ETH-Klimablog - Ernährung & Landwirtschaft - Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 4)

ETH life zum Thema

Welternährung: «Ein nahrhafter Denkanstoss» (17.10.13)
Klimaforschung: «Klimaforschung im Dialog» (4.10.13)
Klimaforschung: «Emissionen verpflichten uns langfristig» (27.9.13)
Energieforschung: «Der Asket unter den Motoren» (12.9.13 )

Blog-Schwerpunkte

Die Beiträge geordnet nach Wissensgebieten rund um den Klimawandel:
>Klimaforschung
>Umweltfolgen
>Energie
>Mobilität
>Wirtschaft
>Politik
>Stadtentwicklung
>Welternährung
>Nord-Süd

Archive

Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 4)

18.01.2011 von

Es ist sinnvoll, schon heute Massnahmen zur Minderung des Klimarisikos ins Auge zu fassen – kein verantwortungsbewusster Entscheidungsträger würde ernsthaft erwägen, bis ins Jahr 2030 mit der Klimaanpassung zuzuwarten (siehe Blogbeitrag Teil 3 >hier). Im Folgenden möchte ich darlegen, dass dieses proaktive Vorgehen in vielen Fällen auch deutlich kostengünstiger ist als Zuwarten.

Klimarisiko in Maharashtra bis 2030 mehr als verdoppelt

In einer Studie (>pdf) haben wir den Einfluss von Dürre auf die Landwirtschaft im Bundesstaat Maharashtra in Indien untersucht. Der durchschnittliche dürrebedingte Ernteausfall beläuft sich heute auf jährlich 238 Millionen USD. Die prognostizierte wirtschaftliche Entwicklung bis zum Jahr 2030 erhöht das Risiko um 132 Mio. USD. Aufgrund der Klimaveränderung rechnen wir mit weiteren 200 Mio. USD. Das totale Klimarisiko im Jahre 2030 beläuft sich also auf jährlich 570 Mio. USD, mehr als doppelt so viel wie heute.

Dem Risiko vorausschauend begegnen

Die Quantifizierung des totalen Klimarisikos gibt noch keine Aufschlüsse über die geeignetsten Massnahmen zur Vermeidung oder zumindest Eindämmung der klimabedingten Folgen. Dafür müssen den Entscheidungsträgern die Kosten und Nutzen der zur Verfügung stehenden Anpassungsmassnahmen bekannt sein. Zu den möglichen Massnahmen zählen Infrastruktur-, technologische, verhaltensbezogene und finanzielle Lösungen.

Anpassungskostenkurve, schematisch. Die horizontale Achse bezeichnet den Nutzen (=vermiedenen Schaden). Die vertikale Achse zeigt das Kosten/Nutzen-Verhältnis der einzelnen Anpassungsmassnahmen (als Rechteck dargestellt).

.

Dürrerisiko lässt sich kostengünstig verringern

Die «Anpassungskostenkurve» stellt eine geeignete Darstellung zur Priorisierung der kostengünstigen Massnahmen dar. Präventionsmassnahmen sind besonders in Bezug auf häufig wiederkehrende Ereignisse erfolgreich. Versicherungslösungen hingegen stellen im Allgemeinen eine attraktive Möglichkeit zur Absicherung gegen Ereignisse mit hohem Schadenausmass und geringer Häufigkeit dar. Es sei nicht verschwiegen, dass in der Regel ein Restrisiko verbleibt, das nicht vollständig abgedeckt werden kann, weder durch Prävention noch Versicherung.

Die Anpassungskostenkurve für Massnahmen gegen Dürre im Bundesstaat Maharashtra in Indien werde ich im nächsten Beitrag im Detail diskutieren. Doch möchte ich schon hier darauf hinweisen, dass in Maharashtra ein beträchtlicher Teil des Schadens durch (äusserst) kostengünstige Massnahmen vermieden werden kann. So lässt sich beispielsweise durch eine Investition von lediglich 5 Mio. USD in Tröpfchenbewässerung die Schadensumme von 250 Mio. USD vermeiden. Dies deshalb, weil dank der Tröpfchenbewässerung bei leichten Dürren das verbleibende Wasser weiterhin sehr effizient genutzt werden kann. Dass solche Massnahmen allerdings bei katastrophalen Ereignissen nicht ausreichen, ist offensichtlich – hier kommen Versicherungslösungen zum Zug. Auch auf diese werde ich in meinem nächsten Beitrag näher eingehen.

Zum Autor

Gastautor David Bresch ist Head of Sustainability & Political Risk Management bei der Swiss Re.





Kommentare (6) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@Martin Holzherr: dass es immer wieder saukalte oder tierisch heisse Jahre gibt und gegeben hat und dass es schrecklich wäre, wenn diese Jahre zur Normalität würden.

Und trotzdem gibt es Menschen, die (aus freien Stücken) den tropischen und subtropischen Zonen leben, ebenso wie es Menschen gibt, die in arktischen Zonen leben. Warum? Wie kann man sich so etwas antun?

„Die Stadt hält den Weltrekord in der Anzahl der aufeinanderfolgenden Tage mit Temperaturen über 37.8°C: 160 Tage, vom 31. Oktober bis zum 7. April.“

Es handelt sich um Marble Bar (früher Goldgräberstadt) in Australien, und der Rekord stammt aus dem Jahre 1924!!! Die durchschnittliche Maximaltemperatur übersteigt regelmässigh während 6 Monaten im Jahr die menschliche Körpertemperatur.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Ben Palmer. 19.01.2011, 20:48
¨
Herr Palmer, ihr Kommentar ist voll von rhetorischen Fragen, voll von Fragen also, von denen sie und auch alle anderen die Antwort wissen. Wenn sie schreiben, Warum werden diese Bruchteile von einem Grad [Temperaturänderung] über eine lange Periode als so gefährlich angesehen für die Natur, während sich niemand Sorgen macht über einen so plötzlichen Temperatursturz? [über ein Jahr] so wissen sie genau, dass es immer wieder saukalte oder tierisch heisse Jahre gibt und gegeben hat und dass es schrecklich wäre, wenn diese Jahre zur Normalität würden. Denken sie an den europäischen Hitzesommer 2003 oder an 1816, das Jahr ohne Sommer (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_ohne_Sommer ) zurück (1816 wurde Dracula und Frankenstein sowie Der Vampir geschrieben).

Fazit:
– die Erwärmung seit den 1970ern wäre harmlos, wenn sie nicht Vorbote weiterer und ungebremster Erwärmung wäre
– Das lokale Klima ist nichts anderes als der statistische Durchschnitt des jahreszeitlichen Wetterverlaufs eines Gebiets
– 100 Tage Wüstenhitze einmal in hundert Jahren sind grässlich, aber 100 Tage Wüstenhitze in jedem von 100 Jahren gehören zu einem ganz anderen Klima

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

„David Bresch’s Ansatz mit proaktiven Massnahmen den Folgen der zunehmenden Klimaerwärmung zu begegnen macht Sinn, wenn folgendes beachtet wird:
– Die Massnahmen sollten schon bestehende Probleme, die sich durch die progrediente Erwärmung verschlimmern können, angehen“

… und durch die lokalen und regionalen Abkühlungen ebenfalls? 2010 war mit 0.3°C das zweitkälteste Jahr in der Schweiz seit 1987.
In nur einem Jahr, von 2009 nach 2010, nahm die mittlere Jahrestemperatur um 1°C ab. Ein gewaltiger Temperatursturz, der auf die Biodiversität einen vernichtenden Einfluss haben dürfte.

Um wieviel Grad nahm doch die globale Temperatur über die letzten hunder Jahre zu? Um Zehntelsgrade? Warum werden diese Bruchteile von einem Grad über eine lange Periode als so gefährlich angesehen für die Natur, während sich niemand Sorgen macht über einen so plötzlichen Temperatursturz?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Ach ja.

Ich warte ja schon lange darauf, dass mir jemand zeigt, dass die Dürren in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben. Ich bin ja mittlerweil schon zufrieden, wenn mir einer eine Korrelation zeigt. Dass mir einer eine Kausalität aufzeigt, darauf habe ich die Hoffnung sowieso aufgegeben.

Es ist wie bei den Überschwemmungen in Ost-Australien: Sofort kamen die „Experten“ und haben gesagt: Sehr her, das hat der AGW angerichtet! Wenn man die Daten anschaut (siehe bei WUWT), dann sieht man, dass es dort früher genausoft Überschwemmungen gegeben hat, und zwar z.T. noch grössere.

„kein verantwortungsbewusster Entscheidungsträger würde ernsthaft erwägen, bis ins Jahr 2030 mit der Klimaanpassung zuzuwarten“
An den Momentanzustand wird sich ein verantwortungsbewusster Entscheidungsträger sofort anpassen (z.B. würde er die europäischen Autobahnen, Zuggleise, Flughäfen wintersicher machen). An einen zukünftigen Zustand anpassen? Da müsste er in die Zukunft schauen können. Und Prognosen sind schwer, sehr schwer sogar, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Aber das muss man einem Versicherungsmenschen wohl kaum sagen. Ach ja, er will JETZT Prämien kassieren.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

In ähnlicher Weise haben wohl auch die Behörden in NSW, Australien argumentiert, als sie vorsorglich ein Meerwasserentsalzungswerk für mehrere Milliarden $ bauen liessen. Die Vorsorge wurde offenbar durch die alarmistischen Warnungen vor einer immer bedrohlicher werdenden Trockenheit aufgrund des Klimawandels ausgelöst.

Vor lauter Klima hat man das Wetter völlig ausser acht gelassen und die Erfahrungen der Vergangenheit in den Wind geschlagen (oder im vermeintlich letzten Tropfen Wasser ertränkt). Ebenfalls nach dem Vorsorgeprinzip wurde der nach der Überschwemmungskatastrophe 1974 gebaute Pufferdamm bis zum Rand gefüllt, obwohl starke Regenfälle im Anzug waren.
Als dann sich dann die starken Niederschläge über der Gegend entluden, war man schliesslich gezwungen, die Wehre zu öffnen, um einen Dammbruch zu vermeiden. Anthropogene, meterhohe Flutwellen wurden so auf die Behausungen losgelassen.

Meine Fragen an Herrn Bresch:
1) Würden die Flutschäden auch von einer Klimarisikoschutzversicherungen übernommen?
2) Wie werden Klimaschäden von Wetterschäden versicherungstechnisch unterschieden, wohl wissend, dass dem Klimawandel sowohl Trockenheit als auch Überschwemmungen zugeschrieben werden?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

David Bresch’s Ansatz mit proaktiven Massnahmen den Folgen der zunehmenden Klimaerwärmung zu begegnen macht Sinn, wenn folgendes beachtet wird:
– Die Massnahmen sollten schon bestehende Probleme, die sich durch die progrediente Erwärmung verschlimmern können, angehen
– Die Massnahmen sollten auch ohne zunehmende Erwärmung schon sinnvoll sein und die Gesamtkosten kosten oder den landwirtschaftlichen Ertrag erhöhen.
– Die Massnahmen sollten auch noch wirksam bleiben, wenn die Erwärmung und die Wetterextreme zunehmen und sie sollten ausbaubar sein als Reaktion auf eine Verstärkung der Erwärmung

Das Beispiel mit den Dürren in Maharshtra ist so gesehen gut gewählt, denn Dürren gibt es dort heute schon und es besteht das Risiko, dass sie zunehmen. Kostengünstige Massnahmen wie die Tröpfchenbewässerung sind rein rechnerisch heute schon profitabel. Tendenziell sind viele solcher proaktiven Massnahmen aber auch anspruchsvoll und setzen eine Schulung der beteiligten Menschen voraus. Sollen einfache Bauern in Indien die Tröpfchenbewässerung einsetzen wäre wohl eine Beratung durch einen Agronomen sinnvoll oder sogar notwendig. Gelingt ein solches Projekt allerdings führt das auch zu einer qualitativ besseren Landwirtschaft und zu besser gebildeten Menschen, die aktiv auf ihre Umwelt reagieren.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

top
 
FireStats icon Powered by FireStats