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Heisshunger auf Energie

19.05.2011 von

«Mehrere zehntausend Tonnen hochradioaktives Wasser ins Meer gelangt» – «Folgen für Mensch und Umwelt noch ungewiss» – so lauteten die Schlagzeilen vor zwei Monaten nach dem folgenschweren Tsunami in Japan, der zur Umweltkatastrophe in Fukushima führte. Auch zwei Monate nach dem GAU ist die Situation beim Kraftwerk Fukushima-Daiichi noch nicht vollständig unter Kontrolle, und gerade letzte Woche wurde publik, dass wieder radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gelangt sei.

Erinnern wir uns – vor etwas mehr als einem Jahr lauteten die Schlagzeilen im Grunde sehr ähnlich – «8000 Kubikmeter Erdöl gelangen jeden Tag in den Golf von Mexiko» «Folgen für die Umwelt, Fischerei und Menschen noch ungewiss». Nach der Explosion auf der Plattform «Deep Water Horizon» und deren Untergang versagte der «blowout preventer» auf dem Meeresgrund, worauf in den folgenden drei Monaten fast eine Million Kubikmeter Erdöl und Erdgas aus dem frisch angebohrten Ölfeld unkontrolliert in den Golf von Mexiko floss. Dies führte zur bisher grössten Ölkatastrophe in der Geschichte der Ölindustrie (gemessen an der Menge des ausgeflossenen Öls und nicht an der Grösse der Folgen für Mensch und Umwelt.)

Risiken nehmen immer mehr zu

Blickt man hinter die Schlagzeilen, dann wird es klar, dass diese beiden Katastrophen Ausdruck der gleichen treibenden Kraft sind: unser Heisshunger auf Energie. Mit Wachstumsraten des globalen Energiebedarfes von etwa 2 Prozent pro Jahr über die letzten zwanzig Jahre und der mehrheitlich schon erfolgten Ausschöpfung der einfach und billig zugänglichen Energiereserven, sehen wir uns gezwungen, immer grössere Risiken einzugehen, um unseren Energiebedarf zu decken. Sei es durch Ausweitung der Förderung von Öl und Gas immer tiefer in den Offshorebereich, oder durch den geplanten Bau von mehreren Dutzend neuen Atomkraftwerken, die Menschheit baut für sich und die Umwelt ein immer grösseres Risikopotential für verheerende Unfälle auf. Und jede weitere Tonne von CO₂, die wir als Folge unseres Heisshungers auf Energie in die Atmosphäre freisetzen, erhöht die Risiken, die mit dem Klimawandel verbunden sind. Demzufolge ist der Ansatz, Atomkraftwerke stillzulegen, und dafür fossil betriebene Kraftwerke zu bauen, eine reine Verlagerung der Risiken, und keine Vermeidung.

Energieeffizienz muss steigen

Die Verbesserung der Sicherheitssysteme der verschiedenen Technologien ist ein Muss, aber im Grunde müssen wir das Problem an der Wurzel packen, das heisst beim Energiebedarf selber. Kernpunkt jeder Strategie muss sein, die Energieeffizienz massiv zu erhöhen, sodass wir insgesamt mit einem deutlich geringeren Energieinput unseren Aktivitäten nachgehen können. Diese Erkenntnis ist wahrlich nicht neu und wird im Rahmen der Vision einer 2000-Watt-Gesellschaft schon seit fast zwei Jahrzehnten verfolgt. Die Katastrophen von Fukushima und Deep Water Horizon haben uns nur wieder aufgezeigt, wie gross die Risiken der Energieproduktion in Wirklichkeit sind, und wie dringend notwendig es ist, unseren Energiehunger zu drosseln.

 

Mehr Informationen zur 2000-Watt-Gesellschaft >hier

Zum Autor

Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie





Kommentare (43) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Hoi Martin,

„noch nirgends dargelegt, wie der geordnete Weg nach unten aussehen soll“

habe ich doch schon oft geschrieben.

1) Die Realitaet der endlichen Ressourcen (nicht
akzeptieren
und die Menschen darueber aufklaeren.

2) Emergency Situation auf der Titanic erklaeren
und uns alle auf ungeliebte Massnahmen vorbereiten.

3) Jedes Land/Kanton etc muss seine eigene Loesung finden.
In der Schweiz wuerde ich sagen muss man sich als erstes
Gedanken machen wie man in wenigen Jahren unabhaengig
von Nahrungsmitteln Importen werden kann
(entsprechend weniger Fleisch etc).

4) Das „verhungern“ oder Chaos Szenario mit Milliarden
sterbenden Menschen kommt nur wenn wir weiter wie bisher machen. Also ich gebe diesen Punkt an dich zurueck

Wie willst du den Kollaps verhindern

mit dem Glauben an Wunder (Cargo Cult)?

Meine Antwort ist:
jedes Jahr sterben 70 Millionen Menschen davon
10 Millionen dank unseres verschwenderischen Systems
was wir Zivilisation nennen.

Ein geordneter Weg nach unten kann unter Umstaenden
das Leben im Mittel fuer alle sogar angenehmer machen.
(beschrieben zum Beispiel im Buch von Prof. Odum
a prosperous way down)

Wie auch immer, in 100 Jahren sind wir praktisch alle
sowieso tot. Die Frage ist ob wir unseren Nachkommen
etwas Lebenswertes ueberlassen.

In meinem Model geht das

in dem Standard Model der Zivilisation lassen wir nur
die Wueste zurueck!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 14.06.2011, 22:52

Hoi Michael,
Du schreibst, „wir sind heute an einem Punkt wo wir vielleicht
noch einen geordneten Weg nach unten (in einigen Laendern)
beginnen koennten“
hast bis jetzt aber – trotz dutzenden von Kommentaren deinerseits – noch nirgends dargelegt, wie der geordnete Weg nach unten aussehen soll. Wie kann es einen geordneten Weg nach unten geben, wenn dazu der Tod von Milliarden Überzähligen gehört.

Ich halte es hier eher mit THOMAS L. FRIEDMAN, der in The Earth is Full als letzen Satz schreibt:
“We either allow collapse to overtake us or develop a new sustainable economic model. We will choose the latter. We may be slow, but we’re not stupid.”

Deshalb meine Überzeugung: Dein vorausgesager Peak-Oil wird vor allem eine Phase von mehreren Jahren Stagnation auslösen und diese Phase wird abgelöst werden durch neue Wirtschaftsformen basierend auf neuen Energieformen. In der Krisenzeit werden einige Millionen Menschen verhungern, nicht aber Milliarden, wie von dir vorausgesagt.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Martin,

„Mit genügend Energie, geschlossenen Materialkreisläufen“

Ja, genau aber da beisst sich deine „Katze“ in den Schwanz.

Du schreibst selber die „genuegend“ Energie ist
bald zu Ende und damit dein Traum vom Cargo Cult
der alle unsere Probleme loesen wird.

bezueglich
„Trotzdem irrst du fundamental mit deiner Ansicht, ohne Gas, Öl und Kohle wären wir wieder am gleichen Punkt“

Nein, wir sind heute an einem Punkt wo wir vielleicht
noch einen geordneten Weg nach unten (in einigen Laendern)
beginnen koennten.

Aber die Chancen dafuer sind aeusserst gering
unter anderem auch deshalb weil der Cargo Cult Glaube
sehr weit verbreitet ist und weil egoistische Interessen
bis zum letzten Atemzug (scheinbar) dominieren.

Muessen wir wirklich warten bis der letzte Baum gerodet ist
(wie auf den Osterinseln?)?

Alle Zeichen stehen auf Sturm aber selbst du schaust lieber in die
andere Richtung.

Welche Evidenz fuer unsere selbstmoerderische
Oekonomie fehlt dir noch?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 14.06.2011, 12:26
@Kommentar von Michael Dittmar. 12.06.2011, 22:57

Hoi Michael,

Leben auf Pump

Der ökologische Fussabdruck der Schweiz (und ganz Europas) ist um ein vielfaches grösser als das Land selber hergibt, da stimme ich dir zu.

Und dies zu ändern ist nicht so einfach wie viele glauben. Sich nur noch Bio… zu ernähren bringt beispielsweise fast bis gar nichts.

Öl ist nicht alles, aber ohne Öl ist alles nichts ???

Trotzdem irrst du fundamental mit deiner Ansicht, ohne Gas, Öl und Kohle wären wir wieder am gleichen Punkt wie vorher und dementsprechend müssten dann Milliarden darben und sterben.

10 Milliarden Erdbewohner in Wohlstand und das ohne fossile Energien

Die fossilen Rohstoffe müssen und können ersetzt werden. Dazu genügt das heutige Wissen und heutige Technik. Öl, Gas und Kohle sind heute nur darum so dominant, weil sie noch so billig sind verglichen mit den Alternativen. Behauptung: Mit den hier beschriebenen SOLAR ISLANDS könnte man innert Jahrzehnten die ganze Erde mit Energie (z.b. in Form von Wasserstoff) versorgen. Als Baumaterialien dieser Energieinseln genügen Stahl und Glas. Solche Projekte werden nur darum nicht verfolgt, weil Energie heute noch billiger fossil oder atomar bereitgestellt werden kann.

Der ökologische Fussabdruck wiederum kann durch geschlossene Materialkreisläufe massiv verkleinert werden. Landwirtschaft in Treibhäusern und in der Form von Vertical Farming kann auch den Bedarf an Land stark reduzieren. Behauptung: Mit genügend Energie, geschlossenen Materialkreisläufen und optimierter, fast landloser Landwirtschaft kann sogar Holland oder die Schweiz ohne Importe (ausser Energieimporten) einen ökologischen Fussabdruck von 1 erreichen. Auf gewissen Luxus wie jeden Tag Fleisch oder Internkontintentalflüge muss man allerdings verzichten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

anbei noch ein „offizielles“ Statement zum Fussabdruck
der Schweiz (wie schon geschrieben Oel wird nur als
CO2 Quelle negativ beruecksichtigt..
wenn man Oel durch Biomasse etc ersetzen moechte
na dann muss man noch viel mehr importieren
und auf Kosten anderer Laender leben.)

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/21/03/01.html

„Wir leben auf Kosten anderer Erdteile oder künftiger Generationen
Das Missverhältnis zwischen ökologischem Fussabdruck und Biokapazität besteht in der Schweiz schon seit Jahrzehnten. Dieser nicht nachhaltige Konsum ist – ohne das eigene Naturkapital deutlich zu übernutzen – nur dank des Imports von natürlichen Ressourcen möglich.“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Martin,

du mischt reale Fakten mit dem Cargo Cult.

Als input braucht man nur
a) Endlichkeit der fossilen Rohstoffe sowie des Urans)
b) Endlichkeit des natuerlichen Kapitals auf dem unser „gutes“
Leben beruht (ueber Millionen Jahre entstanden aus.. c
c) die Solarkonstante mit rund 0.1% Umwandlung in
nachhaltige Biomasse.

d) Unser Fussabdruck im Weltmittel ist nicht 1.3(?) Erden
sondern viel mehr!

in der Schweiz spricht man gerne von 4 Planeten die wir
im Mittel nutzen. Dabei rechnet man die fossilen Energiequellen
nicht mit. Also rund 10% unseres Energiebedarfs kommt
aus erneuerbaren Quellen. Der reale Footprint ist also fast 10 mal hoeher.

Aber gut, sind beim wichtigen Punkt, ein Kollaps ist unvermeidbar,
sind wir uns einig.

Was danach kommt, wann und mit wie vielen Menschen
und Spezies die wir nicht ausgerottet haben werden wir dann
sehen.

Jetzt kommt es erstmal drauf an sicher vom Berg
runter zu kommen.

Packen wir es an.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,
Der von dir verlinkte Artikel von Thomas Friedman The Earth is Full hat mich in seiner Hellsichtigkeit – ich halte den Autor sonst für einen Hyperventilierer – überrascht. Warum tun alle so, als wäre alles in Butter, obwohl Öl- und Rohstoffpreise steigen, Land + Ozeane immer mehr beansprucht werden: The only answer is denial sagt Friedmann zurecht.

Durch Krisen zur Läuterung

Die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts wird schwere Wachstumskrisen mit sich bringen – da stimme ich mit dir überein. Jedoch erwarte ich nach einem initialen katastrophelen Einbruch mit Weltrezession und Hungerkrisen, eine längere Stagnationsphase bevor die Menschheit – geläutert und neu orientiert -, sich wieder erholt von einer Phase in der es mehr Hunger, mehr Konflikte und ansatzweise einen Verfall von Bildung und Kultur gab.
Warum bin ich so optimistisch: Weil ich – anders als du – nicht daran Glaube, dass unser Schicksal an die fossilen Energien – insbesondere Öl – gekettet ist. Wir können Alternativen entwickeln, weil wir wissenschaftlich und technisch heute so breit aufgestellt sind, so viele verschiedene Wege erforschen – und natürlich auch weil eine grosse Krise nach dem initialen Chaos auch Selbstheilungskräfte mobilisiert (?).

Selbstgenügsamkeit und Planeten-Neutralität

Ein weiterer Unterschied zu dir: Du glaubst, wir seien viel zu viele und es müssten Milliarden sterben bevor wir wieder eine ökologischen Fussabdruck von 1 erreichen. Es gibt für mich aber eine schon lange bekannte, jedoch nur wenigen bewusste Alternative, die den Einklang von Natur mit vielen Milliarden Menschen ermöglicht: Wir leben fast abgeschlossen in unserer Menschenwelt und rezyklieren die konsumierten Waren zu 100%. So können wir nicht nur klimaneutral, sondern planeten-neutral für immer weiter leben.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Noch was zum Thema diesmal von der NYT

„How did we not panic when the evidence was so obvious that we’d crossed some growth/climate/natural resource/population redlines all at once?“

http://www.nytimes.com/2011/06/08/opinion/08friedman.html?_r=2

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

all das (neue Technik) aendert den oil decline nicht wirklich!
(und die USA sind nicht weniger abhaengig von Importen geworden)

Schau dir mal den Film Gasland an..
und akzeptieren wir einfach den Peak und den folgenden
decline. Westeuropa hat eh keine Alternative!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,
du schreibst: Wenn das wirklich ginge [CO2-Enhanced Oil Recovery] haetten die das in den USA
schon lange gemacht anstatt einen Krieg nach dem naechsten
zu fuehren.

Doch CO2-Enhanced Oil recovery wird bereits weltweit angewendet, auch und vor allem in den USA und die meisten Projekte sind profitabel.
Das Problem mit CO2-Enhanced-Oil Recovery ist die Quelle für das CO2, welches technisch hergestellt viel zu teuer wäre. Heute werden die wenigen existenten natürlichen Quellen von CO2 verwendet.
Sobald Carbon Capture and Storage (CCS) breite Anwendung findet, hat auch CO2-EOR eine glänzende Zukunft.
Der American Clean Energy and Security Act (ACES) wollte beides CCS + CO2-EOR fördern, scheint aber im Moment von den Republikanern blockiert.
Weltweit ist das Potential für CO2-EOR gewaltig: Bei 50 der grössten Erdölreservoirs könnte CO2-EOR angewandt werden, womit weitere 470 Milliarden Barrel Öl extrahierbar wären, nimmt man aber auch alle kleinen Felder, die jetzt und in Zukunft erschlossen werden als Kandidaten für CO2-EOR hinzu sind es sogar 1 Billion Barrel Öl.

Bei weiter hohen Erdölpreisen könnte Carbon Capture aus Kohlekraftwerken allein schon deshalb attraktiv werden, weil man damit sehr viel mehr Öl fördern könnte.

Hier zwei paar Quellen dazu:
U.S. OIL PRODUCTION POTENTIAL FROM
ACCELERATED DEPLOYMENT OF CARBON
CAPTURE AND STORAGE


GLOBAL TECHNOLOGY ROADMAP
FOR CCS IN INDUSTRY
Sectoral Assessment
CO2 Enhanced Oil Recovery

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Martin, noch ein Nachtrag..

vor 5 Jahren habe ich dieses (immer noch aktuelle)
Colloquium am CERN (und anderen Unis) gegeben.

http://indico.cern.ch/conferenceDisplay.py?confId=a063158

In den 5 Jahren haben wir etliche Katastrophen erlebt,
Preisexplosionen bei der Energie, Wirtschaftschaos
rund 5*1.5 ppm mehr CO2
etc etc ..

Was meinst du braucht die Menschheit noch um
den Beginn vom „Ende des Wachstums“ zu erkennen?

Wie viele Laender und Menschen muessen den Kollaps
auf die schlimmste Art erleben bis wir den geordneten
Weg ins Tal beginnen?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Martin,

Wenn das wirklich ginge haetten die das in den USA
schon lange gemacht anstatt einen Krieg nach dem naechsten
zu fuehren.

Der EIA plot zeigt doch genau was die Leute in Wirklichkeit
wissen. Der CIA ist bestens ueber Peak Oil und seine
Konsequenzen informiert. Brauchst nur Tom Wipple
zu lesen oder andere die jetzt offen sprechen.

Der Zug ist einfach schon abgefahren.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,
die Staaten, Firmen und die Privaten haben gar keine andere Möglichkeit als so weiterzumachen wie bisher, denn wie du selbst mehrmals gesagt hast, gibt es kurzfristig keine Alternative zum Öl. Es könnte so herauskommen wie in einem Cartoon, wo das Strichmännchen über den Abgrund tritt und erst verspätet merkt, dass es nun in der freien Luft ist, um dann ins Leere abzustürzen.

Allerdings ist das nur eine der Möglichkeiten. Die EIA favorisiert als wahrscheinlichstes Szenario das undulierende Plateau bei der Ölförderung. Ein undulierendes Plateau könnte sich allein schon deshalb ergeben, weil bei astronomisch hohen Ölpreisen eine Rezession folgt, was die Nachfrage drückt, die sich erst beim Wiederauftauchen aus der Rezession erholt, womit sich das Spiel wiederholt.
So schlimm muss es aber nicht einmal kommen, denn eine verbesserte Ölextraktion (heute bleibt ja oft 2/3 des Öls im Boden, weil die konventionellen Fördermethoden nicht mehr Extraktion erlauben) könnte allein in den USA schon 240 Milliarden Barrel mobilisieren – also gerade 1 Saudi Arabien. Diese 240 Milliarden US-Barrel müssten mit CO2 extrahiert werden, sinnvollerweise gewonnen mittels Kohlendioxidabscheidung aus Kohlekraftwerken (Carbon Capture). Damit das zur rechten Zeit bereit ist – die Ölverknappung steht ja unmittelbar bevor -, müssten die USA allerdings schon bald damit beginnen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

da haben wir offensichtlich andere Meinungen.

Glaubst du wirklich man kann bis 2020 rund 2 Saudi Arabien
aus dem Nichts zaubern?

Ich halte es da eher mit F. Birol von der IEA
„Wir sollten das Oel verlassen bevor es uns verlaesst“

bezueglich dem Abfall der Produktion in vielen nicht OPEC
Laendern.. die Zahlen sind doch recht eindeutig.
Nordsee, Mexiko etc

Was ist dir da unklar?

Machen wir Planungen mit dem was man in etwa sicher hat
und eben nicht mit dem Cargo Cult!
(auch wenn es einem nicht passt!)

Dinge wie Fukushima passen vielen auch nicht ins Konzept
aber so ist es nun mal!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,
ob die Ölproduktion in den nächsten Jahren zurückgeht, hängt nach IEA und EIA davon ab, wieviele der noch unidentifizierten Projekte zur Ölförderung, realisiert werden.
Du interpretierst Nicht-Identifiziertes Projekt zur Ölförderung als nicht existentes Projekt, was aber nicht zulässig ist.
1) Ein Ölförderprojekt kannn mehr oder weniger Öl fördern als zuerst geplant. Beispiel: Die internationale Energieagentur geht davon aus, dass der Irak im Jahr 2035 zusätzliche 4.5 Millionen Barrel Öl pro Tag fördert, obwohl der Irak selbst angekündigt hat schon im Jahr 2017 12 Millionen Barrel zu fördern. Auch wenn es nur 6 Millionen Barrel im Jahre 2017 wären, wäre das immer noch genug, um einen weltweiten Produktionsabfall zu verhindern.
2) Nicht-identifizierte Ölförderprojekte gab es wahrscheinlich schon immer. Das ist einfache eine Umschreibung für die grosse Unsicherheit in der Prognose der Ölförderung. Hier eine Meinung aus der EIA dazu: Yet the answer to the issue of knowing when, where and in which quantities additional sources of oil should be put on-stream remains widely “unidentified”

Seit ich Ölförderprognosen etwas verfolge, ist mir jedenfalls aufgefallen, dass viele sogar kurzfristige Voraussagen schlicht falsch waren. So wurde
1) ab 2008 ein sinkender Anteil des Non-OPEC-Öls vorausgesagt – das Gegenteil ist eingetroffen.
2) Immer wieder vorausgesagt, die russiche Ölförderung überschreite gerade ihren Peak. Doch bis jetzt förderten die Russen jedes Jahr mehr.

Prognose:
– Ob es schon bald einen echten Abfall bei der Ölproduktion gibt, können wir nicht sagen. Bei steigenden Preisen ist aber ein Abfall wegen induzierter Rezession zu erwarten.
– Es erwartet uns folgender Circulus vitiosus: Hoher Ölpreis->Rezession->Sinkender Ölpreis->Erholung->Hoher Ölpreis->…

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

genau und dann schau dir einfach mal
bei der EIA oder der IEA wie die Oelfoerderung
mit den bekannten „quellen“ verlaufen wird
zum Beispiel hier:

http://www.rubicon322.info/

von 86 mb/day 2010 .. auf 65 mb/day 2020
25% weniger in 10 Jahren…
bei gewuenschtem illusorischem Wachstum
von 1% pro Jahr..

und wie gesagt mit „unidentified projects“ kann man keine
Planung machen.

welcome on the Titanic ..

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,

ob der Abschied von den fossilen Energien, und hier vor allem der Abschied vom bezahlbaren Öl, gut für die Menschheit abläuft oder nicht, hängt entscheidend vom zeitlichen Verlauf ab.

Zeichnet sich ein jahrzehntelanges Plateau bei der Ölversorgung ab, kann über Teilsusbstitution mit Erdgas, sparsameren Fahrzeugen und PlugIn-Hybriden ein Übergang geschaffen werden, bei dem es eventuell nur zur Verlangsamung des Wirtschaftswachstums kommt.

In reichen Ländern könnten tatsächlich sogar Wind + Sonne – teilweise vielleicht in Projekten wie Desertec genutzt – als neue Energiequelle dienen, auch wenn diese neuen Energien teuer und von den nötigen Installationen und Infrastrukturen her aufwendig sind. Denn in Ländern wie der Schweiz, Deutschland oder Frankreich wird nicht einmal 5% des BIP für Energie ausgegeben. Um ein Beispiel zu geben: In der Schweiz wird pro Jahr Strom für 12 Milliarden Franken verkauft, aber die Gesundheitsausgaben pro Jahr betragen 60 Milliarden.

Eine schneller Abfall der Ölförderung -z.B. 2 bis 2 Prozent pro Jahr – könnte hingegen keine der heutigen nicht-fossilen Energien, weder Nuklearenergie noch neue Erneuerbare , auffangen. Das würde tat sächlich zu einer Weltrezession führen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

wie schon oefter gesagt ..

wer mit Wundern die Zukunft plant wird wenig Chancen haben,
wer zusaetzlich noch die Gewitterwolken ignoriert
noch weniger.

Deshalb mit dem was wir wissen planen und die Menschen
auf die kommenden Probleme vorbereiten.

Dann gibt es eben manchmal auch in scheinbar hoffnungslosen
Situationen eine Loesung.

„Bezueglich ohne Menschen waere der Planet besser dran“
sicher eine interessante Aussage

Denke sie mal bis zum Ende.

Aber, die Situation ist wie sie ist und was sicher ist:

ohne einen gesunden Planeten gibt es weder fuer uns
noch fuer viele andere Species eine Chance.

akzeptieren wir einfach unsere Rolle als Teil des
Organismus Planet und versuchen die Fehler der Vergangenheit zu
korrigieren. Und geben als erstes die Idee auf die
Krone der Schoepfung zu sein.

Wo ist das Problem?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,

Wenn Cargo Cult der Glaube an Wunder ist, dann ist es so, dass inzwischen die ganze Menschheit auf Wunder angewiesen ist, um ihren Weg fortsetzen zu können.
Die Alternative ist aber der Absturz und der wäre sehr brutal und grausam.

Überqueren des Styx durch Springen von Stein zu Stein

Unsichere Lebensverhältnisse waren früher gang und gäbe – heute sind sie es weiterhin in Entwicklungsländern: Ägypten hatte 1947 19 Mio Einwohner, 1976 36.6 und 2010 sind es 80 Millionen Einwohner. 40% der Ägypter leben in prekären Verhältnissen (< 2 US$/Tag) und im Jahr 2050 könnte es 160 Millionen Ägypter geben: Mit dann mehr oder weniger Leuten in prekären Verhältnissen?

Die steigenden Rohstoffpreise und die drohende Ölverknappung machen aber inzwischen die Zukunft auch der Menschen in industrialisierten und Schwellenländern unsicher. Eine schnelle Verknappung wichtiger Rohstoffe könnte den Welthandel beeinträchtigen (fehlender Export von überlebenswichtigen Gütern), zum Einbruch der landwirtschaftlichen Produktion und schliesslich zu Konflikten und Massensterben führen.
Um das zu verhindern braucht es ein Wunder: Eine billige, schnell ausbaubare Energiequelle.

Eine kleine Chance: Mit mehr Technik/Energie zu mehr Natur

Du schreibst: durch Peak Oil a) ..werden wir der Natur zurueck in Gleichgewicht
helfen.. b) verhindert man das Aussterben der Tiger, Nahoerner Chimpansen, Gorillas etc

Antwort: Wenn der Planet die Menschenplage los wird, geht es dem Planeten sicher besser, der Menschheit dagegen umso schlechter.

Eine billige, schnell ausbaubare nicht-fossile Energiequelle dagegen könnte Mensch und Natur zugleich retten, denn mehr billige Energie bedeutet:
1) eine 100%-ige Recyclingwirtschaft wird realisierbar: Weniger Minen, weniger Abholzen
2) Landwirtschaft mit künstlicher Bewässerung auf schlechtem Land wird möglich. Es bleibt Platz fürs Nashorn und den Tiger.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

genau das ist der Cargo Cult.
(oder der Glaube wird Berge verruecken oder aehnliches)

Aber rechne doch selber mal aus wie schnell dieser Traum der unendlichen
Energie wahr werden muss.. plus x% pro Jahr,
und wie verhindert man das Aussterben der Tiger, Nahoerner
Chimpansen, Gorillas etc etc..

lese mal wider die Geschichte „des Kaisers neue Kleider!“

„Der Lithium-Fluorid-Thorium-Reaktor, aber auch Bill Gate’s Travelling Wave Reaktor sollen nicht-fossile Energie billiger als heutige Kohle liefern. So müsste es sein: Nicht-fossile Energie billiger als heutige Fossile. Die Welt würde sich gratis retten lassen!!“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

Energieforschung natuerlich, habe nie was anderes geschrieben.
Nur, wenn man ein negatives Ergebnis hat dann hoert man auf!

Wie bei dem Tritium supply problem fuer die Fusion.

oder beim 2. Hauptsatz der Thermodynamik
Perpetuum Mobile gibt es nicht!
etc..

im Gegensatz dazu findet man auch in der Forschung immer wieder Schwindler wie in der Geschichte
„des Kaisers neue Kleider“.

Ansonsten.. als erstes muss man
die natuerlichen Grenzen des Wachstums akzeptieren.

Danach kann und muss man am unbekannten Weg nach unten
forschen. (Eben die Schweizer Bergfuehrer!)

zu
„Du bist durchs Band pessimistisch.“

Nein ganz im Gegenteil.. das Klima CO2 Problem sehe
eher optimistisch .. Dank Peak Oil bleibt uns das schlimmste
gerade noch mal erspart.

Sowie:
Dank Peak Oil werden die Verschwender und die
Verschwendung gestoppt werden sowie mit
Glueck werden wir der Natur zurueck in Gleichgewicht
helfen..

Dagegen alle die, die weiter wie bisher machen wollen
bringen uns garantiert in Kollision mit verschiedenen Eisbergen.

Bezueglich dem Lerneffekt ..

Fangen wir doch einfach mal an aus Fukushima zu lernen
und beenden den Alptraum der Kernenergie bevor
aehnliches unwahrscheinliches in unserer Naehe passiert.
Bringen den radioaktiven Muell in ein tiefes Lager
koste es was es wolle solange wir noch genug Oel
zum Loecher buddeln haben!

Es gibt genug zu tun, packen wir es jetzt an
damit nachfolgende Generationen nicht nur eine Wueste
finden ..

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Weniger Energie verbrauchen macht vor allem Sinn, wenn es keine sauberen Energiequellen gibt.
Die 2000-Watt-Gesellschaft wird damit motiviert, dass fossile und nukleare Energien ein grosses Schadenspotential mit sich bringen. Mit erneuerbar erzeugter Energie müsse man dagegen nicht sparen, wenn es genug davon gibt, hört man hin und wieder.
Tatsächlich gilt: Gäbe es eine billige nicht-fossile Energiequelle, müsste man nicht mehr Energie sparen, sondern könnte mit viel Energieeinsatz den ökologischen Fussabdruck des Menschen deutlich reduzieren.

Probleme, die mit mehr und billiger Energie lösbar werden

Billige nicht-fossile Energie ebnet den Weg für
a) geschlossene Materialkreisläufe mit 100%-iger Rezyklierung
b) Breit angewandte Meerwasserentsalzung für Bewässerung/Landwirtschaft
c) Zurückführung der atmosphärischen CO2-Werte auf präindustrielle Werte

zu a) Eine 100%-ige Rezyklierung von Materialiennnnnn bedeutet in der Gleichgewichtswirtschaft: Kein Abfall mehr und kein Bedarf für neue Rohstoffe. Experten halten 100 Prozent Recycling für möglich, allerdings benötigt man heute sehr viel Energie um seltene Materialien wiederzugewinnen.

zu b) Ohne Meerwasserentsalzung gäbe es die saudische Stadt Riad nicht. Die zunehmenden Wasserprobleme könnten mit Meerwasserentsalzung gelöst werden und mehr Menschen von bewässertem Land ernährt werden.

zu c) CO2-Extraktion aus der Umgebungsluft scheitert nicht an der Technik sondern am Energieverbrauch. Mit billiger nicht-fossiler Energie könnten wir zurück zu präindustriellen CO2-Werten

Potenzielle billige, nicht-fossile Energiequellen

Der Lithium-Fluorid-Thorium-Reaktor, aber auch Bill Gate’s Travelling Wave Reaktor sollen nicht-fossile Energie billiger als heutige Kohle liefern. So müsste es sein: Nicht-fossile Energie billiger als heutige Fossile. Die Welt würde sich gratis retten lassen!!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 05.06.2011, 10:42

Hoi Michael,
du schreibst, die Forderung nach Energieforschung sei fragwürdig bringst dann aber gleich selbst Vorschläge wie man die Nuklearenergie sicherer machen könnte.

Wenn man aber nicht nur die bestehenden Reaktoren nachrüsten, sondern weiterhin auf Nuklearenergie irgend einer Form setzen will braucht es Forschung und ein Ziel, nämlich den inhärent sicheren Reaktor. Einen Reaktor also, der sicherlich nicht auf aktive Nachkühlung angwiesen ist.

Forschungsbedarf gibt es aber in vielen Bereichen der Nutzung von Energiequellen. Ich könnte mir beispielsweise durchaus vorstellen, dass die Variabilität von Energiequellen wie Wind+Sonne durch ein extrem grossräumiges Energienetz (z.B. Europa und Asien) ausgeglichen werden kann. Heute wäre ein solches Netz zu teuer. Doch mit supraleitenden Kabeln und passender Technologie könnte es realisiert werden.

Es gibt im Energiebereich sowieso sehr unterschiedliche Meinungen. Du bist durchs Band pessimistisch. Hier ein Zitat eines Optimisten: Nobel laureate Carlo Rubbia at the European Organization for Nuclear Research points out the use of thorium as a cheap, clean and safe alternative to uranium in reactors may be the magic bullet we have all been hoping for.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Einfach nur die Energieeffizienz steigern um den Heisshunger auf Energie zu bändigen, wäre für alle die angenehmste Lösung.
Leider genügt das in vielen Fällen nicht.

Warum freiwilliges Energieeinsparen an Grenzen stösst

Um den Energieverbrauch zu Dritteln oder gar zu Vierteln braucht es auch strukturelle Veränderungen, also beispielsweise weniger Pendelverkehr (50 km tägliches Pendeln 7 Tage/Woche benötigt 750 Watt Durchschnittsleistung). Der Energieverbrauch wird sich auf rein freiwilliger Basis kaum Dritteln lassen. Es gibt einfach zuviele unabhängig voneinander ablaufende Entwicklungen, die den Energiebedarf hochhalten, z.B:
1) Kulturelle Faktoren: US-Amerikaner bevorzugen grosse Autos, kleine werden nur vorübergehend bei teurem Benzin gekauft
2) Wachstumsindustrien: a) Internet-Sever + Data-Centers verbrauchen jetzt etwa 1% des Stroms, bei einem Wachstum von 12% pro Jahr würden sie aber 2050 gleich viel Strom brauchen wie heute weltweit produziert wird
b) Die Flugindustrie wächst 5% pro Jahr. Heute verbraucht sie schon soviel Sprit wie ganz Afrika.
3) Zunehmender Wohlstand führt zu Mehrkonsum: grössere Autos, mehr Wohnfläche

Verknappungen/Krisen als Chance wahrnehmen

Der Effekt von Programmen zum Energiesparen wie die 2000-Watt-Gesellschaft wird aus obigen Gründen weltweit immer beschränkt bleiben. Eine Zwangssituation, bei der Einsparen als günstigste Lösung erscheint, bietet die besten und meisten Chancen für eine Verhaltensänderung. Dies zeigt bereits die Tendenz der US-Amerikaner bei hohen Spritpreisen kleinere Autos zu kaufen.

In den nächsten Jahren wird der Rohölpreis wegen Ölverknappung stark steigen, was wahrscheinlich sogar eine Weltrezession auslösen wird. Das wäre die Chance massive Einsparungen beim Rohölverbrauch weltweit durchzusetzen, denn Wirtschaft und Umwelt würden davon gleichermassen profitieren.

A crisis is an opportunity to do things you couldn’t do before

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

„Kommentar von Martin Holzherr. 05.06.2011, 12:27
Energiefragen hier in Europa drehen sich vor allem um den Strom (AKW-Ersatz, Strom aus Wind+Sonne) und allenfalls um energiearme Gebäude.“

Ja, leider. Gerade in der Schweiz sollte man sich bewusst werden
wie stark wir vom Oel abhaengig sind.
Rund 56% des Energiemix basiert auf dem Oel
und ein grosser Teil der Petrodollars wird ueber die Schweiz geregelt.

Aber Martin,

Welche Evidenz hast du dafuer dass die Reichen in der Schweiz
auf ihre grossen komfortablen Autos freiwillig verzichten.

Oder anders ausgedrueckt

deine „Cargo Cult Technologie“ basiert gleichzeitig
auf einem idealen Menschenbild was die verbleibenden
Energiequellen gerecht unter 8 oder 9 Milliarden Menschen
teilen wird.

Machen wir schon jetzt nicht also warum in 10-20 Jahren?

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Energiefragen hier in Europa drehen sich vor allem um den Strom (AKW-Ersatz, Strom aus Wind+Sonne) und allenfalls um energiearme Gebäude.

Ich behaupte aber: In den nächsten 10, 20 Jahren sind die grössten Auswirkungen auf unserer Leben durch die zunehmende Erdöl-Verknappung und die allgemein höheren Energiepreise – Kohlepreise haben sich seit Februar 2009 verdoppelt – zu erwarten.

Meinungen zum Ersatz der fossilen Energien

Michael Dittmar: In den nächsten 10 Jahren wird jedes Jahr bis zu 3 Prozent weniger Rohöl gefördert, was eine Weltrezession auslöst (Fliegen,Transport beeinträchtigt), und (Zitat) wir werden uns wohl nie wieder davon erholen..
Martin Holzherr: In den nächsten 10 Jahren gibt es ein Produktionsplateau beim Öl; die Nachfrage steigt aber sehr stark (Asien, Schwellenländer). Dies führt zur Wirtschaftsstagnation und zu problematischen Substitutionsversuchen. Eine stark zunehmende Biotreibstoffproduktion wird zusammen mit den höheren Erdölpreisen eine Welthungerkrise auslösen. In einem Lernprozess wird das Problem dann mit Effizienzmassnahmen (3-Liter Auto als Norm), Erdgas als Ölsubstitut und Plug-In Fahrzeugen abgeschwächt.
Erneuerbare Proponenten: Hier gibt es zwei Haupmeinungen: 1) Biotreibstoffe ersetzen Rohöl vollkommen. Vorteil: keine Änderung für Fliegen, Schifffahrt, Auto 2) Elektromobile (durch EE-Strom gespeist) anstatt Erdöl. Vorteil: EMobile sind effizient, Autobatterien können variable EE-Stromproduktion ausgleichen.

Warum Erneuerbare vorerst keine Lösung sind

Wind+Sonne als Energiequellen benötigen ein gutes Netz, Backupkraftwerke und/oder Speicher. Das ist schlicht zu teuer für Entwicklungsländer (ausser für Demoprojekte). 60% des weltweiten Solarstroms wird in Deutschland erzeugt und 80% in Europa. Windräder sind in China+Indien oft nicht ans Netz angeschlossen. Biomasse wiederum benötigt heute zuviel Land und schadet mehr als es nutzt. Kommt Zeit, kommt Rat?

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Hoi Martin,

ich glaube wir hatten das alles schon mehrmals.

Du und viele andere „jammern“ ueber zu wenig
Energieforschung ohne jemals zu quantifizieren welche Projekte
nicht finanziert wurden.
Ich denke in Kernenergie wurde schon viel zu viel
Geld verplempert ohne je die wichtigen Probleme
richtig anzugehen.
Muell Endlage sowie wie wir alle aus Fukushima lernen
koennen

Ein System welches nur mit einem funktionierenden
elektrischem Grid sicher vor der Kernschmelze ist
haette niemals gebaut werden duerfen.

Jetzt muesste man so schnell wie moeglich
Geld finden fuer passive Kuehlsysteme der
alten Brennelemente. Wenn es sein muss eben mehr
pools bauen koste es was es kostet.

Dafuer gibt es praktisch keinen Rappen!

Fuer mich die Projekte die nicht finanziert werden
sind die der Aufklaerung ueber das Energieproblem
und das Sparen.

Steht als einer der wichtigen Saeulen im 2000 Watt Programm
nur (fast) niemand kuemmert sich darum. Warum wohl

Wie gesagt auf der Titanic haben auch nur wenige Leute
von Eisbergen gesprochen..

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@Kommentar von Michael Dittmar. 04.06.2011, 22:44

Hoi Michael,
du bist mit deiner Meinung, es gebe keinen Ersatz für die fossilen Energien ziemlich allein. Einige hoffen sogar, die fossilen Energien würden sehr viel teurer, denn das wäre in ihrer Meinung der Beginn des Durchbruchs für die Erneuerbaren.
Hier ein typisches unwidersprochenes Zitat von einem Kommentator aus der Klimalounge: dass niemand die Preisentwicklung der fossilen Energieträger für Jahrzehnte im voraus prognostizieren kann. Wenn sich nämlich diese Preise dauerhaft verdoppeln, werden Großkonzerne und Banken massenhaft in EE investieren, weil das dann profitabler ist. Dann könnte es passieren dass plötzlich riesige Brachflächen und Steppen bewässert und aufgeforstet werden, um Biomasse zu produzieren.

Doch die Rohölversorgung wird in den nächsten 5 Jahren kaum schelchter werden, wenn der Irak seine Pläne umsetzt und bis 2017 12 Millionen Barrel Rohöl pro Tag fördert und selbst wenn er es erst bis 2020 schafft bedeutet dies, dass es keine zunehmenden Versorgungsschwierigkeiten gibt sondern höchstens eine zu hohe Nachfrage, was das Waschstum etwas bremst. Wenn die Rohölknappheit sich aber schleichend und langsam einstellt, bleiben viele Substitutionsmöglichkeiten und wirklich neue Energiequellen sind vielleicht erst in 30 Jahren nötig. Kommt dazu, dass einfach zuwenig in Energievforschung investiert wird. Hätte die Energieforschung eine höhere Priorität könnte etwas in 20 Jahren geschehen, was heute viel länger braucht.

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Hoi Martin

„- Die Forschung wird in den nächsten 20 Jahren neue Energiequellen finden, davon bin ich erzeugt. Hier die Kandidaten.
a) Die Kernenergie bietet viele Möglichkeiten, von denen die meisten nicht näher untersucht wurden: z.B: LFTR, modularer Kugelhaufenreaktor, Kernfusion mit Z-Pinch, Plasma-Jet-Driven Fusion
b) Treibstoffe aus genetisch manipulierten Mikroorganismen“

Ich glaube nicht dass du das selber glaubst..

aber, 20 Jahre .. also was genau soll in der Kernenergie
passieren .. hoert sich nach Wunschdenken an!

ITER? die schaffen in 20 Jahren noch nicht mal irgend was zu beweisen.. ausser was wir schon lange wissen
wenn wir nicht die Augen vor der Wahrheit verschliessen

der Deuterium Tritium Zyklus mit dem Tritium brueten
kann gar nicht funktionieren.

bei schnellen Bruetern..

selbst die Optimisten sagen vor 2040 kann gar nichts passieren.

Rechne einfach selber mal ..

wieviel Oel und Gas willst du durch Kernenergie ersetzen
und bis wann.

Martin.. der Cargo Cult Zug ist schon lange abgefahren.

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@Kommentar von Michael Dittmar. 03.06.2011, 10:4

Hoi Michael,

Viele Blogautoren hier und natürlich auch Du wünschen sich eine bestimmte Zukunft und warnen vor Gefahren, wenn wir so weitermachen. Die Blogautoren appellieren in der Mehrheit an die Vernunft, wir beide aber wissen, dass nur Katastrophen oder mindestens Krisen etwas bewirken, denn einen vernünftigen Umgang mit Natur, Umwelt und Ressourcen hat schon der Club of Rome (Grenzen des Wachstums) vor 30 Jahren angemahnt, ohne dass das irgend etwas geändert hätte.

Handeln im Sinne des gesamtmenschlichen Interesses liegt nicht in der Natur des Einzelnen, auch nicht in der Natur von Gesellschaften. Jeder handelt aus seiner Situation heraus zuerst für sich, dann für seine Familie, Freunde, Bekannten, dann für sein Land, seine Umwelt, ganz am Schluss für animalische Mitgeschöpfe und die Natur. Der Horizont ist das eigene Leben und umfasst nicht einmal das der Kinder. Armut gebiert Armut, Hunger und viele Kinder; Reichtum gebiert Überfluss, Verschwendung und Anspruchsdenken. Beides aber bedroht Regenwälder, Fischgründe und erfordert immer mehr Ressourcen.

Es fehlt der Menschheit noch das gemeinsame Erlebnis, die gemeinsame Erfahrung, die sie zusammenschweisst und eine gemeinsame Sorge um unsere Zukunft wachhält.

Die uns bevorstehende Energiekrise ausgelöst durch eine schnell wachsende Nachfrage nach Treib- und Brennstoffen (mehr Autos in China+Indien, mehr Flüge usw.) und dem fehlenden Angebot könnte das ändern. Denn diese Krise geht – anders als andere Krisen – nicht einfach wieder weg. Und sie betrifft alle. Die beste Antwort darauf ist gemeinsames Handeln, z.B.
a) eine weltweite Rationierung von Treib-/Brennstoffen
b) weltweite, gemeinsame Energieforschung
c) Verteidungsbudget umlenken in Budgets für Zukunftsfragen

Jede Krise ist auch eine Chance. Eine Krise, die alle betrifft, ist eine Chance für alle: die Chance Verantwortung für unsere ganze Gattung und ihre Zukunft zu übernehmen.

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Hoi Michael,
Du schreibst: Peak Oil bedeutet nicht nur Energie wird deutlich teurer sondern eben weniger!
Doch du vergisst, dass niemand wirklich am Öl hängt, nur an den Leistungen, die es bietet. Erdgas gibt es (nach der Möglichkeit auch shale gas zu erschliessen) inzwischen gleich viel wie konventionelles Erdöl, unkonventionelles Öl, vor allem Ölsand, wird bei höheren Preisen immer mehr gefördert werden. Schweröle könnten bei hohen Preisen zu Treibstoff raffiniert werden.
Wichtig: Der Abfall von Peak konventionelles Öl wird sehr langsam sein, sogar nach ASPO wegen EOR und allgemein mehr Extraktionsaufwand.

Ich gehe deshalb nicht von einem Crash, sondern von einer langandauernden Stagnation aus.
Die Umweltprobleme wurden übrigens auch früher schon erst angegangen als es fast zu spät war. Folgendes erwartet uns:
– Fischerei wird durch Fischzucht völlig abgelöst gerade kurz bevor die Meere leer gefischt sind
– Biotreibstoffanbau wird bei der bevorstehenden Ölverknappung zuerst zu Hungersnöten führen, dann wird der Anbau verboten oder eingeschränkt
– Das CO2-Problem – die globale Erwärmung – wird sich während der Stagnationsphase nur wenig verschärfen. Dieses Problem wird wie die meisten Umweltprobleme erst sehr spät gelöst werden
– Die Forschung wird in den nächsten 20 Jahren neue Energiequellen finden, davon bin ich erzeugt. Hier die Kandidaten.
a) Die Kernenergie bietet viele Möglichkeiten, von denen die meisten nicht näher untersucht wurden: z.B: LFTR, modularer Kugelhaufenreaktor, Kernfusion mit Z-Pinch, Plasma-Jet-Driven Fusion
b) Treibstoffe aus genetisch manipulierten Mikroorganismen

Die Kernenergie wird auch in der heutigen Form weiter eingesetzt werden, schlicht und einfach weil jede Energieform verwendet wird. Nur wir hier glauben, wir könnten uns die Wunschenergie auswählen. Heutige Kernenergie ist einfach zu langsam ausbaubar, das ist in Wirklichkeit ihr Hauptproblem.

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Hoi Martin,

das glaubst du in Wirklichkeit selber nicht so richtig!

Peak Oil bedeutet nicht nur Energie wird deutlich teurer
sondern eben weniger!

nach den Zahlen der IEA etc gibt es eben im Jahr 2020
nur noch 1/3 von dem gibt was wir angeblich brauchen
koennen wir ja mal eine Vorhersage machen..

Wieviel davon wird noch nach Westeuropa und in die Schweiz kommen?

Dann, 2 Milliarden mehr Menschen ..
so wie in den Slums von Indien etc (den Mega Cities auf der Welt)
brauchst du wirklich noch mehr Bilder?

Die Ozeane.. was hat sich daran in den letzten 20 Jahren
seit Rio und dem sustainable blabla geaendert?

Das Co2 Problem.. seit 2 Jahren schreiben wir uns hier die
Finger wund und was haben wir erreicht ..

selbst das praktisch Nichts vom Kyoto Protokoll
ignorieren wir total.

Kernspaltungsenergie .. hat sich selber erledigt

Biotreibstoffe … oder Nahrung?

Regenwaelder .. wieviel werden wir davon in 20 Jahren
noch haben?

etc etc..

Hat der Haeuptling Seattle eben doch Recht

erst wenn der letzte Baum gerodet ist werdet ihr begreifen
dass man Geld nicht essen kann!

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Hoi Michael,
trotz insgesamt überbordendem Wachstum weltweit gibt es einige statistische Kennzahlen, die ein Einschwenken auf umweltverträglichere Verhaltensweisen anzeigen. So ist die Bevölkerung in Europa, Japan und Russland rückgängig und das Bevölkerungswachstum in China und Indien hat sich verlangsamt. Global hat das Bevölkerungswachstum bereits 1962 das Maximum von 2.2% pro Jahr erreicht und ist jetzt nur noch bei 1.2% pro Jahr, so dass es bei Fortbestehen des Trends im Jahr 2100 höchstens 10 Milliarden Menschen geben wird – viel weniger als früher prognostiziert. Der zunehmende Wohlstand, der einerseits den Ressourcen- und Energieverbrauch und den negativen Einfluss des Menschen auf die Natur stark erhöht, bremst andereseits das Bevölkerungswachstum und führt zum neuen Luxusgut „unversehrte Natur“, was zu Reparaturen Anlass gibt. Meine Prognose: Der Mensch überzieht die natürlichen Grenzen und wir werden darum schon bald Wachstumskrisen erleben, aber das Abbremsen hat doch schon begonnen. Ich erwarte eine langanhaltende Stagnation, wenn Öl und andere Rohstoffe zu teuer werden (schon bald) aber keinen katastrophalen Einbruch, denn die Rohstoffe gehen nicht wirklich aus, sie werden nur teurer, weil die verbleibenden Reserven bei abnehmenden Gehalt schwieriger und teurer zu fördern sind. Gas , Ölsand, teuer aufbereitete Schweröle und Energieeinsparungen werden das abnehmende Erdöl kompensieren und die langsamer wachsende Weltwirtschaft wird Ressourcen tendenziell billiger machen, aber auch weniger Geld übriglassen für Erneuerbare und andere hochfahrende Projekte. Doch es bleibt dann Zeit, völlig neue Energiequellen zu erforschen und wenn sie einmal gefunden sind schliesslich die Stagnation zu überwinden. Die bevorstehende Wachstumskrise kann auch – wenn sie nicht im Chaos endet – eine Phase des konzertierten internationalen Problemlösens einleiten und Grundsätzen der Nachhaltigkeit zum Durchbruch verhelfen.

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Hoi Martin,

@Kommentar von Martin Holzherr. 02.06.2011, 2:38

„wir haben nur teilweise die gleiche Sichtweise. Du erwartest eine Energie-/Rohstoffkrise, die die uns bekannte Zivilisation in Frage stellt – und begrüsst es sogar.“

Naja sagen wir es mal so:

1) ich (wir) lebe(n) in einer recht angenehmen fast optimalen
Situation. Wer moechte davon schon abstand nehmen.
Also das ist nicht die Frage oder das Problem.

1a) ich sehe das diese Glueck nur einem kleinen Teil
unserer Gattung moeglich ist und nur auf Kosten
anderer sowie auf einer beschleunigten Zerstoerung
unserer Lebensgrundlagen und des Oekosystems
was wir alle brauchen.

Also wir leben eben gut dank „nach uns die Sintflut“.

Das gefaellt mir nicht ist aber unser System
2) unser im Moment geliebtes System ist nicht nachhaltig
und zerstoert die Lebensgrundlagen von uns und dem gesamten
„Web of life“ wie es so schoen auf englisch heisst.

3) was fehlt um die selbstmoerderische Realitaet unserer
Zivilisation zu erkennen?

Fakten gibt es mehr als genug .. aber sie sind nicht ausreichend
um eine politische Wende einzuleiten.
Geht wohl auch gar nicht .. weil das System nur mit
Wachstum (gut) funktionieren kann.

4) Der Eisberg (vor der Titanic) ist schon sehr gut zu erkennen
aber was nuetzt es (nennen wir ihn Peak Oil oder Klima Co2
Problem oder der Impact unserer Gattung ist zu gross
oder wie auch immer ..

5) Illusionen wir koennten dem Eisberg entgehen sind eher
hinderlich solange wir das Grundproblem nicht akzeptieren
wollen. (Die Titanic mit Segeln von ihrem Kurs abbringen
kann wohl nicht funktionieren solange genug Treibstoff da ist)

Deshalb .. ist es wohl am besten so schnell wie moeglich
in Treibstoffknappheit zu kommen damit der Zusammenstoss
nicht ganz so schmerzvoll wird.

Also bringen wir Peak Oil, Peak Energie etc.. hinter uns
und spucken in die Haende und arbeiten an einem
neuen System was wirklich den Namen…

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Hoi Michael,
wir haben nur teilweise die gleiche Sichtweise. Du erwartest eine Energie-/Rohstoffkrise, die die uns bekannte Zivilisation in Frage stellt – und begrüsst es sogar.
Ich erkenne etwas ähnliches, nämlich eine global cheap energy supply crisis, die sich seit den späten 90ern anbahnt, jetzt immer deutlicher wird und die früher oder später das globale Wachstum zu einem knirschenden Halt bringen wird aus dem herauszufinden schwierig werden kann. Eine solche Krise führt meiner Ansicht aber nur zu Schlechtem: Mehr Hungerstote, kaum mehr Investitionen in Wirtschaft, Ausbildung, Wissenschaft, Verlust der Kultur mit neuer Armut und mehr Kindern, die in eine ungewisse Zukunft aufwachsen – also ein Niedergang auf breiter Front.

Die meisten Klimablogger hier halten Verknappungen bei Energie und Rohstoff wohl sogar für segensreich, bremsen sie doch den CO2-Anstieg und begünstigen die Transition zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Genau hier liegt aber das Problem: Eine Transition zu einer nachhaltigen Wirtschaft ohne Einbussen und Einschränkungen ist heute noch nicht in Sicht. Die Energiealternativen zu den fossilen Energien sind defizient in mehrfacher Hinsicht:
1) Sowohl neue erneuerbare Energien (Wind+Sonne) als auch heutige Nuklearinfrastrukturen können nur langsam – über Jahrzehnte – ausgebaut werden. Sie können eine plötzliche Lücke bei den fossilen Energien desshalb nicht schliessen.
2) Wer auf neue erneuerbaren Energien setzt muss vom heutigen Energiesystem mit seinen Prioritäten – tiefer Energiepreis, Versorgungssicherheit, Anstreben einer gewissen Autarkie – Abschied nehmen und statt dessen auf ein weiträumig vernetztes System mit räumlich weit auseinanderliegenden Stromproduzenten, -konsumenten und – speichern vertrauen.

Ich bin immer noch überzeugt davon, dass neue, billige, nichtfossile schnell zu relaisierende Energiequelln das beste für uns wären. Wohlstand bremst das Populationswachstum und öffnet neue Möglichkeiten. Später mehr!

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hoi Martin

wir scheinen fast die gleiche Sichtweise zu haben:

sobald es mit dem billigen „Oel“ zu Ende ist
gibt es eine Krise ohne Ende.

Die Frage ist eben:
„wie lange lassen es sich die weniger wohlhabenden
gefallen im Winter zu frieren und nicht genug Geld
zum Essen zu haben?“
Wenn die ausser Sichtweite sind scheint alles ok zu sein.
Selbst in Indien sieht man „friedlich“ Hungernde
in Massenslums direkt neben den Multimillionen Luxushaeusern

In Suedamerika/Africa/Islamischen Laendern/USA
ist es wohl nicht ganz so friedlich und auch fuer die
Reichen nicht gerade angenehm wenn man auf hohe
Sicherheitszaeune achtet..

„Beispiele zu a) Minergiehäuser mit Wärmepumpen sind etwas für Wohlhabende, Elektroautos sind heute 2 bis 3 Mal teurer als Benziner.
Problem: Sollten starke Rohöl-/Rohstoff -preiserhöhungen zur Rezession führen, kann sich niemand mehr Minergiehäuser und E-Mobile leisten. Dann friert man im alten ölbeheizten Haus und kann sich kein neues bauen, das ohne Öl auskommt, weil einem das Geld dazu fehlt.“

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 30.05.2011, 14:46

Hoi Michael,

Eine Entkoppelung des Rohstoff- und Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum und Wohlstand ist eine wesentliche Idee der 2000-Watt-Gesellschaft und wurde hier von verschiedener Seite, vor allem aber von Lucas Bretschger als erstrebenswert und machbar vertreten.
In der Praxis scheint die Entkoppelung sehr langsam voranzuschreiten, denn – um ein Beispiel zu geben – noch im Jahre 2009 lag der Durschnittsverbrauch eines Neuwagens in der Schweiz bei 7 Litern, allerdings bei immer schwereren Autos. Aehnliches gilt für den Heizölverbrauch, der trotz immer mehr Wohnungsfläche leicht abgenommen hat. Auch Fernseher und Kühlschränke verbrauchen heute weniger sind dafür aber grösser. Die Energieeffizienz vieler Dinge, die wir verwenden, hat sich deutlich verbessert, auf die Totalbilanz hat das noch nicht so stark durchgeschlagen, wegen dem Mehrkonsum (Jevon-Effekt).
Du schreibst: Wir “Reichen” machen weiter wie bisher und die anderen sollen entkoppeln.. Doch wenn schon müssen wir entkoppeln, den den Armen und Aufstrebenden fehlt das Geld dazu.

Meine Diagnose und Prognose:
a) Weniger Energie- und Rohstoffverbrauch bei gleichem Komfort bedeutet meist einen (deutlichen) Aufpreis und eventuell mehr Energieaufwand für die Herstellung des effizienteren Produkts
b) Erst wenn Primärgüter wie Rohöl, Benzin, Strom deutlich teurer sind als heute entfällt der Jevon-Effekt: Erst dann werden energieeffiziente und zugleich kleine Autos Fernseher und Häuser gekauft.

Beispiele zu a) Minergiehäuser mit Wärmepumpen sind etwas für Wohlhabende, Elektroautos sind heute 2 bis 3 Mal teurer als Benziner.
Problem: Sollten starke Rohöl-/Rohstoff -preiserhöhungen zur Rezession führen, kann sich niemand mehr Minergiehäuser und E-Mobile leisten. Dann friert man im alten ölbeheizten Haus und kann sich kein neues bauen, das ohne Öl auskommt, weil einem das Geld dazu fehlt.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

du schreibst:

„Da der Weltwohlstand trotzdem steigen soll und muss braucht es eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch.“

aber stimmt diese Behauptung der G8 etc Laender wirklich?
Das Gleiche konnte man auch schon vor 40 Jahren
hoeren und lesen. Wir brauchen 6% Wachstum oder so
um die Armut zu beseitigen.

Heute (oder besser gestern) waren es die Milleniumsgoals.

Heute/bzw morgen wollen „wir“ meisten in Wirklichkeit
nur den Status Quo in den reichen Laendern behalten.

Laender wie China sind eine ernste Bedrohung unserer
Energieversorgung geworden.

Deswegen was dein Slogan wirklich meint ist

Wir „Reichen“ machen weiter wie bisher und die anderen sollen entkoppeln.

Nur, das kann nicht funktionieren!
Damit bleibt entweder der geordnete Abstieg vom hohen Berg
(oder Ross der Arroganz) oder der schmerzliche Absturz (Fall).

Ich bin fuer den geordneten Abstieg..
(unter Anleitung der Schweizer Berfuehrer Nation)

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Die Wachstumsraten des globalen Energiebedarfes von etwa 2 Prozent pro Jahr über die letzten zwanzig Jahre bedeuten, da die Weltbevölkerung um 1.2% pro Jahr zunimmt, eine Verbesserung der Energieversorgung für den Durchschnittsmenschen um 1% pro Jahr und das ist bei einer globalen Wohlstandszunahme auch zu erwarten und sogar wünschenswert, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen arm sind. Der Energieverbrauch der Briten oder der Schweizer zu dem die Ärmeren aufschliessen wollen ist allerdings enorm. Dies zeigt folgender Ausschnitt aus dem täglichen Energieverbrauch in Kilowattstunden eines Briten (Bemerkung:
(Quelle: http://www.inference.phy.cam.ac.uk/withouthotair/c18/page_103.shtml )

Verteidigung: 4 kWh/Tag, 166 Watt
Güter-Transport:12 kWh/Tag, 500 Watt
Güter: 48 kWh/Tag, 2000 Watt
Nahrung: 15 kWh/Tag, 625 Watt
Geräte: 5 kWh/Tag, 208 Watt
Licht: 4 kWh/Tag, 166 Watt
Heizen: 37 kWh/Tag, 1541 Watt
Jetflüge:30 kWh/Tag, 1250 Watt
Auto: 40 kWh/Tag, 1666 Watt

Die verbrauchte Leistung eines Brite ist also 8000 Watt im Durchschnitt (wenn man die Energie in Gütern mitrechnet).

Will der Brite diese Energie allein mit einheimischen erneuerbaren Energien erzeugen, könnte man das so realisieren:

Tiefer Offshore Wind: 32 kWh/Tag, 1333 Watt
Flacher Offshore Wind: 16 kWh/Tag, 666 Watt
Biomasse: 24 kWh/Tag, 1000 Watt, 1000-2000 Quadratmeter (in D, CH und GB eher 2000 m^2)
PV Farm (200m^2): 50 kWh/Tag, 2083 Watt, 200 Quadratmeter
PV,10m^2: 5 kWh/Tag, 208 Watt, 10 Quadratmeter
Kollektoren: 13 kWh/Tag, 541 Watt
landbasierter Wind: 20 kWh/Tag, 833 Watt, 416 Quadratmeter

Fazit: GB könnte seine Energie rein erneuerbar erzeugen, müsste dazu aber 2500 Quadratmeter Land pro Brite nutzen (70% der Landfläche). Nur eine massive Energiediät bessert die Situation. Da der Weltwohlstand trotzdem steigen soll und muss braucht es eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch.

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Die 2000-Watt-Gesellschaft ist eine Vision. Wird sie immer eine Vision bleiben? Das Bekenntnis des Zürcher Stimmvolks zur 2000-Watt Gesellschaft und die 2000-Watt-Gesellschaft-Pilotregionen in Basel deuten darauf hin dass die 2000-Watt-Gesellschafts-Vision keine Illusion ist: Sie ist unausweichlich notwendig und realisierbar. (siehe hier)

Doch es gibt auch Hinweise, dass die 2000-Watt-Gesellschaft zwar lokal – in Städten vor allem – realisiert werden kann, jedoch landesweit kaum zu erreichen ist. Der UNEP-Report Decoupling Natural Resource Use and Environmental Impacts from economic Growth, bemerkt, dass der gleiche hohe Lebensstandard auf dem Land weit abseits der Stadt 2 Mal so viel Energie benötigt wie ein Leben in der Stadt. In der Stadt dominieren Mietwohnungen, gut genutzte Kollektivverkehrsmittel (U-Bahn) und Freizeitaktivitäten mit wenig Energieverbrauch – Bummeln, Shopping, Kinobesuch. Das Problem nur – jede Stadt hat eine Umgebung aus der in die Stadt hineingependelt wird – und diese Mobilität benötigt viel Energie. Dazu kommen noch die Waren, die in die Stadt fliessen, dort aber nicht hergestellt werden.
Es gibt heute selbstverständliche, jedoch so energieintensive Aktivitäten, dass sie in einer 2000-Watt-Gesellschaft stark reduziert werden müssen. Vor allem ist es die Mobilität mit Auto, Eisenbahn oder Flugzeug, die zu Buche schlägt, wie folgende Punkte zeigen:
– tägliches Pendeln 50 km (hin und zurück): 6’600 kWh => 750 Watt Durchschnittsleistung
– jährlicher Interkontinentalflug (1000km): 12’000 kWh => 1370 Watt Durchschnittsleistung
Wer also täglich 50 km pendelt und einmal pro Jahr in die Karibik fliegt, überzieht allein schon damit das Energiebudget von 2000 Watt.
Wer uns weismacht, 2000 Watt seien ohne Einschränkungen möglich, der täuscht uns also.

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„dafür fossil betriebene Kraftwerke zu bauen, eine reine Verlagerung der Risiken, und keine Vermeidung“

Danke sagt das jemand endlich. Bis jetzt hat das die Mehrheit der Leute nicht realisiert.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

Sehr geehrter Herr Professor Gruber,

Die Energieeffizienz muss steigen, das Problem an der Wurzel angepackt werden. Diese Wurzel ist der Heisshunger unserer Zivilisation auf Energie, die sich in den USA als ‚Addiction to oil‘ äussert.
Damit kann das Risiko und das Schadenspotential der Energieproduktion, das uns mit Fukushima und Deep Water Horizon vor Augen geführt wurde und das letztlich auch der Klimaerwärmung zugrundeliegt, vermindert werden.
Die Energie- und Ressourceneffizienz muss aber auch verbessert werden, weil eine zunehmende Erschöpfung der Ressourcen droht, etwas, was von der Internationalen Energieagentur, aber auch im UNEP-Bericht Decoupling Natural Resource Use and Environmental Impacts from economic Growth erwähnt wird, wogegen der Weltklimarat (IPCC) eher von fast unerschöpflichen fossilen Ressourcen ausgeht.
Der UNEP-Bericht hat auch ein Kapitel A feasible vision? The ‚2000 Watt/cap socienty‘. 2000 Watt brauchen die Menschen heute durchschnittlich: Würden sich alle damit begnügen bräuchte es nicht mehr Energie. In der Schweiz müssten wir unseren Energiebedarf von 6000 Watt auf 2000 Watt senken – so lautet der Konsensus. Rechnet man jedoch den Energieinhalt der konsumierten Waren (sogenannten Graue Energie) hinzu, so verbraucht der Schweizer 8000 Watt und nicht 6000 Watt. Die in der Schweiz konsumierten, importierten Waren enthalten also allein schon 2000 Watt. Die Neigung ist gross, die graue Energie zu ignorieren, zumal man selber näher an die 2000-Watt Gesellschaft kommt, wenn man energieintensive Betriebe (z.B. zur Güterproduktion) ins Ausland verlagert. Ich dagegen plädiere für eine „Vollkostenrechnung“ wie auch Mac Kay in Sustainable Energy without the hot air.

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Sehr geehrter Herr Professor Gruber,

Das Risiko und die Kosten für die Erschliessung von Energie- und Rohstoffquellen nimmt zu, weil die leicht erschliessbaren Rohstoffquellen bereits ausgebeutet und erschöpft sind. Beim Öl bleiben uns Tiefseevorkommen und aufwendig zu erschliessende Ölsande. Dementsprechend hat sich der Rohölpreis in den letzten Jahrzehnten verfünffacht. Doch der Verbrauch hat sich nicht verringert und es gab auch keine Substitution im grossen Umfang, denn: Elektromobile sind auch bei einem Preis von 100 Dollar pro Barrel Öl noch nicht konkurrenzfähig und Biotreibstoffe erkaufen sich die Einsparung beim Öl über einen umso grösseren Verbrauch an Land – und das erst noch auf Kosten der Nahrungsmittelsicherheit.

Die Drosselung des Energie- und Rohstoffbedarfs scheint – angesichts fehlender Alternativen – tatsächlich am meisten zu versprechen. Zudem gibt es nicht nur die Risiken der Rohstofferschliessung und Nutzung wie von Deep Water Horizon und Fukushima aufgezeigt, sondern auch Risiken für die Weltwirtschaft, wenn ihre Betriebsmittel zur Neige gehen. Die Internationale Energieagentur warnt in ihrem World Energy Outlook 2010 jedenfalls vor den Auswirkungen des erwarteten Preisanstieges beim Öl und hält eine Reduktion des Ölverbrauchs der OECD-Länder für zwingend notwendig.
Auch die UNEP vertritt ein Decoupling Natural Resource Use and Environmental Impacts from Economic Growth aus mehreren Gründen, unter anderem aber auch, weil
„Many of them [resources] are becoming less abundant relative to demand, and some run the risk of critical
scarcity in the near future (as indicated by declining grades of ores being mined“

Als weitere Gründe für Resource-Decoupling gibt der UNEP-Report folgendes an:
– hohe Umweltrisiken (z.B. Asbest, CFK’s, CO2 (Fossilität)
– es gibt Alternativen zur Ressource mit weniger…

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