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Emissionsreduktionen – nur ein Thema für Grossunternehmen?

28.10.2010 von

Um die derzeitigen und langfristigen Klimaziele der Schweiz zu erreichen, sind in den nächsten Jahren und Jahrzehnten massgebliche Anstrengungen von Nöten. Dabei kommt insbesondere Unternehmen eine wichtige Rolle zu.

Eine wichtige Rolle spielen die Unternehmen einerseits aufgrund ihrer typischerweise – im Vergleich zu Privatpersonen – hohen Emissionen, andererseits wegen der erheblichen wirtschaftlichen Chancen und Risiken, die sich für sie aus dem Klimawandel ergeben. Um allerdings umfassende Emissionsreduktionen zu erreichen, ist es aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nötig, dass sich nicht nur Grossunternehmen umstellen, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einen aktiven Beitrag leisten. Nur so kann die erwünschte und erforderliche Breitenwirkung in der Wirtschaft als Ganzes erzielt werden.

Wichtige Grundüberlegungen

Damit sich insbesondere auch kleinere Unternehmen systematisch auf die zukünftigen Herausforderungen des Klimawandels vorbereiten, sind einige Grundüberlegungen wichtig:

Status-quo-Erfassung: Mit einer Treibhausgas-Bilanz kann der sogenannte „CO₂-Fussabdruck“ des Unternehmens bestimmt werden. Damit wird ermittelt, bei welchen Prozessen, Produkten oder Standorten die grössten Emissionen anfallen.

Lebenszyklus-Denken: Neben den eigenen (direkten) Emissionen sollten auch indirekte, in der Wertschöpfungskette versteckte Emissionsquellen erfasst werden. Diese haben oft grossen Einfluss auf den Gesamtfussabdruck eines Produktes und sollten deshalb bei einer effizienten, ganzheitlichen Reduzierung von Emissionen Berücksichtigung finden.

Szenario-Entwicklung: Die genauen wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Unternehmen sind noch schwer abschätzbar. In Szenarien können mögliche zukünftige Entwicklungspfade in Bereichen wie Klimagesetzgebung und Energieverbrauch erfasst und deren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des Unternehmens aufgezeigt werden.

Massnahmen-Generierung: Analog zum Lebenszyklus-Denken können prozess- und produktbezogene Emissionsreduktionen auf drei Ebenen ansetzen: bei firmeninternen Prozessen, bei den Vorprodukten der Zulieferer und in der späteren Nutzungsphase des Endprodukts.

Reduktionskosten-Analyse: Um die wirtschaftlich effizientesten Möglichkeiten zur Vermeidung von CO₂-Emissionen zu identifizieren und entsprechende Investitionsentscheidungen zu erleichtern, werden Reduktionsmassnahmen nach Mengenpotential und Vermeidungskosten in einer unternehmensspezifischen Reduktionskostenkurve zusammengefasst.

Zusätzliche Potentiale erschliessen

Diese Ansätze können Unternehmen dabei helfen, sich das Zukunftsthema Klimawandel zu erschliessen und sich an bereits ersichtliche und zu erwartende Änderungen in den Märkten anzupassen. Wettbewerbsvorteile können sich dabei – natürlich je nach Sektor – zum Beispiel durch Reputationsgewinne und verbesserte Absatzchancen, Reduktion von Energie- und ggf. Finanzierungskosten und langfristig profitablere Investitionen ergeben.

Aufgrund meist grösserer Flexibilität und flacherer Hierarchien können KMU Klimastrategien oft zielgerichteter im betrieblichen Ablauf implementieren als Grossunternehmen und so unternehmerische Chancen nutzen. Auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ein Potential, das es zu erschliessen gilt!

Literaturhinweis

H. Hendrichs, T. Busch und V.H. Hoffmann.
«Wie KMU auf den Klimawandel reagieren können»
io new management vom 26.05.2010

Zum Autor

Volker Hoffmann ist Professor für Nachhaltigkeit und Technologie an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (18) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@ Tim

… unglaublich, für welchen Schwachs… Geld locker gemacht wird, wenn’s bloss irgendwie geil ausschaut und gefilmt werden kann.
Sieht sehr nach LA aus, wo so was wenigstens aus Sicherheitsgründen Sinn machen könnte.

Mein Fahrrad fährt auch ohne Stahlschiene und aufgehängte Kabine, ich atme in freier (mehr oder weniger saubere) Luft – und ich kann überholen …

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@ Holzherr

Die Chinesen tun’s, oder versuchens’s einfach, pragmatisch und – nach den Folien zu urteilen, erkennbar u. a. ohne sich vorab gross um einen TOEFL-Test oder ein Cambridge Certificate zu bemühen.

Zeit vielleicht, ein paar Arbeitsplätze zu sichern, bevor wir endgültig nur noch Lösungen importieren, wie z. B. in der Unterhaltungselektronik, der Textilindustrie, den Solarpanels, Elektrogeräten, Maschinen etc.?

Es geht uns erkennbar zu gut, wenn wir in dieser Wettbewerbssituation Zeit und Geld dafür zu haben glauben, KMUs mit einem rigiden CO2-Exorzismus zu überziehen, statt sie hauptsächlich an wirtschaftlich kompetitiven Lösungen arbeiten zu lassen.

Von wegen „grössere Flexibilität und flachere Hierarchien“: fehlt nur noch die betriebsrätlich-ökologisch-demokratische Mitbestimmung – und wir nähern uns dem chinesischen Kombinat-Modell von seiner historisch gescheiterten Seite.

Man braucht sich bloss einmal den Elan vorzustellen, mit dem sich behäbige ÖV-Funktionäre mit Innovationen auseinandersetzen.
In England würden noch heute Heizer auf E-Loks mitfahren, hätte nicht die Politik diesem Unfug ein Ende gemacht.

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@Peter:

Bezüglich Google: Die wollen noch ein weniger weiter gehen in Sachen Innovation im urbanen Verkehr:
http://shweeb.com/

Wäre vielleicht auch was für Züri 🙂

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@Kommentar von Peter Bühler. 05.11.2010, 11:52

Die Technik des im Link
http://www.zukunft-mobilitaet.net/urbane-mobilitaet/elektro-minibus-cameo-loesung-staugeplagte-staedte/1559/
vorgeschlagenen Stadtbuses, der Superkapazitoren als Speicher nutzt und diese bei jedem Bushalt schnell auflädt (mit Superkapazitoren geht das in wenigen Sekunden im Gegensatz zu Batterien) wird in Shanghai bereits eingesetzt: siehe http://nanobus.org/dotnetnuke/SimilarSchemes/SupercapacitorBuses/tabid/78/Default.aspx
sowie http://www.sinautec.com.cn/files/eng/Super-Capacitor2V.pdf

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@ Tim

Weshalb eigentlich nicht in Züri? Im Zusammenhang mit Alternativlösungen wird doch sonst immer gern die Vorbildfunktion aufgeführt …

Hier hat angeblich auch einer der „worldwide leading players in research and education“ seinen Standort, von den (wieder) vorhandenen finanziellen Ressourcen mal abgesehen. Google ist auch in Zürich.

Besser und „nachhaltiger“ als hin und wieder Kunststoff-Kühe, Riesen-Teddys oder überdimensionierte Blumenkübel aufzustellen, wär’s allemal.

Einzige Voraussetzung: die ideologisch fixierten Denkbremsen betr. Mobilität etwas lockern.

http://www.zukunft-mobilitaet.net/urbane-mobilitaet/elektro-minibus-cameo-loesung-staugeplagte-staedte/1559/

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@Peter

evtl. eine gute Idee für ein Startup – in ärmeren Ländern funktioniert das Geschäftsmodel ja bereits sehr gut… müsste es eben hier wohl noch um smart-phone applications, einen automatischen „traveling salesman problem solver“ und GPS und so erweitern, aber damit könnte es durchaus ziehen. Vielleicht noch nicht gerade in Züri, aber in Paris oder London wärs vermutlich rentabel.

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@Kommentar von Peter Bühler. 04.11.2010, 11:10

Stell dir vor, dass es ausser/statt Taxis eine Flotte kleiner Busse gibt, ohne starren Fahrplan und feste Haltestellen (ähnlich wie die Tuk Tuks), die flexibel auf individuelle Transportbedürfnisse reagieren.
und (Ergänzung) die Taxis und Kleinbusse fahren autonom
(siehe http://nextbigfuture.com/2010/10/google-has-robotic-self-driving-cars.html ).

Dagegen ist sicher nichts einzuwenden. Eine ideologische Festlegung auf eine bestimmte Form des Verkehrs ist für mich fragwürdig, das gilt in beide Richtungen – als institutionalisierte Dominanz des privaten Verkehrs oder des öffentlichen Verkehrs.
Es gibt Beispiele für beides, hier ein Beispiel für die Verhinderung von öffentlichem Verkehr:
In Teilen Kaliforniens wurden öffentliche Verkehrssysteme in den 50er und 60er Jahren von der dort mächtigen Öl-/Autoindustrie verhindert um damit das Auto zum lebensnotwendigen Verkehrsmittel zu machen.

Für mich sollte die Verkehrsinfrastruktur funktionell sein wie die Blutbahnen im menschlichen Körper: es sollte also möglichst wenig Verkehr geben um eine bestimmte „Versorgungs“aufgabe zu erfüllen. Bis vor kurzem wucherten diese „Blutbahnen“ aber unkontrolliert als gälte es eine Krebsgeschwulst mit Blut zu versorgen.

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@ Tim

Betr. Taxikosten (1 Fahrer pro Passagier): ein Dogma!

Stell dir vor, dass es ausser/statt Taxis eine Flotte kleiner Busse gibt, ohne starren Fahrplan und feste Haltestellen (ähnlich wie die Tuk Tuks), die flexibel auf individuelle Transportbedürfnisse reagieren. Die nehmen nicht nur den ersten Passagier mit, sondern halten an der Strecke, um weitere Passagiere mitzunehmen, Busspur-Privileg, Umsteigeknotenpunkte etc.

Als Passagier nimmst du den damit verbundenen Zeitverlust in Kauf, weil es a) billiger als ein Taxi ist, b) weil du von Punkt zu Punkt transportiert wirst. Mit den vorhandenen Kommunikations-, GPS- und Logistiktools (s. Kurierdienste) sollten sich die Fahrzeuge effizient steuern lassen.

Kurz, eine städtische Transportlösung, die vom Preis und vom Komfort her zwischen Taxi/PW und ÖV positioniert ist, aber ein zusätzliches Wahlangebot schafft, um den reinen Individualverkehr in all den Fällen zu vermeiden, die der ÖV nicht oder nur ungenügend abdeckt.

„Mobility und Hertz / Sixt / Europcar“ sind IV-Verkehrsmittel, d. h. ihre Strassenbelastung ist identisch mit der eines PWs.

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@Peter:

In Sachen Taxi für die genannten Anwendungen gebe ich dir recht – das Problem ist nur, dass man beim Taxi pro Passagier einen Fahrer braucht – Daher der Preis. Hat wenig mit Förderung oder Ressourcen zu tun, eher mit Mindestlöhnen, Sozialstandards etc. Und natürlich auch Miet- und sonstigen Lebenshaltungskosten, da der Taxifahrer ja auch in der Schweiz leben muss. Die Lösung? Sklaverei? Oder doch Car-Sharing?

Der faire privatwirtschaftliche Vergleich zu Mobility ist übrigens nicht das Taxi sondern die klassische Autovermietung ala Hertz / Sixt / Europcar…

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Peter,

was fuer weise Worte (hast du inzwischen
etwa das Buch von 1972 „Die Grenzen des Wachstums“
gelesen?)

„Du musst mit zunehmend teureren Ressourcen effizienter umgehen, vor allem aber produktiver sein, um überhaupt noch ein Bein auf den Boden zu kriegen.“

Aber schon kommt der Rueckfall

„Agglomerationen wie Zürich täten gut daran, den temporär und individuell unterschiedlichen Transportbedürfnissen Rechnung zu tragen und nicht einseitig auf eine Karte, ÖV, zu setzen.“

Wenn es stimmt, wie du vorher behauptet hast,
Rohstoffe (also auch Oel) werden immer teurer
dann sind deine Gedanken hier ein Auslaufmodell!

Wie waere es mal ueber andere Alternativen
zu reflektieren?

Zum Beispiel den Bedarf daran lange Strecken
meistern zu muessen?

Die Vorteile lokaler Organisation mit Einschraenkungen
der Mobilitaet ausgleichen?

(und ja zu unserem Lieblingsthema
Bildung soll doch junge und aeltere Menschen
in die Lage versetzen langfristig und kritisch zu denken?
Also an die Zeit ohne Oel smile)

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@ Schloendorn

„KMUler“

Hi Tim,

mag „solche“ und „solche“ geben, von den letzteren zunehmend weniger, weil der wirtschaftliche Druck sie über kurz oder lang „wegmendelt“.

Oft sind’s aber ganz einfach harte Rechner, die sich kein X für ein U vormachen lassen.

Überleg mal, weshalb sich Schweizer KMUs vor dem Hintergrund unseres Preisniveaus im globalen Wettbewerb überhaupt noch behaupten. (Etwas) weniger Steuern zahlen, reicht da schon lange nicht mehr. Du musst mit zunehmend teureren Ressourcen effizienter umgehen, vor allem aber produktiver sein, um überhaupt noch ein Bein auf den Boden zu kriegen.

Ich denke, ihr unterschätzt die erbrachten Leistungen.
Zusätzlicher Beratungsbedarf, OK. Aber dass du in Klein- bis Mittelbetrieben keinen „Ökobeauftragten“ mit durchfüttern kannst, der auch noch das letzte Fitzelchen Effizienz ermittelt und Zeit findet, tagelang Formulare auszufüllen, liegt auch auf der Hand.

Generelle (z. B. Energiespar-) Potentiale erkennen, branchengerecht in konkrete, mach- und finanzierbare Massnahmen umsetzen, das liegt drin – und das geschieht tagtäglich real! Die Grenzen setzen heute nicht die Unbelehrbaren und Unwilligen, sondern die Verfügbarkeit und Effizienz der Technologien.

Anderes Beispiel, Dienstleistungen: ein Taxi wäre eigentlich ein sinnvolles Verkehrsmittel, bei abgelegenen Adressen, Kleintransporten, dringlichen Transportbedürfnissen etc., kurz so eine Art „Mobility“ in privatwirtschaftlicher statt in genossenschaftlicher Form. Ein Auto, das nicht mehrheitlich nutzlos herumsteht, sondern 24 h pro Tag vielseitig und gemeinschaftlich genutzt wird – und den Besitz eines PWs glatt ersetzt.

Fördern wir Taxis? Ne, tun wir nicht, weil im ideologischen Grabenkampf zwischen ÖV und PV hüben und drüben kein Handlungsspielraum sondern bloss unwirtliches Niemandsland bleibt. Taxis sind „Herrschaftsfahrzeuge“. Schlicht idiotisch. Ich quäle mich also u. U. bei allen Witterungsbedingungen und bepackt mit allerlei Anhängseln mit dem ÖV-Angebot quer und zeitraubend durch die Agglo – oder ich nehme mir ein sauteures Taxi – oder ich wähle – Stau hin, Stau her – gleich lieber den eigenen Wagen, erst recht, wenn ich an einem Tag nicht bloss einen, sondern mehrere Termine wahrnehmen muss.

Agglomerationen wie Zürich täten gut daran, den temporär und individuell unterschiedlichen Transportbedürfnissen Rechnung zu tragen und nicht einseitig auf eine Karte, ÖV, zu setzen. Der break even – Taxi- bzw. PW-Preis – liegt so nahe, dass ein Umdenken nahe liegender nicht sein könnte.

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@Peter:

Dein “Tal der Ahnungslosen” ist interessant… Tatsächlich gibt es einige KMUler die dort leben – Habe mit einigen von Ihnen vor mittlerweile 2 1/2 Jahren persönlich gesprochen. Information insbesondere über Energieeffizienz, Wärmepumpen und rentable Erneuerbare (solar Warmwasser, Holz) fehlen tatsächlich vielen KMUlern. Auch neue sozio-ökonomische Ideen wie „Energy Contracting“ sind weitgehend unbekannt – und wenn sie erstmal erklärt sind auf einmal doch recht attraktiv.

Die Kantone haben eine Reihe an Beratungs- & Informationsangeboten, die auch rege genutzt werden.

Tatsächlich ist es für ein KMU vergleichsweise viel schwieriger sich mit Themen ausserhalb des Kerngeschäfts ausseinanderzusetzen als in einem Grossunternehmen. Viele der KMUs in der Schweiz sind mittel energieintensive Betriebe – d.h. sie haben es nicht so einfach wie z.B. Banken ihre Energiebilianz zu verbessern jedoch ist es auch nicht so zentral wie in einem Zementwerk. Daher fallen sie auch leicht durch die Maschen und benötigen zusätzliche Förderung.

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Professor Volker Hoffmann übertitelt seinen Artikel mit Emissionsreduktionen – nur ein Thema für Grossunternehmen? und führt dementsprechend in seiner Vorgehensliste den Punkt Reduktionskosten-Analyse auf. Damit zielt er in eine ähnliche Richtung wie die Kommentatorin Elisabeth Meier, die schreibt: „Jeder von uns in seinem Alltag kann und muss dringend sich ernsthaft überlegen, in welchen Bereichen er oder sie Energie einsparen kann “, nur dass er nicht in erster Linie den Energieverbrauch, sondern die CO2-Emissionen reduzieren will.
Damit stellt sich die Frage

Können Effizienzverbesserungen das CO2-Problem lösen?

Effizienzverbesserungen sind kurzfristig das beste Mittel um die Emissionen zu reduzieren, da sind sich die meisten einige (dazu die EU: http://www.euractiv.com/de/energieeffizienz/finanzierung-energieeffizienz-eu/article-166133 ). Doch der Klimaschutz fordert letzlich: CO2-Emissionen müssen eliminiert nicht nur reduziert werden
Warum Elimination, nicht nur Reduktion das Ziel sein muss, demonstriert der Artikel Beflügelte Fantasie im Wissensbund der Sonntagszeitung vom 31. Oktober 2010. Dort werden folgende Effizienzvervebesserugen für Fluzgzeuge vorgeschlagen:
– Energieeffiziente Triebwerke: CO2-Reduktion 15-25%
– Optimierte Tragfläche: CO2-Reduktion 10-15%
– Gewichtsreduktion: CO2-Reduktion 5%
– Optimierte Flugführung: CO2-Reduktion 10-12%

Im gleichen Artikel steht dann „Bis 2100 könnte sich der Flugverkehr versiebenfachen“. Trotz allen Effizienzverbesserungen und CO2-Reduktionen wird dies den CO2-Ausstoss insgesamt massiv erhöhen. Man kann sich sogar fragen, ob eine Versiebenfachung des Flugverkehrs ohne Effizienzverbesserugen überhaupt möglich wäre. CO2-Reduktionen können also über eine – erst durch die Einsparung ermöglichte – Mengenausweitung den CO2-Ausstoss sogar vergrössern. Ähnliches gilt in vielen Bereichen. Beispiel: China will mit weniger Kohle mehr Energie erzeugen (Verbesserung der Energieintensität). Dennoch denkt es daran, neue Kohlefelder im Landesinnern zu erschlieseen und die Kohle nach Indien zu exportieren, welches am Weltenergiegipfel 2010 in Montreal verkündete, künftig stärker auf Kohle zu setzen (siehe http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article9659555/Die-Konzerne-reden-Kohle-und-Oel-wieder-stark.html Zitat: „IEA-Chef Birol sagte, China stehe derzeit vor der Entscheidung, gewaltige neue Kohlefelder im Landesinneren abzubauen. In diesem Fall könne das bisherige Kohle-Importland China sogar zu einem Kohle-Exporteur werden.“).

Dazu kommt, dass fossile Rohstoffe begrenzt sind. Ein effizienterer Einsatz von Kohle, Öl und Erdgas verlängert deshalb die Zeit, bis es zu Verknappungen kommt und nimmt damit den Druck weg von den fossilen Rohstoffen wegzukommen, der bei einer weltweiten Verknappung entstehen würde.

CO2-Elimination muss das Ziel sein

Allerdings ist es schwierig und oft teuer, vollständig auf fossile Rohstoffe zu verzichten. Emissionsreduktionen erscheinen oft als kostengünstigster Weg. Falls jedoch die verbesserte fossile Technologie schliesslich doch aufgegeben werden muss, weil man die Zitrone bis zum letzten Tropfen ausgepresst hat, wäre es oft besser, schon von Beginn an nichtfossile Alternativen einzusetzen.
Im Flugverkehr wäre die nichtfossile Alternative beispielsweise Wasserstoff als Treibstoff. Das wäre eine gewaltige Umstellung. Zum Glück kann man Kerosin aber auch durch Biotreibstoffe ersetzen, so dass man nichts am Flugzeug ändern muss. Doch Biotreibstoffe haben selbst ihre Probleme und sind wohl momentan eher ein Zukunftsthema, als eine echte Alternative. Erst Biotreibstoffe aus Zellulose oder Algen würden nicht mehr mit Nahrungsmitteln konkurrenzieren.

Fazit:
– CO2-Reduktion ist das heute Mögliche, CO2-Elimination aber das morgen Notwendige
– CO2-Reduktion kann über eine Mengenausdehnung sogar zu Mehremissionen beitragen
– Nichtfossile Energien müssen billiger werden
– Es gibt momentan nur wenig einfache, kostengünstige Wege hin zur vollständig dekarbonisierten Welt

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„Emissionsreduktionen“

Die KMUs wären zunächst einmal neugierig, zu erfahren, was unter den Begriffen „Klimazielen“ und „Klimawandel“ genau verstanden werden soll.

Zum zweiten würden sie sich glücklich schätzen, die hierzulande verordneten und bis dahin vorbildlich erfüllten (!) Emissionsreduktionen würden auch der näheren und ferneren Konkurrenz auferlegt, bevor der heimischen Industrie mit den CO2-Emissionen gleichzeitig auch die Luft und das Licht ausgeht.

Ganz besonders freuen würden sie sich, wenn ihre bereits geleisteten – und oft über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus freiwillig erbrachten – Beiträge zu einer Schonung natürlicher Ressourcen Anerkennung fänden, bevor sie sich mit neuen Forderungen überzogen sehen, deren Finanzierbarkeit hier kein Thema zu bilden scheint.

Wie hoch das noch „unerschlossene Potential“ einzuschätzen ist, möchten insbesondere jene KMUs wissen, die sich seit Jahrzehnten und keineswegs erfolglos bemühen, es auf ihren Tätigkeitsfeldern nach Möglichkeit und in wirtschaftlichem Eigeninteresse auszuschöpfen.

Die Vorstellung, die KMUs lebten und arbeiteten in einem weitgehend schlecht informierten „Tal der Ahnungslosen“ und würden sich aus Unkenntnis gar gegen Neuerungen sträuben ist – vor dem Hintergrund stetig angestiegener Energie- und Rohstoffpreise und wachsendem Konkurrenzdruck – einigermassen befremdlich.

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@Kommentar von Elisabeth Meier. 29.10.2010, 21:16

Sehr geehtre Frau Meier,
Wie ich ihnen schon geschrieben habe, geht es beim Klimaschutz vor allem um das Einsparen von Emissionen, die beim Verbrennen von Kohle, Öl und Erdgas entstehen.

Doch viele Mitmenschen, sogar Politiker und einige Forscher würden ihnen beim folgenden Satz zustimmen:

“Jeder von uns in seinem Alltag kann und muss dringend sich ernsthaft überlegen, in welchen Bereichen er oder sie Energie einsparen kann “

Warum aber muss man Energie sparen, wenn es in Wirklichkeit nur um Einsparungen beim Öl, Erdgas und bei der Kohle geht? Weil wir heute hier in der Schweiz und noch viel stärker aber in Ländern mit Schwerindustrie als wichtigste Energien Öl, Erdgas und Kohle verwenden. Denken sie nur ans Auto oder die Heizung und in Deutschland ist es sogar der Strom, der mit Kohle erzeugt wird.

Wenn Leute also glauben, dass man Energie einsparen muss um Öl, Erdgas und Kohle einzusparen, so glauben sie daran, dass es keine echte Alternative zu Öl, Erdgas und Kohle gibt. Dann kommt man bald einmal auf die Idee der Rationierung, wie sie auch von einem Blogautor hier, nämlich Marcel Hänggi vertreten wird (siehe http://www.fairunterwegs.org/aktuell/news/article/marcel-haenggi-wir-schwaetzer-im-treibhaus.html )

Doch wie gesagt, Rationierung von Kohle, Öl und Erdgas hilft nicht wirklich weiter, denn wir müssen völlig auf Kohle, Öl und Erdgas verzichten. Und da wir nicht ohne Energie leben können, bleibt uns nichts anderes übrig, als nichtfossile Energiequellen zu finden und einzusetzen

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@Kommentar von Elisabeth Meier. 29.10.2010, 21:16

Sehr geehrte Frau Meier,
ihre Ansichten ehren sie und es gibt sicher viele Bürger, die sich ihnen anschliessen können.
Wenn sie jedoch schreiben „Jeder von uns in seinem Alltag kann und muss dringend sich ernsthaft überlegen, in welchen Bereichen er oder sie Energie einsparen kann „ so irren sie sich – wie viele andere auch – um was es beim Klimaschutz geht. Nicht Energie muss in erster Linie eingespart werden, sondern ein wirksamer Klimaschutz fordert, dass man kein Öl, kein Erdgas und keine Kohle mehr verbrennt. Ja sie haben richtig gehört: Die Klimawissenschaftler glauben, dass wir Öl, Erdgas und Kohle nicht nur einsparen müssen, sondern dass wir vollkommen darauf verzichten müssen: Ersetzen sie ihre Ölheizung durch eine Wärmepumpe oder Holzheizung oder beziehen sie einen neu gebautes, stark gedämmtes Haus nachMinenergie P Standard, verschrotten sie ihr mit Benzin oder Diesel angetriebenes Auto und verzichten sie auf ihren Ferienflug.
Sie schreiben „Stelle man sich vor, die Energie würde rationiert!Dann muss man sich mächtig umstellen.“
doch wenn sie etwas rationieren wollen, dann müssen sie nicht die Energie rationieren sondern Öl, Kohle und Erdgas. Doch rationieren genügt nicht, sie müssen sogar vollständig auf Öl, Kohle und Erdgas verzichten.

Übrigens, ich bin davon überzeugt, dass das geht. Man kann auf Öl, Kohle und Erdgas verzichten. Es ist aber nicht so einfach und viele wissen noch gar nicht, dass das nötig ist.

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Meine Ansicht als normale Bürgerin dieses Landes:
Nicht immer sollen die „Grossen“ und „Anderen“ mehr Energie sparen. Jeder von uns in seinem Alltag kann und muss dringend sich ernsthaft überlegen, in welchen Bereichen er oder sie Energie einsparen kann (Auto, Haushalt, Reisen etc)Wir können im Hinblick auf unsere Nachkommen nicht mehr so gedankenlos die (noch) sehr billige Energie verpuffen.Stelle man sich vor, die Energie würde rationiert!Dann muss man sich mächtig umstellen.

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Aus Sicht eines Klima-Dienstleisters für Unternehmen kann ich Volkers Aufruf bestätigen: Derzeit entwickeln vor allem die „ganz Grossen“ klare Klimastrategien – allen voran Unternehmen mit einem kleinen CO2 Footprint / Umsatz (IT, Finanz, Dienstleistung) und solche die durch Gesetze gezwungen werden (Stromerzeuger, Zement, Stahl, etc.).

KMU’s tragen jedoch einen erheblichen Teil zur Wirtschaftsleistung und auch zum CO2 Footprint bei – benötigen jedoch oft etwas Hilfe um die Resourcen zu finden sich mit dem Thema überhaupt auseinanderzusetzen.

Ich hoffe Euer Buch kann dazu einen Beitrag leisten, und Glückwunsch an Holger 🙂

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