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Stromversorgung vor Klimaschutz?

19.04.2011 von

Künftig braucht es mehr Strom, da wir alle von Benzin und Öl hin zu Elektroautos und Wärmepumpen wechseln wollen. Noch nicht mitgerechnet in diese Bedarfserhöhung sind die ständig wachsende Bevölkerung und Wirtschaft sowie der Anstieg der Anzahl Elektrogeräte. Aus diesen Gründen wird der Stromverbrauch über die nächsten Jahrzehnte trotz einiger dämpfenden Effizienzmassnahmen schwach aber stetig ansteigen, was auch der Bundesrat sowie Experten so beurteilen. Gegenteilige Prognosen, etwa die Reduktion des Stromverbrauchs um bis zu 30 Prozent oder der Weg Richtung 2000-Watt-Gesellschaft gehören dabei wirklich in das Reich der Luftschlösser.

Versorgungssicherheit fusst auf 4 Säulen und Akzeptanz

4 Säulen sind daher zwingend notwendig, damit das Haus der Versorgungssicherheit auch weiterhin solid steht: auf fossilen Energien basierende Grosskraftwerke, Erneuerbare Energien, Effizienz und Stromaussenpolitik (siehe auch mein Blogbeitrag vom 20.10.2010 < hier).

Doch mit der Forderung des Klimaschutzes: «Strom statt Öl» beginnen die Probleme. In erster Linie kommt die saubere Elektrizität durchaus schicklich daher. Auf den zweiten Blick präsentieren sich aber bei allen Formen der Stromerzeugung grosse Schwierigkeiten. An dieser Stelle die Nachteile der Kernenergie zu erläutern, ist angesichts der aktuellen Diskussionen wohl überflüssig. Aber die Frage, ob Gaskraftwerke die bessere Lösung sind, bleibt berechtigt. Deren CO₂-Ausstoss ist gigantisch und entspricht schon beinahe der Grössenordnung der direkten Nutzung von Erdöl.

Also ist die Stromversorgung auch eine Frage der Akzeptanz des CO₂-Ausstosses. Umsonst gibt es nichts. Denn sowohl der Ausbau der erneuerbaren Energien als auch neue Importe von Strom aus der EU mittels eines Stromhandelsabkommens rufen Widerstände hervor. Auf der einen Seite stehen Interessen der Umweltschützer und auf der anderen Seite der harzige politische Prozess mit der EU entgegen, da in Brüssel neue bilaterale Abkommen mit der Schweiz nicht als prioritär gelten. Gerade beim importierten Strom sollte aus klimapolitischer Sicht besonders darauf geachtet werden, dass dieser mit wenig CO₂-Emissionen produziert wird.

Abschied vom CO₂-armen und günstigen Schweizer Strom?

Ein Schweizer Strommix ohne AKW ist nur unter grössten Anstrengungen möglich und die Belastung der Schweizer Stromproduktion mit klimaschädlichem CO₂ würde gewaltig zunehmen. Die rein erneuerbare Stromversorgung, die jeweils nur in Verbindung mit einem massiven Rückgang der Stromnachfrage errechnet werden kann, bleibt wirklich nur unrealistisches Wunschdenken.

Der Strompreis, ein weiterer entscheidender Faktor der Elektrizitätsversorgung, wird wegen grosser Investitionen in jedem Fall ansteigen. Die Schweiz als Hochpreisland muss sich auch unter dieser Betrachtungsweise grundlegende Gedanken machen, wie innerhalb der Landesgrenzen auch künftig kostengünstig produziert werden kann. Eine künstliche, politisch motivierte Steigerung des Strompreises ist daher klar abzulehnen.

Strom statt Öl kann dem Klimaschutz also nur dann entgegenkommen, wenn eine CO₂-arme Stromversorgung akzeptiert wird. Sollte dies nicht der Fall sein, halte ich hier fest, dass sich rein aus volkswirtschaftlichen Gründen die Stromversorgung zulasten des Klimaschutzes durchsetzen wird.

Wir laufen also momentan aufgrund mangelnder Akzeptanz Gefahr, dass die Versorgungssicherheit mittelfristig nur noch auf weniger als 4 Säulen verteilt sein könnte, was unter allen Umständen im Interesse einer zuverlässigen Versorgung zu verhindern ist.

 

 

Zum Autor

Christian Wasserfallen ist Nationalrat FDP und Mitglied der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie UREK.

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Kommentare (32) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Kommentar von Thomas Blaser. 27.04.2011, 13:13

Sehr geehrter Herr Blaser,
der von ihnen verlinkte Artikel von Timo Busch über den Kapitalmarkt als Motor einer nachhaltigen Entwicklung widerspiegelt gut die Haltung, die sie in ihren Kommentaren vertreten: Nachhaltigkeit als neues Ordnungsprinzip, das Ökonomie, Ökologie und Soziales miteinbezieht. Timo Busch stellt dann die Frage wie die Kapitalmärkte die nachhaltige Entwicklung unterstützen können und kommt zum Schluss, dass dies voraussetzt, dass ganze Lebenszyklen von Systemen, in die investiert wird, berücksichtigt werden Dies ist noch Zukunftsmusik und deshalb sind momentan nur nachhaltigere, nicht aber per se nachhaltige Investments möglich.
Timo Busch’s Vision einer nachhaltigeren und damit langfristigen Investitionsstrategie bedeutet eine völlige Neuorientierung des Wirtschaftens und Investierens, was zwingende Gründe erfordert. Gründe, die nur eine grosse Krise liefern kann. Diese Krise steht uns bevor: In den nächsten Jahren wird eine Ölverknappung und -verteuerung 1) den Transport – ein zentrales Element der Weltwirtschaft – massiv erschweren und 2) über erhöhte Nahrungsmittelpreise (Biotreibstoffe) zu weltweiten Hungersnöten führen. Die IEA hat in ihrem World Energy Outlook 2010 darum gefordert, dass vor allem der Westen seinen Ölkonsum reduziert, die Treibstoffeffizienz erhöht und dass Alternativen zum Öl gefördert werden. Doch die Länder sind nicht bereit dazu. Scheinbar braucht es eine real erfahrene Krise, um die nötigen Schalter umzulegen und die Wirtschaft neu zu orientieren. Die Ölschocks 1973 und 1979 förderten die Treibstoffeffizienz vorübergehend, der Ölschock ab 2012/2013 wird jedoch wohl der Auftakt zur postfossilen Gesellschaft sein. Auch Professor Leibundgut’s super-effiziente Wärmepumpen werden dann reüssieren.

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Sehr geehrter Herr Leibundgut,

Sehr interessant, ich wuerde gerne noch mehr
darueber lernen. Vielleicht koennte man eine
Besichtigung vor Ort organisieren?

Haben sie vielleicht auch die Zahlen
von COP im Winter?

mit besten Gruessen

Michael

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Sehr geehrter Herr Dittmar,

Welche Zahlen scheinen Ihnen unrealistisch?

Die Wärmepumpe, die in 4 Wochen in meinem Haus B35 n Zürich in Betrieb gehen wird, wurde auf dem Prüfstand in Horw ausgemessen. Die Messung ergab einen COP von 8.38 bei Tempperaturen von 12°C zum Verdampfer und von 28°C aus dem Kondensator. Prof. Wellig von der HSLU und ich sind uns einig, dass wir einen um 15% besseren Wirkungsgrad gehabt hätten, wenn wir Propan anstatt R 134A eingefüllt hätten (das wollte der Hersteller aber nicht).

Die max.Auslegungstemperatur für mein Haus beträgt 28°C bei -8°C Aussentemperatur. Aus meinen 2-Zonen-Erdsonden auf eine Tiefe von 380 Meter erhoffe ich mir eine Temperatur von 15°C und nicht 12°C.

Neu arbeiten wir mit einer Firma an einer Ersonde auf 450m Tiefe.
Mit dieser neuen Sonde werden wir für Neubauten im Jahresmittel 15/26 °C für die Heizung fahren können, also einen mittleren Hub von 11 K. Die neue Turbo-Wärmepumpe, die wir in Entwicklung haben, soll einen Gütegrad von mehr als 0.5 bei diesem Hub aufweisen. Damit können Sie mit dem 2. HS der Thermodynamik ausrechnen, dass man einen COP von 13.6 erreichen sollte.

Hansjürg Leibundgut

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Kommentar von Prof. Hansjürg Leibundgut, ETH Zürich. 28.04.2011, 11:10
Zitat:
Sehr gute [Wärmepumpen-]Anlagen haben eine Jahresarbeitszahl von 7. Dann erhalte ich aus dem 1 m3 Erdgas also 42 kWh Wärme.

Eine Jahresarbeitszahl von 7 bedeutet, dass 7 Mal so viel Heizenergie gewonnen wird wie in die Wärmepumpenanlage an Strom hineingesteckt wird. Heute übliche WP’s haben eine Jahresarbeitszahl zwischen 3 und 4.5.
Jahreszahlen grösser als 4.5 erreicht man mit Hybridsystemen, wie beispielsweise geo-solarthermische Systeme, die Sonnenwärme im Erdreich speichern. Häufig werden auch verschiedene WP’typen in Hybridsystemen kombiniert (z.B. Luft+Erdwärme). WP’s so hoher Effizienz wie von Professor Leibundgut beschrieben haben also nicht nur Strom, sondern auch Sonnenkollektoren als Energiequellen. Wärmepumpen sind allerdings ideale Anwendungsfälle für Kollektoren oder PV-Hybridkollektoren. Das Problem von PV+Kollektoren allein, dass sie nämlich nicht unbedingt dann Energie liefern, wenn man die Energie braucht, entfällt durch die Langzeitspeicherung im Erdreich.
WP’s mit einer JAZ von 7 könnten tatsächlich Game-Changer sein. Doch bis die meisten Gebäude dies einsetzen, kann es 3 bis 5 Jahrzehnte dauern. Prof.Leibundgut scheint mir in einer Sturm-&Drang-Phase zu sein, wenn er glaubt, in 15 Jahren seine GUD-Anlagen schon nicht mehr nötig (weil durch PV-Anlagen usw. ersetzt).

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Guten Tag Herr Leibundgut,

Ihre Zahlen scheinen mir etwas unrealistisch.
(Ich wuerde die Rechnung gerne genauer sehen
und verstehen warum die Zahlen den 2. Hauptsatz der Thermodynamik nicht verletzen.)

Koennten sie vielleicht etwas genauere Zahlen geben.

mit besten Gruessen

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Sehr gehrter Herr Wasserfallen,

1m3 Erdgas enthalten 10 kWh Energie. Wenn ich den m3 Gas in einer modernen grossen GUD-Anlage verfeuere, erhalte ich 6 kWh Strom, 4 kWh Abwärme, 2.5 kg CO2, etwas Wasserdampf und andere Abgase.

Ich plädiere seit mehreren Jahren dafür, dass man den Strom aus GUD-Anlagen in sehr guten Wärmepumpen-Anlagen einsetzt um Wärme für die Heizung und das Warmwasser zu erzeugen. Sehr gute Anlagen haben eine Jahresarbeitszahl von 7. Dann erhalte ich aus dem 1 m3 Erdgas also 42 kWh Wärme. die spezifische CO2-Emission beträgt also 0.066 kg CO2/kWh. (Vergleich: Oehheizung = 0.3 kWh)

Es ist also möglich, durch den gleichzeitigen Bau von GUD-Anlagen und den Ersatz von Oel-und Gasheizungen durch effiziente Wärmepumpensysteme sowohl die CO2- wie auch die Atomstromproblmatik massiv zu entschärfen.

Die GUD-Anlagen lässt man 10-15 Jahre lang mit ca 4000 h/a laufen und reduziert danach die Laufzeit bis sie nur noch als Notstromanlagen für das Netz dienen. Sie können dann mit Oel betrieben werden, das in den riesigen nicht mehr gebrauchten Pflichtlagern gelagert werden kann.

Den wegen der reduzierten Laufzeit der GUD-Anlagen wegfallenden Strom produziert man zunehmend mit den neuen PV-Hybridkollektoren, die 10 % mehr Strom liefern als normale PV-Anlagen und gleichzeitgig so viel Abwärme, dass die Erdsonden regeneriert werden können. Damit sind die COP-Werte von 7 erreichbar.

Dieses Konzept ist die Basis der Expedition viagialla (www.viagialla.ch), die ich im Jahr 2007 gestartet habe. Wir werden im Jahr 2012 das Ziel erreicht haben. Dann wird alles verfügbar sein, das es braucht, um den Massentourismus lancieren zu können. Im August 2011 erscheint mein Buch, in dem ich das System detailliert und anhand von 4 konkreten Projekten beschreibe.

mit freundlichen Grüssen

Hansjürg Leibundgut
Professor Gebäudetechnik, ETH Zürich

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Folgenden Artikel von Timo Busch, ETH Zürich, über den Kapitalmarkt als Motor einer nachhaltigen Entwicklung, möchte ich im Rahmen Ihres Blogbeitrages mit Ihnen teilen: http://www.nzz.ch/file/1.9574882!/ETH_2011_02_17_Kapitalmarkt%20als%20Motor%20einer%20nachhaltigen%20Entwicklung.pdf

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Hallo Herr Witschi,

klar ein round table waere was.
Haben ein paar von uns auch schon mal gemacht.

Wenn ich das naechste mal in Zurich bin .. gerne

nur kurz:

„Ein grosser Teil unseres Lebens baut auf den günstigen Energiepreisen und wir wissen dies alle, unbestritten ist auch die Endlichkeit und auch dass das Maximum der Föderung erreicht ist.“

Schoen waere es wenn „wir“ alle das wissen wuerden.

Der Glaube: „es ist unsere Kreativitaet“ ist allerdings weiter
verbreitet als man denkt.
Wie viele Leute glauben immer noch an den Technofix?
(oder den Cargo Cult) oder wie viele glauben die Geschichten
der „Kleidermacher“ aus des Kaisers neue Kleider?

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Guten Morgen Herr Dittmar
2000 Zeichen reichen nicht, vertiefter in dieses Thema zu steigen, ein Round-Table wäre angesagt (ich schreib sowieso nicht so gern). die Frage ist doch, welche gesellschaftlichen Veränderungen werden wir in der nächsten Generation erleben, wenn es mit den Primärenergieträgern so langsam zu Ende geht, dies vor allem noch unter dem Aspekt, dass Asien auch in den nächsten Jahren das Wirtschaftswachstum so beibehalten wird. ISt es richtig, dass davon ausgegangen wird, dass die Mobilität zunimmt, oder wäre es nciht ehrlicher zu sagen, Wohn- und Arbeitsort rücken zusammen, da die Mobilität nicht finanziert werden kann? Wie stark wird sich die Wirtschaft regionalisieren, wo liegen da die Chancen? Wie lange können wir uns den Pangasius aus Vietnam noch leisten, müssen wir uns den überhaupt leisten? Ein grosser Teil unseres Lebens baut auf den günstigen Energiepreisen und wir wissen dies alle, unbestritten ist auch die Endlichkeit und auch dass das Maximum der Föderung erreicht ist.
CS hat gerade die Quartalszahlen publiziert. Die nächsten Quartalszahlen werden auch wieder gut sein.
Quartalszahlen sind interessanter als die langfristigen Ueberlegungen, welche es bedingt, dass auch in einer Generation die Quartalszahlen gut sind. Oder können wir einschneidende Zäsuren kurzfristig wegstecken?
Ein Roundtable mit den Blogteilnehmern wäre mal was.

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„Wir haben für die Umsetzung eine Generation Zeit.“

Wirklich? Die IEA hat vom Peak bei konventionellem Oel
in 2006 gesprochen?

eine Generation = 25 Jahre?

= + 2 Milliarden Menschen
= plus 40 ppm CO2?
= plus weiteres Massen Aussterben
= plus totale Zerstoerung der Weltmeere etc etc..

dazu kommt das heutige Alter der KKW’s
in der Schweiz die drei kleinen sind fast 40 Jahre alt

Was sollte die maximale Laufzeit sein?

Wollen sie wirklich eine Verlaengerung?

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Es geht nicht um „böse“ Manager, es geht nicht um drei Millionen Arbeitslose, es geht nicht um einen sofortigen Ausstieg, Herr Fischer, es geht auch nicht um Mehrkosten, welche auf uns zukommen, wenn auf den Bau von 1-2 neuen AKW’s verzichtet wird.
Mit allem Respekt, die Frage darf erlaubt sein, warum die Elektro-Manager im Bundeshaus ein- und ausgehen und ob eine Kommission die sich zum Mittagessen einlädt eine wertneutrale Energiestrategie definieren kann.
Herr Blaser hat es geschrieben: „Wichtig ist, von der Politik Abstand zu nehmen, mit Expertinnen und Experten zu reden, um sich eine solide Meinung zu bilden, und diese in Ihrer Partei zu vertreten.“
Wenn diese Expertenmeinung gemacht ist, dann ist wieder die Zeit der Manager.
Statements von „bösen“ Managern haben keinen Platz, die nutzen ihre Möglichkeiten sehr gut aus.
Szenarien von 3 Mio. Arbeitslosen haben keinen Platz, die wird es nie geben.
Die immerwährende Aussage, der Ausstieg aus der Atomkraft würde uns eine Kostenexplosion bei der Energie bescheren ist nun auch nicht wirklich haltbar, taugt aber auch als Panikmache.
In jedem Bereich der Energie sprechen wir von einem Peak und da ist es sehr wohl angebracht, wenn es um die Zukunft der CH-Wirtschaft geht, eine Strategie zu definieren, in welchen diesen Peaks Rechnung getragen wird.
Also: wie kann die konventionelle Stromproduktion erweitert/optimiert werden. An welchen Grossprojekten wie Desertec, sollen sich die Stromkonzerne beteiligen. Welche Nutzungsmöglichkeiten stellen sich mir als Privater auf dem Dach. Wo soll der Gesetzgeber Einfluss auf die Bauverordnung nehmen. Wird sich die Mobilität so weiter entwickeln, oder wird die Mobilität in Anbetracht der höheren Transportkosten zurückgehen? Uvm.
Wir haben für die Umsetzung eine Generation Zeit. Und diese Zeit wird für neue Geschäftsbereiche auch neue Möglichkeiten geben.

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@Kommentar von Thomas Blaser. 24.04.2011, 12:14

Herr Blaser,
Leute wie sie, die keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund haben, aber den Menschen oder vielmehr bestimmte durchsetzungsfähige Menschen durch ihren beruflichen Werdegang als sehr mächtig erlebt haben, neigen dazu, unsere Zukunft als fast beliebig gestaltbar zu betrachten, was im Urteil kulminiert, es komme nur auf den Willen an – den politischen Gestaltungswillen.

Doch vielleicht sind wir hier nur dank günstigen Umständen im Reich der Glückseligen und unsere privilegierte Stellung lässt uns die Realität falsch einschätzen. Weltweit werden 85% der Primärenergie über das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle erzeugt. Die Atomenergie war ein kurzer Ausflug um einen Alternative zu erkunden. Ich behaupte: Würde in ein paar Jahren nicht mehr Öl gefördert werden sondern weniger oder auch nur gleichviel, würden sofort alle Illusionen von uns abfallen, denn das Resultat wäre eine langanhaltende Rezession.

Die Schweiz kann sich nur dann in ihrem Sinne – 2000 Watt-Gesellschaft, Wissen und Dienstleistung anstelle von harter, traditioneller Industrieproduktion – entwickeln, wenn sie sich in einem insgesamt günstigen Umfeld erst noch besser positonieren kann als der Rest der Bewerber.

Wer am besten dasteht – die Schweiz also – glaubt oft, er sei am Mächtigsten. Doch seine Macht kann von heute auf morgen schwinden.

Ein wichtiges Problem unserer fortgeschrittenen Gesellschaft ist der Zwang zum Wachstum – denn ohne Wachstum gibt es weder Vollbeschäftigung noch ausreichende Altersversorgung. Das erklärt auch, dass selbst wohlhabende Staaten wie die USA und einige europäische Länder sich massiv verschuldet haben. Wer sich verschuldet und kein Betrüger ist, glaubt an eine noch bessere Zukunft als es die Gegenwart schon ist, denn er kann die Mehrausgaben jetzt nur durch grösseren Verdienst später kompensieren. Fazit: Wir sind nicht allmächtig, sondern auf Zeit glücklich.

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Es gibt einiges, was sich Volkswirtschaftlich nicht rechnen lässt. Lässt sich die Subprime-Krise, die Rebellion in den Arabischen Staaten oder die Nuklearkatastrophe von Fukushima volkswirtschaftlich rechnen?

Herr Wasserfallen, Sie sind Politiker, Nationalrat, und es freut mich dass Sie am Klimablog teilnehmen. Das Schweizerische Mehrparteien-System und die Politik ist notwendig, um unsere Demokratie zu leben und zu erhalten. Wie Sie wissen gibt es die Sicht Ihrer Partei zu den gegenwärtigen und zukünftigen Problemen. Es braucht aber vor allem Ihre persönliche Sicht und Ihre Überzeugung. Und dies ist die Voraussetzung für eine Partei mit einer starken Vision, einem soliden Fundament und Überzeugungskraft.

Die Gesellschaft braucht Ziele, so die 2000-Watt-Gesellschaft.
Herr Bundesrat Schneider-Ammann setzt auf erneuerbare Energien und ich bin überzeugt, dass er dazu entsprechende solide Argumente verfügt.

Wenn wir die Treibhausgase und CO2-Emissionen global weiter ansteigen lassen, könnten die Schäden gemäss Nicholas Stern bis auf 20% des globalen GDP ansteigen. Es entspricht einem möglichen Szenario, ist also kein Luftschloss.

Wichtig ist, von der Politik Abstand zu nehmen, mit Expertinnen und Experten zu reden, um sich eine solide Meinung zu bilden, und diese in Ihrer Partei zu vertreten. Sehen Sie den Paradigmen-Wechsel in der Energiebranche als Chance, als Aufbruch in eine gesunde und bessere Zukunft, eine Chance für junge und kreative Leute für eine solide Wirtschaft und die Schaffung nachhaltiger Arbeitsplätze.

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Die Meinungen prallen wie üblich aufeinander. Vielleicht kommt man der Sache näher, wenn man die beiden Extremlösungen betrachtet.
Erste Lösung, wir setzen auf Versorgungssicherheit mit Kernkraftwerken inkl. Neubau. Hier muss man nicht mehr über Sinn und Unsinn diskutieren, das ist nicht mehr realistisch.
Zweiter Ansatz, sofort raus aus der Kernenergie. Auch nicht realistisch, da unsere Industrie und damit unser Arbeitsmarkt keine Extremlösungen verträgt. Oder will da jemand mit 3 Mio. Arbeitslosen noch Politik machen?
Die Lösung liegt also, wie immer, irgendwo dazwischen. Da sich inzwischen beinahe alle Exponenten darauf verständigen können, dass weitere Kernkraftwerke nicht mehr realisierbar sein werden, muss man auch akzeptieren, dass der Strompreis nicht mehr so tief bleiben kann wie das heute der Fall ist.
Die Frage wird also sein, welches Tempo ist realistisch? Nicht wegen den bösen, bösen Managern, sondern einfach um Konkurrenzfähig bleiben zu können. Ohne Konkurrenzfähigkeit bleibt unser Land nämlich mitten in den Streitigkeiten auf der Strecke. Ob wir wollen oder nicht, wir sprechen von zwei, eher drei Jahrzehnten, welche wir zukunftsgerichtet an den neuen Technologien und am kontrollierten langsamen Ausstieg arbeiten müssen. Wenn sich so nebenbei auch noch jemand über die Gesamtbevölkerungszahl in der Schweiz und auf unserem Planeten Gedanken macht, haben wir vielleicht doch noch eine Zukunft.
Die gesamten Energie-, Klima-, Nahrungsmittel- und Wasserdiskussionen sind letztlich nur Symptome für unseren massiv überbevölkerten Planeten. Wer nimmt sich eigentlich dieser Problematik an?
Auch als Befürworter der Kernenergie, habe ich meine Meinung dahingehend geändert, dass der ursprünglich geplante langsame Ausstieg mit Neubau von 1 bis 2 neune Kraftwerken nicht mehr sein kann. Die dadurch entstehenden Kosten werden uns aber zu schaffen machen.

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Ja, Herr Holzherr. Ich komme noch aus der analogen Welt, da gabs das Digitale noch nicht, auch das Digitale Gedankengut nicht mit ja oder nein. Es ist aber interessant zu lesen, was sie aus meinem Kommentar so alles ableiten, nicht das erste mal übrigens. Sie schreiben so, als ob ich die gesamte aktuelle Produktion und Verteilung in Frage stelle. Oder lesen Sie da etwa etwas, nur in Ansätzen?
Meine analoge Welt sieht etwa so aus (ich muss das für mich immer ein wenig einfach darstellen, damit ich es verstehe): >60% des Stromes kommen heute und morgen aus der Wasserkraft, da wird ausgebaut und mit Pumpspeicherwerken im Bau wird dem schon Rechnung getragen, dass die Schweiz zum Wasserschloss Europas beitragen wird. Die restlichen 40% stammen ja von AKW’s, die wohl in den nächsten Jahren, das letzte wohl so in 15-20 Jahren, abgestellt werden.
Und das ist gut so.
Nun geht es noch um die Zukunft, denn schliesslich soll ja eine Stromlücke auf uns zukommen und da wollen wir doch nicht im Dunkeln sitzen all die vielen Zuwanderer, was die für Strom brauchen.
Nun, das mit dem Sparen ist das eine und nachdem unlängst auch wieder in 10vor10 die Sache mit den Elektroheizungen gezeigt wurde, liegt ja nur damit schon mal das Potenzial von Mühleberg zum sparen drin. Das Thema sparen geht also nicht in die Richtung Höhle und so.
Bei der Produktion sind neben den berühmten Windparks im Norden und möglichen Gaskombiwerken bei uns auf jeden Fall auch 30% der Verbraucher, die privaten Haushalte mit einzubeziehen.
Also, nicht so, wie Sie in ihrer Antwort schreiben NUR dezentrale Produktion, aber der private Haushalt muss ein Teil der Lösung sein, ist dann halt analog.
Smart-Grid müssen so oder so gebaut werden, also tun Sie bitte nicht so, als ob dies nur wegen erneuerbaren ist.
In diesem Sinne schaffe ich überhaupt nicht ein mehr oder weniger sichereres und teureres Energiesystem, aber ich tu und lass es nicht bei Thesen bleiben.

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@Werner Witschi, Einschränkung zu Kommentar von Martin Holzherr. 23.04.2011, 10:29

Herr Witschi,
ein Zugeständis von meiner Seite: Natürlich wird die Energieversorgung durch den Einbezug von vielen Sonnen-und einigen Windkraftwerken – die Schweiz muss den Windstrom grösstenteils importieren – dezentraler als sie heute ist.

Das Extremszenario, das sie und auch Martin Bänninger vertreten – Zitat:„Warum nicht dezentrale Lösungen forcieren: z.B. aus jedem Haus ein kleines Energie-Produktionswerk zu machen?“ ist jedoch sehr kostenintensiv wie das Beispiel Deutschland zeigt. Jedes Jahr werden dort 10 Milliarden Euro an Einspeisevergütungen für neuinstallierte Photovoltaikanlagen garantiert (Garantiezeit ist 20 Jahre). Dennoch führt das momentan nur zu einem jährlichen Zuwachs von 0.5 Prozent an Photovoltaikstrom und trotz den vielen Solardächern werden 2010 nur 2% des deutschen Stroms photovoltaisch erzeugt bei von Photon berechneten Kosten von 77 Milliarden Euro für alle bis 2010 installierten Anlagen, [was] auf 20 Jahre und 39 Millionen Haushalte in Deutschland [umgelegt] eine mittlere Mehrbelastung von knapp 100 Euro pro Haushalt und Jahr bedeutet. (Bei der Angabe 77 Milliarden wurde außerdem der Wert des erzeugten Stromes von den Gesamtkosten von 150 Milliarden Euro bereits abgezogen)

Photovoltaik im grossen Stil ist nach Meinung selbst von Leuten, die AKW’s durch Solarpanel ersetzen wollen, erst in 10 bis 20 Jahren attraktiv, bis dann erwartet man nämlich weitere Kostensenkungen. Windstrom muss die Schweiz zum grossen Teil importieren, Photovoltaikstrom erzeugt man besser an günstigen Standorten als im regnerischen Zürich auf dem Hausdach. Dezentrale Energieerzeugung tönt gut und macht denn Erzeuger vielleicht stolz auf seinen Strom, macht den erneuerbaren Strom aber noch teurer als er ohnehin schon und verhindert damit letztlich die Langfristakzeptanz von Erneuerbaren.

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@Kommentar von werner witschi. 23.04.2011, 9:08
Herr Witschi,
mit einem Bild der Energieszene wo David (der Kleinproduzent, potentiell jeder) gegen Goliath (die Energiegrosskonzerne) antritt jagen sie der Chimäre der dezentralen Energieproduktion hinterher. Dezentrale Energieproduktion – jeder erzeugt Strom über Solarpanel oder via Blockheizkraftwerk – ist zwar möglich, schafft jedoch viele neue Probleme: Das Netz muss massiv ausgebaut werden, es braucht ein Smart Grid, welches die Produktionsschwankungen dämpfen und die Last verteilen kann. Zudem produzieren die Kleinproduzenten teureren Strom als es ein grösseres Kraftwerke tun würde.
Gesamthaft schaffen sie mit der dezentralen Energieproduktion ein weniger sicheres und teureres Energiesystem.
Meine These:
Dezentrale Energieproduktion wäre die Lösung wenn sie Stromselbstversorger ermöglichen würde. Doch ohne kostengünstige Batterie ist das heute nicht möglich.

Sie schreiben: Ein wichtiger Punkt in der Agenda könnte z.B. das Definieren der Verantwortung sein, wer für die Versorgungssicherheit zuständig ist.
Diese Verantwortung muss bei dezentraler Produktion wohl der Netzbetreiber übernehmen (zusammen mit den Partnern, die die grossen Staudämme und die Pumpspeicher betreiben).

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

@Herr Holzherr: Wie schnell sich doch die Fahnen in den verschiedenen Grössen und Farben im Wind die Richtung ändern. Bitte, erklären Sie nicht mir und anderen hier im Blog, wie die Zukunft aussehen könnte. Gestern waren es AKW’s, heute Gaskombis, was kommt morgen?
Das Problem liegt doch darin, dass in 1. Priorität die Stellung der grossen Produzenten zementiert werden muss und in 2. Priorität die berühmte Versorgungssicherheit kommt.
Solange Manager wie Karrer, Rohrbachs und Leonardi im Bundeshaus ein und ausgehen und nicht die Fachleute, wird wohl weiter zementiert.
Ein wichtiger Punkt in der Agenda könnte z.B. das Definieren der Verantwortung sein, wer für die Versorgungssicherheit zuständig ist. Solange die Bevölkerung, jeder einzelne Bürger nicht auch Teil davon ist, fehlt der grösste Teil der möglichen Produzenten. Da müsste die Wettbewerbskommission eigentlich eingreifen. Es geht um einen gaaaanz grossen Kuchen der neu verteilt wird.

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@Kommentar von werner witschi. 22.04.2011, 9:36

Herr Witschi,
wenn sie AKW’s gegen Erneuerbare setzen, so kämpfen sie – lesen sie den obigen Artikel von Christian Wasserfallen noch einmal – einen in der Schweiz wohl schon entschiedenen Kampf. Viele Gaskombikraftwerke und etwas Erneuerbare oder aber Massive Energieeinsparung (Rationierung) + Wind importiert, Sonne aus der Schweiz + wenige Gaskombikraftwerke sind wohl die aktuellen Alternativen.

Doch eine Energiewende geschieht nicht über Nacht, denn die Energieinfrastruktur wird nur langsam erneuert. Ihr Ansatz, der auch von vielen Schweizer EE-unterstützenden Organisationen verfolgt wird, nämlich einfach alles was mit Erneuerbaren zu tun hat, massiv zu fördern, wird über kurz oder lang zu einer Krise führen, denn die damit verbundenen Kostensteigerungen und massiven Beeinträchtigungen unserer Umgebung werden Widerstand auslösen. Eine Energieinfrastruktur, die Bestand und Zukunft haben soll, muss meiner Meinung nach geplant sein. Aufwand und Ertrag müssen im richtigen Verhältnis stehen. Deshalb plädiere ich – wie in meinem Kommentar vom 20.04.2011, 10:38 dargestellt – für eine Erneuerbaren-Agenda, die Energieeinsparungen, Windstromimport und Photovoltaik an günstigen Standorten (z.B: Lawinenverbauuungen, Orten mit viel Sonne) kombiniert.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

@Herr Holzherr: Ein AKW mit 1 GW Leistung mit Photovoltaik zu ersetzen benötigt nur einen Bruchteil der schon verbauten Fläche in der Schweiz. Kosten zu heutigen Modulpreisen sind knapp 20 Mrd Euro und werden fallen. Mit der Realisierung wurde schon begonnen.
Im Gegensatz dazu werden Kosten für AKW’s steigen, da reichen 10 Mrd Euro knapp. Da sind dann die Rückbaukosten und Endlagerkosten noch gar nicht drin.
PV-Anlagen kann ich versichern, AKW nicht.
Kollateralschäden von PV Anlagen sind mir keine bekannt.
Kosten vom Primärenergieträger gibt es keine. Beim AKW werden diese von Jahr zu Jahr höher.

Ich frag mich auch häufig, was gerade FDP-Politiker, CVP übrigens ja auch, dagegen haben können, wenn jeder Dorfelektriker so Teile aufs Dach gibt. Gut, der Dorfelektriker ist nciht in der Lage, die Mittagessen der UREK-N zu übernehmen, das ist anderen vorenthalten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

Wir haben unbestritten ein Problem mit der Energieversorgung und dem Wandel hin zu erneuerbaren Energien zu lösen. Das ist inzwischen (fast) dem letzten Schweizer klar geworden. Klar ist auch, dass alle NICHT erneuerbaren Ressourcen wie Oel, Erdgas, Kohle und Uran auf endlichen Ressourcen beruhen.
Ein guter Politiker hat nun aber die Aufgabe das zu akzeptieren und dann im Auftrag des Volkes alles zu unternehmen, um dieses Problem zu lösen. Es ist nun wirklich erschreckend, wenn Herr Wasserfallen, noch dazu als Mitglied des UREK, einfach aufzeigt wieso und weshalb eine Lösung nicht möglich ist oder nur wenn wir die Klimaschutz-Ziele aufgeben.
Eine solche Haltung ist höchst bedenklich, Herr Wasserfallen!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Es ist erstaunlich wie überzeugt immer wieder behauptet wird, dass Atomstrom sehr CO2 arm sei. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Studien, welche aufzeigen, dass beim Uran- erzabbau, bei der Aufbereitung, Anreicherung und beim Transport (oft um die halbe Welt) bis zu brauchbaren Schweizer Brennstäben enorm viel CO2 erzeugt wird. Weshalb wird diese Tatsache ignoriert?
Nun gut, sagen sich die Schweizer Politiker, das CO2 wurde ja nicht in der Schweiz erzeugt….

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

Eine Säule trägt nicht: auf fossilen Energien basierende Grosskraftwerke!
Bitte umdenken, nicht weitere Ressourcen so einfach plündern!
Warum nicht dezentrale Lösungen forcieren: z.B. aus jedem Haus ein kleines Energie-Produktionswerk zu machen? Fehlt die Lobby dazu?
NB. im Okt.-Blog redeten Sie noch für Kernkraftwerke und Risikoteilung?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Ueber die Grenzen schauen:

diesmal Indien..

Was nun, die lokalen Farmer haben praktisch nichts mehr zu verlieren und werden aktiv gegen AREVA etc..

Ein KKW Zentrum im Erdbebengebiet sowie im „Garten Eden“
etc etc..

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Todesopfer-bei-Demonstration-gegen-ein-AKW-/story/30019779

„In Indien hat die Polizei bei heftigen Protesten gegen den Bau eines Kernkraftwerks des französischen Konzerns Areva einen Demonstranten erschossen.“

mehr beim BBC zum 20 Mrd Euro deal

http://www.bbc.co.uk/news/world-south-asia-11923836 .. a 20 billion euro deal ..)

Last December, the Indian magazine Outlook titled an article about the Jaitapur plant „The rape of Eden“.

Others have expressed concern that the facility is being built in a seismically-active area.

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@Felix Nipkow, @Hans Meier, @Florian Blumer

Florian Blumer schreibt (ironisch gebrochen): Ihr werdet verstehen, dass wir trotzdem keine Lust haben, uns einzuschränken und viel Geld für den Strom auszugeben, das versteht Ihr doch, oder?
Hans Meier glaubt an die 2000-Watt-Gesellschaft, also an die Idee durch Effizienzmassnahmen könnten wir unser Leben so weiterführen wie bisher, nur halt mit effizienteren Geräten, 1-Liter-Autos und Nullenergiehäusern.
Felix Nipkow glaubt auch an die 2000-Watt-Gesellschaft und an Erneuerbare in der Schweiz. Zitat: „Damit ist auch die rein erneuerbare Stromversorgung problemlos machbar, die Potenziale sind in der Schweiz ausreichend.“

Zu den damit aufgeworfenen Themen 2000-Watt-Gesellschaft und Erneuerbare hier einige Anmerkungen:

2000-Watt-Gesellschaft oder Sich Einschränken?

Der Schweizer verbraucht allein über importierte Güter 2000 Watt Leistung. Die 2000-Watt-im-Inland-Gesellschaft wird wohl realisiert: 1) Indem noch mehr energieintensive Prozesse ins Ausland verlagert werden 2) durch effizientere Greräte, Hàuser usw., die entsprechend teurer sind und die sich ein Chinese z.b. gar nicht leisten könnte.
Das Problemkind der 2000-Watt-Gesellschaft ist die Mobilität: Wer zwischen Bern und Zürich pendelt (wohlgemerkt mit dem Zug) verbraucht allein schon mehr als 1000 Watt. Mit dem Auto können es auch 1500 Watt sein.

Erneuerbare in der Schweiz

Nur die Photovoltaik – nicht aber Wind – könnte die Schweiz mit mehr als 20% Strom versorgen. Um den Strom eines 1 Gigawatt-AKW’s zu ersetzen, braucht es eine Fläche von 70 bis 100 Quadratkilometern und eine bauliche Investition über 60 Jahre von mindestens 20 Milliarden Euro (Annahme 2015 mit fallenden Modulpreisen und kleinen Installationskosten). Plaziert man diese Panels aber auf Hausdächer irgendwo in der Schweiz müsste man mit 40 Milliarden Euro für die gleiche Leistung rechnen.

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Stromluecke, Gasluecke, Oelpeak, etc Peak

Warum lesen wir nicht einfach alle noch mal das Buch
die „Grenzen des Wachstums“ von 1972.
Dauert rund 3 Stunden und jeder kann sich dann selber eine
Meinung bilden.
Danach wissen wir dann alle Recht gut was 40 Jahre und mehr
ignoriert wurde.
Was bleibt, die versalzene Suppe ausloeffeln!

Hoeren wir doch einfach auf mit dem Cargo-Cult (Science)
und werden erwachsen.

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Herr Wasserfallen’s Antizipation der schweizerischen Strom- und Energiezukunft nach Fukushima als kaum verändert gegenüber vor Fukushima, nur jetzt mit Gaskombikraftwerken anstatt Neu-AKW’s entspricht tendenziell der Haltung der UREK, BR Doris Leuthard (UVEK) , Teilen des BFEW und wenn zu Ende gedacht wohl auch der Haltung von grossen Teilen der Schweizer Bevölkerung. Dafür spricht die Meldung kürzlich, dass die UREK-Kommission und auch Doris Leuthard das Thema Gaskombikraftwerke reaktivierten.
Natürlich werden jetzt die Erneuerbaren Energien ins Spiel gebracht. Doch die kostengünstigste Form der neuen erneuerbaren Energien, die Windenergie ist in der Schweiz nur im Jura und den Alpen nutzbar, denn das Schweizer Mittelland ist eine der windärmsten Gegenden Europas. Szenarien in der Schweiz und Deutschland, die einen grossen Anteil des Stroms mittels Photovoltaik erzeugen wollen, gehen meist von Photovoltaik-Nutztung im grossen Stil erst in 10 bis 20 Jahren aus, wenn die Preise weiter gefallen sind. Zudem müssten nicht Dachinstallationen, sondern Freiflächen an sonnenbegünstigten Standorten (Wallis, Lawinenverbauungen) genutzt werden, denn das kann die (hohen) Kosten halbieren. Wenn die Schweiz ernsthaft auf Erneuerbare setzen würde und mit möglichst wenig Gaskombikraftwerken auskommen wollte, müsste sie folgende Aktionsplan, folgende Agenda aufstellen:
1) Stromsparen: Progressiver Stromtarif für Privatkunden und den Dienstleistungsbereich (hat den Effekt einer Rationierung von Strom)
2) Anschluss an das Netz und die Erneuerbaren Projekte der EU. Schon jetzt beziehen einige CH-Städte (allerdings meist erst virtuell) Strom aus Nordsee-Windkraftwerken. Das Wind-Potential ist in Europa (nicht in der Schweiz) sehr gross.
3) Photovoltaik-Grossflächen an günstigen Standorten in 10 bis 20 Jahren (jetzt Versuchsphase einleiten).

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Sie schreiben, es sei wohl derzeit überflüssig die Nachteile der Kernkraft zu erläutern – finde ich nicht.

Hier in Kürze:

1) Unwägbare und nicht beherrschbare Risiken mit im Schadenfall katastrophalen Konsequenzen
2) Ungelöste teure und in ferne Zukunft zu planende Lagerproblematik
3) Probleme mit der Proliferation
4) Bei seriösem Betrieb (höchste Sicherheit, rechtzeitiges Abschalten, etc.) nicht wirtschaftlich
5) Sehr aufwändiger Rückbau von Altmeilern
6) Anfällig auf politische Verfilzung (hat unter anderem mit den grossen Kosten zu tun)

Übrigens fällt mir auf, dass bei manchen Exponenten der FDP und anderer Parteien urplötzlich die Zweifel an der Tatsache des Klimawandels und der Notwendigkeit des Handelns verschwunden sind.

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Fazit und Nachricht an die nächsten Generationen: Tut uns aufrichtig leid, aber 1. Wir glauben es nun doch, dass Atomkraftwerke drohen, riesige Gebiete unbewohnbar zu machen und Menschen zu verstrahlen, und den Abfall müssten wir ja auch Euch übergeben, weil wir leider noch nicht herausgefunden haben, wie wir den für die nächsten paar tausend Jahre sicher aufbewahren können. 2. hat das Verbrennen von Erdöl und Erdgas dazu geführt, dass sich das Klima erwärmt hat und weiter massiv erwärmen wird, sodass Naturkatastrophen weiter an Zahl und Intensität zunehmen, die Ernteerträge sinken und Inseln, Grossstädte und grosse Gebiete im Meer versinken werden, von weiteren, noch unabsehbaren Effekten ganz zu schweigen. 3. haben auch erneuerbare Energien ihre Umweltprobleme, sind jetzt noch teuer und werden die Energie aus 1. und 2. kaum ersetzen können. Schliesslich 4.: Ihr werdet verstehen, dass wir trotzdem keine Lust haben, uns einzuschränken und viel Geld für den Strom auszugeben, das versteht Ihr doch, oder? Ausserdem prognostizieren Bundesrat wie Experten, dass der Stromverbrauch steigen wird. Da kann man nichts machen. Uns bleibt also nur die „Frage der Akzeptanz des CO2-Ausstosses“, sprich: Wir müssen das zugegeben sehr hohe Risiko akzeptieren, Euch eine Welt im Klimachaos zu überlassen. Also, tut uns WIRKLICH leid, aber Ihr werdet verstehen: Es ging nicht anders.

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Dieser Blogeintrag schockiert mich ein bisschen, und zwar deshalb, weil er von einem Mitglied der UREK stammt. Mich stören nicht nur die zum Teil (insbesondere aus ökonomischer Sicht) absurden Argumentationen, sondern vor allem die Rückwärtsgewandtheit und der fehlende Mut zu einer visionären, ambitionierten Energie- und Klimapolitik.

Wie unten schon erwähnt ist die 2000-Watt-Gesellschaft kein Luftschloss, sondern ein Ziel, das mit geeigneten Massnahmen und dem nötigen Willen langfristig zu erreichen ist. Diese Vision findet im Übrigen auch immer breitere Akzeptanz, wie beispielsweise die Abstimmung in Zürich im November 2008 gezeigt hat.

Darüber hinaus verstehe ich nicht, warum Stromversorgung und Klimaschutz hier gegeneinander ausgepielt werden. Es geht hier nicht darum, das eine sicherzustellen und dafür auf das andere zu verzichten. Klimaschutz und Stromversorgung sind direkt miteinander verbunden und deshalb gemeinsam zu betrachten. Eine aktive, ambitionierte Klimapolitik schliesst die Sicherstellung der Stromversorgung nicht aus. Sie schafft die nötigen Anreize für Innovationen in saubere Stromproduktion und reduziert damit (gerade in der langen Frist) die Abhängigkeit von fossiler Energie.

Darüber hinaus ist der Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum keineswegs so eindeutig, wie Herr Wasserfallen ihn hier darstellt. Die Entkoppelung von Wachstum und Energieverbrauch ist durchaus möglich (und in Zukunft auch notwendig).

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Schon der erste Satz macht die Religion von Herrn Wasserfallen klar: unendliches Wachstum von Wirtschaft und Energieverbrauch. Das ist absurd.

Abgesehen davon, dass das Bundesamt für Energie das „Luftschloss“ 2000-Watt-Gesellschaft bis 2100 vorgerechnet hat (Energieperspektiven 2035, Szenario IV), ist ein Rückgang der Stromnachfrage kein „unrealistisches Wunschdenken“, sondern möglich und notwendig. Damit ist auch die rein erneuerbare Stromversorgung problemlos machbar, die Potenziale sind in der Schweiz ausreichend.

Für eine erste Auseinandersetzung mit einer Zeit, in der möglicherweise weniger statt mehr Energie verbraucht wird, kann ich das soeben erschienene Buch von Marcel Hänggi „Ausgepowert“ (http://www.mhaenggi.ch/Ausgepowert/Ausgepowert_index.html) wärmstens empfehlen.

Lieber Herr Wasserfallen, wenn sie Marcel Hänggis Buch nicht lesen, dann lesen Sie wenigstens seinen letzten Blog: http://blogs.ethz.ch/klimablog/2011/03/31/armseliges-gesellschaftsbild/

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Man koennte beim Lesen an eine andere Ueberschrift denken:

„Wer seine Saeulen in den Sumpf baut..“

aber… wollen wir das alles wirklich?
Hier auf diesem Blog gab es auch schon andere Meinungen.
Wenn man mit etwas Falschem anfaengt,
dann muss auch was Falsches dabei raus kommen!

„Künftig braucht es mehr Strom, da wir alle von Benzin und Öl hin zu Elektroautos und Wärmepumpen wechseln wollen.
(Noch nicht mitgerechnet in diese Bedarfserhöhung sind die ständig wachsende Bevölkerung und Wirtschaft sowie der Anstieg der Anzahl Elektrogeräte.)“

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