrzeugen sind dabei keinerlei Anpassungen notwendig. Erdgas-Heizungen lassen sich auch sehr gut mit Solaranlagen kombinieren. Erdgas kann immer dort helfen, wo naturbedingt vorübergehend keine oder zu wenig Energie aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist.

Diversifizierung gewinnt politisch an Terrain

Die Vorteile von Erdgas als Energie für die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme hat die Schweizer Politik bis jetzt zu wenig wahrgenommen und unterstützt. Es wurde bisher fast ausschliesslich auf Wasserkraft und Atomenergie gesetzt. Nun sehen wir aber, dass die längst fällige Diversifizierung politisch Terrain gewinnt.

Erdgas ist nicht nur für Jahrzehnte, sondern aufgrund neuer Fördertechnologien sogar für Jahrhunderte in grossen Mengen verfügbar. Das in der Schweiz eingesetzte Erdgas stammt zu rund zwei Dritteln aus der Förderung in EU-Ländern sowie in Norwegen. Die Schweiz hat ihr Versorgungs-Portfolio geografisch breit verteilt und mit langfristigen Verträgen abgesichert. Die Schweizer Erdgas-Wirtschaft ist in der Lage, die Energielieferungen für einen zusätzlichen Teil der Stromproduktion zu übernehmen.

Zum Autor

Gastautor Jean-Marc Hensch ist Direktor des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie.

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Kommentare (6) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Mit diesem sinnfreien Beitrag wollte ich nur sagen dass ich keine Ahnung habe was SIE meinen wenn sie schreiben: “noch ein paar Jahre Gas vielleicht aber dafuer das Wasser zum Teufel?”

Dass gerade sie die Bibel zitieren! Was wollen sie überhaupt damit sagen mit den 7 fetten Jahren?

Wahrscheinlich wollen sie darauf hinaus, dass Gas nur noch für xy Jahre reicht. Dazu können sie sicher eine nicht-nachvollziehbare Studie zitieren, stimmts?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Kommentar von Pius Kuster. 25.05.2011, 14:43

???? was meinen Sie?

die Trockenheit im Moment?

Wie war das noch mal mit den 7 fetten Jahren in der Bibel?
Was kommt danach?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Zitat Dittmar:
„noch ein paar Jahre Gas vielleicht aber dafuer das Wasser zum Teufel?“

Das Wasser reicht sowieso nur für grundsätzlich andere als in gewissen Ländern unkonventionelle Erdgaslager angebohrt werden.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Herr Meier,

„Kommentar von Roger Meier. 24.05.2011, 22:33
Da liegt Hr. Hensch nicht ganz richtig. Die Realität: Man bringt ein paar Anti-Erdgas (Anti-Shale-Gas) “Dokumentar”filme im Fernsehen, und schon sind unkonventionelle Erdgas-Lagerstätten bei allen unten durch.“

Was schlagen sie vor? noch ein paar Jahre Gas vielleicht
aber dafuer das Wasser zum Teufel?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Da liegt Hr. Hensch nicht ganz richtig. Die Realität: Man bringt ein paar Anti-Erdgas (Anti-Shale-Gas) „Dokumentar“filme im Fernsehen, und schon sind unkonventionelle Erdgas-Lagerstätten bei allen unten durch. Frankreich hat begonnen und grundsätzlich den Abbau unkonventioneller Lagerstätten verboten. Die anderen Länder werden folgen. So läuft das heute.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Die Abkehr von der Atomkraft gibt tatsächlich zuerst einmal dem Erdgas als kurzfristig realisierbarer Ersatzenergiequelle einen kräftigen Schub. In Deutschland wurde bis vor kurzem von der Atomkraft als Brückentechnologie gesprochen, doch diese Rolle soll nun selbst in den Augen von Evangelisten für 100% Erneuerbare – im Jahre 2050 – zunehmend das Erdgas übernehmen, zumal Erdgaskraftwerke den unregelmässig anfallenden Wind-und Sonnenstrom gut ausregulieren können – etwas was später einmal Pumpspeicher, Druckluftspeicher und ein europaweites Supergrid übernehmen sollen. So liest man im Essay Vorwärts zur Natur von John Schellenhuber: Bis 2050 lässt sich mit kraftvollen Investitionen und hoher Ressourcenintelligenz die globale Energiewende abschließen. Gemäß WBGU-Szenario sinkt bis dahin der Weltenergieverbrauch geringfügig ohne Wohlstandseinbußen, und Erdgas – nicht Atomstrom – erfüllt die notwendige Brückenfunktion (idealerweise in Kombination mit Kohlenstoffabscheidungstechnologie).

Der Ersatz von Kernenergie durch Erdgas bedeutet allerdings zuerst einmal eine Rückkehr der Schweiz ins fossile Zeitalter, selbst wenn neben den Erdgaskraftwerken und dezentralen Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen Strom auch mit Wind+Sonne erzeugt wird, denn Erneuerbare mit Erdgas als Backup sind in Wirklichkeit Erdgas mit Erneuerbaren für gewisse Stunden. Ersetzt Erdgas Erdöl wird weniger CO2 ausgestossen, doch es ist viel wirkungsvoller Ölheizungen durch Dämmung+Wärmepumpen zu ersetzen, selbst wenn die Wärmepumpen ihren Strom aus Erdgaskraftwerken beziehen.
Meine Prognose: Setzt die Schweiz in Zukunft auf Erdgas, wird sie nicht mehr so schnell davon loskommen, denn die Vision von 100% Erneuerbaren mit Stromspeichern und einem europaweiten Supergrid als Schwankungsausgleich sind viel teurer als die Kombination Erdgas+Erneuerbare.

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