ETH-Klimablog - Klimaforschung - Wie viel emittieren wir tatsächlich?

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Klimaforschung: «Emissionen verpflichten uns langfristig» (27.9.13)
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Wie viel emittieren wir tatsächlich?

18.10.2010 von

Vor bald einem Jahr an der letzten Klimakonferenz in Kopenhagen war man sich in vielen Punkten uneinig. Wenn das politische Hauptproblem auf eine Frage reduziert wurde, dann meistens auf die folgende: «Wer darf in Zukunft wie viel emittieren und über welchen Zeitraum?»

Quantifizieren von nationalen Treibhausgasemissionen

Zurzeit kommen nationale Treibhausgasbilanzen hauptsächlich indirekt zu Stande, das heisst nicht durch effektive Messung von CO₂- oder CH4-Konzentrationen in der Atmosphäre. Die Inventare der Emissionen der verschiedenen Länder basieren auf Berechnungen, die mittels der so genannten «von unten nach oben»-(bottom-up)-Methode durchgeführt werden. Dazu benutzen die Staaten lokale Statistiken zu den verschiedenen menschlichen Aktivitäten und deren Ressourcenverbrauch.

Kontrollinstanz nötig

Der Arbeitsausschuss zu den nationalen Treibhausgas-Inventaren des Weltklimarates schreibt zwar sehr genau vor, wie solche Bilanzen aussehen müssen und nach welchen Quellen und Senken sie zum Beispiel aufgeschlüsselt werden sollen. Es gibt jedoch zurzeit keine internationale Instanz, die solche Inventare systematisch kontrolliert. Einige Studien haben grosse Abweichungen festgestellt zwischen den Emissionswerten gewisser Treibhausgase aus direkten Messungen und denjenigen aus globalen Emissionswerten, die auf nationalen Inventaren beruhen. Heisst das etwa, dass wir mit der von vielen anvisierten internationalen Klimapolitik glauben eine Diät-Kur durchzuführen, ohne dass wir laufend das Gewicht überprüfen? Zu diesem etwas überspitzten Schluss kommt ein kürzlich in Science erschienener Artikel von Euan Nisbet und Ray Weiss.

Sind nationale Emissionsinventare überprüfbar?

Eine Möglichkeit zur unabhängigen Überprüfung der Emissionsinventare ist die Überwachung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre durch Messungen. Verschiedene, namentlich optische Messmethoden wurden in den letzten Jahren stark verbessert. Sowohl die Genauigkeit und zeitliche Auflösung von Bodenmessungen an festgelegten Standorten, als auch die Qualität von Satellitenmessungen ermöglichen Vergleiche mit den Daten aus den Emissionsinventaren. Die Messnetze sind jedoch für die systematische Überprüfung der nationalen Bilanzen viel zu wenig dicht. Die internationale Kooperation beim Aufbau eines solchen Treibhausgasbeobachtungsnetzes müsste zudem verstärkt werden. Ein gutes Beispiel ist das neulich von der EU lancierte integrierte Kohlenstoff-Beobachtungssystem (Integrated Carbon Observation System).

Konsequenzen für ein internationales Abkommen

Die Frage, wie fair ein mögliches zukünftiges internationales Klimaabkommen sein kann, hängt also in höchstem Masse davon ab, ob und wie nationale Emissionsinventare überprüft werden.

Weitere Informationen
  • Nisbet, E. and R. Weiss (2010) Top-Down Versus Bottom-Up, Science 328 (5983), 1241, doi: 10.1126/science.1189936
  • EU Integrated Carbon Observation System www.icos-infrastructure.eu
Zur Autorin

Franziska Aemisegger ist diplomierte Umweltingenieurin. Zurzeit schreibt sie ihre Doktorarbeit am Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

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Kommentare (28) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@Holzherr: „Für mich ist es schon bedenklich, dass so elementare Daten wie die CO2-Emissionen [..] noch nicht exakt erfasst sind. Überhaupt gibt es wenige klimarelevante Erdsystemdaten, die in genügend hoher Genauigkeit zur Verfügung stehen um Beobachtungen und Modelle miteinander abstimmen zu können.“

Wie recht Sie haben! Wenn man bedenkt, wie viel Geld für „das Klima“ zur Verfügung steht, muss man sich schon fragen, ob die Prioritäten richtig gesetzt sind. Die schönsten Modelle haben keinen Wert, wenn sie auf wackeligen Grundlagen stehen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 3

Eine gerade veröffentlichte Studie (07 January 2013 ) in nature climate change kommt zum Schluss, dass die von den Ländern publizierten CO2-Emissionen nicht mit den tatsächlichen Emissionen übereinstimmen.

Das Hauptresultat ist: „that the reported 2000–2008 emissions surge is an artefact, most simply explained by a cumulative underestimation (~ 9 Pg C) of 1994–2007 emission“

Offensichtlich hat sich die Berichterstattung was die CO2-Emissionen angeht verbessert und in den Jahren 1994 bis 2007 wurden diese CO2-Emissionen unterschätzt.

Für mich ist es schon bedenklich, dass so elementare Daten wie die CO2-Emissionen (für die Klimawissenschaft) noch nicht exakt erfasst sind. Überhaupt gibt es wenige klimarelevante Erdsystemdaten, die in genügend hoher Genauigkeit zur Verfügung stehen um Beobachtungen und Modelle miteinander abstimmen zu können. So ist nicht einmal bekannt welchen Anteil des Sonnenlichts die Wolken zum Beispiel im Jahre 2012 zurück in den Weltraum reflektiert haben und wie sich das z.B. relativ zum Jahre 2008 verhält. Dabei hat eine Änderung von nur 1% in der Albedo die gleiche Wirkung wie eine Verdoppelung der Treibhausgaskonzentration.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Sehr geehrte Frau Aemisegger
wir leben in der Schweiz, Mann Baubiologe und Architekt und nun suchen wir fair hergestellte Solarpanels. Wir möchten der Verbreitung dieser Panels Vorschub leisten damit ein Atomausstieg rasch vonstatten gehen kann. können Sie uns allenfalls weiter helfen wo man Fair hergestellte Panels bekommt. Gibt es sowas schon in China… herzlichen Dank für eine allfällig Hilfe oder Tip wo wir fragen könnten.
Wintsch & Wintsch
Architektur & Immo GmbH
Badstrasse 68, 5330 Bad Zurzach Schweiz

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@Kommentar von Tim Schloendorn. 11.11.2010, 17:18

Zitat:“Shared but differentiated” heisst: Shared, ja die Entwicklungsländer müssen bereit sein zu kooperieren und auf einen CO2 arme Ökonomie umzuschwenken und entsprechende Massnahmen umsetzen, aber “differentiated” -> Sie müssen die volkswirtschaftlichen Kosten davon nicht oder nur teilweise selber tragen.

In der letzten Entgegnung auf diesen Umwelverteilungsvorschlag betreffend Kosten des Klimawandel habe ich geantwortet, dass sei nicht finanzierbar, weil 2 Milliarden Menschen nicht die Klimaanstrengungen für 4 Milliarden Menschen übernehmen können.

Um genauer zu sein. Die USA und Europa sind um so viel reicher, dass sie durchaus den Klimaschutz der Ärmeren übernehmen könnten, allerdings nur, wenn sie bereit sind ein sehr weitgehendes Engagement einzugehen. Das Problem: der grösste Teil des Volksvermögens und Volkseinkommens in den reichen Ländern ist bereits verplant, disponibel ist nur noch sehr wenig. Verplant ist das Geld für die AHV mit längerfristig steigenden Beiträgen wegen der Überalterung, für das Gesundheistssystem mit einem Anteil von 10 bis 15% des BIP und für andere soziale Belange.

Eine breite finanzielle Unterstützung der armen Länder nur im Bereich Klimaschutz setzt voraus, dass wir unsere Prioritäten ändern. Anstatt zusätzlich 2% des BIP’s für das Gesundheitswesen auszugeben müssten wir beispielsweise diese 2% für den Klimaschutz abzwacken. Das wäre ohne weiteres möglich gibt es doch jetzt schon grosse Unterschiede zwischen den Nationen mit 8% des BIP für Gesundheit in Grossbritannien und 15% in den USA ohne dass die Amerikaner länger leben. Doch ohne Änderung der Prioritäten, also mit der Finanzierung des Klimaschutzes allein aus der Trinkgeldkasse geht es wohl nicht.

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@Kommentar von Tim Schloendorn. 11.11.2010, 17:18

Zitat:“Shared but differentiated” heisst: Shared, ja die Entwicklungsländer müssen bereit sein zu kooperieren und auf einen CO2 arme Ökonomie umzuschwenken und entsprechende Massnahmen umsetzen, aber “differentiated” -> Sie müssen die volkswirtschaftlichen Kosten davon nicht oder nur teilweise selber tragen.

Genau so ist es: Die Entwicklungsländer können die Klimaschutzmassnahmen nicht selber bezahlen.
Und genau das bedeutet, dass wir das Klimaproblem nicht lösen können. Weil es nämlich unsere finanziellen Ressourcen schlicht übersteigt. 2 Milliarden Reiche können nicht 4 Milliarden Wenigverdienern aus der Patsche helfen.

Einen neuen Blick auf das Klimaproblem erhält man, wenn man sich mit den Peak Oil Leuten kurzschliesst, also den Leuten, die davon überzeugt sind, dass Erdöl für unsere Zivilisation ein so entscheidender Faktor ist, dass ein Mangel daran gravierende Folgen hat. Die Website The Oil Drum beschäftigt sich seit langem intensiv mit diesem Thema. Man mag nicht mit allen ihren Schlussfolgerungen übereinstimmen, doch eine zentrale Überlegung lässt sich nicht von der Hand weisen: Billige Energie schafft erst die Grundlage für vieles andere. Wird Energie sehr viel teurer , zum Beispiel infolge einer Erdölverknappung, so fehlt uns plötzlich das Geld an anderen Orten. Wir glauben Erneuerbare kann Öl ersetzten. Wenn Öl aber plötzlich teuer ist haben wir gar nicht mehr das Geld für Erneuerbare und auch kein Geld mehr für andere Klimaschutzmassnahmen.
Hier ein abschliessendes Zitat aus IEA World Energy Outlook 2010: Questionable Assumptions and Major Omissions
(siehe http://www.theoildrum.com/node/7102 ), das auf Kostenbetrachtungen zur Implementation von bedeutenden Anteilen von Windkraft und CCS folgt:One of the big concerns when considering all of the costs is the capital needed to finance all of these improvements. At this point, major governments are spending far more than they are taking in in taxes. All of the enhancements that are planned through government spending will need to be considered in addition to collecting current revenue shortfalls. The total costs may well put a cap on what can realistically be done.

So ist es: Man kann heute fast alles realisieren – wenn man das Geld dazu hat. Die USA aber hat vor allem Schulden und eine Verteuerung des Erdöls in den nächsten Jahren könnte der stärksten Volkswirtschaft der Welt den Rest geben.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

@Kommentar von Martin Holzherr. 11.11.2010, 16:48
@Kommentar von Tim Schloendorn. 11.11.2010, 11:35

Zitat: Es scheint mir auch aus westlicher Sicht ethisch nicht vertretbar einen einheitlichen CO2 Preis zu verlangen. Der Grund sind die historischen Emissionspfade.

Eine mögliche Interpretation dieser Forderung nach Differenzierung wäre auch: Das Klimaproblem ist lösbar, ja sogar mit nur 1 bis 2% des Weltbruttoinlandprodukts, allerdings müssen die Kosten von den reichen Ländern getragen werden.

Allerdings, so viele reiche Länder gibt es gar nicht. Sogar in aufstrebenden Ländern wie China ist das Bruttoinlandprodukt pro Kopf nur 1/10 des US BIPs pro Kopf.
Zudem gibt es 2.3 Milliarden Menschen mit weniger als 1500 Dollar BIP pro Jahr und Kopf.

Der Satz Es scheint mir auch aus westlicher Sicht ethisch nicht vertretbar …. zeigt zudem, dass das West-zentrische Denken (analog zu anthropozentrisch) auch in der Klimadiskussion und bei jüngeren Westlern (Tim Schloendorn) immer noch verbreitet ist. Früher hat der Westen alle dominiert und ausgebeutet, heute muss der Westen alle Probleme lösen, denn er hat sie ja verursacht und verfügt zudem als einziger über das humane und andere Kapital, das es zur Problemlösung braucht.

Doch Achtung: Der Westen wird von Jahr zu Jahr unbedeutender, nicht nur demographisch, sondern auch materiell. Deshalb sage ich: Das Klimaproblem wird vor allem von China gelöst werden – wenn es überhaupt gelöst wird.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Hoi Martin,

„In Wirklichkeit hat das Klimaproblem selbst bei Grünen und Umweltbesorgten nur eine mittlere Priorität.“

Das mag sein aber

„ Man kann sich schlicht nicht vorstellen, dass Greenpeace und Umweltbewegte beispielsweise den Transport von Kohle blockieren, denn “Kohle braucht man doch” denken die meisten.“

das stimmt eher nicht!

schau mal unter
„mountain top removal“ zur Kohle

oder hier
http://www.greenpeace.org/international/en/campaigns/climate-change/coal/

und dann
http://www.nowpublic.com/world/navajo-and-hopi-protest-peabody-coal

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@Martin

Ich denke wir kommen hier an einen sehr wichtigen Punkt.

Zitat:
„Kohle: ein einheitlicher CO2 Preis wirkt sich gleich aus wie eine Verknappung von Kohle, die auch zu einem höheren Preis für alle führt. Also muss man fragen: Ist eine Verknappung der Kohle (Zitat) ethisch nicht vertretbar?“

Erstmal ein kleiner Exkurs

-> Auch eine Verknappung einer natürlichen Ressource kann ethisch nicht vertretbar sein… Beispiel Fische: Durch massive, industrialisierte Überfischung für den Konsum der „Festlandeuropäer“ und Japaner haben die Senegalesen nicht mehr genügend Fische, obwohl sie nie über die nachhaltige Quote gefischt haben. Die Verknappung der Ressource ist somit ethisch nicht vertretbar.

Aber zurück zur Kohle:

Es wäre ethisch voll vertretbar (und wünschenswert), wenn Unternehmen in Entwicklungsländern mehr für Kohle zahlen müssen.
Es wird erst dann problematisch, wenn die Entwicklunsländer die daraus entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten selber tragen müssen.
„Shared but differentiated“ heisst: Shared, ja die Entwicklungsländer müssen bereit sein zu kooperieren und auf einen CO2 arme Ökonomie umzuschwenken und entsprechende Massnahmen umsetzen, aber „differentiated“ -> Sie müssen die volkswirtschaftlichen Kosten davon nicht oder nur teilweise selber tragen.

Wie diese Konfiguration ereichbar sein könnte halte ich für die spannendste Frage dieser Zeit.

Einen aktuellen „heissen“ Ansatz dazu (die sogenannten NAMAs) werde ich in meinem nächsten Blog Beitrag erläutern. Ist so eine Art Carbon Trading 2.0…

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

„Vom Kollaps der globalen Zivilisation würden die Taliban profitieren, sonst aber kaum jemand.“

Das glaube ich eher nicht!
Ich denke auch eher das pauschale
„die Gruppe X“ wuerde profitieren etc..

Aber stellen wir mal die Frage des Gorilla’s aus dem Buch
Ismahel (von Daniel Quinn)

„With man gone, is there a chance for Gorillas?“

(man koennte die Liste der bedrohten Tiere um Seiten
ergaenzen.. )

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Tim Schloendorn. 11.11.2010, 11:35

Zitat: Es scheint mir auch aus westlicher Sicht ethisch nicht vertretbar einen einheitlichen CO2 Preis zu verlangen. Der Grund sind die historischen Emissionspfade.

In diesem kurzen Statement gibt es versteckte Annahmen, die zeigen, dass wir noch nicht bereit sind für eine wirksame Klimapolitik:
1) Beispiel Kohle: ein einheitlicher CO2 Preis wirkt sich gleich aus wie eine Verknappung von Kohle, die auch zu einem höheren Preis für alle führt. Also muss man fragen: Ist eine Verknappung der Kohle (Zitat) ethisch nicht vertretbar? Dumm nur, dass ein sich einstellender Förderengpass nicht danach frägt, ob er ethisch vertretbar ist.
2) Wenn eine Verteuerung von fossilen Rohstoffen zu ethisch nicht vertretbaren Zuständen führt, dann stimmt offensichtlich die Behauptung des Klimaökonomen Nicholas Stern nicht, dass uns eine völlige Dekarbonisierung nicht mehr koste als 1% des Weltbruttoinlandprodukts (später von Stern auf 2% hinaufkorrigiert).
3) Entweder stimmt die auch in diesem Blog geäusserte Meinung, dass die neuen Erneuerbaren Energien bald alle fossilen und auch nichtfossilen Energien ersetzen – dann ist eine Verteuerung von Kohle sicher nicht unethisch – oder aber diese Hoffnung in die Erneuerbaren ist nicht mehr als Wunschdenken.

Persönliche Schlussfolgerung: Das Klimaproblem liegt uns darum so schwer auf dem Magen, weil wir es noch gar nicht verstanden haben.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

@Kommentar von Michael Dittmar. 11.11.2010, 12:33
@Kommentar von Tim Schloendorn. 11.11.2010, 11:35

Zitat:zeigen diese Schwierigkeiten eine “gerechte und akzeptable” Regelung zu definieren nicht schon wie unfaehig
unsere Institutionen (und wir als Species) sind
auf globale Probleme zu reagieren?

Hinter dem vorgeblichen Streben nach Gerechtigkeit steht oft nichts anderes als „Feilschen“, das heisst Interessenpolitik mit dem Ziel selber möglichst gut wegzukommen. Die tieferen Ursachen für all das Hinauszögern und Verhandeln bis gar nichts mehr geht sind in folgender Liste aufgeführt:
1) Die Bedeutung des Klimaproblems ist für unsere Zukunft noch ungewiss und umstritten
2) Die Kosten für einen wirksamen Klimaschutz sind gross – und zwar für alle
3) Schwellenländer wie China und Indien wollen Zeit gewinnen. In 15 Jahren, wenn das Wachstum in China in gemütlicheren Bahnen verläuft, könnte China einer wirksamen Klimpolitik zustimmen

Zusammengefasst: Nur ein unumstösslicher Beweis, dass es schlimm kommt, wenn wir das Klimaproblem ignorieren, wird zu einem Umdenken führen.
Doch, das kann als sicher gelten, die Konsequenz des Kollaps einer “global Civilization” will niemand riskieren.

Das 2°C-Ziel, von der internationalen Energieagentur mit dem sogenannten 450 Szenario und den Blue Map Scenarios (siehe http://www.iea.org/techno/etp/ETP_2008.pdf ) abgedeckt, ist jedenfalls bereits verfehlt.

Der neueste Energy Outlook 2010 der IEA (siehe http://www.worldenergyoutlook.org/docs/weo2010/weo2010_london_nov9.pdf ) stellt auf den Folien 16 bis 23 noch einmal dar, was nötig gewesen wäre, um das 2°C-Ziel, aka 450 ppm CO2-Ziel, zu erreichen, hier ein paar Kernpunkte aus dem 450-Szenario:
– China & the US together account for 50% of the cumulative emission abatement that is needed in 2010-2035
– Carbon intensity would have to fall at twice the rate of 1990-2008 in the period 2008-2020 & almost four times faster in 2020-2035
– Low-carbon technologies account for over three-quarters of global power generation by 2035 in the 450 Scenario, a four-fold increase on today
– Plug-in hybrids & electric vehicles reach 39% of new sales by 2035, making a big contribution to emissions abatement, thanks to a major decarbonisation of the power sector
– Oil demand peaks at 88 mb/d before 2020 & falls to 81 mb/d in 2035, with a plunge in OECD demand more than offsetting continuing growth in non-OECD demand

Es ist offensichtlich, dass keiner der obigen Punkte bis 2035 (freiwillig) erreicht wird und zwar weil schlicht der Wille und die nötigen politischen Entscheidungen fehlen. Diese politischen Entscheidungen wären zudem nur möglich, wenn weit mehr als 50% der Erdenbüger davon überzeugt wären, dass das Klimaproblem höchste Priorität hat. In Wirklichkeit hat das Klimaproblem selbst bei Grünen und Umweltbesorgten nur eine mittlere Priorität. Man kann sich schlicht nicht vorstellen, dass Greenpeace und Umweltbewegte beispielsweise den Transport von Kohle blockieren, denn „Kohle braucht man doch“ denken die meisten.

Vom Kollaps der globalen Zivilisation würden die Taliban profitieren, sonst aber kaum jemand.

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Hallo Tim und Martin,

zeigen diese Schwierigkeiten eine „gerechte und akzeptable“
Regelung zu definieren nicht schon wie unfaehig
unsere Institutionen (und wir als Species) sind
auf globale Probleme zu reagieren?

Entsprechend eben doch die Konsequenz des Kollaps
einer „global Civilization“. Und egal ob wir sie moegen
oder nicht und ob „wir“ davon profitieren oder nicht?

uebrigens recht gut in dem Film
„What a way to go“ zu sehen.
Hier ein clip davon

http://www.youtube.com/watch?v=k8X8_wUoiq0&feature=related

(wer Interesse hat den ganzen Film zu sehen
am Freitag 17.12.2010 so gegen 12:00
Raum noch zu definieren..)

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@Martin:

Stimme voll und ganz zu – eine globale CO2 Tax wäre viel einfacher.

Jedoch würde sie die „shared but differentiated responsibilities“ verletzen und daher von China, Indien etc. (Gar nicht zu sprechen von den least developed countries, die vermutlich teilweise nicht mal in der Lage sind eine solche Steuer überhaupt zu erheben…) mit Sicherheit abgelehnt. Es scheint mir auch aus westlicher Sicht ethisch nicht vertretbar einen einheitlichen CO2 Preis zu verlangen. Der Grund sind die historischen Emissionspfade.

Die Höhe eines Importzolls müsste um akzeptabel zu sein so ausgelegt werden, dass die Belastung der CO2 Intensität für In- und Ausland gleich ist, d.h. an die Höhe der „Europäischen Carbon Tax“ sowie z.B. die durchschnittliche CO2 Intensität der Chinesischen Stahlwerke geknüpft sein – hier liessen sich auch komplexere Ansätze entwickeln, z.B. eine „worst case“ Standart Annahme, die dann vom einzelnen chinesischen Stahlhersteller widerlegt werden kann, so dass ein zusätzlicher Anreiz entsteht effizient zu produzieren oder etwas in der Art.

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In diesem Kommentar subsumiere ich zuerst noch einmal die Diskussionen über Alternativen zum Emissionshandel, die in einigen Kommentaren hier breit diskutiert wurden, um dann Franziska Aemisegger darin zu bestätigen, dass CO2-Monitoring wirklich wichtig ist – so wichtig wie die Waage beim Abnehmen. Am Schluss zeige ich, dass CO2-Monitoring mehr ist als eine komplementäre Methode zu Emissisonsinventaren, nein CO2-Monitoring kann sogar CO2-Quellen entdecken, die zwar durch den Menschen verursacht werden, die jedoch kaum durch Emissionsinventare abgedeckt sind.

Emissionshandel versus Karbon-Steuer

Wie viel emittieren wir tatsächlich?

Mit dieser Frage wollte sich keiner der Kommentatoren zu diesem Beitrag bisher beschäftigen. Statt dessen wurde auf ein anderes Thema ausgewichen und eine CO2-Abgabe auf fossile Rohstoffe vorgeschlagen. Mit einer CO2-Steuer würde sich die Frage «Wer darf in Zukunft wie viel emittieren und über welchen Zeitraum?» tatsächlich erübrigen. Auch ich finde eine Karbon-Steuer oder -Abgabe ein weit besseres Instrument als den Emissionshandel.

CO2 Monitoring als objektive Kontrolle der CO2-Diät

Doch Franziska Aemisegger hat trotzdem recht: Wie viel wir emittieren, sollten wir schon wissen, denn (Zitat) eine Diät-Kur durchzuführen, ohne dass wir laufend das Gewicht überprüfen ist nicht richtig, wenn man ein Diät-Ziel in einem begrenzten Zeitrahmen erreichen will (2 Tonnen CO2 pro Kopf bis 2050).

Heute werden die CO2-Emissionen mittels Emissionsinventaren errechnet. Doch sind diese korrekt geführt und wie können sie objektiv überprüft werden? Franziska Aemisegger sieht folgende Lösung:
Eine Möglichkeit zur unabhängigen Überprüfung der Emissionsinventare ist die Überwachung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre durch Messungen.
Das stimmt. Nur bringen detaillierte Emissionskarten zusätzliche Informationen, die sich mit Emissionsinventaren gar nicht bestimmen lassen.

CO2-Monitoring entdeckt auch unerwartete Emissionsquellen

Um ein Beispiel zu geben: Kohleflözbrände, also Erdbrände, die sich in Kohleflözen entwickelt haben, setzen weltweit grosse Mengen CO2 frei. CO2, das nicht in Emissionsinventaren erscheint. In China erstrecken sich Kohleflözbrände über einen Gürtel im gesamten Norden Chinas (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlebrand ).
Zitat: Neben dem Verlust an Brennstoff entstehen bei Kohleflözbränden Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid, Schwefeldioxid und Methan in der Größenordnung des Ausstoßes des deutschen Autoverkehrs.

Eine genaue Messung der CO2-Emissionen von Kohleflözbränden hat auch Konsequenzen. Es erlaubt abzuschätzen, ob sich Löschmassnahmen lohnen oder ob bereits eingeleitete Brandbekämpfungsmassnahmen intensiviert werden sollen.

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@Kommentar von Tim Schloendorn. 22.10.2010, 11:35
Importzölle wurden noch nie an eine Rückvergütung an die exportierenden Länder gebunden => es lässt sich nicht historisch begründen wie eine solche Massnahme wirken würde.

Coal Tax versus CO2-Importzölle

Die Idee ist sicher prüfenswert. Mir scheint sie ab
er zu kompliziert und ich sehe weiterhin in der Höhe und Festlegung von Zöllen Grund zu Streit. Eine allgemeine Carbon-Tax möglichst nahe an der Förderstätte des fossilen Rohstoffs ist nicht nur viel einfacher, sondern bietet auch weniger Grund für Auseinandersetzungen: Man streitet sich nur über die Höhe der Abgabe z.B. für eine Tonne Kohle und wenn man sich einmal geeinigt hat, gilt diese Coal-Tax überall.

CO2-Importzölle als sinnvolles Druckmittel

Ich sehe nur einen Grund, warum Importzölle erfolgreicher sein könnten: Der Importzoll wird ja vom Importeur festgelegt. Es braucht also keine Zustimmung von Seiten des Exporteurs (China und Indien). Damit könnten Europa und die USA die Intiative ergreifen und die Schwellenländer zu CO2-armem Wirtschaften zwingen. Von daher wirklich überprüfenswert, könnte es doch den Widerstand von „egoistischen Staaten“ brechen. Heute allerdings müssten die europäischen Staaten dieses Instrument im Alleingang lancieren, da ja auch die USA auf Kohlekraftwerke nicht verzichten (vor allem darum nicht, weil die Republikaner im Kongress schon bald wieder die Oberhand gewinnen).

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genau das meinte ich mit „Neoliberale Doktrin“ 🙂 Das Wort „Zoll“ lösst einen negativ Reflex aus aufgrund dessen nichtmal die Argumente angeschaut werden. Der Vergleich mit durch Währungspolitik begründeten Zöllen hinkt in vielerlei Hinsicht.

Importzölle wurden noch nie an eine Rückvergütung an die exportierenden Länder gebunden => es lässt sich nicht historisch begründen wie eine solche Massnahme wirken würde. Wenn Sie meinen Beitrag nochmals lesen, wird ihnen auffallen dass ich genau die selbe „Förderung der positiven Entwicklungen“ spreche, jedoch finanziert über einen Zoll auf CO2 intensive Produkte. Die Höhe des Zolls muss ebenfalls an die Höhe der CO2 Steuer in der EU gebunden sein, so dass der Markt nicht weiter verzerrt wird.

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@Kommentar von Tim Schloendorn. 20.10.2010, 15:43
Zitat:und leider ist es nicht mit der neoliberalen Doktrin & der WTO vereinbar Umweltauflagen mit Importzöllen zu verbinden.

Importzölle waren schon immer Vergeltungsmassnahmen. Jetzt zum Beispiel droht die USA mit Importzöllen für chinesische Waren solange China seine Währung nicht aufwertet.
Egal was die Begrüdung ist, Importzölle münden schliesslich in einen Wirtschaftskrieg und wie in jedem Krieg gibt es am Schluss nur Verlierer. Man sollte vielmehr positive Entwicklungen fördern. In China beispielsweise gibt es ein starkes Interesse für CleanTech, aber wieder einmal zu den Bedingungen, die China stellt: Offenlegung des Wissens, das dahinter steckt. China will selber zum Exporteuer von CleanTech werden – und ist es ja zum Teil bereits. Schon jetzt kommen die meisten Solarpanels aus China. Dort werden sie am kostengünstigsten hergestellt. Vielleicht ist das ja auch die beste Art der Förderung: Man lässt den Wettbewerb spielen und der Wettbewerb macht die wünschenswerten Techniken immer billiger.

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… und leider ist es nicht mit der neoliberalen Doktrin & der WTO vereinbar Umweltauflagen mit Importzöllen zu verbinden. Eigentlich eine einfache und elegante Lösung.
Insbesondere wenn die Einahmen aus den Importzöllen an die Schwellenländer zurückfliessen (z.B. gebunden an „Green Investment Schemes“ analog zu den Osteuropäischen Kyoto Credit Transaktionen).

-> Beim Design solcher Systeme muss natürlich dem Detail sehr viel Beachtung geschenkt werden, aber eigentlich ist das nicht sooo schwierig… solange niemand auf das erbärmliche quieken der fossilen Lobby hört. Es kommt nunmal vor, dass Leute die auf das falsche Pferd wetten Geld verlieren – nichts gegen Sie Herr Meier, aber ich wünsche ihren Kohle Aktien genau dieses Schicksal.

noch kurz an Martin:
<<Die fossilen Energien sind vor allem darum so attraktiv, weil sie billig sind.
Mal wieder mein kleines Mantra:
Und weil sie massiv subventioniert werden. Bitte nie vergessen.

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@Kommentar von Roger Meier. 19.10.2010, 15:52
@Kommentar von Christina Marchand. 19.10.2010, 13:38

Ihr argumentiert beide mit Vor-/Nachteilen für gewisse Industrien bei Einführung einer Carbon-Tax:
– Roger Meier sieht die energie- und CO2-intensiven Industrien in den westlichen Ländern in Gefahr
– Christina Marchand sieht Chancen für CleanTech-Industrie und will deshalb die von James Hansen propagierte Coal-Tax gleich zu einer allgemeinen Umwelt-Abgabe erweitern und auch noch energieintensive Industrien besteuern (als ob Energieverbrauch etwas schlechtes wäre)

Eine Carbon-Tax ist ein wirksames und sehr einfaches Instrument, das an der Wurzel ansetzt. Man muss aber folgende Punkte berücksichtigen:
– Letztlich muss die Carbon-Tax weltweit gelten, sonst profitieren die Abseitsstehenden mehrfach: Erstens über die Abwanderung CO2-intensiver Industrien hin zu denen, die keine Carbon-Tax kennen, zweitens über die billigere Kohle für diejenigen, die nicht mit Kohle sparen, denn wenn ein Mitkonsument wegfällt wird die Kohle für die übrigen billiger.
– die Carbon-Tax sollte möglichst einfach ausgestaltet werden und wirklich eine reine Carbon-Tax sein. Die Idee von Christina Marchand die Carbon-Tax auszweiten, so dass sie CleanTech-Betrieben möglichst viel Einnahmen in allen möglichen Bereichen beschert, ist meiner Ansicht nach falsch. Von fossilen Rohstoffen wegkommen ist bereits eine ungeheuere Aufgabe, die man nicht mit Zusätzen überfrachten sollte. Zudem sollte nicht eine bestimmte Industrie über Gebühren beschenkt werden.

Solange wichtige Länder wie China, Indien und auch die USA abseits stehen, besteht tatsächlich die Gefahr, dass Länder, die im Klimaschutz vorangehen, an Konkurrzenzfähigkeit verlieren. Solange das so ist, sollten Klimaschuztwillige einen Doppelstrategie verfolgen, die sowohl dem Klima als auch dem eigenen Wohl dient:
– Generell bringt ein Verzicht auf fossile Rohstoffe in Europa eine geringere Importabhängigkeit, da momentan praktisch alle fossilen Rohstoffe nach Europa importiert werden.
– Die Energieforschung sollte intensiviert werden, denn sobald es kostengünstige nichtfossile Energiequellen gibt, werden Kohle,Öl und Gas von selbst verlassen. Die fossilen Energien sind vor allem darum so attraktiv, weil sie billig sind. Das soll sich ändern. Wenn sich eine Besteuerung fossiler Energien vorerst nicht durchsetzen lässt, kann man mit einer Verbilligung nichtfossiler Energien das Gleiche erreichen.

Christina Marchand denkt also an Einnahmequellen für CleanTech, Roger Meier an Arbeitsstellenverluste durch Abwanderung. Beide denken an ihre eigenen Länder oder andere westliche Länder (die USA z.B.)

Ähnliche ökonomische Überlegungen machen sich aber auch die Führer von Schwellenländern, wobei sie vor allem an ihr Wachstum denken und auf das Recht auf das Herauswachsen aus der Armut appellieren: (siehe http://e360.yale.edu/feature/a_positive_path_for_meeting_the_global_climate_challenge/2329/)

He [Yu Quingtai, China’s top climate negotiator through the Copenhagen climate conference] explained, “I cannot accept someone from a developed nation having more right than me to consume energy. We are all created equal — this is no empty slogan. The Americans have no right to tell the Chinese that they can only consume 20 percent as much energy. We do not want to pollute as they did, but we have the right to pursue a better life.”

He went on to say, “There are 600 million people in India without electricity — the country has to develop and meet that need. And if that
Emissions reduction goals will not be achieved by policies that constrict economic activity.increases emissions, I say, ‘So what?’ The people have a right to a better life.”

Gegen die Sorge für die Ärmsten kommen Christina Marchands Überlegungen zu den Geschäftsmodellen für CleanTech-Unternehmen letzlich nicht an.
Bei aller Sorge um das Klima: Wenn mehr Klimaschutz weniger Entwicklung (in Indien und anderen Schwellenländern) bedeutet, sind das ganz schlechte Voraussetzungen für den Klimaschutz. Darum muss nichtfossile Energie billiger werden.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Ja, James Hansen ist tatsächlich ein sehr bekannter Klimawissenschafter. Man kann sogar sagen, dass er berühmt ist, oder eher berühmt-berüchtigt:

http://wattsupwiththat.com/2009/02/15/hansen-on-death-trains-and-coal-and-co2/

http://www.climatedepot.com/a/4993/Time-for-Meds-NASA-scientist-James-Hansen-endorses-book-which-calls-for-ridding-the-world-of-Industrial-Civilization-ndash-Hansen-declares-author-has-it-rightthe-system-is-the-problem

auf jedenfall wird der Plan nicht umgesetzt werden. Die amerikanische Stahlindustrie hat schon jetzt gegen die asiatische Konkurrenz zu kämpfen. Zusätzliche Kosten wird sie nicht überleben.

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Das System wurde auch schon von James Hansen beschrieben, einem sehr bekannten Klimawissenschaftler.
Offenbar kommt es sogar bei den (schlauen) Republikanern gut an:

Siehe folgenden Link auf eine gute Beschreibung der Sachlage (leider auf englisch):

http://www.rep.org/opinions/weblog/weblog10-10-11.html

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@C. Marchand

Leider begehen Sie einen Denkfehler. Sie werden einfach energie- und rohstoffintensive Industrien gegenüber Industrien wie z.B. der Dienstleistungsindustrie benachteiligen. Erstgenannte werden kurzfristig abwandern, ein Grossteil der anderen mittelfristig (Dienstleistungsbetriebe hängen häufig von Produktionsbetrieben ab). Am Schluss haben Sie vielleicht noch Banken im Land.
Viel Glück, der Letzte soll bitte das Licht löschen.

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Wenn man die eingenommene Rohstoffabgabe (Gebühren für Müll, Umweltverschmutzung usw.) wieder pro Kopf an die Bevölkerung abgibt, dann wird auch die Last gerecht verteilt. Diejenigen die Energie und Rohstoff intensive Produkte konsumieren zahlen mehr, wodurch Cleantech einen echten Marktvorteil erhält. Und die Kaufkraft wird auch nicht geschwächt.

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Hehe…

http://icecap.us/images/uploads/cartoon_-_GW_Causes_Stuff.jpg

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@ Holzherr

„Niemand darf in Zukunft Treibhausgase emittieren“

Wer sagt das?

Carbon Trading und die Folgen …

http://www.nytimes.com/2010/10/13/business/energy-environment/13iht-rencarbon.html?_r=1&ref=globalwarming&pagewanted=all

Europa auf dem Holzweg, und die Schweiz stolpert brav hinter her.

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Eine Wurzelbehandlung für das CO2-Problem wäre tatsächlich die Verteuerung der fossilen Rohstoffe ab Förderstelle. Fragen wie «Wer darf in Zukunft wie viel emittieren und über welchen Zeitraum?» wären dann überflüssig. Die Klimawissenschaft beantwortet die obige Frage für einen längeren Zeitraum übrigens klipp und klar: Niemand darf in Zukunft Treibhausgase emittieren.

Die Einwände von Peter Bühler sind nur dann gültig, wenn man die Verteuerung von Kohle, Gas und Öl lokal beschränkt. Ein globales Problem wie es die Treibhausgasemissionen sind muss aber global angegangen werden oder mit anderen Worten: Alle müssen über die gleich langen Spiesse verfügen. Wenn Peter Bühler schreibt Die Wahrheit ist doch, dass wir mit einseitigen Massnahmen die europäische Industrie nach Osteuropa und Fernost vertreiben,… so hat er eben genau dann recht, wenn die Massnahmen einseitig sind und wir damit Kohle sogar billiger machen für die Abseitsstehenden – was völlig kontraproduktiv wäre. Um auch Länder wie Indien und China ins Boot der CO2-Besteuerten zu holen, müssen wir diesen armen Schluckern eben Kompensationen anbieten, beispielsweise in Form technologischer Hilfe bei der Energieproduktion.

Meine feste Überzeugung ist, dass CO2-Vermeidung technologieneutral sein muss. Eine Steuer auf Kohle, Öl und Gas ist nun aber genau das: Sie ist neutral gegenüber der Art der verwendeten Alternativenergien. Wenn zutrifft, was Peter Bühler schreibt „die Einsparung 1 Tonne CO2 durch Prozessverbesserungen und Effizienzsteigerungen in einem Kohlekraftwerk kostet ca. 20 Euro.“ so würde sich diese Prozessverbesserung eventuell auch noch lohnen, wenn Kohle einiges teurer wäre (der Preis für Kohle müsste allerdings mit der Zeit steigen).
Wer auf Wind+Sonne setzt, soll das tun, auch wenn zutrifft, was Peter Bühler schreibt: “ Die Vermeidung derselben Tonne durch Photovoltaik kostet ca. 500 Euro. Windkraft liegt bei 60 Euro „. Wenn die Deutschen das wollen, sollen sie es haben, sie müssen es aber selber bezahlen. All die scheinbaren Gegenargumente von Peter Bühler unterstützen letztlich die Position von Christina Marchand.

Fazit:
– Systeme mit Emissionsrechten perpetuieren die Emissionen. Das zeigen Erfahrungen mit dem SO2-Emissionszertifikatesystem in den USA. Wer um Emissionen feilscht hört nicht mehr auf damit.
– Unabhängig davon ob man ein System mit Emissionszertifikaten oder CO2-Steuern aufbaut, das System muss global gültig und einklagbar sein. Andernfalls subventionieren die Systemfolger die Abseitsstehenden
– Einseitige Klimaschutzmassnahmen, wie sie jetzt in einigen westlichen Ländern ergriffen werden, machen nur Sinn, wenn sie als Katalysatoren für die anderen Länder wirken.

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@ Christina Marchand

Wenn wir endlich den Konsum von Wasser hoch genug besteuern, werden Bier und Wein deutlich konkurrenzfähiger. Ist zwar volkswirtschaftlicher Unfug und medizinisch bedenklich, aber Hauptsache, es geschieht irgendwas.

China und Indien dürften sich mit Ihren Besteuerungsvorschlägen eher schwertun …

http://www.hybridautoreview.net/environmental-externalities-and-chinas-coal-consumption.html

Die Wahrheit ist doch, dass wir mit einseitigen Massnahmen die europäische Industrie nach Osteuropa und Fernost vertreiben, in Länder, die mehr und mehr zu den Fabriken unseres und des amerikanischen Güterbedarfs werden, und wo anstelle möglichst effizienter und umweltfreundlicher (Energie)Anlagen wahre Dreckschleudern bei gleichzeitig geringer Effizienz für eine deutlich höhere Luftverschmutzung sorgen.

Zur Erinnerung: die Einsparung 1 Tonne CO2 durch Prozessverbesserungen und Effizienzsteigerungen in einem Kohlekraftwerk kostet ca. 20 Euro.
Die Vermeidung derselben Tonne durch Photovoltaik kostet ca. 500 Euro. Windkraft liegt bei 60 Euro – aber die letzten beiden Erzeugungsformen bedürfen wegen ihres unregelmässigen Anfalls und fehlender Speicher eines Backups (Kohle-, Kern- und Wasserkraftwerke).

Zum Blogthema:

„Die Messnetze sind jedoch für die systematische Überprüfung der nationalen Bilanzen viel zu wenig dicht“

Wäre echt erfreulich, „wir“ verfügten sowohl bei den Temperaturen als auch bei den CO2-Messungen über standardisierte, internationale Messnetze von geeigneter Dichte und Zuverlässigkeit, um endlich genau zu wissen, wovon wir eigentlich reden.

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Es wäre unnötig solche Kontrollen durchzuführen, wenn man endlich von der sehr komplexen Methode der Emissionsrechte usw. wegkommt und ganz einfach den Input der Rohstoffe besteuert. Die geförderten Mengen an Kohle, Öl, Gas, Uran usw. sind relativ einfach messbar und quantifizierbar. Wenn auf diese Stoffe eine Abgabe entsprechende der wirklichen Kosten und CO2 Inhalt (also mit Umweltbilanz) daraufgeschlagen würde, dann wären erneuerbare Energien sofort Konkurrenzfähig und es müssten keine komplexen Systeme eingeführt werden, die geradezu danach rufen, dass betrogen wird. Klar gibt es in jedem Fall Betrugsmöglichkeiten, aber je einfach ein System ist, desto schwieriger ist es zu manipulieren.

Die wichtigsten CO2 erzeugenden Quellen z.B. Kohle wird ja meist als Rohstoff ins Land einführt oder dort abgebaut und kann dann einfach verteuert werden, so dass die Stromkonzerne, bzw. Endkunden dann den wirklichen Preis zahlen müssten (Nicht nur CO2, sondern auch massive Luftverschmutzung und andere Umweltbelastungen). Dann wäre nämlich die Debatte um die neuen Kohlekraftwerke sofort beendet.

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