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Klimaforschung – Helfen Sie mit?

21.10.2010 von

Im Mai 1999 erregte ein Projekt Aufsehen in der Wissenschaftswelt: SETI@Home (>Link). Die nicht benutzte Rechenleistung einer grossen Zahl von mit dem Internet verbundener Computer wurde dazu verwendet, aufwändige Analysen zu rechnen. Es ging um die Suche nach ausserirdischer Intelligenz.

Neu war bei SETI@Home neben der Technik vor allem das Konzept, Wissenschaft via Internet zu einem Unternehmen der Öffentlichkeit zu machen. Die Klimawissenschaft nahm die Idee auf und startete kurz darauf mit climateprediction.net (>Link). Globale Klimamodelle wurden auf Tausenden von PCs gerechnet. Weitere ähnliche Projekte sind seither dazugekommen. Wichtig war dabei immer auch, die Internet-User für die Wissenschaft zu begeistern. Die Aktivierung der Öffentlichkeit war an sich nicht neu. Al Gore’s GLOBE-Projekt, in welchem Schüler wissenschaftlich ihre Umwelt erkunden, startete bereits 1994. Neu war jedoch die Verbreitung durch das Internet.

Internet-User beteiligen sich an Wissenschaft

Während die einen Projekte auf die Rechenleistung der PCs abzielen, verlangen andere von den Usern eine wissenschaftliche Leistung. Am bekanntesten ist wohl «Galaxy zoo» (www.galaxyzoo.org). Hier klassieren Hunderttausende von Usern Millionen von Galaxien. Andere Projekte zielen eher auf kleine Gemeinschaften ab. Auf zwei neuen Websites können User jetzt auch mithelfen bei der Digitalisierung historischer Klimadaten: auf www.oldweather.org (von den Machern von «Galaxy Zoo») und auf www.data-rescue-at-home.org. Auf letzterer Website befindet sich unser eigenes, bescheideneres Projekt.

Auf Kosten der Öffentlichkeit?

Klimaforschung als Projekt der Öffentlichkeit ist an sich zu begrüssen. Raus aus dem Elfenbeinturm heisst nicht nur, Vorträge zu halten (oder Blogs zu schreiben), sondern könnte auch heissen, den Wissenschaftsprozess selber in die Öffentlichkeit zu tragen. Aber es stellen sich berechtigte Fragen: Soll Gratisarbeit auf diese Weise propagiert werden? Im Jargon werden diese Projekte als «crowd sourcing» bezeichnet, also «outsourcing» auf Kosten der Öffentlichkeit. Arfon Smith von «Galaxy Zoo» möchte dagegen von «Citizen Science» sprechen – also von Bürgerwissenschaft.

Oder die Sicherheit: Kann man garantieren, dass nicht interessierte Kreise Daten manipulieren können? Oder besteht die Gefahr, dass die Ideale durch kommerzielle Interessen unterwandert werden? Werden fundamentale wissenschaftliche Prinzipien wie die intersubjektive Nachvollziehbarkeit verletzt? Andererseits verleiht «Citizen Science» der Wissenschaft in gewissem Sinn auch Legitimität.

Vertrauen zurückgewinnen

Legitimität ist gerade im Bereich der Klimadaten im Nachgang an «Climategate» interessant. Obwohl mehrere unabhängige Berichte zum Schluss kamen, dass keine Daten manipuliert wurden, hat die Affäre um gehackte E-mails in Teilen der Öffentlichkeit zu einem Vertrauensschwund geführt. Kann durch «Citizen Science» das Vetrauen zurückgewonnen werden?

Die laufenden Bestrebungen zur Erstellung eines neuen globalen Temperaturdatensatzes (www.surfacetemperatures.org) setzen auf Partizipation der Öffentlichkeit. Konzeptpapiere werden auf der Website zur Diskussion vorgelegt. Die gewaltige Aufgabe der Digitalisierung soll durch «crowd sourcing» bewerkstelligt werden und die verwendete Software soll öffentlich sein und transparent verwaltet werden («Climate Code Foundation» >Link). Das wichtigste am «Vertrag» zwischen Gesellschaft und Wissenschaft ist aber, dass das Produkt letzlich der Öffentlichkeit zurückgegeben wird.

Hoffen wir, dass der Nutzen der Webprojekte für die Klimaforschung grösser sein wird als für die Suche nach ausserirdischem Leben: SETI@Home hat auch zwölf Jahre nach der Lancierung noch keine Hinweise auf solches Leben gefunden.

Zum Autor

Stefan Brönnimann ist Professor für Klimatologie am Oeschger Zentrum für Klimaforschung und am Geographischen Institut der Universität Bern. Persönliches Zitat und Biografie.

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