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CO2-Reduktion – Ecodesign-Potential nutzen

15.02.2011 von

Die CO₂-Gesetzesrevision befindet sich im Ständerat. Eine Mehrheit in der vorberatenden Kommission UREK unterstützt eine CO₂-Reduktion um 20% gegenüber 1990. Das ist ein erster, wichtiger Erfolg. Doch über die zu treffenden Massnahmen zur Zielerreichung gehen die Meinungen nach wie vor stark auseinander.

Wertschöpfung in unserem Land

Für mich stehen Massnahmen im Vordergrund, die unsere Innovation, unsere Volkswirtschaft und unsere Arbeitsplätze stärken. Dabei bin ich auf eine interessante Studie gestossen, die von Swissmem und dem Bundesamt für Umwelt in Auftrag gegeben wurde. Darin wird festgehalten, dass für die Sektoren Maschinenbau, Haushaltgeräte sowie elektrische und elektronische Apparate ein Energieeinsparpotential von rund 25% in den nächsten 10 Jahren möglich wäre. Dies entspricht einer jährlichen (!) Reduktion von ca. 11,3 Mio Tonnen CO₂ bis 2020.

Dieses Ecodesign-Potential, will heissen die möglichen Verbesserungen von Produkten oder Maschinen, gilt es mit den richtigen Anreizen zu nutzen. Gleichzeitig stärken wir damit unsere Wettbewerbsfähigkeit im globalen Markt.

Verbessern, Neugestalten oder ganz Überdenken?

Einfach zu realisieren und ohne politische Veränderung der heutigen Rahmenbedingungen ist ein «Face-Lifting», also eine Verbesserung am bestehenden Produkt. Der ökologische Nutzen ist dabei allerdings gering und wird auf 0-10% geschätzt.

Spannender wird es bei «Re-Design». Hier geht es um die Neugestaltung eines Produktes. Solche Neugestaltungen von Produkten stehen schon verschiedentlich in Umsetzung. Der ökologische Nutzen ist vorhanden, reicht aber nicht wirklich aus als strategischen Wettbewerbsvorteil.

Was sich als wirklich zielführend erweist, ist «Re-Think». Hier geht es um das Überdenken eines Produktes und die Realisierung neuer Funktionsprinzipien. Die neuen Lösungsansätze und neuen Technologien sind insbesondere für effizientere Prozesse einsetzbar und bergen ein Verbesserungspotential von 10-70%. Der strategische Wettbewerbsvorteil ist gross.

Gesellschaft, Wissenschaft und Politik sind gefragt

Die Umsetzungsrisiken und Investitionskosten bei «Re-Think» werden teilweise als hoch erachtet und stehen im Gegensatz zu den hohen ökonomischen und ökologischen Potentialen.

Sind wir Kundinnen und Kunden bereit, diese Investitionen auch zu tragen? Ist es möglich, dass Branchenvertretern, Hochschulen und industrienahen Forschungsinstitutionen zusammenarbeiten, um rasch voranzukommen?

Und ist die Politik bereit, die notwendige Unterstützung zu geben? Denn die Preise von Energien und Ressourcen spielen bei der CO₂-Reduktion eine zentrale lenkende Rolle.

Zur Autorin

Gastautorin Verena Diener ist Ständerätin des Kantons Zürich.

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Kommentare (1) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Sehr geehrte Frau Diener,

Das Einsparpotential durch Ecodesign (effizientere Maschinen, Geräte, Apparate) muss realisiert werden – weil jede Reduktionsmöglichkeit bei CO2-Emissionen letztlich realisert werden muss um das äusserst ambitionierte – letzlich aber von der Klimawissenschaft vorgegebene – Ziel von nur noch 1 Tonne CO2-Ausstoss pro Kopf bis 2050 zu erreichen.
Energetische Optimierung von Produkten (Face-Lifting), Redesign und Rethink (völlig neue Lösung) sind dabei kurz-, mittel- und langfristige Ansätze. Meiner Ansicht nach sollte zuerst und vor allem die Forschung und Entwicklung in diesen Bereichen gefördert werden. Problematischer sind direkte Subventionen um Produkte konkurrenzfähiger zu machen, denn das hat immer etwas willkürliches. Ein (höherer) Preis für CO2-Emissionen wäre dagegen gerecht und gerechtfertigt.
Gefallen hat mir an ihrem Artikel auch die Einleitung. Die Absicht, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20% gegenüber 1990 zu reduzieren, ist tatsächlich nur ein erster Schritt und die meisten unterschätzen die nötigen Anstrengungen um solch ein Ziel ohne Kompensation im Ausland zu erreichen. Vielleicht braucht es ja später einmal ein zur Schuldenbremse analoges Instrument für die CO2-Emissionen: Die CO2-Bremse (regelmässiges Überprüfen aller CO2-Emissionen auf Reduktionspotential und erzwungene Umsetzung).

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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