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Schlaue Energiepolitik fusst auf 4 Säulen

20.10.2010 von

In einer Studie¹ versuchten vor kurzer Zeit Umweltverbände sowie die Kantone Basel-Stadt und Genf zu unterlegen, dass künftig generös auf den Neubau von Ersatz-Kernkraftwerken verzichtet werden könne. Grosskraftwerke treten dabei in einem ungerechten Vergleich gegen die erneuerbaren Energien mit Energieeffizienzmassnahmen an.

Der Sieger ist schnell bekannt: Die Erneuerbaren seien energetisch und wirtschaftlich interessanter als die Grossen. Vor allem betreffend Wirtschaftlichkeit seien die Effizienzmassnahmen sehr interessant. Auch beim Klima schneiden die Erneuerbaren besser ab, da im Szenario-Rechner bei den Grosskraftwerken auch ein Gas-Kombikraftwerk mit kalkuliert wird – eine Technologie, die in der Bevölkerung allerdings niemals eine Mehrheit finden würde. Bei den Strompreisen verschweigen die Umweltverbände aber klammheimlich, dass sich die gewünschten Ergebnisse nur mit einer Verdoppelung desselben erreichen lassen würden.

Wie würde denn die Vier-Säulen-Politik des Bundesrates herauskommen? Oder anders formuliert: Wie würde die Traumkombination aus Erneuerbaren + Grosskraftwerken + Effizienzmassnahmen + Stromaussenpolitik abschneiden?

Die Traumkombination ist auszuspielen

Investitionen in Grosskraftwerke, Erneuerbare und vor allem in Effizienztechnologien bilden eine erfolgreiche Paarung, wo am meisten Profit herausschaut. Eine wirtschaftliche Produktion damit der Strompreis tief bleibt, bildet dabei eine wichtige Grundlage. Um die Qualität sowie die stetige Verfügbarkeit des Stroms zu garantieren, müssen den schwankend anfallenden erneuerbaren Energien auch Kernkraftwerke als Grundlastproduzenten und Speicherwerke zur Spitzenbrechung zur Seite gestellt werden. Zusätzlich ist die Energiepolitik mit Effizienzmassnahmen zu garnieren, die als separate Säule auch für das Gewerbe interessant sind. Aussenpolitisch wird die Schweiz im Herzen Europas ein grosses Interesse daran haben, mit einem EU-Stromabkommen sich den Zugang zu den dortigen elektrischen Netzen und Potentialen zu erschliessen.

CO₂-arme Stromversorgung mit wenig Risiko

Mit allen vier Säulen lassen sich zudem zwei Dinge hervorragend erreichen: Erstens sinkt das Risiko der Abhängigkeit vom Ausland bei der Stromproduktion markant. Eine der Lehren nach der Finanz- und Wirtschaftskrise muss sein, dass die Risiken zu verteilen sind, um nicht die nächste Blase zu produzieren. Ein Platzen der Energie- respektive Stromblase wäre sicher weitaus schwieriger zu meistern als die Finanzkrise. Zweitens hat die Schweiz wegen ihres hohen Anteils Erneuerbarer Energien und der Kernkraftwerke die einmalige Chance, betreffend CO₂-Ausstoss pro produzierte Kilowattstunde international Massstäbe zu setzen.

¹Infras vom 7. Mai 2010 > hier

Zum Autor

Gastautor Christian Wasserfallen ist Nationalrat FDP und Mitglied der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie UREK.

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Kommentare (10) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

Kommentar von Alois Bergundthal. 17.03.2011, 9:16

Fukushima lehrt uns: Wichtigstes Sicherheits-Kriterium für ein künf- tiges Gross-AKW ist eine gesicherte (auch im absoluten GAU-Fall) Kühlung der Anlagen mit Wasser! Ein solcher Ort kann z.B. neben der Zentrale der KW Oberhasli, in einer geschützten Kaverne liegen. Aus den Stauseen steht, mehrfach gesichert, genügend potenziell verfügbar Druckwasser vorhanden ohne dass dieses mittels elektr. Pumpen gefördert werden muss!

Ein fataler Irrtum! Ein Erdbeben der Stärke 9 würde die Staumauern beschädigen, das Wasser müssten sie dann mit Eimern hochtragen. Und es wäre mit Sicherheit nicht einmal mehr möglich, technisches Rettungspersonal vor Ort zu schicken.

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Fukushima lehrt uns: Wichtigstes Sicherheits-Kriterium für ein künf- tiges Gross-AKW ist eine gesicherte (auch im absoluten GAU-Fall) Kühlung der Anlagen mit Wasser! Ein solcher Ort kann z.B. neben der Zentrale der KW Oberhasli, in einer geschützten Kaverne liegen. Aus den Stauseen steht, mehrfach gesichert, genügend potenziell verfügbar Druckwasser vorhanden ohne dass dieses mittels elektr. Pumpen gefördert werden muss! Die Band-Energie kann örtlich unmittelbar ins Speicher-System der KW-Oberhasli als Speicherwasser umgesetzt werden. Das Hochspannungs-Stomnetz ist vorhanden. Vorschlag ist sicher prüfenswert ! ?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

In diesem Kommentar möchte ich auf die Produktionsschwankungen von Wind- und Sonnenkraftwerken eingehen und wie man diese am besten auffängt. Die Erklärungen sollen zusammen mit einigen Referenzen meinen Kommentar von Martin Holzherr. 20.10.2010, 22:59 untermauern.

Strom aus erneuerbaren Energiequellen schwankt in seiner Stärke im Rhythmus von Wind und Sonneneinstrahlung. Das kann zum ernsten Problem werden: Flauten (kein Wind) können durchaus Wochen lang dauern (in Dänemark dauerte eine Flaute 2002 54 Tage) und auch die Sonne kann wochenlang „wegbleiben“. Selbst so lange Produktionsausfälle bei Wind und Sonne sind kein Problem, solange der installierte Wind- und Photovoltaikleistung eine gleich grosse Leistung an konventionellen Energieerzeugern als Schattenkraftwerke gegenübersteht. Genau so – mit einer Flotte von 7 Gigawatt an Gas- und teilweise auch Kohlekraftwerken als Schattenkraftwerke – wird heute in Deutschland die schwankende Windenergie kompensiert.

Gas- und Kohlekraftwerke und Windkraftwerke laufen heute in Deutschland als quasi im Staffelbetrieb: Geht der Wind zurück werden Gaskraftwerke hoch-, nimmt er zu, wieder heruntergefahren. Man könnte also sämtliche Windräder stilllegen ohne etwas davon zu merken. Umgekehrt würde ein Ausfall der Schattenkraftwerke bei der nächsten Flaute zu Blackouts führen. Immerhin sparen die Windkraftwerke während dem sie Strom erzeugen Erdgas ein. Allerdings ist das weniger als man erwartet, denn Gaskraftwerke, welche schnell hoch- und wieder heruntergefahren werden können (sogenannte open cycle gas turbines) sind nicht gleich effizient wie prozessoptimierte Gaskraftwerke (sogenannte combined cycle gas turbines ). Die Frage Does wind power reduce carbon emissions? wird von einer Studie von Peter Lang (siehe http://bravenewclimate.com/2010/05/29/replacing-hazelwood-coal/ ) für eine grosse Windparkanlage in Australien mit Gasreservekraftwerken versus Gaskraftewrken allein folgendermassen beantwortet:
– Windkraftpark mit Gasreservekraftwerken kostet 6-7 Milliarden Dollar und spart 12.2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, während
– optimierte Gaskraftwerke allein (ohne Windkraft) 2 Milliarden Dollar kosten und 11.8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Die Kombination von Windturbinen mit Reservegaskraftwerken spart also gar nicht so viel CO2 ein. Deutschland will wohl auch deswegen bis 2050 auf fast 100% Erneuerbare umstellen und kaum noch Reservegaskraftwerke einsetzen. Dies geht nur mit Stromspeichern. Wegen der Unberechenbarkeit von Wind (und auch Sonne) braucht es Kurzzeitspeicher und Langzeitspeicher sowie saisonale Speicher, denn Wind bläst vor allem im Herbst und Winter. Als Kurzzeitspeicher (ein paar Stunden bis etwas mehr als ein Tag) dienen vor allem Pumpspeicher und (noch zu entwickelnde) Druckluftspeicher, als Langzeitspeicher und saisonale Speicher kommen grosse Wasserkraftwerke in Norwegen und der Schweiz sowie noch zu entwickelnde Wasserstoffspeicher in Salzkavernen oder auch syntetisiertes Erdgas (Methan) in Frage. Deutschland benötigt für seine 100 Gigawatt Windenergie im Jahre 2050 mehrere dutzend Gigawatt Pumpspeicher und Durckluftspeicher und Zugang zu Langfristspeichern wie grossen Wasserkraftwerken und oder Wasserstoffspeichern in Salzdomen. Auch zukünftige Autobatterien kommen in einem vehicle-to-grid-System in Frage, allerdings können sie nur einen kleinen Teil des Gesamtspeicherbedarfs abdecken. Auch der Wirkungsgrad der Energieumwandlung Strom->Speicher->Strom liegt nur bei (teuren) Batterien und Pumpspeichern deutlich über 60%, erreicht aber für Wasserstoffspeicher und synthetisiertes Methan kaum mehr als 40%. Sowohl Kurz- als auch Langzeitspeicher sind recht teuer – viel teurer jedenfalls als Reservekraftwerke. Doch diese fossilen Reservekraftwerke will man wegen dem CO2-Ausstoss vermeiden. Deshalb liest man in der Studie electricity Storage: Making Large-Scale Adoption of Wind and Solar Energies a Realtiy von Boston Consulting (siehe http://www.bcg.com/documents/file41973.pdf ) :
Public an political resistance to dedicating new locations to conventional power plants will likely be strong at the local level. In addition, it will be difficult to argue, from an enironmental perspective, that new construction of fossil-fuel-based plants is beneficial and logical, given that the ultimate goal is eventually to achieve CO2-free electricity generation.

Mit Stromspeicherung will man letzlich Blackouts vermeiden. Doch es gibt Studien, die bezweifeln, dass sich das kompetitiv und zuverlässig erreichen lässt.
Eine Studie des Institute for Integrated Economic Research (IIER) kommt sogar zum Schluss, dass die Netzstabilität in einer von erneurbaren Stromquellen dominierten Zukunft ernsthaft gefährdet ist, sofern man nicht auf Backupkraftwerke (also vor allem Gas- und Kohlekraftwerke) zurückgreift (siehe http://www.theoildrum.com/node/6957 ).

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@ Wasserfallen

Sehr geehrter Herr Nationalrat Wasserfallen,

Ihr Beitrag zeigt das typische Dilemma des Politikers. Bei einer rein rationalen Abwägung müsste Sie die Analyse von M. Holzherr nachdenklich stimmen. Dabei könnten Sie sich natürlich die Frage stellen, ob wir uns den Preis von 8 bis 12 Mia Fr. zusätzlicher jährlicher Investitionen in die Energieversorgung nicht leisten können, weil eben die Situation uns diesen ausserordentlichen Effort abverlangt.

Antwort: wir können und wir müssen nicht. Selbst wenn wir es uns leisten könnten/wollten, geschähe dies um den zusätzlichen Preis eines massiven Exports von Arbeitsplätzen und einer zunehmenden Abwanderung von Industrien. Die Hoffnungen auf eine angeblich wachsende EE-Industrie dürften sich an der rauen Realität rasch zerschlagen. Spanien, England und Deutschland sind dabei, diese teure und schmerzliche Erfahrung zu machen. Weshalb sollten wir sie kopieren?

http://www.bloomberg.com/news/2010-10-19/spanish-sunburn.html

http://www.telegraph.co.uk/comment/columnists/christopherbooker/8068402/Renewables-will-add-880-a-year-to-bills.html

Der schweizerische Beitrag zu einer Verminderung der CO2-Emissionen (wenn diesem Ziel denn überhaupt Dringlichkeit zukäme) wäre daneben in einem globalen Kontext nicht nur von völlig vernachlässigbarer Bedeutung, er würde durch die weitere Verlagerung der Güterproduktion in Länder mit geringen Umweltauflagen mehr als nur kompensiert. Unsere Kinder dürften für eine gewisse Zeit die aus Fernost eintreffenden Kartons auspacken, ausliefern und die darin enthaltenen Güter installieren. Wenigstens so lange, wie wir uns das leisten können.

Um zu Dilemma zurückzukommen: natürlich entscheiden auch Ihre Wähler nicht mehrheitlich rational, viele von ihnen sind „irgendwie grün“, von Ängsten oder guten Absichten bewegt, verbunden mit dem Wunsch, die Politik möge ihre zahlreichen und diffusen ökologischen Anliegen „irgendwie“ aufgreifen und „etwas“ tun.
Als Mittepolitiker sähen Sie sich wohl von den Medien und den Wählern rasch marginalisiert, wenn Sie die entsprechenden Forderungen kurzerhand ignorierten.

Es bleibt Ihnen aber unbenommen, die Prioritäten differenzierter und nach rationalen Gesichtspunkten zu setzen und den Teil der Wähler zu gewinnen, der diesen Überlegungen folgen mag (kleiner als der heutige FDP-Wähleranteil dürfte er bestimmt nicht sein):

1. Die Evidenz für eine von Menschen verursachte, katastrophale Klimaentwicklung ist nicht gegeben.

2. Die Klimaforschung bedarf zusätzlicher Mittel und Anstrengungen zur Klärung zahlreicher offener Fragen.

3. Die sogenannten „Erneuerbaren“ leisten heute nicht, was
sie versprechen. Es fehlt ein Technologiesprung sowohl bei der Effizienz als auch bei den Speichern.

4. Die Schweiz gibt heute für Energieforschung weniger aus als noch vor 30 Jahren (Schande!). Die dafür reservierten Mittel sind markant zu erhöhen. Eine Frage der Redlichkeit, wenn gleichzeitig die EE-Subventionen erhöht werden.

5. Eine transparente und nicht mehrheitlich von weltanschaulichen Motiven bestimmte Auslegeordnung soll die vorhandenen Optionen einem Vergleich unterziehen und als Basis für eine Energiestrategie dienen.

6. Die Zeithorizonte möglicher Lösungen müssen berücksichtigt werden: kurzfristige Bedarfsdeckung, Übergangslösungen, Langzeitstrategie EE.

Klar ist, dass trotz aller sinnvollen Anstrengungen (Gebäudesanierung, Sparmassnahmen) kurz- bis mittelfristig nur Gas- oder AKWs den Bedarf werden decken können. Dies den Wählern klar zu machen, dabei das kurzfristige Notwendige mit dem langfristig Anstrebbaren (EE) zu versöhnen, darin besteht die Aufgabe nüchterner Politik.
Nicht alle Wähler werden diesen etwas steinigeren und mühsamen Weg goutieren, aber das Ziel, die Zustimmung aller Wähler zu erreichen, wäre wohl eben so illusionär wie jenes einer hundertprozentigen EE-Versorgung in naher Zunkunft.

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„Kommentar von Martin Holzherr. 20.10.2010, 22:59
In diesem Beitrag möchte ich die Energieversorgung ….“

Wahrlich ein gut fundierter Beitrag mit sauberer Argumentation. Besten Dank!

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In diesem Beitrag möchte ich die Energieversorgung mit vorwiegend erneuerbaren Energien der Energieversorgung mit Grosskrafwerken gegenüberstellen und aufzeigen, dass Energie aus Wind und Sonne nicht gleichwertig ist mit Energie aus Bandenergiekraftwerken.
Ferner will ich zeigen, was man für viel teureren EE-Strom erhält:
– Risiken für Blackouts oder aber
– Abhängigkeit von fremder (Strom-)Hilfe im Worst-Case oder aber
– Kosten für viele konventionelle Reservekraftwerke in Wartestellung

Mit neuen erneuerbaren Energien wird Strom teurer – viel teurer

Alle Vorschläge für einen markant höheren Anteil von neuen erneuerbaren Energien rechnen explizit oder implizit mit einem deutlich höheren Strompreis in der Zukunft. Wenn hier Christian Wasserfallen schreibt „Bei den Strompreisen verschweigen die Umweltverbände aber klammheimlich, dass sich die gewünschten Ergebnisse nur mit einer Verdoppelung desselben erreichen lassen würden.“
so ist er mit einer Verdoppelung des Strompreises noch optimisitisch. Mit dem Energiekonzept der deutschen Bundesregierung, welches bis 2050 80% des Stroms aus neuen erneuerbaren Quellen erzeugen will, steigen die Strompreise vor allem wegen dem hohen Anteil von Photovoltaik wohl auf das Dreifache. Auch die ständig fallenden Preise für Solarmodule ändern daran nichts, denn die schwankende Energieproduktion sowohl von Wind- als auch von Solarparks erzwingen teure Sekundärbauten: Pumpspeicherkrafte, tausende von Kilometern an Hochspannungsleitungen, saisonale Speicher (Wasserstoffspeicher, synthethisiertes Methan).

Auch mit Netzparität von Solarstrom muss Solarstrom gespeichert werden

Nur schon damit Solarenergie „konkurrenzfähig“ wird, rechnet David Stickelberger (siehe http://blogs.ethz.ch/klimablog/2010/01/15/solarenergie-ab-jedem-hausdach/ ) in seinem Kommentar von David Stickelberger. 20.01.2010, 17:28
„Wir rechnen mit einer jährlichen Kostensenkung von Solarstrom um 10%. Heute liegt er in der Schweiz bei ca. 60 Rp./kWh, bis 2020 somit ca. 20 Rp./kWh. Gleichzeitig steigt der Strompreis und wird 2020 bei 25-30 Rp./kWh liegen (bei allerdings grossen Unterschieden innerhalb der Schweiz). Damit lohnt es sich für den Hausbesitzer, seinen eigenen Solarstrom zu produzieren. Mit dem Preis ab Klemme Grosskraftwerk kann zu diesem Zeitpunkt Solarstrom noch nicht konkurrieren.
Doch auch wenn Solarstrom die sogenannte Netzparität erreicht und damit ab Solarpanel gleich teuer ist wie der Strom ab Stromleitung, muss er dennoch ins Netz eingespeist werden, um Überschüsse (bei Privatwohnungen am Tag) zurückzugeben und umgekehrt muss man während der Nacht und bei Schlechtwetterperioden Strom aus dem Netz beziehen. Dieses anonyme Netz muss also für die Glättung von Stromspitzen und Stromlöchern sorgen. Es gibt heute keine effizienten und billigen Stromspeicher. Selbst wenn Solarstrom ab Photovoltaikmodul gratis wäre, wäre er wegen der Notwendigkeit von Stromspeichern immer noch teurer als Strom ab Wasser- oder Atomkraftwerk.

Die WWF-Energievision für die Schweiz

Im WWF-Magazin 3/2010 wird der Vorschlag gemacht, die von Axpo und Alpiq geplanten zwei Atomkraftwerke und das Gaskraftwerk durch Stromeinsparungen und Erneuerbare Energien zu ersetzen.
Resultat: Mit Einsparen von 2 AKW’s durch Stromsparen und Zubau von 10 TerawattStunden Erneuerbarer Energien (vor allem Photovoltaik) ergeben sich Mehrkosten gegenüber der Lösung mit 2 Ersatz-AKW’s und 1 Gaskraftwerk von 26 Milliarden Schweizer Franken (siehe http://blogs.ethz.ch/klimablog/2010/08/30/solarenergie-wird-immer-beliebter/ , Kommentar von Martin Holzherr. 18.09.2010, 22:40)

Fazit:
Mehrkosten von 26 Milliarden Fr. für WWF-Energielösung Schweiz

Infras-Studie: Stromeffizienz und EE-Energien

Der Infras-Bericht STROMEFFIZIENZ UND ERNEUERBARE ENERGIEN –
WIRTSCHAFTLICHE ALTERNATIVE ZU GROSSKRAFTWERKEN
(siehe http://www.infras.ch/downloadpdf.php?filename=1860a_Schlussbericht_def.pdf) will die von swisselectric prognostizierte Stromlücke von 25 bis 30 Terawattstunden im Jahre 2035 mit Stromsparen und neuen erneuerbaren Energien decken.

Zuerst einmal berücksichtigt die von swisselectric prognostizierte Stromlücke im Jahre 2035 noch nicht den Bevölkerungszuwachs. Bis 2035 leben voraussichtlich 1 Million Menschen mehr in der Schweiz, was die Stromlücke um weitere 8 Terawattstunden erhöht (siehe http://www.google.com/publicdata?ds=wb-wdi&met=eg_use_elec_kh_pc&idim=country:CHE&dl=de&hl=de&q=stromverbrauch+schweiz).

Die Infras-Studie will die Stromlücke von 30 Terawattstunden durch Stromeinsparungen von 19 Terawattstunden und Stromproduktion mit erneuerbaren Energien (vor allem Photovolatik) von 11 Terawattstunden kompensieren. Die Produktionsschwankungen von Wind+Sonne will sie mit Pumpspeicherkraftwerken ausgleichen.

Sind Wind+Sonneparks gleichwertig zu Grosskraftwerken?

Sowohl die Infras-Studie als auch Tim Schloendorn (Kommentar von Tim Schloendorn. 20.10.2010, 15:55 ) nehmen an, dass Grosskraftwerke energetisch gleichwertig sind zu einer Kombination von Wind- und Sonnenenergieparks.
Zitat Tim Schloendorn: Sie erwähnen, dass die erneuerbaren wegen Intermittenz Speicherkraftwerke brauchen. Das ist richtig, aber sie vergessen gleichzeitig, dass Grosskraftwerke wegen ihrer Grundlast (und daher zu hohen Stromproduktion Nachts) ebenfalls Speicherkraftwerke benötigen. Bitte mit gleich langen Ellen messen.

Ja genau, man sollte mit gleich langen Ellen messen und dann scheiden Windparks und Massen von Photovoltaikpanels schlecht ab. Es stimmt einfach nicht, dass man die Intermittenz von Sonne und Wind mit Pumpspeicherkraftwerken allein abfangen kann. Heute am 20. Oktober 2010 hat die Sonne kaum je geschienen. Das wäre mit Pumpspeicherkraftwerken noch abzufangen. Was aber machen sie, wenn 10 Tage lang die Sonne kaum scheint. Pumpspeicher speichern relativ wenig, aber schnell verfügbare Energie und zählen damit zu den Kurzfristspeichern. Für längerfristige Stromlücken (keine Sonne, Windflaute) müsste die Schweiz also entweder die gewöhnlichen Wasserkraftwerke nutzen (die aber vor allem im Winterhalbjahr Strom liefern) oder aber Strom importieren. Es könnte aber sein, dass in einer solchen Schlechtwetterlage Deutschland gerade auch Strom importieren will, zum Beispiel aus der Schweiz.

Die Infras-Studie und überhaupt die meisten Studien zum Einsatz von erneuerbaren Energien berücksichtigen viel zu wenig den Worst-Case. Dieser Worst-Case – tagelang kaum Sonne und kaum Wind – könnte sich fatal auswirken mit vielen Blackouts das Jahr durch. Stromimporte sind auch keine Lösung, denn Deutschland beispielsweise setzt auch auf erneuerbare Energien und erwartet sogar von der Schweiz, dass sie Pumpspeicherkraftwerke für überschüssigen Nordseewindstrom zur Verfügung stellt. Wie so oft bei Energieszenarien mit erneuerbaren Energien muss im Worst-Case jemand anders aushelfen, was aber nicht mehr funktioniert, wenn allen ausgeholfen werden muss. Im Worst-Case helfen bis jetzt nur konventionelle Kraftwerke im Wartezustand und das wird voraussichtlich auch so bleiben, denn saisonale Stromspeicher, zum Beispiel Wasserstoffreservoirs in Salzdomen sind teuer und arbeiten mit einem schlechten Wirkungsgrad.

Tim Schloendorn sieht vor allem die Gefahren von KKW’s. Diese Gefahren sind potentielle Gefahren. In der Praxis ist AKW-Strom die sicherste Art der Energieversorung. Ein schwerwiegender Unfall würde diese Sicht natürlich sofort ändern. Doch selbst ein GAU mit Kernschmelze sollte bei heutigen Kernkraftwerken kaum Radioaktivität nach aussen freisetzen. Doch selbst wenn man diese Gefahr als viel höher einschätzt, würde man immer noch viel besser fahren mit importiertem Strom aus KKW’s irgendwo in Sibirien 100km entfernt von jeder Siedlung als mit Photovoltaikpanels auf jedem Hausdach und einem mit Windturbinen verspargelten Jura.

Fazit:
-Die Infras-Studie sieht nur Pumpspeicherkraftwerke vor um die Intermittenz (Schlechtwetter,Flaute) abzufangen. Damit vertraut man auf importierten Strom im Worst-Case und will Strom von anderen, wenn diese vielleicht gerade auch Strom aus der Schweiz benötigen (weil auch sie den Worst-Case erleben).
-Der Strompreis im Erneurbaren-Energie-Szenario würde sich mehr als verdoppeln, denn die Schweiz muss wohl auch Beiträge zu den von Deutschland geplanten Hochspannungstrasses Nordsee-Schweiz leisten, was den Strompreis allein schon deutlich erhöht.
– Ein veroppelter oder verdreifachter Strompreis verdrängt die energieintensiven Betriebe aus der Schweiz
– Eine mit PV-Anlagen und Windturbinen überstellte Schweiz verschlechtert ihre Energiesituation und macht sie anfälliger für Blackouts
– Ein verdoppelter Strompreis (40 Rappen beim Verbraucher anstatt 20 Rappen) bei gleicher Strommenge (60 TWH in der Schweiz) entspricht einer zusätzlichen jährlichen Abgabe von 12 Milliarden Franken, mithin das dreifache der jährlichen Ausgaben für das Schweizer Militär.
– Ein verdoppelter Strompreis bei einer um 19 Terawattstunden verminderten Stromversorgung (wie in der Infras-Studie) entspricht noch zusätzlichen jährlichen Ausgaben von 8 Milliarden Franken
– Alle Energieszenarien die auf erneuerbare Energien setzen müssen mit massiv weniger Strom auskommen, weil sonst die Kosten ins uferlose wachsen würden (siehe vorherige Punkte)

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„Oh, entschuldigung, ich vergass… das Risiko ist ja so gross, dass es sogar für die Swiss Re inaktzeptabel ist…“

Sie glauben nicht wirklich, dass unsere Staudämme gegen einen GAU versichert sind?
Übrigens: Wissen Sie, bei welcher Energie es am meisten Tote/kWh gibt? Bei Strom aus Kohle, was wir auch importieren (aus dem Osten). Ach ja, es interessiert Sie nicht, wie viele in Kohleminen jährlich sterben. Die Toten bei Unfällen mit Staudämmen sind Ihnen auch wurst.

„Achja, und wie werden nochmal die Kosten für die Lagerung nuklearer Abfälle in den Strompreis eingerechnet?… “

Da wird was eingerechnet. Der Grund für die sehr hohen Kosten ist nur die jahrzehntelange Angsmacherkampagne der Grünen. In Deutschland hätten sie z.B. Gorleben, das nur aus politischen Gründen noch nicht realisiert ist.
Ach ja, verklappen wir lieber CO2, das ist viel viel sicherer…

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… eine Zeile aus meinem Kommentar ist verschwunden… Vor dem „Dann mal los“ stand noch:
Energieffizienz ist am attraktivsten, ja klar!

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Ein paar Comments:

<< Jede kWh die wir weniger verbrauchen muss von einem Italienischen/Deutschen Kohlekraftwerk weniger produziert werden. Wenn die Schweiz dank Energieeffizienz einen massiven Strom Export hinlegen würde, könnten die Deutschen ein Kohlekraftwerk abstellen.

<<<
Sie erwähnen, dass die erneuerbaren wegen Intermittenz Speicherkraftwerke brauchen. Das ist richtig, aber sie vergessen gleichzeitig, dass Grosskraftwerke wegen ihrer Grundlast (und daher zu hohen Stromproduktion Nachts) ebenfalls Speicherkraftwerke benötigen. Bitte mit gleich langen Ellen messen.

<< Na dann mal los! Pushen sie doch bitte mal ein Gesetz zur Änderung der absurden Mietrechts (Stichwort Nebenkosten) und Heimatschutzes (Stichwort Isolation) durch den Nationalrat!

<<<
Was passiert eigentlich mit dem Strompreis wenn die Schweizer Kernkraftwerke zu einer vollumfänglichen Haftpflichtversicherung gezwungen wären, was ja gemäss ökonomischer Theorie absolut notwendig wäre um den volkswirtschaftlichen Nutzen zu optimieren?
Oh, entschuldigung, ich vergass… das Risiko ist ja so gross, dass es sogar für die Swiss Re inaktzeptabel ist…
Naja sagen wir, was passiert mit dem Strompreis wenn die Haftpflicht für KKWs auf (für einen GAU viel zu geringe) 100 Milliarden Franken angehoben wird?
Achja, und wie werden nochmal die Kosten für die Lagerung nuklearer Abfälle in den Strompreis eingerechnet?…

Wie Ihnen nun vielleicht klar geworden ist, ist der Strompreis heute nur so tief da die Grosskraftwerke massiv vom Steuerzahler subventioniert werden und würden sich mehr als verdoppeln wenn wir Kostenwahrheit verlangten.

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So ist es. Das Dogma, dass viele kleine, dezentrale Kraftwerke besser sein sollen als einige grosse, ist etwas vom Bizarrsten, was die Linksgrünen so von sich geben. Einfach ein Axiom, das niemand begründen kann und völlig absurd ist, aber unerschütterlich ist.

Viele kleine Kraftwerke: Mehr hässliche Überlandleitungen, mehr verschandelte Landschaft (in einem Land mit äusserst knappen Landressourcen).

Grosse Kraftwerke: Effizienz. Hier lohnen sich z.B. aufwendige Abgasreinigungsschritte (z.B. bei einem Holz-,Gas- oder Biogaskraftwerk). Auch das aufwendige CO2-Capturing ist wohl nur bei einem grossen Kraftwerk realisierbar.
Ausserdem ist so ein Stromnetzwerk besser beherrschbar.

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