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Biotreibstoffe – neue «Patentlösung» für Flugverkehr?

11.01.2011 von

In meinem letzten Beitrag habe ich über die Einbeziehung des Flugverkehrs in das Emissionshandelsschema der EU (EU ETS) berichtet und die ab 2012 bestehende CO₂-Emissionsobergrenze («emissions cap») für alle in der EU, Liechtenstein, Norwegen und Island ankommenden und abfliegenden Flugzeuge (>Link). Doch die Herausforderung rasch anwachsender Emissionen im Flugsektor kann nicht nur regulatorisch angegangen werden.

Biotreibstoffe – Lösung für emissionsarmen Flugverkehr?

Flugzeugtriebwerke sind hochkomplexe Maschinen, die unter extremen Bedingungen zuverlässig arbeiten müssen. Die im Flugverkehr eingesetzten Treibstoffe benötigen somit Eigenschaften, die nur von wenigen gebräuchlichen Treibstoffen erfüllt werden. Beispielsweise müssen sie bei extremen Temperaturen von ungefähr -50°C flüssig bleiben und eine hohe thermische Stabilität im Flugzeugmotor aufweisen.

Momentan existieren aus technologischer Sicht zwei Möglichkeiten, für den Flugverkehr geeignete Biotreibstoffe herzustellen. Die Hydro-Treatment-Technologie verwendet als Rohstoff Algen und neue Ölpflanzen wie Jatropha und Camelina, während sich der «Biomass-to-Liquid»-(BTL)-Prozess des sogenannten Fischer-Tropsch-Verfahrens bedient. Letzteres ermöglicht die Verwendung spezieller Pflanzen wie Elefantengras, aber auch organischer Abfallprodukte aus der Lebensmittel-, Textil- und Papierindustrie als Ausgangsmaterial für die Treibstoffgewinnung.

Erste Testflüge mit Biotreibstoffen sind vielversprechend…

Mehrere Testflüge mit Biotreibstoffen haben zufriedenstellende Ergebnisse gebracht. Bereits im Februar 2008 flog Virgin Atlantic eine Boeing 747 Jumbo mit einem 20%-Gemisch aus Kokosnuss- und Babassu-Öl in einem der Treibstofftanks von London nach Amsterdam. Im gleichen Jahr verwendete ein Airbus A380 ein Gemisch aus BTL-Treibstoff und eine Boeing 747-400 einen aus Jatropha hergestellten Biotreibstoff der zweiten Generation. Auch aus Camelina synthetisiertes Kerosin und ein Biotreibstoff aus Algen haben bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert.

… Vorsicht ist dennoch geboten!

Trotz dieser sehr positiv anmutenden Resultate sollten wir nicht voreilig jubeln: Biotreibstoffe sind leider nicht frei von negativen Begleiterscheinungen. Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Konkurrenz der Treibstoffproduktion zur Nahrungsmittelproduktion. Diese tritt insbesondere auf, wenn die für Biotreibstoffe benötigte Biomasse auf Ackerflächen angebaut wird (siehe auch Beitrag von Prof. Lehmann >hier).

Die Verwendung neuer Nutzpflanzen und insbesondere auch Algen bietet eine mögliche Alternative, die zurzeit noch intensiv erforscht wird. Grundsätzlich bleibt es somit bis auf weiteres bei der Feststellung: Weniger Fliegen schont die Umwelt!

Weitere Informationen

SWAFEA study, April 2010: www.swafea.eu

European Biofuels, Technology Platform: www.biofuelstp.eu

Zur Autorin

Mit diesem Artikel verabschiedet sich Katja Halbritter als Autorin des ETH-Klimablogs. Katja hat inzwischen ihren Master in «Management, Technology, and Economics» an der ETH Zürich abgeschlossen. Momentan arbeitet sie als Trainee bei der EU-Kommission in Brüssel. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (15) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

„Die Firma Joule Biotechnologies (siehe http://www.technologyreview.com/business/23073/?mod=related ) behauptet, solche Mikroorganismen hergestellt zu haben.“

und sind die schon vor dem Richter?

so wie diese hier?

http://www.world-nuclear-news.org/newsarticle.aspx?id=28978

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Biotreibstoffe aus Getreide, Ölpflanzen und Zuckerrohr benötigen riesige Landflächen, wie folgendes Beispiel zeigt: Wollte man alles heute verbrauchte Rohöl durch Bioethanol aus Zuckerrohr ersetzen, bräuchte man dafür die Landfläche von ganz Brasilien.

Genetisch modifizierte Mikroorganismen könnten diesen Flächenbedarf jedoch massiv senken. Die Firma Joule Biotechnologies (siehe http://www.technologyreview.com/business/23073/?mod=related ) behauptet, solche Mikroorganismen hergestellt zu haben. Sie erzeugen direkt Kohlenwasserstoffe und Bioethanol aus Wasser und Sonnenlicht. Auf 1 Quadratmeter sollen auf diese Weise 50 Liter Biotreibstoff pro Jahr gewonnen werden können. Die USA könnten mit solchen Mikroorganismen ihren gesamten Treibstoffbedarf auf der Fläche von 100’000 Quadratkilometern, also auf 1% ihrer Staatsfläche erzeugen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Im Jahre 2004 war der Flugverkehr für 10% der CO2-Emissionen des deutschen Verkehrssektors verantwortlich, was eine Umstellung des Flugverkehrs auf Biotreibstoffe als alleinigen Treibstoff möglich erscheint. Im Jahre 2011 wird nämlich in der EU auch der Biosprit E10 mit einem Anteil von 10% Ethanol eingeführt. Mit E10 soll in der EU bis 2020 9.5% des Treibstoffs aus Bioethanol stammen. Mit ungefähr der gleichen Biotreibstoffmenge könnte fast der gesamte Flugverkehr auf Biotreibstoff umgestellt werden. Allerdings sind Flugzeuge anspruchsvoller und geben sich nicht mit Biotethanol zufrieden. Wie Katja Halbritter schreibt:
Momentan existieren aus technologischer Sicht zwei Möglichkeiten, für den Flugverkehr geeignete Biotreibstoffe herzustellen. Die Hydro-Treatment-Technologie verwendet als Rohstoff Algen und neue Ölpflanzen wie Jatropha und Camelina, während sich der «Biomass-to-Liquid»-(BTL)-Prozess des sogenannten Fischer-Tropsch-Verfahrens bedient.

Man kann sich also vorstellen, dass schon ab 2020 fast 10% des Strassenverkehrtreibstoffs von Biotreibstoff stammt (E10) und mit einer gleich grossen Menge flugbenzintauglichem Biotreibstoff aus Ölplfanzen oder Biomass-to-liquid-Verfahren der Flugverkehr zu mehr als 70% mit Biotreibstoffen läuft.

Allerdings sehe ich das nicht unbedingt positiv, vor allem wenn man an die riesigen Flächen denkt, die nötig sind um diesen Biotreibstoff zu gewinnen. Gemäss Spiegel müssten laut Studie weltweit bis zu 69.000 Quadratkilometer Wald, Weiden und Feuchtgebiete als Ackerland kultiviert werden um das Bioethanol für den Treibstoff E10 zu gewinnen.
69.000 Quadratkilometer sind 2-Mal die Fläche Belgiens. Dieselbe Fläche bräuchte es um auch einen grossen Teil des Flugverkehrs auf Biotreibstoff umzustellen.

Diese gewaltigen Anbauflächen für Biotreibstoff werden kaum in Europa liegen, sondern wohl eher in Afrika, Indonesien und anderen Drittweltländern. Man kann dies positiv sehen, denn es bieten diesen Drittweltländern neue Einnahmequellen, man könnte es aber auch als eine Art Biokolonialismums betrachten.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

„Nicht alle Biotreibstoffe scheinen einen EROEI nur um 1 herum zu haben. Der Zuckerrohranbau soll deutlich mehr Energie in Form von Alkohol lieferen als vorher an Energie in Form von Landbearbeitung, Transport, Düngung und so weiter hineingesteckt wurde.“

Ja das ist das was die Brasilianer behaupten (EROEI = 3 oder so,
beim Oel aus Saudi Arabien spricht man von EROEI von 50-100!)

(genau wie beim Palmoil). Fakt ist das gerade in diesen Laendern
der noch verbleibende Regenwald wie bloed zerstoert wird
und es gleichzeitig hungernden landlose quasi Sklaven gibt.
Erosion in diesen Laendern ist auch ein riesen Problem.

Also was die Leute behaupten und was stimmt ist nicht identisch.
Follow the money sagt man so schoen.

Pimentel (cornell) ist der Weltexperte fuer sowas

http://www.truth-out.org/article/david-pimentel-corn-cant-save-us
hier ein Ueberblick zu verschiedenen EROEI..
http://www.azimuthproject.org/azimuth/show/Energy+return+on+energy+invested

Das Geld kann man drucken und mit fake Dollars zahlen.
Das Resultat sieht man gerade ueberall.
Aber das ist ein anderes Thema.

„Trotz allem beurteile ich den Biotreibstoffanbau wie der heute betrieben wird negativ, denn es scheint mir absurd viele Millionen Hektar Land nur dem Zweck der Treibstofferzeugung zu widmen. Doch scheinbar bin ich mit dieser Abneigung ziemlich allein.“

Nein, ueberhaupt nicht. Wir sind selbst schon auf diesem Blog mindestens zu zweit!

„Nimmt man die weitverbreitete Einstellung der Leute zur Natur als Massstab, so gibt es Chancen das Klima zu retten“

du wolltest wohl
„..keine Chancen..“ schreiben oder?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 12.01.2011, 17:24

Hoi Michael,
Leider sind gewisse Biotreibstoffe „nachhaltig“ in dme Sinne, dass sie mehr liefern als in sie hineingesteckt wird, doch wie gesagt finde ich den Biotreibstoffanbau eine ungeheuere Landverschwendung.

du schreibst Das glaube ich eher nicht! Sobald die Subventionen dafuer [Biotreibstoff] gekuerzt werden ist es damit vorbei. Ansonsten ist der EROEI miserabel und es ist unter dem Strich nicht mal klar ob man einen EROEI > 1 bekommt

Der Artikel Report: Brazilian Ethanol is Sustainable aus http://www.theoildrum.com/story/2006/10/10/171011/86 kommt zum Schluss:
They therefore concluded that an EROEI between 8.3 and 10.2 [für Zuckerrohr] was legitimate.

Not surprisingly, the greenhouse gas (GHG) emission reduction for sugarcane ethanol was estimated to be >80%. EROEI and GHG emissions are very closely related, such that a renewable energy source possessing a high EROEI should demonstrate a high level of GHG emission reduction.
….
Based on the findings in the report, it suggests that many tropical countries have the potential for sustainable fuel production. This should be particularly true of any country that can grow excess sugarcane according to Brazil’s methods.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Ben Palmer. 13.01.2011, 9:22

Zitat Ben Palmer Ich scheine allerdings in der Schule etwas verpasst zu haben: hydrogen cars will emit more carbon than gasoline vehicles”
H2 + O = H2O + C ???

Herr Palmer, beim Verbrennen von Wasserstoff entsteht kein Kohlendioxid, da haben sie absolut recht, jedoch bei der Erzeugung von Wasserstoff durch die Elektrolyse, denn das braucht Strom und Strom wird in den USA vor allem von Kohlekraftwerken erzeugt und der Schreiber des Wikipedia-Artikels scheint aus den USA zu kommen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Danke Martin Holzherr für die Aufklärung betreffend Wasserstoff.

Ich scheine allerdings in der Schule etwas verpasst zu haben:
„hydrogen cars will emit more carbon than gasoline vehicles“

H2 + O = H2O + C ???

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Michael,

Du schreibst Sobald die Subventionen dafuer [Biotreibstoffe]
gekuerzt werden ist es damit vorbei. Ansonsten ist der
EROEI miserabel und es ist unter dem Strich nicht mal klar
ob man einen EROEI > 1 bekommt

Nicht alle Biotreibstoffe scheinen einen EROEI nur um 1 herum zu haben. Der Zuckerrohranbau soll deutlich mehr Enegie in Form von Alkohol lieferen als vorher an Energie in Form von Landbearbeitung, Transport, Düngung und so weiter hineingesteckt wurde.

Ab 100 Dollar pro Barrel Öl wird die Erzeugung von Biotreibstoffen in vielen Fällen profitabel – auch ohne Subventionen. Vor allem gibt es sehr viel Land, das für Biotreibstoffanbau in Frage kommt, weil man auch „marginales“ Land dafür nutzen kann. Eine Studie der Universität Illinois kommt zum Schluss, dass man mit Biotreibstoffanbau auf marginalem Land die Hälfte des heute konsumierten Treibstoffs gewinnen könnte (siehe http://www.news.illinois.edu/news/11/0110biofuel_cai.html ): Using detailed land analysis, Illinois researchers have found that biofuel crops cultivated on available land could produce up to half of the world’s current fuel consumption – without affecting food crops or pastureland. … The researchers then expanded their sights to marginal grassland. A class of biofuel crops called low-impact high-diversity (LIHD) perennial grasses could produce bioenergy while maintaining grassland. …Adding LIHD crops grown on marginal grassland to the marginal cropland estimate from earlier scenarios nearly doubled the estimated land area to 1,107 million hectares globally …

Man darf die Phantasie der Leute nicht unterschätzen, wenn es darum geht, vitale Betriebsstoffe unserer Zivilsation zu ersetzen – vor allem wenn man damit sogar Geld verdienen kann.

Trotz allem beurteile ich den Biotreibstoffanbau wie der heute betrieben wird negativ, denn es scheint mir absurd viele Millionen Hektar Land nur dem Zweck der Treibstofferzeugung zu widmen. Doch scheinbar bin ich mit dieser Abneigung ziemlich allein. Sogar viele Grüne und Klimaschützer finden nichts dabei. Ein Bekannter sagte mir dazu sogar, es sei doch gut das viele Brachland. das es gebe. endlich zu nutzen. Nimmt man die weitverbreitete Einstellung der Leute zur Natur als Massstab, so gibt es Chancen das Klima zu retten, denn es betrifft die Menschen, es gibt aber wenig Chancen substantielle Anteile der unberührten Natur zu retten, denn das interessiert zu wenige. Die Zukunft der Natur ist leider der Zoo und das Naturreservat.

Du gehst davon aus, dass abnehmende fossile Rohstoffe nicht kompensiert werden können, doch ich denke mir du unterschätzt die Menge an Geld und die Menge an Aufwand und Phantasie, die in solche Substitute gesteckt werden kann.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Eine wichtige Meldung fuer noch Glaeubige an den
Technofix..

Carbon injected underground is leaking: Sask. farmers
http://www.ctv.ca/CTVNews/Canada/20110111/carbon-injected-underground-is-leaking-110111/

Was bleibt also.. nur die
„Reduktion beim Energieverbrauch“
geht in die Richtung einer Entwicklung zur Nachhaltigkeit!

Ob das schnell genug geht? Vermutlich nicht!

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

du schreibst:

„Eine starke Zunahme des Biotreibstoffanbaus wird die Nahrungsmittel teurer machen, kann aber kaum verhindert werden, wenn sich viel Geld damit verdienen lässt. “

Das glaube ich eher nicht! Sobald die Subventionen dafuer
gekuerzt werden ist es damit vorbei. Ansonsten ist der
EROEI miserabel und es ist unter dem Strich nicht mal klar
ob man einen EROEI > 1 bekommt
(Was mir aufgefallen ist.. Rapsfelder bluehen oft dort
wo kurze Zeit spaeter eine Strasse etc gebaut wird.)
Auch das Gerede von Generation II und III erscheint mir als
„Betrug“. Solange der Traktor mit billigem Diesel faehrt
und die Kompostierung (mit der Biomasse) nicht gemacht wird verarmen die Boeden. Kunstduenger (aus fossilen Quellen) wird irgendwann auch unerschwinglich.

„Allerdings sind teurere Nahrungsmittel für uns hier in der Schweiz kein Problem“

Frage mal die „Armen“ in der Schweiz..
kam gleich beim googeln .. (ich lese diese Zeitung nicht.)
http://www.blick.ch/news/schweiz/557-fr-fehlt-jeder-5-schweizer-familie-am-monatsende-162973

„und deine Frage dann kann man sich schon ueberlegen wo denn bald die Lebensmittel fuer die Importe in Schweiz (50% etwa)
gepflanzt werden? kann so beantwortet werden: Die Schweiz wird weiterhin ihre Lebensmittelimporte bekommen, weil sie genügend dafür zahlt“

Das ist eine Art russisches Roulett.
Sobald „hartes Kapital“ (Rohstoffe, Nahrungsmittel etc) teuer wird koennte sich das Finanz-Gluecksrad schnell drehen.
Schon ganz andere Laender sind von reich nach arm
gewechselt. Ich wuerde mich darauf nicht verlassen wollen.

„aber die weniger Zahlungskräftigeren müssen dann wohl eine Auszeit nehmen – vulgo: sie werden hungern.“

Ja und dann kommen Hungerrevolten und man wird sehen was
aus dem ganzen Export/Import wird.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Ben Palmer. 11.01.2011, 21:30

Zitat Ben Palmer:Woran liegt es, dass auf diesem Gebiet [Wasserstoff als Energiewährung] bisher so wenig Fortschritt gemacht wurde?

Die Brennstoffzellentechnologie hat kürzlich grosse Fortschritte gemacht und Hersteller wie Toyota, Hyundai, Daimler, Honda und GM wollen ab 2015 Brennstoffzellenautos auf den Markt bringen. Zitat Toyota:“In 2015, our plan is to bring to market a reliable and durable fuel cell vehicle with exceptional fuel economy and zero emissions, at an affordable price.”

Die Effizienz der ganzen Verwertungskette Wasserstoffquelle bis Verbraucher ist allerdings schlecht wie dem Wikipedia-Artikel Fule cell vehicle (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Fuel_cell_vehicle ) zu entnehmen ist:

Fuel cell efficiency is limited because „the energy required to isolate hydrogen from natural compounds (water, natural gas, biomass), package the light gas by compression or liquefaction, transfer the energy carrier to the user, plus the energy lost when it is converted to useful electricity with fuel cells, leaves around 25% for practical use… For comparison, the ‚well-to-wheel‘ efficiency is at least three times greater for electric cars than for hydrogen fuel cell vehicles.“

Auch der Wikipedia-Artikel hydrogen vehicle (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Hydrogen_vehicle ) kommt zu einem vernichtenden Urteil:
A December 2009 study at UC Davis found that, over their lifetimes, PHEVs [Plugin Hybrid Electric Vehicles] will emit less carbon than current vehicles, while hydrogen cars will emit more carbon than gasoline vehicles

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Wasserstoff als Treibstoff:
Ich arbeitete vor über 30 Jahren kurze Zeit in Kansas mit Roger Billings „Mr. Hydrogen“ zusammen, der schon damals Wasserstoff in Wohnhäusern und in kommerziell und privat betriebenen Fahrzeugen, u.a. in Taxis und Bussen, als Energiequelle einsetzte.

Woran liegt es, dass auf diesem Gebiet bisher so wenig Fortschritt gemacht wurde?
http://www.rogerebillings.com/ProjectReports/ProjectHydrogen.html
http://freeenergynews.com/Directory/Hydrogen/RogerBillings.htm

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 11.01.2011, 17:19
Hoi Michael,
schönes neues Jahr noch und danke für die Links.

Du schreibst:und gleich danach erklaerst du warum Biotreibstoffe unter allen Umstaenden schlecht sind.

Biotreibstoffe im grossen Massstab sind heute schlecht – schlecht für die Nahrungsmittelversorgung und für die Natur, weil viel mehr Land unter den Pflug kommt.
Doch bei einer Treibstoffverknappung kann der Biotreibstoffanbau rasch ausgeweitet werden während der Aufbau einer Elektrofahrzeugfabrikation oder von Kohleverflüssigungsanlagen viele Jahre in Anspruch nimmt.

Ich bin deshalb überzeugt, dass der Biotreibstoffanbau stark zunimmt, wenn die Rohölpreise über 100 Dollar pro Barrel steigen. Gerade liest man die Meldung, dass auf anfangs diesen Jahres in der EU der Biosprit E10 eingeführt wird. E10 enthält 10% Bioethanol und soll in der EU zum dominanten Treibstoff werden. Hier noch ein Zitat aus dem Spiegel: Insgesamt sollen 2020 in Europa 9,5 Prozent der Energie für den Verkehr aus Biosprit bestehen, der fast vollständig aus Ölsaat, Palmöl, Rohr- und Rübenzucker sowie Weizen produziert werde. Dafür müssten laut Studie weltweit bis zu 69.000 Quadratkilometer Wald, Weiden und Feuchtgebiete als Ackerland kultiviert werden – eine Fläche mehr als zweimal so groß wie Belgien. (siehe http://www.spiegel.de/thema/biotreibstoffe/ )

Eine starke Zunahme des Biotreibstoffanbaus wird die Nahrungsmittel teurer machen, kann aber kaum verhindert werden, wenn sich viel Geld damit verdienen lässt. Allerdings sind teurere Nahrungsmittel für uns hier in der Schweiz kein Problem, und deine Frage dann kann man sich schon ueberlegen wo denn bald die Lebensmittel fuer die Importe in Schweiz (50% etwa)
gepflanzt werden?
kann so beantwortet werden: Die Schweiz wird weiterhin ihre Lebensmittelimporte bekommen, weil sie genügend dafür zahlt, aber die weniger Zahlungskräftigeren müssen dann wohl eine Auszeit nehmen – vulgo: sie werden hungern.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

Hoi Martin,

Du schreibst:
„Falls Biotreibstoffe nur fürs Fliegen verwendet würden und die Flugleistungen sich nicht wie kürzlich in einer Sonntagszeitung angekündigt bis zum Jahr 2100 versiebenfachen, sind Biotreibstoffe wohl kein Problem.“

und gleich danach erklaerst du warum Biotreibstoffe
unter allen Umstaenden schlecht sind.

Wenn man sich noch die letzten „Horrorzahlen“ der FAO anschaut,
na dann kann man sich schon ueberlegen wo denn bald die
Lebensmittel fuer die Importe in Schweiz (50% etwa)
gepflanzt werden?

http://www.fao.org/worldfoodsituation/wfs-home/en/

http://www.fao.org/giews/english/index.htm

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Elektrische Flugzeuge wird es wohl nie geben. Also bleiben folgende Möglichkeiten Flugzeuge von fossilen Treibstoffen zu entwöhnen oder Flugzeuge durch andere Transportmittel zu ersetzen:
– Biotreibstoffe (wie im Artikel beschrieben)
– flüssiger Wasserstoff als Treibstoff, z.B. für das LAPCAT A2 Projekt ( Hyperschallflugzeug) vorgesehen (siehe http://www.reactionengines.co.uk/lapcat.html )
– Normale Hochgeschwindigkeitszüge für Distanzen bis 800 km (TGV etc)
– Transport in ekavuierten Röhren in magnetischer Levitation für Langdistanzen. Würde Geschwindigkeiten bis 4000 km pro Stunde ermöglichen (siehe http://www.et3.net/ ) und damit das Fliegen generel überflüssig machen

Falls Biotreibstoffe nur fürs Fliegen verwendet würden und die Flugleistungen sich nicht wie kürzlich in einer Sonntagszeitung angekündigt bis zum Jahr 2100 versiebenfachen, sind Biotreibstoffe wohl kein Problem.

Sollte sich schon bald eine zunehmende Ölverknappung einstellen könnten Biotreibstoffe wohl schon früher zum Einsatz kommen als heute geplant und nicht nur für Flugzeuge sondern generell eingesetzt werden.
Bis heute braucht der Anbau von Biotreibstoffen riesige Landflächen. Sie stehen damit nicht nur zur Nahrungsmittelproduktion in Konkurrenz, sondern gefährden auch Wälder und die Biodiversität an und für sich, denn Palmölfplanzen, Jatropha und so weiter werden heute vor allem auf ehemaligen Urwaldboden angepflanzt (z.B. in Indonesien).
Biotreibstoffe aus Holz, Gräsern und Pflanzenabfällen (von Katja Halbritter als Biomass to Liquid (BTL) beschrieben) wären eine Verbesserung gegenüber Biotreibstoffen aus Getreideanbau oder aus Ölpflanzen . Sie sind aber bis jetzt trotz intensiver Förderung nicht zu vertretbaren Preisen zu haben.
Biotreibstoffe aus Algen werden schon seit 20 Jahren erforscht, ohne dass bis jetzt ein Durchbruch stattfand
Biotreibstoffe aus Ölpflanzen (Jatrohpa und Camelina) werden nicht nur häufig auf gerodeten Urwaldböden angepflanzt, sie brauchen zudem Kunstdünger um sinnvolle Erträge zu lieferen (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Purgiernuss#Diskussion_um_Jatropha-Anbau ).
Biotreibstoffe aus genetisch veränderten, purpose-built-Pflanzen sind eine Zukunftsvision. Sie werden oft 4.Generationstreibstoffe genannt.

Die beste Lösung besteht wohl momentan darin, für Strecken bis 800km den Hochgeschwindigkeitszug zu wählen und Strecken über die lange Distanz auf das absolut nötige zu reduzieren.

In einigen Jahrzehnten gibt es dann vielleicht die Biotreibstoffe der 4.Generation oder den Hochgeschwindigkeitstransport durch evakuierte Röhren.

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